13. Ijjar 5785

«Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.» (Carl Sandburg 1878-1967) Im Oktober 2023 waren es nahezu 300.000 Reservisten, die einberufen wurden. Und fast alle kamen. Ohne die Reservisten kann Israel keinen Krieg führen, geschweige denn gewinnen. Bis heute sind einige Reservisten schon bis zu fünfmal eingerückt. Viele von ihnen sind Studenten, die mit ihrer Ausbildung um Monate zurückgeworfen werden, viele sind selbstständig und wissen nun nicht mehr, wie sie ihr Gewerbe am Leben erhalten sollen. 100.000 sollen zunächst erneut einberufen werden, längst nicht mehr alle werden kommen.
Und alle haben eines gemeinsam, sie sind kriegsmüde. Gerade jetzt, wo Netanyahu beschlossen hat, den Krieg noch einmal auszuweiten. «Wir haben es fast geschafft», hat er vollmundig am vergangenen Montag verkündet. Was haben wir geschafft? Die Geiseln befreit? Fehlanzeige. Die Hamas zerschlagen? Fehlanzeige. Die Sicherheit für Israel verbessert? Das wird die Zeit zeigen.



Was wir fast schon geschafft haben, ist die Zerstörung des Gazastreifens, die Vertreibung der Menschen aus dem Norden, die geplante Ghettoisierung der Menschen in einem abgeschotteten Gebiet im Süden. Von dort aus sollen sie, so will es der nicht durchdachte Trump-Plan, ‘ausgesiedelt werden.’ Wohin weiss noch niemand.
Dann wird der Gazastreifen besetzt werden und damit ein Fait accompli geschaffen werden, das Netanyahu nie wollte. War der Krieg ab dem ersten Tag schon ein ‘asymmetrischer’ so wird er jetzt wohl in einen Guerilla-Kampf ausarten. Die palästinensische Terror-Organisation Hamas baut schon wieder alte Tunnel aus und neue dazu. Erst 25 % sind zerstört.
Dieser Kampf ist ein Material- und Menschenvernichter. Ein Grossteil der israelischen Zivilgesellschaft will diesen Krieg nicht, die anderen, besodners die rechten und die Siedler in Shomron und Judäa, träumen davon. Sie träumen von einer jüdischen Neubesiedelung. Nur so können sie wieder heilen, was Sharon 2005 in ihren Augen mit dem Abzug zerstört hat.
Generalstabschef Eyal Zamir hat mit diesem Militär keinen leichten Job. Aktive Soldaten oder sogar Berufssoldaten sind es gewohnt, jedem Befehl zu folgen. Ohne ihn zu hinterfragen. Reservisten sind da ganz anders. Sie sind Männer, die im Beruf stehen, Familienväter und haben nichts mehr mit den jungen, noch leicht zu manipulierenden Männern zu tun. Sie sind nicht allzu schiessfreudig. Nur die Siedler zeichnen sich durch besondere Brutalität aus, sind sie sich doch des Rückhalts der ultra-rechts-nationalistischen Minister Ben-Gvir und Smotrich sicher.

Die sterblichen Überreste von Sgt. First Class Zvi Feldman (1956 bis 1982), s’’l, wurden in einer gemeinsamen Aktion von Mossad und IDF ‘im Herzen von Syrien’ geborgen und zur Beisetzung nach Israel gebracht. Damit fand eine 43 Jahre andauernde Suche ihr erfolgreiches Ende. Feldman, Soldat einer Panzereinheit, wurde in einem Kampf im Beqaa-Tal im Libanon gemeinsam mit zwei weiteren Soldaten gefangen genommen. In dieser Schlacht fielen 21 Soldaten, mehr als 30 wurden verletzt. Die sterblichen Überreste von Sgt. First Class Zachary Baumel, s’’l, der gemeinsam mit ihm in Gefangenschaft geriet, wurde 2019 geborgen, von Sgt. First Class Yehuda Katz, s’’l, fehlt derzeit noch jede Spur. Insgesamt wurden bei der gefährlichen Operation die sterblichen Überreste von vier Personen geborgen. Die Identifizierung durch das forensische Institut steht noch aus.
Netanyahu hat angekündigt, in den kommenden zwei Jahren 10.500 Haredim in den Wehrdienst zu verpflichten. Das sei die Zahl, die die IDF integrieren können. Wer sich der Einberufung widersetzt, muss, so Netanyahu, mit schweren wirtschaftlichen Folgen rechnen. Um die Bedenken der orthodoxen Politiker zu zerstreuen, betonte er: «Wir werden sicherstellen, dass jeder, der als Haredi in die IDF eintritt, sie auch als solcher verlässt.»

Bei seiner Reise in den Mittleren Osten wird sich Präsident Trump in Riyad angeblich nicht nur mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, sondern auch mit PA-Präsident Mahmoud Abbas und dem syrischen Präsidenten Ahmed al Sharaa treffen. Das Treffen wurde vom saudischen Kronprinzen initiiert und von Trump bewilligt. Auch offizielle Vertreter des Libanon werden an dem Treffen teilnehmen. Weder das Weisse Haus noch das Büro des PA-Präsidenten bestätigten das Treffen.
Der US-amerikanische Botschafter in Israel, Mike Huckabee, betont, dass die erste Reise von Trump nach Saudi-Arabien, Qatar und in die VAE mit anschliessendem Heimflug kein Zeichen für eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und Israel sind. «Seine erste Reise betrifft nur wirtschaftliche Themen, darauf liegt der Fokus. Was er tut, hat nichts damit zu tun, dass er Israel brüskiert. Es gibt fast 200 Nationen auf der Welt, also gibt es viele, die er noch nicht besucht hat, viele, die er nicht sofort besuchen wird – er hat mehr Zeit mit dem israelischen Premierminister verbracht als mit jedem anderen Staatschef der Welt. Ich denke, das sagt viel aus.» Warum klingen die nächsten Sätze für mich nicht ganz ernst gemeint, ja sogar etwas bedrohlich? «Entspannt euch, beruhigt euch, Donald Trump liebt euch, daran besteht kein Zweifel, er steht hinter euch. Er ist derselbe Donald Trump, der in vier Jahren als Präsident mehr für Israel getan hat als jeder andere amerikanische Präsident.» Das stimmt nicht!

Bei einer von der Schweiz zugelassenen pro-palästinensischen Demonstration bei der ‘Parade’ der ESC-Teilnehmer in Basel kam es heute zu zwei Zwischenfällen. In der Menge waren zahlreiche Palästina-Flaggen zu sehen, von Israel habe ich nur eine Regenbogen-Flagge mit dem Magen David entdecken können. Während sich die historischen Tram-Züge, in denen die Delegationen Platz genommen hatten, entlang der Strecke Marktplatz-Messehalle St. Jakob bewegten, machte ein junger Mann, die Palästina-Flagge schwingend die Handbewegung des Durchschneidens der Kehle. An anderer Stelle stellte sich eine Demonstrantin vor die Trams, sodass diese stoppen mussten. Sie wurde von der Polizei recht sanft fortgezogen. Der öffentliche Sender ‘Kan’ hat sich mit einer Beschwerde an die Schweizer Polizei gewandt, um den Mann zu identifizieren und anzeigen zu können. N.b. eine Standdemonstration ‘gegen den Antisemitismus’ haben die Basler Behörden angeblich aus Sicherheitsgründen verboten.
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