22./23.Tammus 5785 18./19. Juli 2025
Shabbateingang in Jerusalem: 19:05
Shabbatausgang in Jerusalem: 20:25
Shabbateingang in Zürich: 20:58
Shabbatausgang in Zürich: 22:12
ב“ה

Die Israeliten waren offensichtlich nicht ganz so perfekt, wie Gott sich das vorgestellt und es Bileam in den Mund gelegt hatte. Sie verbanden sich mit dem Dämonen Ba’al Peor, beteten ihn an und vergnügten sich mit den Midianiterinnen.
Warum es nach so vielen Jahren der gemeinsamen Geschichte auf einmal zu dieser strikten Ablehnung kam, ist kaum nachvollziehbar, immerhin war Zippora, die erste Frau von Moshe, die Tochter des midianitischen Priesters Jitro. Und Ruth, die später zur Urgrossmutter von König David wurde, war eine Moabiterin.
Gott jedoch war so enttäuscht und zornig, dass er befahl, alle Anführer des Volkes Israel hinrichten zu lassen. Und jeder, der sich dem Dämon zugewandt hatte, sollte ebenfalls getötet werden. Als ein Israelit, Simri, aus dem Stamm Shimons, sich erdreistete, seine midianitische Geliebte mit ins Lager zu bringen, wurden sie beide vom Priester Pinchas, dem Enkel Aarons, mit einem Speer getötet. Mord? Oder Durchsetzung des göttlichen Gebotes?
Gott lobte ihn für seinen Einsatz und bot ihm als Friedensvertrag an, dass er und seine Nachfahren ewig Priester sein werden. Den Israeliten aber befahl er, die Midianiter zu zerschlagen. Wieder einmal liess Gott die Zahl der wehrpflichtigen Männer erheben.
Anschliessend setzte Gott die Erbfolge ein, die von nun an gelten sollte. Entsprechend der Zahl der Männer in jedem Stamm sollte das Land, das er ihnen versprochen hatte, als Erbbesitz aufgeteilt werden. Wer welchen Landesteil erhalten sollte, würde das Los entscheiden. Das Land sollte jeweils den Namen der Stammesväter erhalten. Noch heute sind die Namen in der Bezeichnung der Regionalbehörden in Israel enthalten.
Ausser Moshe, Kaleb aus dem Stamm Juda und Joshua aus dem Stamm Ephraim lebte niemand mehr, der aus Ägypten geflohen war.
Machla, Noa, Hogla, Milka und Tirza, die letzten Überlebenden aus dem Stamm Menashe, dem Sohn Josefs, fühlten sich als Töchter um ihr Erbe betrogen. Ihr Vater Zelofhad war ohne Söhne gestorben, er war „nur“ mit fünf Töchtern gesegnet. Wer sollte für sie sorgen, wenn sie ohne Erbbesitz bleiben würden? Sie brachten ihr Anliegen vor Moshe und die Priester. Sie bekamen Recht!
Gott regelte an dieser Stelle die neue Erbfolge. Stirbt ein Mann ohne Söhne, aber mit Töchtern, so sind sie seine rechtlichen Erben. Stirbt er ohne Kinder, so geht sein Besitz an seine Brüder. Hat er auch keine Brüder, so fällt das Erbe an die Brüder seines Vaters. Hat der auch keine Brüder mehr, so fällt der Besitz an den nächsten lebenden Verwandten. Wir kennen dieses umgekehrte Springbrunnenprinzip noch heute!
Kurz vor dem Ende der 40-jährigen Wüstenwanderung muss Gott noch einiges regeln. Moshe darf das verheissene Land nicht betreten und bittet Gott inständig, einen Nachfolger für ihn zu wählen. Gott wählte Joshua und forderte Moshe auf, ihn zu den Priestern zu führen, wo er sich zukünftig den Entscheiden von ‚Urim und Tummim‘, den Lossteinen des Hohen Priesters, unterwerfen sollte. Diese kamen immer dann zum Einsatz, wenn es für Menschen nicht eindeutig war, zu entscheiden, ob etwas in Gottes Augen gut oder schlecht war.
