Krieg in Israel – Tag 559

19. Nissan 5785

Ein neues Video wurde vom Palästinensisch Islamischen Djihad veröffentlicht. Es zeigt Rom Braslavski, 21, der sich offenbar in ihrer Gewalt befindet. Die Familie hat der Veröffentlichung einer verkürzten Form des Videos mit unkenntlich gemachtem Gesicht zugestimmt. Im Video berichtet Rom, dass er an einer nicht definierten Krankheit leidet. Er beschreibt seinen physischen und psychischen Zustand als ‘schwierig’. Seine Mutter sagt, er sei seit seiner Verschleppung um mindestens zehn Jahre gealtert. Von dem Video erfuhr sie aus dem Medien-Kanal ‘Telegram’. «Schrecklich! Eine Schande für den Staat Israel. Es ist schockierend, dass ich es wie alle anderen auf Telegram sehen muss. Weder [IDF-Geiselbeauftragter] Nitzan Alon, noch [Regierungsbeauftragter für Geiseln] Gal Hirsch, noch [Netanyahu], niemand ruft uns an», sagte sie laut Ynet. «Sein Sohn Yair sitzt in Miami und trinkt Margaritas am Strand, während mein Sohn unter der Erde ist, und Netanyahu hat keine Zeit, mich anzurufen, um mir Neuigkeiten zu geben? Sie wissen, dass es ein Video gibt, und finden nicht einmal die Zeit, mit mir zu sprechen?»

Die Regierung hat beim OGH eine Mitteilung eingereicht, in der sie die sofortige Aufhebung einer einstweiligen Verfügung fordert. Mit dieser Verfügung hat der OGH die Entlassung von Shin-Bet Chef Ronen Bar eingefroren. Sie argumentiert, dass eine Verzögerung der Entlassung ‘einen schweren Schlag für die Erfüllung der Ziele des Shin Bet’ darstellt. Als Grund geben sie an, dass der Leiter der jüdischen Abteilung des Sicherheitsdienstes gesagt hat, er genehmige Verhaftungen ohne Beweis [er bezog sich dabei auf jüdische Siedler-Terroristen] und auf die Festnahme von Shin-Bet Mitglied ‘Aleph’, der geheime Dokumente an Politiker und Journalisten weitergegeben hatte. Beide Vorfälle stehen in keinem Zusammenhang mit Ronen Bar. Trotzdem heisst es: «Die Wahrscheinlichkeit von Handlungen, die in einem Interessenkonflikt stehen, führen zu Justizirrtümern und lösen drakonische Massnahmen aus rein persönlichen Gründen aus.» Wieder einmal lässt Netanyahu von sich selbst sprechen und wälzt sein eigenes Fehlverhalten auf andere ab. Der OGH wies das Ansuchen der Regierung zurück.

Netanyahu traf sich gestern mit Familien von fünf Geiseln, von denen man hofft, dass sie noch leben. Es handelt sich dabei um die Eltern von David und Ariel Cunio, Nimrod Cohen, Guy Gilboa-Dalal und Evyatar David. Netanyahu beschrieb ihnen gegenüber die verschiedenen Bemühungen, die unternommen werden, um die Geiseln heimzubringen. Er hob dabei sein eigenes Engagement und das der Regierung hervor. «Wir werden alle heimholen, die lebenden und die toten Geiseln», versprach er.

24 deutsche Staatsbürger und ihre engsten Familienangehörigen konnten gestern aus dem Gazastreifen evakuiert werden. 15 Personen aus der Gruppe sind Palästinenser. Die Gruppe wurde mit Bussen durch Israel und Shomron nach Jordanien gebracht, von wo aus sie nach Deutschland flogen. Es ist die dritte Gruppe, die seit der Schliessung des Grenzübergangs von Rafah den Gazastreifen verlassen konnte, die Zahl der Evakuierten erhöht sich damit auf nahezu 700 Personen.

