8. Ijjar 5785
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Lt. Col. A (mehr darf von seinem Namen nicht bekannt werden) ist der Chef des IDF – Teams, welches sich nach der Freilassung um die Geiseln kümmert, sobald sie, noch in Gaza, von der IDF übernommen werden.
Es sind nicht nur Berichte über die letzten Tage in der Geiselhaft, die sein Team und er hören. Unter den von der Hamas und dem islamischen Djhad am 7. Oktober 2023 befanden sich auch 35 Menschen, die als Gastarbeiter in den Kibbutzim tätig wären. Es waren 31 Thais sowie je ein Mann aus Nepal und Tansania. Noch sind nicht alle von ihnen wieder frei. Der Mann aus Tansania und ein Thai werden noch in Gaza festgehalten.
Aufgrund von Sprachproblemen war es den Geiseln teilweise nicht möglich, zu verstehen, was die Hamas-Terroristen oder Djhadisten von ihnen wollten. Sie waren weder in der Lage, Hebräisch noch Englisch miteinander zu kommunizieren. Einige von ihnen wurden, wie freigelassene Geiseln berichten, zu Tode geprügelt.
Die meisten der Gastarbeiter sind, so A., einfache Menschen, teilweise ohne Ausweis, die noch nie ausserhalb ihres Dorfes waren. Israel hat diese Menschen eingeladen zu kommen und ihre Reise auch finanziert.
«Bei den Thailändern wurde offiziell beschlossen, dass alle Gespräche mit ihren Familien über einen thailändischen Beamten geführt werden müssen, der täglich mit mir in Kontakt steht», berichtet A.

Der Nepalese Bipin Joshi war Student. Er wurde am 7. Oktober nach Gaza verschleppt. Bis er der Hamas in die Hände fiel, konnte er 16 Leben retten, indem er zwei Granaten, die in den Schutzbunker geworfen wurden, zurückwarf. Doch die zweite explodierte in seiner Hand und verletzte fünf seiner Freunde. Wenn A. mit der Familie von Bipin sprechen will, muss zunächst ein Familienmitglied eine zwei-stündige Autofahrt unternehmen, das Handy einschalten und dann für die Familie übersetzen.

Auch mit der Familie des von der Hamas ermordeten Mannes aus Tansania, Joshua Luito Mollel, steht A. in Kontakt. Joshua war erst zwei Wochen vor dem Massaker nach Israel gekommen. Auch er war Student. Als sein Vater über den Tod seines Sohnes informiert wurde, glaubte er nicht, dass sein Sohn tot war. Er reiste mit einer Delegation aus dem Aussenministerium an und musste ohne Beweise und vor allem ohne die Leiche seines Sohnes wieder heimreisen. «Ich spreche alle zwei bis drei Wochen mit ihm. Ich habe die persönliche, moralische und politische Verpflichtung, ihm zu sagen: ‚Hör zu, wir sind wieder im Kampf, wir haben Leichen zurückgebracht.‘ Wir werden auch die Leiche deines Sohnes zu dir zurückbringen.»
Geschichten, die tief berühren. Familien, die ihre Kinder nach Israel geschickt haben, vielleicht ‘nur’, um Geld zu verdienen. Vielleicht aber auch in der Hoffnung, ihnen damit eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Die jetzt nach mehr als eineinhalb Jahren Krieg immer noch darauf warten, ihre Kinder nach Hause holen zu können. So wie auch unsere Familien darauf warten. Aber einen Unterschied gibt es, hier steht eine ganze Nation hinter ihnen und kämpft mit ihnen, sie sind nicht allein.
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