Krieg in Israel – Tag 628

29. Siwan 5785

Hadars Vater mit einer Bildcollage 2019

Leider muss heute die IDF den Tod von sieben Soldaten bekanntgeben. Sie verloren ihr Leben durch einen direkten Treffer ihres ‘gepanzerten Personen-Transporters’ in Khan Younis. Lt. Matan Shai Yashinovski, 21, Staff Sgt. Ronel Ben-Moshe, 20, Staff Sgt. Niv Radia, 20, Sgt. Ronen Shapiro, 19, Sgt. Shahar Manoav, 21, Sgt. Maayan Baruch Pearlstein, 20, und Staff Sgt. Alon Davidov, 21, s’’l, hatten keine Chance, aus dem brennenden Fahrzeug zu entkommen. Erinnern wir uns, bereits 2014 gab es in Gaza einen ähnlichen tragischen Vorfall. Die sterblichen Überreste von Hadar Goldin, s’’l, werden immer noch in Gaza zurückgehalten und sollen mit den anderen lebenden und toten Geiseln an Israel zurückgegeben werden.

Die begeisterten und selbstbeweihräuchernden Kommentare von Trump und Netanyahu haben wir gestern anhören müssen. Heute beginnt bereits das Aufarbeiten, was wurde erreicht, was nicht. Und damit auch das grosse Lügen. Oder Schönreden. Wenn überhaupt, wird es einige Zeit brauchen, um den tatsächlichen Schaden an den Atomanlagen festzustellen. Eines scheint jedoch bereits heute festzustehen: Der Iran ist nicht ‘auf alle Zeit’ als Atommacht ausgeschaltet. Erste Einschätzungen der US-Geheimdienste sprechen davon, dass die Programme nur um Monate zurückgeworfen wurden. Natürlich nimmt das Weisse Haus das nicht so hin. «Alles schlichtweg falsch!», wird Pressesprecherin Karoline Leavitt in den Mund gelegt.

‚Fordo brennt!‘ Jubel in der Regierung: „Die Mullahs haben es geschluckt!“

Trump hat auf dem NATO-Gipfel in Den Haag gegenüber Reportern erklärt: «Israel hat nach unserem Angriff Agenten nach Fordo hineingeschickt. Wissen Sie, es gab Leute, die nach dem Treffer dort hineingingen. Die sagten, es sei eine totale Zerstörung. Israel erstellt gerade einen Bericht darüber. Ich glaube, dass es eine totale Zerstörung war», sagte Trump, «und ich glaube, dass sie keine Chance hatten, etwas zu erreichen [Er meint den Abtransport von angereichertem Uranium, um es zu verstecken.], weil wir schnell gehandelt haben.» Sein VM Pete Hegseth ergänzt: «Es war eine einwandfreie Mission, genau dort, wo wir eindringen mussten… Es gab eine Verwüstung unterhalb von Fordo.» Trump erklärte weiterhin, die USA werden sofort mit einem Angriff reagieren, falls der Iran das Atomprojekt wieder startet. «Aber ich glaube, das ist das Letzte, was sie jetzt tun werden. Sie werden sich erholen müssen. Ich bin sicher, wir werden bald irgendeine Beziehung zu ihnen haben. Wir hatten schon eine Beziehung in den letzten Tagen, wir haben den Waffenstillstand ausgehandelt.» Trump zeigte sich auch überzeugt, ‘grossartige Erfolge’ in Bezug auf das Geisel-Abkommen erreicht zu haben. «Ich glaube, dass unser Angriff im Iran, einen grossen Einfluss auf den Erfolg der Verhandlungen hat. Wir stehen kurz davor.» Israel bestritt mittlerweile, dass es eine wie oben beschriebene Aktion von ‘israelischen Agenten’ in Fordo gegeben hat.

