3. Ijjar 5785



Eine der wenigen offiziellen Veranstaltungen am diesjährigen Unabhängigkeitstag ist die Auszeichnung von besonders verdienten Soldaten durch den israelischen Präsidenten. Generalstabschef Eyal Zamir betonte in seiner Rede, die IDF sei «ein lebendiges Symbol dafür, dass uns weit mehr verbindet, als trennt. In dieser Uniform gibt es kein Links oder Rechts, kein Zentrum oder Peripherie – es gibt ein Volk mit einem Ziel: gegenseitige Verantwortung und Frieden.» Herzog sagte in seiner Begrüssungsansprache: «Soldaten und Kommandeure der IDF in der Luft, zu Lande und zu Wasser. Im Namen des Volkes Israels spreche ich euch meine volle Unterstützung und Dankbarkeit aus. Euer Mut und eure Entschlossenheit sind die Hoffnung und Zukunft unseres Landes.»
In einer Ansprache anlässlich des Bibel-Wettbewerbs betonte Netanyahu und zum wiederholten Mal, dass die Freilassung der Geiseln nicht die höchste Priorität hat. «Wir haben viele Ziele, viele Ziele in diesem Krieg. Wir wollen alle unsere Geiseln nach Hause bringen, bisher haben wir 147 lebend zurückgebracht, insgesamt 196. Es gibt noch bis zu 24 Lebende, insgesamt 59, und wir wollen die Lebenden und die Toten zurückbringen. Das ist ein sehr wichtiges Ziel, aber es gibt ein übergeordnetes Ziel. Das oberste Ziel ist der Sieg über unsere Feinde, und das werden wir erreichen.» Ich befürchte das Schlimmste.

Aufgrund von steigender Sorgen wegen möglichen Attentaten oder Entführungen wurden bei den heutigen Veranstaltungen zur Vergabe der Ehrenmedaillen und der Auszeichnung von Soldaten die Identitäten anonymisiert. So wurden die Namen der Soldaten nicht bekannt gegeben und die Leibwächter von Netanyahu trugen Masken.
Die beliebte Flugshow, an der jährlich in- und ausländische Militär- und Zivilflugzeuge und Helikopter teilnehmen, wurde bereits vor Monaten aufgrund des andauernden Krieges abgesagt. Stattdessen sollte heute eine kleine, privat organisiert Flugshow als Solidaritätsveranstaltung mit den Geiseln stattfinden. Sie wurde heute wegen der Brände im ganzen Land abgesagt.

