Krieg in Israel – Tag 659

01. Av 5785

Nach dem Vorstoss des französischen Präsidenten Emanuel Macron, der im September vor der UN den Staat Palästina anerkennen wird, gibt sich Italiens Giorgia Meloni äusserst zurückhaltend. «Ich bin sehr für einen palästinensischen Staat, aber ich bin nicht dafür, ihn vor seiner Gründung anzuerkennen», erklärt Meloni gegenüber der italienischen Tageszeitung La Repubblica. «Wenn etwas, das nicht existiert, auf dem Papier anerkannt wird, könnte das Problem als gelöst erscheinen, obwohl es das nicht ist.» Eine der Bedingungen sei, dass der Staat Palästina im sofortigen Gegenzug den Staat Israel anerkennen muss. Das ist heutigen Einschätzungen zufolge für die palästinensische Führung eine absolute rote Grenze, die einem völligen Aufgeben ihrer Charta, Israel zu zerstören gleichkäme und deshalb unvorstellbar ist. Auch Deutschland winkte ab und betonte, nach wie vor die Zwei-Staaten-Lösung zu favorisieren.

Reza Pahlavi, Kronprinz des Iran, der im Exil in den USA lebt, zeigt sich zuversichtlich über eine sich bildende Oppositionsbewegung im Iran. Mehr als 50.000 Soldaten und Regierungsmitarbeiter haben sich auf einer speziell eingerichteten, sicheren Webseite registriert. Für jeden interessierten Bürger des Landes steht eine zweite Webseite zur Verfügung. «Jede Woche kommen neue Zahlen hinzu. Natürlich müssen wir die Daten analysieren, das ist ein mühsamer Prozess, der einige Zeit in Anspruch nehmen wird, aber die Signale sind recht eindeutig. Wir haben eine enorme Resonanz erhalten und natürlich legen wir grössten Wert auf die Schlüsselelemente innerhalb der von mir genannten Segmente», sagt er. Es ist ihm und dem Volk des Iran von Herzen zu wünschen, dass sich eine nennenswerte und aktive Opposition bildet, die es schafft, das herrschende Terror-Regime zu stürzen und den Iran wieder zum Blühen zu bringen!

Trump erklärte vor seinem Flug ins Wochenende, dass die Hamas offenbar nicht an einer neuen Vereinbarung interessiert ist. Daher werde er Israel bei der Fortsetzung seiner Operationen gegen die Terrororganisation unterstützen. «Die Hamas wollte eigentlich keine Vereinbarung treffen. Ich glaube, sie wollen sterben.» Ein arabischer Diplomat hatte nach dem Abzug des israelischen Verhandlungsteams zugegeben, dass es zu viele Änderungsforderungen durch die Hamas gebe. «Trotzdem hoffen wir, dass die Differenzen überbrückbar sind.» Trump zeigte sich pessimistisch, was die Befreiung der Geiseln angeht und erklärte zum ersten Mal in der Öffentlichkeit, dass es möglicherweise unmöglich sei, alle noch lebenden Geiseln zu befreien. Er behauptete, die derzeitige Pattsituation schon lange vorhergesagt zu haben. «Wir haben viele Geiseln befreit. Aber wenn es um die letzten 10 oder 20 geht, glaube ich nicht, dass die Hamas einen Deal machen wird, denn das würde bedeuten, dass sie keinen Schutz mehr hat. Und genau das ist im Grunde genommen passiert. Ich glaube, was geschehen wird, ist, dass sie gejagt werden», fuhr Trump fort. «Es ist an einem Punkt angelangt, an dem Israel die Sache zu Ende bringen muss. Israel muss kämpfen und aufräumen. Sie müssen die Hamas loswerden.» Trumps Äusserungen wurden so interpretiert, dass er weiteren Verhandlungen keine Chance mehr gebe. «Eine schreckliche Vorstellung», sagte er und räumte ein, dass die Situation «irgendwie enttäuschend sei.»

Netanyahu liess prompt aus seinem Büro verkünden: «Wir werden alternative Optionen prüfen, um unsere Geiseln nach Hause zu holen», und zitierte damit den Nahost-Sondergesandten Steve Witkoff. Dass es sich dabei nicht um eine gewaltlose Option handelt, ist klar. Die wäre ja sicher schon ausprobiert worden. Also kann es nur um noch mehr Gewalt handeln.

