Krieg in Israel – Tag 568

28. Nissan 5785

Gestern fanden während des ganzen Tages heftige Kämpfe sowohl im Norden als auch im Süden des Gazastreifens statt. Tausende Soldaten sind derzeit aktiv im Kampfgebiet unterwegs. «Das, was wir erreicht haben, ist grossartig, aber die Gefahr ist gross und der Preis, den wir zahlen, ist hoch», betonte VM Israel Katz. «Tausende Soldaten der israelischen Streitkräfte und Reservisten kämpfen derzeit heldenhaft in Gaza für die Freilassung der Geiseln und die Zerschlagung der Hamas-Terroristen. Alle Israelis müssen hinter ihnen stehen und für die Sicherheit und den Erfolg der Kommandanten und Soldaten beten.»

Welch ein Horror, jetzt ist die Katze offiziell aus dem Sack! Trump plant bereits jetzt seine dritte Amtszeit, die er mit einem Wahlsieg im Jahr 2028 absichern möchte. Dabei zeigen die Umfragen bereits jetzt, noch nicht einmal 100 Tage nach der Vereidigung, dass seine Werte im Keller sind. Trotzdem peilt er eine, verfassungsmässig nicht vorgesehene, dritte Amtszeit an. Für eine Verfassungsänderung braucht er in beiden Häusern eine 2/3-Mehrheit sowie die Zustimmung von 38 der 50 Bundesstaaten. Das dürfte ihm also kaum gelingen. Sein Merchandise Shop hat immerhin schon die volle Palette auf Lager, von der bekannten Baseball-Cap bis zum Bierdosenkühler. Das Motto der nächsten Amtszeit steht schon fest: «Trump 2028. Rewrite the Rules»

Unmittelbar vor dem Trauergottesdienst für den verstorbenen Papst Franziskus I. fand im Petersdom ein bilaterales Gespräch auf höchster Ebene statt. Das Treffen zwischen dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelenskyy fand in einem improvisierten Konferenzraum, bestehend aus zwei Armsesseln statt, und dauerte etwa 15 Minuten. Die Unterredung sei ‘sehr produktiv’ gewesen, teilte der Kommunikationsdirektor des Weissen Haus mit, ohne weitere Details anzugeben. Ein weiteres Treffen ist für den Nachmittag geplant.

Er selbst sieht sich wohl als der reif gewordene Mann, der sich von seinen ‘Jugendtorheiten’ wegentwickelt hat und sich auch davon distanziert. Zumindest behauptete das Ben-Gvir bei einer Rede vor einem handverlesenen und ihm gut gesonnenen kleinen Publikum. Die Veranstaltung, die vom Tablet Magazin initiiert wurde, kann im Podcast nachgehört werden. Sie fand statt auf der Dachterrasse des koscheren ‘Wall Street Grill’ in Manhattan, während tief unten auf der Strasse eine Anti-Netanyahu Demonstration stattfand. Ben-Gvir bezeichnete sich beim Interview erneut selbst als ‘gereift’. «Das ist einer der Gründe, warum ich hier in den Vereinigten Staaten bin: Zu oft wird mein Name in allen möglichen Zusammenhängen erwähnt, die entweder nicht wahr sind oder aus der Vergangenheit stammen. Ich habe viele Dinge getan, die immer von einer Sache ausgegangen sind und zu einer Sache geführt haben: der Liebe zu Israel.» Als der Tablet-Journalist Liedl Leibovitz, der Ben-Gvir interviewte, seine frühere Kritik an Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu zitierte, antwortete der 48-jährige Minister: «Zunächst einmal sind Jahrzehnte vergangen. Sie bringen Dinge aus meiner Vergangenheit zur Sprache, als ich 17, 18, 23 und 25 war. Als ich jung war, dachte ich, wir müssten alle Araber vertreiben, aber jetzt denke ich, dass die Realität komplexer ist.» Er rückte allerdings nicht von seiner Liebe zu Meir Kahane ab, dessen Partei sowie er selbst von der Knesset ausgeschlossen wurde: «Wer Rabbi Kahane liest und sich mit ihm beschäftigt, erkennt eine sehr, sehr starke Eigenschaft an ihm: seine grosse Liebe zu Israel.» Was ist der Mann für ein unglaublicher Heuchler! Er ist einer der gefährlichsten Männer, die in der derzeitigen Regierung sitzen.

