22. Siwan 5785

Ab 18 Uhr heute werden die Vorschriften des ‘Home Front Command’ für das ganze Land etwas gelockert. So dürfen wieder Treffen von bis zu 30 Personen stattfinden. Arbeitsplätze können ebenfalls wieder ihren Betrieb aufnehmen. In beiden Fällen gilt, dass ein Schutzraum in einem für den Ort relevanten Zeitraum erreicht werden kann. Die Schulen bleiben hingegen im ganzen Land weiterhin geschlossen. Für einige Regionen, wie den Golan, das Tote Meer, die Arava, Eilat und die Grenzgebiete zu Gaza werden die Versammlungen auf 50 Personen aussen und 100 Personen innen fixiert. Diese Bestimmungen dauern zunächst bis Freitagabend.


«Ich brenne,
ich verliere,
ich werde zu einem stillen Stern,
der sich in Rauch verwandelt
an deinem Himmel…»
Das ist eines der letzten Gedichte, das Parnia Abbasi, 23, s’’l, eine junge Lyrikerin, Englisch-Lehrerin und Bank-Angestellte geschrieben hat. Sie hat vor wenigen Wochen ihr Management-Studium abgeschlossen. Aber sie musste helfen, ihre Familie zu unterstützen. Deshalb gab sie ihren Job in der Bank nicht auf. Der Krieg Israel gegen den Iran war erst wenige Stunden alt, als eine der ersten israelischen Raketen in ihr Hochhaus einschlug. Die mittleren Etagen erlitten Volltreffer, dann stürzte das Haus in sich zusammen. Parnia, ihre Eltern, ihr jüngerer Bruder gehörten zu den ersten Opfern, die geborgen wurden. Sie waren tot. Parnia war eine junge Frau, die das Leben liebte, die sich vom frauenfeindlichen Regime der Mullahs nicht unterkriegen liess. Sie trug die Haare offen, war geschminkt. Sie hatte keine Angst. Ihre Eltern, beide pensionierte Akademiker, unterstützten sie, wo es nur ging.
Dass sie sterben musste, weil in ihrem Haus der Atomwissenschaftler Abdolhamid Minoochehr lebte, ist ein tragisches Schicksal. Minoochehr war Professor und Dekan an der Fakultät für Nukleartechnik an der Shahid-Beheshti-Universität. Er war unter anderem auf Reaktorphysik und nukleare Simulationen spezialisiert. Und damit war er eine Zielperson für die israelischen Angriffsflüge.
Minoochehr gehörte zum Kreis derer, die dem mörderischen Regime im Iran halfen, ihre Staatsdoktrin zu erfüllen: Israel von der Weltkarte zu tilgen.
Parnia schrieb über das, was sie bewegte und erlebte. Sie goss ihre Gefühle in einfache Gedichte und sagte einmal: «In diesem Sinne schenkt mir das Schreiben Frieden.» Wenn sie ihrer Familie und ihren Freunden ihre Gedichte vorlas, schenkte sie ihnen ein bisschen davon.
Ein Gedichtband von ihr sei in Vorbereitung. In der iranischen Literaturzeitschrift Vazn-e-Donya erschien in einer Sonderausgabe zur Generation Z. ihr Gedicht «Der erloschene Stern»
«Du und ich werden ein Ende finden
Irgendwo
Das schönste Gedicht der Welt
Verstummt.»