Die Hamas zeigt sich überrascht über die Anschuldigungen von Trump, dass ‘die Hamas nicht wirklich einen Waffenstillstand und die Freilassung der Geiseln gewollt habe’. «Trumps Äusserungen sind besonders überraschend, zumal sie zu einem Zeitpunkt kommen, an dem in einigen Verhandlungsbereichen Fortschritte erzielt worden waren», sagt Hamas-Vertreter Taher al-Nunu gegenüber AFP. «Bislang wurden wir über keine Probleme hinsichtlich der in den indirekten Waffenstillstandsverhandlungen diskutierten Punkte informiert.» Sie fordern die USA auf, ihre Rolle als Vermittler bei den Bemühungen um einen Waffenstillstand nach mehr als 21 Monaten Kampfhandlungen ausgewogener zu gestalten. «Wir fordern ein Ende der Voreingenommenheit der USA zugunsten von Netanyahu, der jede Einigung blockiert.»

Einav Zangauker, deren Sohn Matan immer noch in Gaza festgehalten wird, spricht klare Worte: «Wir haben die Hamas besiegt, und wegen Israels Beharren auf ein paar Metern Land wird Matan mit seinem Leben bezahlen. Wenn die Verhandlungen scheitern, wird mein Matan mit ihnen scheitern; er und die anderen 49 Geiseln werden scheitern.» Matan leidet an Muskelschwund und muss dringend Medikamente erhalten. Das Militär hat, so Zangauker, seinen Job erledigt, jeder weitere Druck bringe nichts mehr. «Die Konzepte, die Ben-Gvir und Smotrich uns aufgezwungen haben, sind gescheitert.»

Heimlich, still und leise nähert sich das nächste Boot der ‘Gaza Flotilla’. Die ‘Handala’ hat am 1. Juli den Hafen von Syrakus verlassen und befindet sich nun etwa 105 sm entfernt von Gaza. Damit sind sie ihrem Ziel schon etwas näher gekommen als die ‘Madleen’ im Frühsommer. Die‘Conscience’, ein weiteres Boot auf dem Weg nach Gaza, befindet sich derzeit in der Nähe von Malta und eine mexikanische Gruppe des ‘Global March to Gaza’ ist auf dem Weg nordöstlich von Kairo.

COGAT erklärte, dass mehr als 200 Lkws mit Hilfslieferungen gestern von der UNO und anderen Hilfsorganisationen abgerufen und nach Gaza gebracht wurden. Weitere 90 Lkws wurden am Kontrollpunkt bereits abgeladen und warten darauf, umgeladen zu werden. Nachdem Israel gestern internationale Journalisten nach Gaza brachte, um selbst die dort gelagerten Lebensmittel zu sehen, ging es auf einmal schnell. Mehr als 900 Lkw-Ladungen stehen bereit, abgeholt zu werden. Wir arbeiten hart daran, die Lieferungen zu beschleunigen. Leider gibt es bei den Lieferungen in einigen Gebiete grosse Schwierigkeiten.

Israel gab zwischenzeitlich bekannt, die Lieferung von Lebensmitteln und Hilfsgütern ‘aus der Luft’ mittels Fallschirmen wieder zu gestatten. Vor allem Jordanien und die VAE , aber auch Frankreich und Ägypten hatten im vergangenen Jahr solche Lieferungen über einige Monate hinweg getätigt. Leider starben dabei durch eine technische Fehlfunktion fünf Palästinenser.

Hilfsgüter und Lebensmittel sollen auch in den von Drusen bewohnten Süden von Syrien geschickt werden. Das versprach VM Katz bei einem Besuch beim israelischen Drusenführer Sheikh Muafak Tarif in dessen Heimatort Dschulis. Am Donnerstag hatte Sheik Tarif Netanyahu in seinem Büro in Jerusalem aufgesucht. Am Freitag besuchte er mit einer drusischen Delegation Präsident Herzog. Tarif hatte unmittelbar nach dem Ausbruch der Gewalt gegen die Drusen in Sweida Israel um Hilfe gebeten und diese auch sofort bekommen.

Dschulis liegt auf halbem Weg zwischen Haifa und Rosh HaNikra, östlich von Akko. Laut osmanischen Steueraufzeichnungen wurde der Ort im 16. Jahrhundert gegründet. Auf den Karten der napoleonischen Expedition von 1799 wird der Ort als ‘Djoules’ bezeichnet.

Im palästinensischen Dorf Kisan, südöstlich von Bethlehem in Judäa setzten in der vergangenen Nacht jüdische Siedler-Terroristen einige Häuser in Brand. Seit dem Sechs-Tage-Krieg ist das Dorf israelisch besetzt. Im östlichen Teil des Dorfes wurden 65.5 % des Landes für israelische Siedlungszwecke durch die Grenzmauer abgetrennt. Seit Beginn des Krieges nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 wird das Dorf immer wieder von jüdischen Siedler-Terroristen angegriffen. Erstaunlicherweise wurden einige Verdächtige festgenommen und von der IDF der Polizei übergeben. Es gab keine Verletzten.



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