26. Nissan 5785
In Israel wird heute der Holocaust-Erinnerungstag begangen. Das Thema des diesjährigen Gedenktages lautet: «Aus der Tiefe: Die Qualen der Befreiung.» Heute Vormittag werden landesweit Sirenen zu hören sein. Für eine Minute ruht das gesamte Land für eine Schweigeminute. An der offiziellen Zeremonie in Yad Vashem nahmen neben Präsident Isaac Herzog und Netanyahu auch befreite Geiseln teil. Herzog betete für die Rückkehr der immer noch in Gaza festgehaltenen Geiseln und für die Soldaten, die im Kampf ihr Leben riskieren.

Präsident Isaac Herzog rief in seiner Rede in Yad Vashem auf, zu nationaler Einheit zurückzukehren. Herzog sagt, er treffe oft Holocaust-Überlebende, die ihm ihre schrecklichen persönlichen Geschichten erzählen, aber alle mit derselben Botschaft schliessen: «Herr Präsident, wir bitten Sie, wir fordern Sie auf – die Spaltung unter uns ist schrecklich. Es muss Einheit unter den Menschen herrschen», und er fuhr fort, «Die Geschichte wird denen nicht vergeben, die sich unverantwortlich verhalten und uns von innen heraus zerstören. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Gift der sozialen Medien und die Experten für Verleumdung und Polarisierung die Seele des Volkes übernehmen und uns von innen heraus zerstören. Lasst uns die Flammen löschen. Lasst uns unsere Herzen heilen.» Er sagt auch, dass zwar nichts mit ‘dem Ausmass und der Systematik‘ des Holocaust vergleichbar sei, «es aber unmöglich ist, sich den erschreckenden Zeugnissen aus dem Herzen des Grauens vom 7. Oktober nicht auszusetzen … und nicht schockiert zu sein von den Echos dieser historischen Katastrophe.»

Netanyahu verglich bei seiner Rede in Yad Vashem die palästinensische Terror-Organisation Hamas mit den Nationalsozialisten. «Sie sind in der Tat genau wie die Nazis, genau wie Hitler. Sie wollen alle Juden töten und vernichten, und sie erklären offen ihre Absicht, den Staat der Juden zu zerstören. Sie sagen das laut, aber das wird nicht geschehen.» Er betonte, dass Israel entschlossen sei, die Hamas zu vernichten, die am 7. Oktober 2023 das schlimmste Massaker seit dem Holocaust begangen habe. Er erinnerte daran, genau vor einem Jahr vor der Entscheidung gestanden zu haben, sich dem Druck der Biden-Regierung zu beugen oder nach Rafah einzumarschieren. Er habe sich für die Bodenoffensive entschieden. «Ich sagte, dass mich als PM des Staates Israel niemand daran hindern werde, uns zu verteidigen. Niemand wird uns die Hände binden. Wenn wir allein stehen müssen, werden wir allein stehen. (…) Der militärische Druck auf die Hamas wird fortgesetzt. Wir werden alle ihre Fähigkeiten zerstören. Wir werden alle unsere Geiseln zurückholen. Wir werden die Hamas besiegen. Und wir werden Iran daran hindern, Atomwaffen zu erwerben», und er fuhr fort: «Wir haben eine mächtige Streitmacht, die uns schützt und von der ganzen Welt respektiert wird. Wir haben ein Land, wir haben eine Armee, wir haben Sicherheitskräfte. Wir werden niemals kapitulieren.» Schöne Worte, doch in einem irrt er, derzeit ist weder die IDF noch der Staat Israel wirklich ‘von der ganzen Welt respektiert’. Unter der derzeitigen rechts-radikalen Regierung wird es auch sehr schwer werden, den ehemals guten Ruf wieder aufzubauen.




