Krieg in Israel – Tag 636

7. Tammus 5785

Zum tödlichen Vorfall in Gaza, der in der vergangenen Woche sieben Soldaten das Leben kostete, wurden heute Details bekannt, die es nie hätte geben dürfen. Der APC Puma wurde in den 90-er Jahren in Israel entwickelt und auf dem Rumpf des ‘British Centurion Panzer’ aufgebaut. Die Crew des APC ist so trainiert, dass sie sich bei drohendem Beschuss in ihr Fahrzeug rettet. An jenem Tag wurde genau das zur tödlichen Falle. Der öffentlich-rechtliche Sender ‘Kan’ berichtet, dass die Ausstiegsluke des APC defekt war und nur mit einem Seil geschlossen werden konnte. Die Kameras des Fahrzeuges waren schon seit geraumer Zeit nicht mehr funktionsfähig. Die Hamas-Terroristen, die offenbar genau über die Schwachstellen der APC informiert waren, kletterten auf den APC, öffneten die Luke und warfen eine Panzer-Abwehr-Rakete in das Innere des Fahrzeugs. Andere Soldaten berichteten, dass die Vorgesetzten über diese desaströsen Zustände informiert waren und die Fahrzeuge trotzdem im Einsatz blieben. In einem Brief der Familienangehörigen heisst es, der Vorfall sei ‘unnötig und vermeidbar’ gewesen.

Netanyahu besuchte am Nachmittag erstmals seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 den mit am heftigsten getroffenen Kibbutz Nir Oz.  Mit dabei Sara N.. Er war immer wieder von den Bewohnern eingeladen worden, hatte aber bisher jede Einladung ignoriert. Von den etwa 400 Bewohnern wurden 117 entweder grausam ermordet oder nach Gaza verschleppt. Unter den immer noch in Gaza festgehaltenen lebenden und toten Geiseln befinden sich immer noch neun Kibbutznikim aus Nir Oz. Von vier Geiseln hofft man, dass sie noch am Leben sind. Die meisten Regierungsmitglieder haben einen Besuch bisher vermieden.

Offenbar hatte Netanyahu Angst, sich den normalerweise sehr gastfreundlichen Bewohnern des Kibbutz zu stellen. Seine Wagenkolonne, bestehend aus etwa zehn Wagen, fuhr durch den Nebeneingang. Aber auch da standen Kibbutznikim und bereiteten ihm einen lautstarken Empfang. Hier das Video.

Nach 2 ½-Stunden verliessen Netanyahu und seine Entourage den Kibbutz und liess die Bewohner mit der Hoffnung zurück, dass dieser Besuch die Freilassung der Geiseln beschleunigen werde.

‚Hooligans!‘ © Amos Bidermann

In der vergangenen Nacht brachen mehrere jüdische Siedler-Terroristen in das Haus einer palästinensischen Familie in Mu’arajat al-Sharqiya im südlichen Jordan Tal ein und zwangen die Familie, das Haus sofort zu verlassen. Bevor sie später unbehelligt abzogen, stahlen sie eine mobile Klimaanlage und Bargeld.

Ein anderes unbewohntes Haus wurde ebenfalls von den jüdischen Terroristen vorübergehend besetzt. Einem Farmer wurden in der Nacht mehr als 60 Schafe gestohlen.

Insgesamt sollen sich etwa 25 jüdische Siedler-Terroristen an den kriminellen Ausschreitungen beteiligt haben. Sie sollen, so Augenzeugen, israelische Aktivisten und Dorfbewohner mit Steinen beworfen und mit Knüppeln traktiert haben. Es gab keine Berichte über Verletzte. Obwohl es zahlreiche Anrufe bei der Polizei gab, wurden keine Beamten an den Tatort geschickt. Später erschienen zwar Soldaten, die aber nicht eingriffen, sondern entspannt mit den jüdischen Siedler-Terroristen zusammensassen.

Mu’arajat al-Sharqiya ist eine der wenigen noch bewohnten Siedlungen zwischen Ramallah und Jericho. Die Mehrheit der ehemaligen Bewohner ist geflohen oder wurde vertrieben.

Die Familien der beiden Geiseln Maxim Herkin und Bar Kuperstein haben der Veröffentlichung eines kurzen Clips eines Videos der Hamas zugestimmt. Im Clip erklärt Herkin «Wir sind tote Männer auf Abruf», in Anlehnung an den US-amerikanischen Film ‘Dead men walking’. Herkin sagt auch, dass sie sich nicht mehr als Menschen fühlen. In einem zweiten Teil sagt er nur «Bitte!» Ein Appell an die Zuschauer, sich um eine rasche Freilassung zu bemühen. Der Clip ist Teil eines längeren Videos, das bereits im April veröffentlicht wurde und in Teilen bereits von anderen Familien freigegeben wurde.

Hochrangige Hamas-Terroristen, die ihren Wohnsitz im komfortablen Ausland haben, wurden von katarischen Vermittlern aufgefordert, ihre persönlichen Waffen abzugeben. Die Sunday Times, die in Grossbritannien erscheint, bezeichnet dies als ‘Zeichen des guten Willens’ solange die Verhandlungen zum Geisel- und Waffenstillstands-Deal laufen. Derzeit prüft die Hamas den aktuellen Vorschlag und wird bis Freitag bekannt geben, ob sie damit, wie die Times schreibt, grundsätzlich einverstanden ist oder nicht. Weniger wohlwollend betrachtet, kann man den Vorschlag aus Katar auch als Verarschung Israels werten.

Das derzeit von der Hamas geprüfte Rahmenabkommen sieht zwingend vor, dass die Hamas den Gesundheitszustand jener Geiseln bekannt gibt, die nicht während der 60-tägigen Waffenruhe freigelassen werden. Im Gegenzug verpflichtet sich Israel, den Gesundheitszustand sämtlicher palästinensischen Sicherheits-Gefangenen zu dokumentieren, die seit dem 7. Oktober 2023 festgenommen wurden. Katar, Ägypten und die USA garantieren, dass ein ‘ernsthaft geführter’ Prozess bestenfalls zum Ende des Krieges führen wird.

Emma und Yuli Cunio, die Töchter von David und Sharon Aloni Cunio, feierten gestern ihren 5. Geburtstag. Ihren Vater David und ihren Onkel Ariel haben sie am 7. Oktober 2023 zum letzten Mal gesehen. Beim Massaker an diesem Tag wurde fast die gesamte Familie aus Nir Oz nach Gaza verschleppt. Während der zwei kurzen Waffenruhen wurden alle bis auf David und Ariel freigelassen. Die Mädchen hoffen darauf, dass Vater und Onkel bald wieder bei ihnen sein werden.



Kategorien:Israel, Politik

Schlagwörter:

Hinterlasse einen Kommentar