Für Moshe ist das keine einfache Situation. Er, der von Gott gewählte, aber von seinem Volk nicht immer unangefochtene Führer, musste damit leben, einen Teil seiner Kompetenz abzugeben. Wie sich die Wahl Joshuas auf die Kommunikation mit den Israeliten auswirken würde, würde erst die Zeit zeigen. «Lass Gott, der alle Spielarten menschlichen Lebens kennt, denjenigen zum Anführer wählen, der gleichzeitig vor ihnen geht und doch in ihrer Mitte verbleibt, der sie aus der Gefahr führt und immer wieder vereint. Das Volk des Herren darf nicht Schafen ähneln, die keinen Leithammel haben.»
Der ideale Chef, der ideale Politiker, der ideale Teamplayer. Es ist durchaus den Versuch wert, sich aus der grossen Schar der Schafe zu lösen und zumindest teilweise zum Leithammel zu werden! Aber, und das möchte ich allen, die eine Führungsposition haben, ins Pflichtenheft schreiben: Vergesst nie eure Verantwortung gegenüber euren Mitarbeitern und bleibt ein Mensch!
Kommen wir wieder zu den Sprüchen der Väter.
(2) Ben Asai sagt: Eile zur leichtesten Mitzwa und fliehe vor jeder Sünde. Denn eine Mitzwa führt zu einer anderen Mitzwa und eine Sünde führt zu einer weiteren Sünde. Denn einer Mitzwa Lohn ist schon die Mitzwa und einer Sünde Lohn die Sünde.
Die einfachste Mitzwa? Welche von den 248 Geboten kann man als ‘einfach’ bezeichnen? Durch die Zerstörung des Tempels haben sich all jene erübrigt, die mit dem Tempeldienst und dem Priestertum zusammenhängen. Ich habe wieder einmal einen Blick auf die Liste geworfen und muss sagen, es fällt mir schwer, eine Auswahl zu treffen. Welche Kriterien wende ich an? Ganz sicher gehört das Anbringen der Mesusa dazu. Das ist ein einmaliger Akt, der beim Bezug einer neuen Wohnung oder einem neuen Haus geschieht. Das Anschlagen braucht nur wenige Minuten und ist zeitlich nicht gebunden. Im Alltag geht man meist achtlos an der liebevoll ausgesuchten Mesusa vorbei. Das kurze Innehalten, die folgende Mitzwa fällt aus… Alle anderen Mitzwot sind entweder an eine Zeit oder einen Ort gebunden. Entweder haben wir sie so fest verinnerlicht, dass wir sie im täglichen Leben nicht mehr als solche wahrnehmen und wie selbstverständlich ausführen. Oder wir haben sie im Gegenteil nie als solche wahrgenommen. Das bewusste Ausführen einer Mitzwa führt, und so verstehe ich den Satz, zur Auseinandersetzung mit unserer Lebensform, mit unserer Einstellung zu anderen Menschen. Wie auch immer, wenn wir soweit als möglich nach den Vorschriften leben, werden wir keinen Stress haben, in der Angst, entdeckt zu werden.
Die 365 Verbote sind es, die uns das Leben manchmal schwer machen. Aber alle die, die sich mit rechtlichen oder zwischenmenschlichen Fragen befassen oder auch den Umgang mit Tieren und der Natur regeln, sollten kein Problem der Nichtbeachtung darstellen. Was uns bei einer Übertretung, hier ‘Sünde’ genannt, oftmals ‘verfolgt’, ist das schlechte Gewissen, auch die Unzufriedenheit mit uns selbst. Oder wir begehen sogar im Versuch den ersten Fall zu kaschieren, eine weitere Übertretung. Dann verstricken wir uns in eine Abfolge von Schwindeleien und Lügen.
(3) Er pflegte zu sagen: Verachte keinen Menschen und verweise nichts aus dem Bereich der Beachtung, denn jeder Mensch hat seine Stunde und jedes Ding seine Stätte.
Gleichgültig, ob wir es mit einem Simpel, einem Hochbegabten, einem Menschenfreund, Griesgram, verurteiltem Verbrecher zu tun haben. Wir müssen in ihm den Menschen sehen, wir müssen ihn nicht lieben, aber wir müssen ihm mit einem Minimum an Respekt entgegenkommen. Wir wissen nie, was sich hinter dem äusseren oder sozialen Status versteckt und welches Schicksal ihn zu dem hat werden lassen, was er ist. Das galt früher und das gilt heute, wo Kriege Menschen aus der Bahn werden.
Shabbat Shalom
Kategorien:Religion
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