Präsident Putin traf sich am Mittwoch mit den ehemaligen Geiseln Sasha Troufanov, seiner Mutter Yelena und seiner Partnerin Sapir Cohen. «Dass Sie freikommen konnten, ist das Ergebnis der stabilen, langjährigen Beziehungen Russlands zum palästinensischen Volk, zu seinen Vertretern und zu einer Vielzahl von Organisationen», erklärte Putin in einem Video, das im TV-Sender RT ausgestrahlt wurde, «Wir müssen der Führung des politischen Flügels der Hamas unseren Dank aussprechen, dass sie mit uns zusammengearbeitet und diesen humanitären Akt vollzogen hat.» Troufanov und Cohen wurden gemeinsam mit  Mutter Yelena und Grossmutter Irena Tati  am 7. Oktober aus dem Kibbutz Nir Oz verschleppt. Die drei Frauen kamen im November 2023 frei, Troufanov im Februar dieses Jahres.

Angeblich traf sich wenige Tage zuvor ein Vertreter des russischen Aussenministeriums mit einem hochstehenden Hamasführer in Moskau und forderte ihn auf, «ihre Versprechen einzuhalten und Troufanov, der die russische und die israelische Staatsbürgerschaft besitzt, sowie Maxim Herkin, 35, eine israelische Geisel aus der Donbass-Region der Ukraine, der russische Verwandte hat, freizulassen.»

Der katarische Herrscher, Sheikh Tamim bin Hamad Al-Thani, ist derzeit bei Putin zu Besuch. Eine der ersten seiner Aussagen war: «Wie Sie wissen, haben wir vor Monaten eine Vereinbarung getroffen, aber leider hat Israel sich nicht an diese Vereinbarung gehalten.» Doha plant, so der Katari, seine Beziehungen zu Russland zu stärken. Auch der syrische Präsident, Ahmed al-Sha’ara, der als Verbündeter Katars gilt, möchte Beziehungen zu Russland aufbauen. Putin hält fest, dass während des Besuchs die Zukunft Syriens ebenso besprochen werden soll wie der ’Israel-Palästina-Konflikt’.

Die IDF entdeckte und zerstörte ein Trainingscamp der palästinensischen Terror-Organisation Hamas im neu eroberten Morag-Korridor. In der Basis fanden die Truppen neben einigen Gebäuden auch einen nachgebauten Panzer der IDF. In der Nähe des Camps befanden sich auch einige Waffenlager, die ebenso wie andere terroristische Infrastrukturen zerstört wurden.

Die Hamas steht vor dem Problem, ihre Mitglieder bezahlen zu können. Wie das heutige  Wall Street Journal berichtet. Durch die Einstellung der Hilfslieferungen fehlt der Hamas das Geld, das sie durch den überteuerten Verkauf von Lebensmitteln und anderen Waren eingenommen hat. Die Waren stammten allesamt von Lieferungen, die für die Zivilbevölkerung gedacht waren und von der Hamas gestohlen wurden. Eine weitere Einnahmequelle waren Zölle auf die Lkws und offiziell verkaufte Waren.

Noch vorhandene Geldreserven können derzeit nur in kleinerem Umfang verteilt werden. Die übliche Vorgangsweise ist die Auslieferung durch Kuriere an eine temporäre ‘Bank’. Dieses Vorgehen wurde eingestellt, um nicht die Aufmerksamkeit der IDF zu erregen.

Die Gehaltszahlungen an führende Hamas-Mitglieder wurden entweder reduziert oder bereits komplett eingestellt. Das Gehalt für einfache Mitglieder lag während des Ramadans nur noch zwischen US$ 200 und 300 pro Monat.

Vor dem Krieg erhielt die Hamas monatliche Bargeldtransfers in Höhe von jeweils US$ 15 Millionen aus Katar, dazu kamen Gelder aus verschiedenen Ländern. Man vermutet, dass auf Konten, die sich wahrscheinlich in der Türkei befinden, etwa US$ 500 Millionen liegen.



Kategorien:Israel, Politik

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