Die 7-Jahre alte Anastasia Borik kam vor weniger als zwei Jahren mit ihrer Familie von der Ukraine nach Israel, um sich einer Krebstherapie zu unterziehen. Beim iranischen Angriff auf das Hochhaus in Bat Yam, in dem die Familie lebte, verlor sie ihr Leben. Ihre Grossmutter, 54, und zwei ältere Cousins, Konstantin 9, und Ilja, 14, s’’l, befinden sich ebenfalls unter den Toten. Ihre Mutter, die 30-Jahre alte Maria, wurde noch nicht gefunden. Anastasias Vater, Artem Burik, blieb in der Ukraine, um im Militär gegen Russland zu kämpfen, ebenso wie der Grossvater.
Erneut sprechen gazanische Zeitungen heute von 11 Toten und 70 Verletzten, die angeblich von der IDF in der Nähe des Netzarin-Korridors erschossen wurden. Es ist noch unklar, ob der Vorfall im Zusammenhang mit dem in der Nähe befindlichen GHF- Verteiler-Zentrum steht oder nicht. Es gibt keine Videoaufnahmen und von der IDF gab es bisher noch keinen Kommentar. Gestern erreichten 85 Lkws mit humanitären Hilfsgütern und Lebensmitteln den Gazastreifen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Israel tagtäglich gazanische Zivilisten auf dem Weg zum Lebensmittel-Verteil-Zentrum unter Beschuss nimmt. Was sollte der Grund sein? Einmal ja, das kann ein tragischer Vorfall sein, aber jeden Tag????
Das israelische Sicherheitskabinett wird sich heute Abend um 22 Uhr treffen. Bis dahin wird mit einer Entscheidung gerechnet, ob sich die USA aktiv am Krieg Israel gegen den Iran beteiligen wird. Nur 50 % der US-Amerikaner sehen den Iran als ‘feindlich’ an, weitere 25 % als ‘unfreundlich’ und 5 % nennen ihn ‘freundlich’. Nur 16 % würden einer Beteiligung der USA am Krieg Israel-Irans zustimmen, eine unglaubliche Mehrheit von 60 % ist dagegen.

Trump hatte gestern nach einem Telefonat mit Netanyahu erklärt, er habe noch nicht entschieden, ob die USA sich am Einsatz beteiligen werden. Netanyahu sei ein ‘guter Mann, der einen guten Job macht und in Israel sehr unfair behandelt werde’. Trump selbst gefällt sich auch jetzt noch mit seinen kryptischen Aussagen: «Vielleicht mache ich es. Vielleicht mache ich es nicht. Niemand weiss, was ich machen werde.» Trump staunt über den israelischen Schlag, der nach Ablauf der Frist ausgeführt wurde. «Das war ein verdammt guter Schlag… Nicht nachhaltig, um ehrlich zu sein. Da hat es geendet. Er endete in der ersten Nacht», sagt er, ohne näher darauf einzugehen.
Am frühen Morgen landete das erste Flugzeug aus Zypern mit im Ausland gestrandeten Israelis in Ben-Gurion. Morgen werden acht Flüge aus Zypern, Budapest, Athen, Mailand, Rom und London erwartet. Insgesamt warten mehr als 70.000 Israelis darauf, nach Hause gebracht zu werden. Die Frequenz der Flüge soll langsam entsprechend der Sicherheitslage angehoben werden. Die Zuteilung der Plätze erfolgt in der Reihenfolge der ursprünglichen Buchung. Die ankommenden Passagiere dürfen nicht am Flughafen abgeholt werden. Aus Sicherheitsgründen werden sie mit Bussen nach Tel Aviv gebracht.

VM Israel Katz gab bekannt, dass die IAF vor Kurzem das Hauptquartier des iranischen Inlands-Geheimdienstes getroffen und zerstört hat. Kurz zuvor ist es der IAF gelungen, fünf iranische Angriffs-Hubschrauber des Typs AH-1 auf dem Flughafen Kermanshah im westlichen Iran zu zerstören.
Unabhängig vom Gegenstand des Gesetzesentwurfes, der hier nichts zur Sache tun soll, wurde heute ein Entwurf mit 5:0 Stimmen, ich wiederhole 5:0 Stimmen in der ersten Lesung angenommen. Der Entwurf geht jetzt zurück an das ‘Knesset Foreign Affairs and Defense Committee’. Nach einer entsprechenden Diskussion wird es dann erneut an die Knesset zur 2. und 3. Lesung gegeben. Es ist lächerlich, dass ein Gesetzesentwurf von nur 5 anwesenden MKs, das entspricht etwa 4.17 % aller Knesset-Mitglieder abgesegnet werden kann. Vielleicht liest hier jemand mit, der klären kann, ob es keine Mindestbeteiligung für derartige Abstimmungen in der Knesset gibt. Es gibt zwei Arten von Abstimmungen in Israel: Entweder mit Knopfdruck vom Platz aus, wobei dann an der Leuchttafel sichtbar ist, wer wie abgestimmt hat. Oder nach dem namentlichen Aufruf. Der jeweilige MK gibt dann von wo auch immer er sich gerade im Plenarsaal befindet sein Votum ab. Falls er nichts ruft, wird er als abwesend eingetragen.
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