Krieg in Israel – Tag 623

24. Siwan 5785

Nachdem sich die täglichen Berichte über Opfer durch angeblich israelischen Beschuss auf Zivilisten in Gaza nicht verifizieren lassen, werde ich darüber bis auf Weiteres nicht berichten.

Die Schweiz, die auch in diplomatische Vertretung der USA im Iran hat, hat ihre Botschaft vorübergehend geschlossen und die Mitarbeiter abgezogen. Auch Grossbritannien hat die Botschaft geschlossen.

Eines der führenden Container-Unternehmen, Maersk, gab bekannt, aus Sicherheitsgründen derzeit den Hafen in Haifa nicht mehr bedienen zu wollen. Die Unternehmensleitung betonte, man habe die Situation sorgfältig analysiert. Die Häfen stellen eines der priorisierten Angriffsziele des Irans dar. Daher sei die Sicherheit der Schiffe und der Besatzung nicht mehr vollumfänglich gegeben.

© Amos Biderman, Facebook

Der iranische Aussenminister Abbas Araghchi wird sich heute im Laufe des Tages in Genf mit seinen Kollegen aus Deutschland, Frankreich und Grossbritannien treffen. Ziel des Treffens ist es, De-Eskalations-Möglichkeiten zu diskutieren. Araghchi erklärte auch, dass die USA planen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das wird von Teheran abgelehnt. «Es gibt keinen Raum für Verhandlungen mit den USA; bevor Israel nicht seine Aggressionen einstellt. Die USA sind ein Partner für die israelischen Verbrechen am Iran.»

Am frühen Nachmittag wurde der Alarm nahezu flächendeckend in ganz Israel ausgelöst. In Haifa schlug eine Rakete ein. Ein 16-Jähriger wurde lebensbedrohlich verletzt, 18 weitere Personen leicht bis mittelschwer. Es ist nicht klar, ob der Iran erneut Streubomben zum Einsatz brachte oder nicht. Die Art der Zerstörungen lässt aber, vor allem in Beer Sheba, darauf schliessen.

Zahlreiche Explosionen waren in Haifa, Tel Aviv, Beer Sheba und Jerusalem zu hören.

In der zweiten Nacht in Folge wurde das Zentrum von Beer Sheba vom Iran angegriffen. Sieben Personen wurden leicht verletzt. An einigen Gebäuden entstand grosser Sachschaden. Eine Rakete schlug in einer Strasse ein und setzte einige Fahrzeuge in Brand. Von einem benachbarten Gebäude wurden die Balkone zerstört, Fensterscheiben gingen zu Bruch, Glassplitter und Bauschutt stürzten auf die Strasse. Rettungsleute konnten alle Bewohner des Hauses, die sich in ihren Schutzräumen befanden, befreien. Der Iran hatte eine grössere Beschuss-Welle geplant, jedoch wurden die Abschuss-Vorrichtungen kurz zuvor von der IAF zerstört.

Drei Drohnen wurden beim Anflug auf das Tote Meer abgefangen, dazu eine weitere, die auf Haifa ausgerichtet war. Insgesamt wurden heute bereits acht Drohnen abgefangen und zerstört.

Die IAF flog in der Nacht Angriffe auf Dutzende Militäreinrichtungen und auf eine Atomforschungsanlage in und um Teheran. Bei den Angriffen waren mehr als 60 Kampfjets beteiligt, die etwa 120 Geschosse abwarfen. Ein Ziel war eine industrielle Raketen-Produktionsstätte, die als industrieller Kern des Verteidigungsministeriums galt. Auch militärische Industrieanlagen zur Herstellung von Raketenkomponenten und Anlagen zur Herstellung von Rohstoffen für den Guss von Raketentriebwerken befanden sich unter den Zielen. Das Hauptgebäude des SPND-Nuklearprojekts, das als Zentrum für die Forschung und Entwicklung fortschrittlicher Technologien und Waffen für die militärischen Fähigkeiten des iranischen Regimes gilt, wurde bereits zum zweiten Mal angegriffen.

Vor den israelischen Angriffen wurde die Bevölkerung vom Industriepark Sefidrood und dem Dorf Kalash Taleshan im Nordwesten des Landes zur Evakuierung aufgefordert. Nachdem jedoch das Internet im Iran abgeschaltet wurde, ist unklar, wie viele Menschen die Aufforderung lesen konnten.

Eine von Gaza aus abgeschossene Rakete stürzte in der Nähe vom Kibbuz Be’eri auf unbebautes Gebiet. Es wurden keine Schäden berichtet.

Mit einem gezielten Drohnenangriff wurde am Mittag Mohammed Khader al-Husseini, der Kommandant einer wichtigen Einheit der Hisbollah in der Region des Grenzflusses Litani eliminiert. Er war verantwortlich für zahlreiche Angriffe auf Nahariya, Haifa und andere nördliche Städte des Landes. Zuletzt war er auch mit dem Wiederaufbau der Raketen-Einheiten beschäftigt, was eine deutliche Verletzung des Waffenstillstandsabkommens darstellt.

Ebenfalls durch einen gezielten Luftangriff wurde in Gaza Ali Saadi Wasfi al-Agha, Chef der südlichen Terror-Einheiten eliminiert. Er war verantwortlich für die Verschleppung von Geiseln, deren Ermordung oder Geiselhaft sowie deren ‘Beerdigung’. Auch die sterblichen Überreste von Haggai und Weinstein, die in der vergangenen Woche von der IDF geborgen werden konnten, wurden von ihm ‘beigesetzt’.

Bei einem der sehr seltenen Kontakte mit der israelischen Presse stand Netanyahu medienwirksam vor dem zerstörten Gebäude des Soroka Spitals. Das Spital ist das grösste im ganzen Süden des Landes. Durch den Beschuss wurde es so stark beschädigt, dass es für die nächsten Monate ausser Betrieb ist. Derzeit werden nur kleinere Akutfälle im geschützten Keller behandelt. Er dient derzeit als Notaufnahme für ambulante Fälle. Bei Minute 2:30 des Videos erklärt Netanyahu, dass jede Familie in Israel einen Preis für den Krieg zahlen muss. Der Journalist, der die Frage stellt, weiss genau, dass Netanyahu darauf anspringen wird.

Avner, der zweite Sohn, so Netanyahu, muss nun schon zum zweiten Mal seine Hochzeit verschieben. Der erste Versuch wurde nach dem ersten Angriff des Irans abgesagt. Der zweite Versuch hätte am vergangenen Montag auf der luxuriösen Ronit-Farm stattfinden sollen. Geladen waren 1.000 Gäste. Sara N., die sich sicher im Atom-Bomben Bunker der Familie Milchan aufhält, bezeichnet er als ‘Heldin’. Warum? Weil sie schon so viele Jahre an seiner Seite ausgehalten hat, egal, wie die Bedrohungslage in Israel ist. Ach je, da kenne ich aber bessere Beispiele von Heldentum.



Kategorien:Israel, Politik

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