© Amos Biderman, Facebook/Haaretz

Das Sicherheitskabinett hat am Donnerstagabend beschlossen, dass in naher Zukunft keine humanitäre Hilfe nach Gaza zugelassen wird. Sollte sie aber dann doch irgendwann wieder aufgenommen werden, dann nur so, dass die Hamas keinerlei Zugriff auf Hilfsgüter erhalten kann. An der Sitzung nahm auch Shin-Bet Chef Ronen Bar teil. Der rechtsextreme Smotrich hatte zuvor verkündet: «Wenn er in den Raum kommt, dann werde ich aufs WC gehen.» Das tat er dann zwar doch nicht, vermied aber jeden Kontakt und jede Kommunikation. Verkehrsministerin Miri Regev sprach für alle: «So können wir nicht weitermachen. Wir treten im Gazastreifen auf der Stelle. Das ist nur halbe Kraft.» Generalstabschef Zamir antwortete: «Ich stimme Ihnen nicht zu, dass wir auf der Stelle treten. Derzeit kämpfen Tausende Soldaten im Gazastreifen.» Regev beharrte darauf: «Der militärische Druck muss erhöht werden, um eine Einigung über die Freilassung der Geiseln zu erreichen.» JM Yariv Levin wurde noch deutlicher: «Was Sie in der letzten Sitzung gesagt haben, ist inakzeptabel. Sie können Empfehlungen aussprechen und Einwände erheben, aber Sie entscheiden nicht für uns. Es ist inakzeptabel, Entscheidungen zu fordern und sich dann zu weigern, sie umzusetzen.» Tatsache ist, dass die Verstärkung der militärischen Aktionen und der vermehrte Druck bisher keinerlei Erfolg gezeigt hat. Vielleicht wäre doch eine diplomatische Lösung zielführender?

Trump erklärte am Freitag auf dem Weg nach Rom, er habe Netanyahu gedrängt, wieder mehr Lebensmittel und Medikamente in den Gazastreifen zu liefern. «Gaza kam zur Sprache, und ich sagte: ‚Wir müssen gut zu Gaza sein. Diese Menschen leiden. Wir müssen gut zu Gaza sein. Wir werden uns um sie kümmern. Es besteht ein sehr grosser Bedarf an … Lebensmitteln und Medikamenten. Wir kümmern uns darum.» Nötigenfalls werde er Netanyahu auch drängen, die Hilfslieferungen wieder aufzunehmen. Auf die Frage, wie Netanyahu darauf reagiert habe, antwortete er: «Gut. Er fand das in Ordnung.» Infantiler Quatsch!

Seit Beginn des Krieges haben mehr als 36.000 Menschen den Gazastreifen, grossteils über den Grenzübergang Rafah verlassen. 2.000 Personen sind über israelisches Gebiet ausgereist, entweder über die Allenby Bridge nach Jordanien oder über den Flughafen Ramon bei Eilat. Ausreisen können Kranke, die eine Behandlung im Ausland benötigen, Doppelbürger oder Personen, die ein Visum eines Landes erhalten haben, das sie offiziell aufnimmt. Die Hamas lehnt die Auswanderungen entschieden ab und sieht darin einen Kontrollverlust.  Mit der Hamas verbundenen Meinungsmacher haben deshalb eine Medienkampagne gestartet, in der sie die Auswanderungswilligen auffordert, im Gazastreifen zu verbleiben.