Manchmal frage ich mich, von wie vielen Netanyahus wir regiert werden. Benjamin, ok, der wurde gewählt. Das war der grösste Fehler, den das israelische Wahlvolk seit der Staatsgründung, die wir heute zum 77. Mal feiern, begangen hat. Mit dem müssen wir leben, bis er entweder zurücktritt, was ehrenhaft wäre, abgewählt wird, was nur geschieht, falls sich das Wahlvolk nicht wieder von ihm einlullen lässt oder sonst ein gnädiges Schicksal ihn von seinem Knesset-Sessel entfernt. Dann haben wir Sara N., die ihn seit einem bekannt gewordenen Fehltritt fest an sich gekettet hat. Seither werden alle Auslandsreisen, die innert weniger Stunden erledigt werden könnten, auf mindestens 48 Stunden und vorzugsweise über das Wochenende verlängert. Offiziell hat sie weder einen Titel noch einen Job in der Regierung. Trotzdem sitzt sie gerne links neben ihm und flüstert ihm die eine oder andere Information oder Korrektur seiner Aussage ins Ohr. Beides wird sofort aufgenommen und umgesetzt. Offizielle Bekanntmachungen zu besonderen Vorkommnissen beginnen seit einigen Monaten regelmässig «Meine Frau Sara und ich…» Der dritte Regent ist der ‘first son’. Der lebt seit Kriegsbeginn im warmen Florida, falls es ihn doch einmal nach Hause zieht, dann standesgemäss an Bord der ‘Wing of Zion’. Als teilweise unerwünschtes Sprachrohr des schwächelnden Regenten musste er sich gestern wieder zu Wort melden. «Hier ist etwas faul. Die ‘Kaplan-Linke’ hat in den letzten Wochen verzweifelt versucht, die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag und die Fackelzeremonie zu verhindern.» Die Kaplan-Strasse in Tel Aviv ist oft der Ort von regierungskritischen Demonstrationen. «Ich hoffe wirklich, dass die Brandstiftungen nur von Arabern verübt wurde, ohne dass unsere eigenen Leute daran beteiligt waren.» Dem nichtsnutzigen jungen Mann gehört schon lange die Rute ins Fenster gestellt. Die väterlichen und staatlichen Unterhaltszahlungen sollten ihm gestrichen werden. Dann hätten wir es nur mehr mit zwei Netanyahu-Protagonisten zu tun.
Zwei C-130J Super Hercules Schwertransporter der IAF haben gestern bereits grosse Mengen von feuerlöschendem Material über den Brandnestern im Raum Jerusalem abgeworfen. Ein drittes Flugzeug des gleichen Typs wird zur Verstärkung eingesetzt werden.
Zahlreiche weitere Staaten, darunter Frankreich, Spanien, Rumänien, Ecuador und die Ukraine haben Löschflugzeuge auf den Weg gebracht, um die bereits vor Ort befindlichen internationalen Hilfsgruppen zu unterstützen. Es ist beschämend, dass die Regierung sowohl die Angebote von Chim-Nir-Aviation, die über zehn Löschflugzeuge verfügt, als auch die der IAF zunächst ablehnten und stattdessen lieber bei ausländischen Rettungsteams anklopften. Der politische Nobody Ben-Gvir, in dessen Zuständigkeitsbereich auch der Brandschutz fällt, wurde sogar innerhalb der Koalition gerügt: «Für was haben wir einen zuständigen Minister, wenn der nichts tut?»




Während immer noch 155 Löschteams an elf besonders intensiven und schwer zu erreichenden Brandherden darum kämpfen, die Feuer einzudämmen und zu löschen, beruhigt sich die Lage an anderen Stellen. Die Strasse und die Bahnverbindung nach Jerusalem konnten wieder freigegeben werden, die Krankenhäuser haben den regulären Betrieb wieder aufgenommen und die meisten Evakuierten können nach Hause zurückkehren. Die meisten Nationalparks im Zentrum Israels bleiben nach wie vor geschlossen. Ersten Schätzungen zufolge wurden bisher etwa 2.000 ha Land durch die Brände zerstört. Obwohl es eine erste Verhaftung gab, kann weder die Polizei noch der Shin-Bet mit Sicherheit sagen, wie die verheerenden Feuer entstanden sind. Der Verdächtige hatte ein Feuerzeug, Papiertaschentücher und Watte bei sich. Aber ist das allein ein ausreichender Beweis, dass er etwas mit den Bränden zu tun hat? Netanyahu behauptete heute am Vormittag, dass bereits 18 Personen wegen des Verdachts der Brandstiftung festgenommen wurden. Tatsächlich aber wurden drei Personen vorübergehend angehalten, denen vorgeworfen wird an anderen Stellen versucht zu haben, Brände zu legen. Was die verheerenden Feuer ausgelöst hat, ist immer noch unbekannt. Dass Netanyahu sogar in dieser Sache lügt, zeigt, in welch anderen Sphären er lebt.

Reservisten und Veteranen der Marine-Elite-Einheit ‘Shayetet 13’ bildeten in Caesarea, dem privaten Wohnort von Netanyahu und Sara N. ein grosses ‘59’ auf dem Strand. Sie gehören zu einer Gruppe von mehr als 100 Petitionären, die in einem Brief an Netanyahu gefordert hatten, den Krieg gegen die Hamas sofort zu beenden und im Gegenzug die Freilassung der Geiseln zu verlangen.
Hier noch einige Bilder von der Unabhängigkeitsfeier, die egstern Abend ausgestrahlt wurde:






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