Während einer einwöchigen (!) und wie er sagt ‘sehr wichtigen Reise’ durch die USA besuchte Ben-Gvir zunächst den Polizeiposten in Miami. Dort liess er sich das erfolgreiche ‘911-Sicherheitssystem’ erklären. Mit der Telefonnummer 911 kann jeder, der sich selbst in einer Notlage befindet oder eine solche wahrnimmt, Hilfe anfordern. Anschliessend hielt er eine Rede in einer jüdischen Schule in Fort Lauderdale und traf sich mit jüdischen Auswanderern. Danach stand ein Besuch in einer Strafanstalt auf dem Programm, wo er mit jüdischen Gefangenen sprach. Auch der Besuch eines Waffengeschäfts und eines israelischen Supermarkts sind Teil dieses ‘offiziellen Besuches’. Der Besuch in Florida soll die Beziehungen zwischen den Juden in Florida und Israel stärken. Beim Besuch der Yale Universität in Connecticut kam es zu einem Zwischenfall, als ihn ausserhalb des Gebäudes pro-palästinensische Demonstranten verbal attackierten und auch versuchten, Flaschen auf ihn zu werfen. Ben-Gvir sah fast so aus, als habe er die Situation falsch verstanden. Er stand euphorisch lachend, winkend und das Victory Zeichen machend auf der Treppe, bevor ihn Sicherheitskräfte abdrängten. Treffen mit Politikern stehen nicht auf dem Programm. In New York sind Demonstrationen gegen ihn geplant.

Am Mittag beginnt in Auschwitz der jährliche ‘March of the living’.







Gestern haben freigelassene Geiseln und Familienangehörige und Freunde von noch in Gaza festgehaltenen Geiseln das ehemalige KZ Auschwitz besucht. Sie besuchten u.a. die Gaskammern, wo sie die HaTikwa sangen. Am Dienstag hatten sie die Remah-Synagoge in Krakau besucht. Auch hier sang die Gruppe, diesmal den ‘Krakauer Nigun’, eine wortlose Melodie von Rabbi Shlomo Carlebach.

Am Ende des Marsches betraten Daniel Weiss, ein Überlebender des Massakers, dessen Eltern im Kibbutz Be’eri grausam ermordet wurden und Agam Berger, die nach 482 Tagen aus der Geiselhaft freigelassen wurde, die Bühne in Auschwitz. Daniel Weiss sang das Lied ‘Shir L’Maalot und begleitete sich dazu mit der Gitarre. Agam Berger spielte auf einer 130 Jahre alten Geige, die einem jüdischen Musiker gehört hat, der im Holocaust ermordet wurde. Hier der Link zum Video.
Jordanien hat die sunnitische Muslimbruderschaft, der auch die Hamas angehört und die in Jordanien die grösste oppositionelle Gruppe darstellt, verboten und das Vermögen konfisziert. Vorhergegangen waren Sabotagepläne gegen das jordanische Königreich, wie der Innenminister Mazen Fraya bekannt gab. Die Organisation hätte Angriffe auf sensible Ziele an verschiedenen Orten des Königreichs geplant, ging aber nicht darauf ein, um welche Ziele es sich gehandelt hat. Er fügte hinzu, dass die Behörden «Sprengstoff und Waffen gefunden hätten, die zwischen jordanischen Städten transportiert und in Wohngebieten gelagert wurden sowie geheime Raketenfabriken und Ausbildungs- und Rekrutierungszentren, die mit der Gruppe in Verbindung stehen.» Die Muslimbruderschaft ist in Jordanien seit 2014 verboten, jedoch wurde diese Splittergruppe weiterhin geduldet. 1999 hatte Jordanien bereits die Hamas ausgewiesen. Ägypten hatte den Schritt schon 2013 vollzogen und die Gruppe als ‘Terror-Organisation’ eingestuft. In einigen Ländern Europas ist die Muslimbruderschaft noch zugelassen. Ein Enkel des Gründers ist Professor für Islam-Wissenschaft in Genf und in Paris. Er hat die Schweizer Bürgerschaft erhalten.

