21. Nissan 5785
Trump entwickelt sich in der Iran-Frage zu einem politischen Wendehals der Sonderklasse. Bei Netanyahus Besuch im Weissen Haus informierte Trump den staunenden PM, dass direkte Gespräche ‘auf einer sehr hohen Ebene’ im Oman stattfinden werden. Er würde Gespräche einem Angriff auf den Iran vorziehen und den auch ‘zum derzeitigen Zeitpunkt’ nicht unterstützen. Die von Netanyahu bereits geplanten Angriffe wurden deshalb verschoben. Am vergangenen Donnerstag krebste Trump zurück. Er habe Netanyahu keinesfalls gestoppt, sondern ihm nur mitgeteilt, dass er ‘keine Eile’ habe, einen Angriff innerhalb der nächsten sechs Monate zu unterstützen. Gleichzeitig hielt er aber erneut fest, dass er nicht wolle, dass der Iran über Atomwaffen verfügt. Seinen politischen Gegnern, namentlich Putin, Xi Jinping und dem Iran, ist er intellektuell und rhetorisch massiv unterlegen . Er ist ein Immobilientycoon und kein politischer Führer.



Am gleichen Donnerstagabend platzte eine Bombe. Ein hochrangiger israelischer Sicherheitsbeamter empörte sich, dass durch Indiskretionen sensible Daten an die New York Times gelangt waren. Diese Daten enthielten detaillierte Inhalte zum angeblich geplanten Angriff auf den Iran und den geplanten Zeitpunkt. Die im Raum stehende Frage war, wer hatte die Informationen weitergereicht? Gerüchte kamen schnell auf, dass es Netanyahu selbst gewesen sein könnte, der sich gegen politische Angriffe schützen wollte. Vier der fünf Reporter des Artikels sind US-amerikanische Bürger, was, so vermutet es eine Journalisten der Jerusalem Post, darauf hindeuten könnte, dass die Quellen eher in den USA, als in Israel zu suchen sind. Kanal 12 zitierte den Sicherheitsbeamten: «Die durchgesickerten Details sind dramatisch und könnten die engen Beziehungen zur US-Regierung beeinträchtigen. Der Kern des Geheimnisses in Bezug auf den Iran wurde enthüllt», sagten die Beamten in Bezug auf den geplanten Angriff, darunter «die Methode, mit der er durchgeführt werden sollte, der Zeitpunkt, die Koordinierungsmechanismen und der Überraschungseffekt. Dies stellt einen echten Schaden für die Interessen Israels gegenüber dem Iran dar.» Der Sender ‘Kan’ vermutete: «Israel geht davon aus, dass die USA die Informationen weitergegeben haben, um den Iran in den Verhandlungen unter Druck zu setzen.» Kan berichtete auch, dass die USA trotz Trumps Veto gegen einen gemeinsamen Angriff im kommenden Mai in den letzten Tagen weiterhin grosse Mengen Munition nach Israel geliefert haben, darunter Bunkerbrecher-Bomben, mit denen ein Angriff auf iranische Nuklearstandorte möglich wäre.



Die Botschaft des Omans in Rom ist heute Gastgeber für die zweite Runde der Gespräche zwischen den USA und dem Iran. Auf ihrer Webseite dankt die Botschaft dem italienischen Staat für die unschätzbare Hilfe bei den Vorbereitungen für dieses ‘wichtige Treffen’. Am Mittag trifft die iranische Delegation, eskortiert von Carabinieri, in der Botschaft ein. Der iranische Aussenminister Abbas Araqchi und Trumps Nahost-Beauftragter Steve Witkoff werden indirekt über einen omanischen Beamten verhandeln. Der wird Botschaften zwischen den beiden Seiten übermitteln, wie iranische Beamte eine Woche nach einer ersten Runde indirekter Gespräche in Maskat mitteilten, die beide Seiten als konstruktiv bezeichneten. Diese Art von ‘Treppenhausdiplomatie’ wurde schon bei früheren Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Israel und der Hamas betrieben.
Nach wenigen Stunden endeten die Gespräche ‘erfolgreich’ und werden in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.
Ein Berater von Ali Khamenei erklärte, dass «iranische Verhandlungsteam mit voller Befugnis zu den Gesprächen entsandt worden sei. Der oberste Führer strebt eine umfassende Einigung auf der Grundlage von neun Prinzipien an», sagte Ali Shamkhani «Es handelt sich um ernsthafte Absichten, Garantien, Ausgewogenheit, die Aufhebung von Sanktionen, die Ablehnung des ‚libyschen Modells‘, die Vermeidung von Drohungen, beschleunigte Verhandlungen, die Eindämmung von Unruhestiftern wie Israel und die Lockerung von Investitionsbeschränkungen.» Er fügte hinzu, dass der Iran dort sei, um eine ausgewogene Vereinbarung zu erzielen und nicht, um zu kapitulieren. Man werde weder die Zentrifugen zur Urananreicherung abbauen.



Jetzt kocht jeder in der Geiselfrage sein eigenes Süppchen. Arabische Diplomaten gaben über das Nachrichtenportal ‘Erem News’ bekannt, dass die USA einen Antrag auf direkte Gespräche mit der Hamas gestellt haben sollen. Bei den Gesprächen geht es um die Freilassung vom US-amerikanischen Staatsbürger Edan Alex und die Rückgabe der sterblichen Überreste der vier amerikanisch-israelischen Doppelbürgern: Judih Weinstein und ihrem Ehemann Gadi sowie Omer Neutra und Itay Chen. Die Frage ist, was die USA als Gegenleistung anbieten können. Bisher waren keine Gespräche mit der Hamas, sei es durch Steve Witkoff noch von Adam Boehler, dem Geisel-Beauftragten Trumps, von Erfolg gekrönt. Damals ging es noch um alle lebenden und toten Geiseln, jetzt nur noch um die US-Amerikaner. Damit dürfte es auch mit der so hochgelobten Unterstützung Trumps zur Freilassung der Geiseln vorbei sein.
Nachdem die Hamas am Dienstag bekannt gegeben hatte, sie habe den Kontakt zum ‘Bewacher’ von Eden Alexander verloren, gaben sie heute bekannt, dass der Mann tot aufgefunden wurde. Über das Schicksal von Eden ist nach wie vor nichts bekannt.
Die Hamas veröffentlichte heute ein drittes Video von Elkana Bohbot. Die Familie hat darum gebeten, weder das Video noch Screenshots zu veröffentlichen, bevor sie nicht ihre Zustimmung dazu gegeben hat.
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