Trump selbst behauptete, er habe mit den Menschen gesprochen, die in der Anlage gewesen seien und ihm rapportiert haben, sie sei zerstört. Dabei verlasse er sich nicht auf Informationen des Mossad. «Israel und der Iran hatten einen grossen Streit, wie zwei Kinder auf dem Schulhof. Sie kämpfen wie wild, man kann sie nicht aufhalten. Lass sie etwa 2-3 Minuten kämpfen, dann ist es leicht, sie zu stoppen. [Israel war wieder mit 52 Kampfjets in der Luft, nachdem der Iran das Waffenstillstandsabkommen erstmals brach und Trump Israel zurückpfiff.] Beide Seiten sind nun ‘müde und erschöpft’ und froh ‘nach Hause gehen zu können’.»

Trump kündigte an, sich in der kommenden Woche mit Vertretern des Irans treffen zu wollen. «Wir könnten ein Abkommen unterzeichnen. Ich glaube nicht, dass es so notwendig ist. Sie hatten einen Krieg, sie haben gekämpft, und jetzt gehen sie zurück in ihre Welt. Es ist mir egal, ob ich ein Abkommen habe oder nicht.» Auch das ist wieder typisch für Donald Trump. Wenn ihn etwas nicht mehr interessiert oder sich in seiner Phantasie erledigt hat, dann lässt er es fallen. «Wir haben die Atomwaffen zerstört“, sagt Trump. Von welchen Atomwaffen spricht er? Solche hatte der Iran bisher nicht und wird sie hoffentlich auch in den kommenden Jahren nicht haben. «Es ist in die Luft geflogen, ‘bis zum Königreich’», fährt er fort, «also interessiere ich mich nicht mehr sehr dafür. …Wir werden uns tatsächlich mit ihnen treffen. Wir werden uns mit ihnen treffen.» Dass Trump für seine skurrilen Reden ausgerechnet den NATO-Gipfel wählt, wo ihm möglicherweise keiner der Anwesenden den geistigen Mist glaubt, spricht für mich dafür, dass der mächtigste Mann der Welt, zwar demokratisch gewählt wurde, aber die Welt um sich herum als einen riesigen Abenteuerspielplatz betrachtet, auf dem er sich nach Lust und Laune vergnügen kann, ohne für etwas zur Rechenschaft gezogen zu werden. Trump wird von Tag zu Tag gefährlicher für die Welt.

Netanyahu, dessen Aufwind bei den ersten Umfragen nach dem ‘Waffenstillstand’ nicht so hoch ausgefallen ist, wie er es wohl erhofft hat, trat mit gewohnt selbstverliebter Art vor die Videokamera. Historisch sei der Sieg gewesen, der ‘Generationen überdauern wird’. «Zur Gefahr der Vernichtung kam es nicht, denn im entscheidenden Moment erhoben wir uns und standen auf wie Löwen und unser Gebrüll erschütterte Teheran und hallte in der ganzen Welt wider.» Die Strategien Israels würden, so Netanyahu, «von jedem Militär der Welt studiert werden.» Nicht nur alle Anlagen seien zerstört worden, sondern auch das komplette Wissen des Irans, das in einem geheimen Archiv gelagert war. «Wir haben das iranische Atomprojekt ins Vergessen geschickt. Falls jemand daran denkt, es wieder aufzubauen, werden wir mit der gleichen Kraft handeln, um das zu verhindern.» Als zweiten Erfolg nennt Netanyahu die ‘vernichtenden Schläge gegen das verruchte Regime’. Aber man werde «den Fuss nicht vom Gaspedal zu nehmen. Wir müssen den Feldzug gegen die iranische Achse zu Ende führen, die Hamas besiegen und die Freilassung aller unserer Geiseln, der lebenden wie der verstorbenen, erreichen.»