Die Rose des Tages: Edith Piaf riskierte mehrfach ihr Leben, um Juden zu retten. Dank des Holocaust-Forschers Meir Bulka kam nun endlich die unglaubliche Geschichte ans Licht, an der drei Frauen beteiligt waren: Edith Piaf, ihre Assistentin Andrée Bigard und Gräfin Lily Pastré, eine Adelige aus Südfrankreich. Mit Hilfe von Passfälschungen und Schmuggelaktionen sowie dem monatelangen Verstecken von Juden in Palästen und der Erstellung von falschen Identitäten, gelang es ihnen, zahlreiche Juden und französische Kriegsgefangenen zu retten. Ihre Geschichte ging fast verloren. Eine besonders dramatische Begebenheit zeigt, wie sie sich bereit erklärte, für französische Kriegsgefangene in Deutschland aufzutreten – unter der Bedingung, dass sie sich mit ihnen fotografieren lassen durfte. Diese Fotos wurden nach Frankreich geschmuggelt, wo sie zur Herstellung gefälschter Ausweispapiere verwendet wurden. Diese gefälschten Papiere halfen bis zu 200 Gefangenen, darunter viele Juden, bei der Flucht. Piaf beherbergte zahlreiche Künstler, verschaffte ihnen neue Papiere und half ihnen mit Hilfe ihrer Assistentin zur Flucht.

Unter den Geretteten befanden sich der jüdische Komponist Norbert Glanzberg, der auch eine Zeit lang Piafs Lebensgefährte war, Michel Emer (Emer Rosenstein), ein jüdischer Musiker, dessen Lieder von Piaf und Yves Montand gesungen wurden, Clara Haskil, eine jüdische Pianistin, der Regisseur Marcel Bluwal und der jüdische Pianist Yura Guller, der einen Großteil seines Lebens unter einer von Piaf und Bigard beschafften falschen Identität im Untergrund verbringen musste.

Bigard beherbergte Glanzberg sechs Monate lang in ihrem Haus und brachte damit ihr eigenes Leben und das ihrer Familie in grosse Gefahr.

Die dritte Heldin ist Gräfin Lily Pastré, die ihr Haus für jüdische Musiker öffnete. Piaf selbst sorgte dafür, dass diese Musiker bei Konzerten als ihre Begleitmusiker auftraten – selbst wenn einige Zuschauer deutsche SS-Offiziere waren. Piaf wurde der Kollaboration mit den Nazis beschuldigt und traf sich sogar mit dem Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels. Nach dem Krieg wurde sie jedoch von diesen Vorwürfen freigesprochen, da sich herausstellte, dass ihre Handlungen clevere Manöver waren, um französischen Gefangenen zu helfen.

Trotz ihres heldenhaften Einsatzes wurden Piaf, Bigard und Pastré nie offiziell als Gerechte unter den Völkern anerkannt. Die Antwort, die Bulka von der Bar Ilan Universität erhielt, war jedoch enttäuschend: Ohne Zeugenaussagen aus erster Hand könne der Anerkennungsprozess nicht voranschreiten.

«Alle Überlebenden sind nicht mehr am Leben», beklagt Bulka: «Aber wir haben genügend historische Dokumente – Artikel, Bücher und andere Aufzeichnungen –, um zu wissen, dass Piaf, Bigard und Pastré jüdische Leben gerettet haben. Es ist an der Zeit, dies offiziell anzuerkennen.Drei Frauen, die keine Kämpferinnen waren, keine Mitglieder der Widerstandsbewegung, aber Heldinnen im wahrsten Sinne des Wortes. Ich kann nur hoffen, dass Yad VaShem in seinem Entscheidungsprozess Flexibilität zeigt und auf der Grundlage der von uns vorgelegten Beweise anerkennt, dass diese drei Frauen während des Holocaust Juden gerettet haben.»

Yad Vashem antwortete: «Die fragliche Geschichte ist bekannt und wurde geprüft. Bis heute hat Yad Vashem erhebliche Anstrengungen unternommen, um Zeugenaussagen und Archivdokumente zu dieser Geschichte zu finden, aber es wurden keine gefunden oder vorgelegt, die den Anerkennungsprozess für Piaf, Bigard und Pastré unterstützen könnten»

Ich kann mich nur der Hoffnung anschliessen, dass Yad VaShem die vorliegenden Dokumente akzeptiert und die drei Heldinnen in die Reihe der ‘Gerechten unter den Völkern’ aufnimmt.



Kategorien:Israel, Politik

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