Bamidbar, Korach 16:1 – 18:32

1./2. Tamus 5785.                                                            27./28. Juni 2025 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         19:09

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         20:31

Shabbateingang in Zürich:                                                                 21:09

Shabbatausgang in Zürich:                                                                22:28

Der Wochenabschnitt Korach ist ein Beispiel für einen misslungenen basisdemokratischen Vorgang. Es geht um die Gefahr, dass sich die Demokratie mit demokratischen Mitteln aushebeln lässt. Kein demokratisch gewählter Führer darf sich sicher sein, sein Amt für die gesamte Amtszeit innezuhaben. Wenn das Volk oder wenn die Regierungskollegen zu der Überzeugung gelangen, dass er sich mehr Rechte nimmt, als er qua seines Amtes hat oder dass er unangemessen mit seiner Verantwortung umgeht, so können sie einen Misstrauensantrag stellen. So liegt es letztlich in ihrer Hand, eine Mehrheitsentscheidung herbeizuführen. Und der muss sich der betroffene Politiker beugen.

Korach aus dem Stamm Levi, zusammen mit Datan und dessen Bruder Aviram aus dem Stamm Ruven, rotten sich gemeinsam mit 250 Anführern ihrer Stämme zusammen, um gegen Moshe und Aaron zu revoltieren. Es hatte sich schon in der Vorwoche abgezeichnet, dass ein Teil des Volkes mit ihrer Führung unzufrieden war. „Lasst uns neue Führer wählen“, hatten sie gefordert und sogar daran gedacht, die Brüder zu töten. Lieber wollten sie wieder in Ägypten leiden und versklavt werden, als frei in der Wüste zu sein und die eine oder andere Einschränkung auf sich zu nehmen. Dass sie ein gemeinsames Ziel vor Augen hatten, schien völlig in Vergessenheit geraten zu sein.

Die Vorwürfe, die sie vorbrachten, waren hart: „Ihr nehmt euch zu viel heraus, alle sind heilig, כֻּלָּם קְדֹשִׁים, die ganze Gemeinde und der Herr ist mitten unter ihnen. Warum erhebt ihr euch über die Gemeinde des Herren?“ Korach und seine Mitläufer hatten nichts verstanden. Nicht Moshe und Aaron hatten sich selbst in ihre Position gebracht, sondern Gott hatte sie ausgewählt. Vielleicht waren die Aufständischen aber so sehr mit sich selbst und ihren Befindlichkeiten, vielleicht auch mit ihrem Neid beschäftigt, dass sie von den Vorgängen rings um sich herum nichts mitbekommen hatten. Sie witterten schweres Unrecht, wo doch alles mit rechten Dingen vor sich gegangen war. Man ist geneigt, Korach und seine Aufständischen zu verstehen. Wenn doch alle gleich heilig sind, dann haben auch alle die gleiche Verantwortung. Das aber führt, die Geschichte beweist es immer wieder, zur Stagnation, zum Stillstand.

Moshe wusste nicht so recht, wie er mit der Situation umgehen sollte. Deshalb forderte er die Aufständischen zu etwas Ungeheuerlichem auf. Sie sollten sich dem Gottesurteil stellen und selbst Gott ein Räucheropfer darbringen. Dabei war ihm durchaus bewusst, dass Opfer nur von den Priestern dargebracht werden durften. Aber er war sicher, dass Gott diese Ausnahme akzeptieren und für seine Entscheidung nutzen würde. Denn auch das war ihm durchaus klar, der Zorn der Aufständischen richtete sich nicht gegen ihn und Aaron, sondern eigentlich gegen Gott. Gott liess Moshe nicht im Stich. Nachdem er seine Getreuen von den Aufständischen getrennt hatte, spaltete sich die Erde und verschlang alle Menschen, die gegen ihn revoltiert hatten.

Doch das Volk hatte die Botschaft immer noch nicht verstanden und revoltierte noch einmal, sie glaubten, Moshe und Aaron hätten mit einem Zaubertrick Teile des Volkes Israel getötet. Moshe erkannte, wie brenzlig die Situation war und forderte Aaron auf, ein Entsühnungsopfer für die Jammernden darzubringen.

Ist dadurch der Streit wirklich beigelegt? Hat das Volk etwas daraus gelernt? Waren die 14.000 Toten abschreckend genug, um das Volk zu überzeugen, dass Moshe und Aaron sich keinesfalls selbst etwas zugestanden hatten, sondern von Gott erwählt worden waren? Dass es ihnen, dem Volk gut gehen würde, wenn sie den beiden vertrauten und schlecht, wenn sie immer wieder gegen sie revoltierten?

Diese Frage kann nur von jedem einzeln entschieden werden, das gilt für die Politik, das gilt für zwischenmenschliche Beziehungen. Eines aber sollten wir alle daraus gelernt haben:

„Ein Streit um des Himmels Willen hat fortdauernden Wert, aber ein Streit, der nicht um des Himmels Willen geführt wird, hat keinen Bestand. Welcher Streit wurde um des Himmels Willen geführt? Der Streit zwischen Hillel und Schammai. Und welcher wurde nicht um des Himmels Willen geführt? Der Streit zwischen Korach und allen seinen Verbündeten.“ (Pirkei Avot 5, 20)

Deswegen komme ich jetzt auch wieder zurück zu den ‘Sprüchen der Väter’.

(21) Rabbi Elieser, Sohn des Asaja, sagt: «Ohne Torah kein respektvolles Leben, ohne respektvolles Leben keine Torah. Ohne Weisheit keine Gottesfurcht, ohne Gottesfurcht keine Weisheit. Ohne Kenntnis keine Einsicht, ohne Einsicht keine Kenntnis. Ohne Nahrung keine Torah, ohne Torah keine Nahrung.»

Vor wenigen Wochen haben wir Shavuot gefeiert. Jene Feiertage, an denen wir entsprechend der Tradition nur milchige Produkte zu uns genommen haben. Der Kreativität sind dabei, wie immer in der jüdischen Küche, keine Grenzen gesetzt. Die Torah gilt als unser Nahrungsmittel und so wie dem Kind zunächst die Muttermilch als ausschliessliche Nahrung dient, ist die Torah in Analogie dazu unsere erste und wichtigste geistige Nahrung. Aus dieser Erkenntnis erschliesst sich auch der erste Satz von Rabbi Elieser.

Bevor wir nicht die Torah verinnerlicht  haben, werden wir nicht in der Lage sein, einen gesunden Charakter zu entwickeln דרך ארץ)). Andererseits ist der gesunde Charakter die Voraussetzung, um die Torah zu verstehen und nach ihren Erkenntnissen zu leben.

Mit der Gabe dieses guten Charakters können wir ein ausreichendes Wissen erlangen, das auch eine gesunde Gottesfurcht umfasst.

Die Torah ist also die Grundlage eines Lebens, in dem wir nie darben müssen.

Shabbat Shalom ve rosh chodesh tov!



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