Es stimmt und das erkenne ich ohne Wenn und Aber an, das iranische Regime hat bittere Schläge einstecken müssen. Bisher wurde jeder Verlust eines ranghohen Anführers durch einen Nachfolger ersetzt. Doch wie oft funktioniert das? Wie viele Stellvertreter hat jeder einzelne? Um einen Regimewechsel herbeizuführen, etwas, das das iranische Volk verdient hätte, hätte der Oberste Führer, Ali Chamenei, eliminiert werden müssen. Doch selbst der hat in seinem Bunker schon drei Nachfolger benannt. Dieses Ziel wurde klar verfehlt. Der Iran wird sich jetzt, nach einer kurzen Konsolidierungsphase, so verhalten wie ein angeschossenes Tier. Er wird noch wütender auf seine Feinde, und das sind wir, die Juden und die USA, losschlagen.

Nachdem gestern der Iran nach dem Beginn des Waffenstillstands noch eine Rakete nach Israel geschickt hatte, plante Netanyahu darauf mit einem letzten Grossangriff auf ‘15 wichtige Ziele des Regimes’ zu reagieren. Trump hatte ihm den Angriff bei einem Telefonat schlicht verboten. Netanyahu liess daraufhin nur ein Ziel, eine Radaranlage nördlich von Teheran, angreifen. Trumps ehemaliger Berater, Steve Bannon, erklärte heute in einem Podcast, dass er Trump noch nie so wütend erlebt habe. «Netanyahu geht ins israelische Fernsehen und lobt Trump über den grünen Klee. Machen Sie das nicht. Schleimen Sie Trump nicht an. Das bringt nichts. Sie haben gestern Abend gezeigt, was Sie wirklich von ihm halten.»

Generalstabschef Eyal Zamir scheint der Einzige zu sein, der in Bezug auf den Iran realistisch bleibt. «Wir müssen trotz des phänomenalen Erfolgs mit den Füssen auf dem Boden bleiben. Viele Herausforderungen liegen noch vor uns. Wir müssen konzentriert bleiben; es ist keine Zeit, uns auf unseren Lorbeeren auszuruhen. Wir haben ein wichtiges Kapitel abgeschlossen, aber die Kampagne gegen den Iran ist noch nicht vorbei. Wir treten jetzt in eine neue Phase ein, die auf den Erfolgen der laufenden Operation aufbaut. Wir haben das iranische Atomprojekt um Jahre zurückgeworfen, und das Gleiche gilt für das iranische Raketenprogramm.» Jetzt sei es wieder an der Zeit, sich um Gaza zu kümmern und die Geiseln zurückzuholen.

Bei der oben erwähnten Umfrage erhält der Koalitionsblock 49 Sitze, die Opposition kann sich über 61 Plätze freuen und die arabischen Parteien erhalten 10 Sitze. Von der Möglichkeit der Regierungsbildung ist Netanyahu weit entfernt. Er zeigte sich mehr als enttäuscht über das Ergebnis. Mit diesen Umfragewerten scheint es unwahrscheinlich, dass er sich in das Abenteuer von vorgezogenen Wahlen stürzen wird.

Die Flughafenverwaltung gab noch gestern Abend bekannt, dass der Flugbetrieb in Ben-Gurion ab sofort wieder normal verlaufen werde.

Das ‘Home Front Command’ hat mit sofortiger Wirkung alle Einschränkungen aufgehoben. Ausnahmen gelten nur für die Gebiete rund um den Gazastreifen und für die Schüler in Ramat Gan und Bat Yam, die vom iranischen Beschuss besonders hart betroffen waren.

Netanyahu liess gestern Abend durchsickern, dass er darüber nachdenke, zeitnah einen Trip nach Washington zu unternehmen. Falls dieser idiotische Plan wirklich zum Tragen kommt, gehe ich davon aus, dass er am kommenden Dienstag oder Mittwoch abfliegt und erst am Sonntag darauf wieder nach Israel zurückfliegt. Natürlich in Begleitung von Sara N.. Was genau er in Washington vorhat, erklärte er noch nicht.



Kategorien:Israel, Politik

Schlagwörter:

Hinterlasse einen Kommentar