Der neue syrische Präsident Ahmed al-Sharaa erklärte dem US-Kongressabgeordneten Cory Mills gegenüber, ‘unter den richtigen Bedingungen’ daran interessiert zu sein, dem Abraham-Abkommen beizutreten. Er überlege auch, welche Garantien er Israel geben könnte. Israel misstraut dem neuen syrischen Präsidenten nach wie vor und hat sich bisher geweigert, eine Lockerung der Beziehungen zu gewähren. Mills befindet sich mit einem Kollegen seit dem vergangenen Freitag in Damaskus. In einem ersten Treffen mit al-Sharaa, der wegen seiner ehemaligen Verbindung zu al-Qaida nach wie vor mit zahlreichen Sanktionen durch die USA und anderen Ländern belegt ist. Die Aufhebung der Sanktionen ist notwendig, damit das Land seine durch mehr als ein Jahrzehnt Bürgerkrieg zerstörte Wirtschaft wieder ankurbeln kann. Mills erklärte gegenüber Bloomberg, er werde Trump einen Brief von Sharaa überbringen, ohne jedoch Einzelheiten zum Inhalt zu nennen, und dass er den US-Präsidenten und den nationalen Sicherheitsberater Mike Waltz nach seiner Reise informieren werde. «Ich bin vorsichtig optimistisch und möchte den offenen Dialog aufrechterhalten», sagte Mills gegenüber Bloomberg.



Fast täglich überfallen jüdische Siedler-Terroristen palästinensische Dörfer in Shomron und Judäa. In der Nacht auf heute haben Bewohner einer illegalen Siedlung das Dorf Bardala im Jordantal angegriffen. Bewohner des Ortes berichteten, dass gegen 22 Uhr Siedler-Terroristen den Ort angriffen, Gebäude in Brand setzten und zwei Einwohner durch Schüsse verletzten. Sie mussten mit den Schusswunden an den Füssen in ein Krankenhaus gebracht werden. Die nach geraumer Zeit eintreffenden Soldaten eröffneten ebenfalls das Feuer, um die Angreifer und die Palästinenser, die ihr Eigentum verteidigten, zu vertreiben. Palästinensischen Medien zufolge hinderten die Soldaten Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Rettung daran, an den Tatort zu gelangen. Mahyoub Foqahaa, einer der Einwohner, berichtete von kurzfristigen Festnahmen von Palästinensern, während die Angreifer, wie leider immer wieder, unbehelligt abziehen konnten. Unglaublich ist die Aussage von Aviad Balms, dem Chef der Polizei Hebron: «Wir schicken bei jedem Vorfall ein Auto. Das Gebiet ist riesig. Wir ermitteln und laden Personen zur Befragung vor. Die Tatsache, dass es Beschwerden gibt, bedeutet nicht, dass alle Vorfälle tatsächlich stattgefunden haben.» Wie würde er wohl reagieren, wenn Palästinenser eine jüdische Siedlung überfallen würden? Da würde die Prügel- und Schutztruppe von Ben-Gvir sofort aktiv werden und es würde Verhaftungen en masse geben.




Etwa 20 Mitglieder der Breslauer Chassiden überfielen in der Nacht das palästinensische Dorf Kifl Haris in Shomron. Sie warfen Steine und verschwanden nach wenigen Minuten wieder. Es wurden weder Sach- noch Personenschäden gemeldet. Nach orthodoxer Überzeugung ist hier der Prophet Jehoshua beigesetzt.
Am 26. Nissan, also heute, pilgern orthodoxe Juden alljährlich an sein Grab. In anderen Jahren wurden die ‘Pilgerfahrten’ von der IDF eskortiert, um es zu keiner Eskalation kommen zu lassen. Warum es gestern zu diesem aggressiven Vorfall kam, ist nicht nachvollziehbar, aber beschämend.
Die IDF gab heute zu, am 19. März irrtümlich das UN-Gästehaus in Deir al-Balah angegriffen und dabei einen UN-Mitarbeiter getötet zu haben. Die Untersuchungsergebnisse wurden Generalstabschef Eyal Zamir und Vertretern der UNO vorgelegt. Am 19. März wurde eine Granate auf das Gebäude abgefeuert, nachdem «der Verdacht bestand, dass sich feindliche Kräfte darin befanden.» Das Gebäude wurde von der Panzerbesatzung versehentlich nicht als UN-Gebäude identifiziert.
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