3. Aw 5785

Erneut wusste ein Reservesoldat keine andere Lösung mehr, das Erlebte in Gaza während des Krieges zu verarbeiten, als den Freitod. Ariel Meir Taman, s’’l, arbeitete im Militärrabbinat und half, die in Gaza während des Krieges gefallenen Soldaten zu identifizieren. Am Sonntag wurde er in seiner Heimatstadt Ofakim tot aufgefunden. Militär-GStA Tomer Yersushalmi wird die Umstände des Freitods untersuchen. Allein in diesem Monat suizidierten sich sechs Soldaten. Drei von ihnen waren aktive Kampfsoldaten, einer war Reservist im aktiven Dienst, zwei hatten den verlängerten Reservedienst abgeleistet. Bis Ende 2024 gab es 21 Fälle von bekannt gewordenen Selbstmorden. Für das laufende Jahr gibt es noch keine offiziellen Zahlen der IDF, laut Angaben vom Haaretz waren es 17 Soldaten, die im aktiven Dienst standen, sowie mindestens 12, die aufgrund von psychischen Problemen nicht mehr in den Dienst gerufen worden. Ihre Probleme sind allesamt kriegsbedingt. Es ist schrecklich, dass es in Israel nicht gelingt, diese verzweifelten Menschen zu erreichen, bevor sie den Weg in den Freitod wählen.
Dutzende Abgeordnete werden sich heute in Washington bei der UNO zu einer verspäteten Konferenz treffen. Das einzige Thema: die Zwei-Staaten-Lösung. Die von Frankreich und Saudi-Arabien initiierte Konferenz wurde im vergangenen Jahr auf das Jahr 2025 verschoben. Der Grund war der Angriff Israels auf Atom-Wissenschaftler und Uran-Anreicherungs-Anlagen im Iran, nachdem der Iran Israel angegriffen hatte. Die Konferenz soll sowohl einen Rahmenplan ausarbeiten, aber auch herausfinden, wie die Sicherheit Israels erreicht werden soll. Frankreich wird sich bemühen, weitere Unterstützer zu finden, um im September Palästina offiziell anzuerkennen. Die USA bezeichnen die Konferenz als ‘Geschenk für die Hamas’ und werden der Konferenz fernbleiben, ebenso wie Israel.
Fassen wir zusammen, welche Schäden durch den Angriff des Irans auf Israel verursacht wurden: 29 Menschen starben, mehr als 3.000 wurden verletzt, 2.305 Wohnungen in 240 Gebäuden wurden unbewohnbar. Mehr als 13.000 Menschen wurden obdachlos. Zwei Universitäten und ein Krankenhaus wurden stark beschädigt. In der vergangenen Woche begann man damit, 22 teilweise oder ganz zerstörte Häuser in Bat Yam abzureissen. Von peinlichen Feierlichkeiten wurde nichts bekannt.

Gestern begann in Anwesenheit von VM Israel Katz der Abriss der betroffenen Häuser in Holon. Bei der Zeremonie wurden Champagner und Häppchen gereicht. Katz, der mich immer mehr an den ‘Ritter von der traurigen Gestalt’ aus dem Roman von Cervantes ‘Don Quijote’ erinnert, lobte die Operation gegen den Iran als die ‘grösste Operation in der Geschichte Israels’. «Sie sind die wahren Helden», sagte er zu den Bewohnern, «Wir sind entschlossen, alles zu tun, damit Sie schnell wieder in Ihr Leben zurückkehren können. Heute reissen wir ab, damit wir wieder aufbauen können – das ist Teil des Sieges.» Die vertriebenen Bewohner, die zuschauen mussten, wie ihr Heim in sich zusammenbrach, bezeichneten die Zeremonie als ‘geschmacklos’ und ‘ekelhaft’.
Der Sprecher des iranischen Aussenministeriums, Esmaeil Baghaei, gab bekannt, dass eine Delegation der UN-Atombehörde dem Iran innerhalb der kommenden zwei Wochen einen Besuch abstatten wird. Damit unterstreicht Teheran seine Bereitschaft, wieder ‘technische Gespräche’ aufzunehmen. Beim Besuch soll auch ein Handbuch über die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Teheran und der IAEO vorgelegt werden. Auf den Inhalt darf man gespannt sein, da das Handbuch nur von iranischer Seite ausgearbeitet wurde.

Am ersten Tag der ‘taktischen’ Waffenruhe fuhren gestern mehr als 120 Lkws mit Lebensmitteln und Hilfsgütern in den Gazastreifen. Den Transport hatten die UNO und andere internationale Organisationen übernommen. Israel hatte versprochen, vermehrt Lieferungen zuzulassen und weitere sichere Korridore zu öffnen. Die Grenze nach Ägypten wurden heute Vormittag zum ersten Mal seit einigen Monaten wieder geöffnet, um Lieferungen von Ägypten und den VAE nach Gaza fahren zu lassen.
Likud Erziehungsminister Yoav Kisch sieht keinerlei Chancen, die Geiseln im Rahmen eines Abkommens befreien zu können. Als Grund dafür nennt er die Unnachgiebigkeit der Hamas. «Wir müssen uns darauf konzentrieren, wie wir die Kriegsziele erreichen können, da wir wissen, dass die Hamas die Geiseln nicht freilassen wird.» Die Massnahmen, die Israel am Samstagabend angekündigt hat, um den Hilfsfluss zu erhöhen, darunter die Öffnung ‘humanitärer Korridore’ und eine zehnstündige Kampfpause in dicht besiedelten Gebieten, «helfen uns taktisch vor Ort im Kampf gegen die Hamas nicht weiter», so Kisch. «Der wichtigste Punkt ist, dass ich nicht glaube, dass dies eine Strategie ist, die wir sehr lange verfolgen werden», fügt er hinzu. Die persönliche Meinung von einem Dummschwätzer.
Im selben Medium sagt der Likud-Abgeordnete Moshe Saada, er glaube, Netanyahus strategisches Ziel in Gaza sei «eine Militärregierung, die Eroberung des Gazastreifens, der Verbleib im Gazastreifen, eine humanitäre Stadt und die Förderung der Migration». Saada fügt hinzu, Netanyahu habe diese Schritte bisher unterlassen, «weil er versucht hat, die Geiseln zurückzuholen.»
Das sind keine positiven, erfolgversprechenden Worte, was das Schicksal der noch in Gaza festgehaltenen Geiseln angeht. Es klingt eher danach, dass sich das bewahrheitet, was sich seit Monaten immer mehr herauskristallisiert: Die Geiseln interessieren weder Netanyahu noch sonst ein Mitglied seiner rechtsextremen Kamarilla!




Erneut haben jüdische Siedler-Terroristen den Ort Taybeh angegriffen. Bei den Angriffen gingen erneut einige Fahrzeuge in Flammen auf und Wände wurden mit Graffitis beschmiert. Wie mittlerweile üblich, wurden keine Verhaftungen vorgenommen, ein Resultat der rechtsextrem-radikalen Toleranz-Politik gegenüber den jüdischen Terroristen. Richteten sich die Angriffe bisher nahezu ausschliesslich gegen muslimische Palästinenser, so sind in Taybeh fast ausschliesslich christliche Palästinenser betroffen. Diese üblen Siedler-Terroristen schaffen es wirklich tagtäglich dem Ansehen Israels und uns Juden zu schaden.

Bei nächtlichen Angriffen der IAF sind in Gaza angeblich 33 Personen getötet worden. 15 Personen wurden bei mehreren Angriffen auf die Region getötet, drei verloren ihr Leben bei einem Treffer eines Appartements in al-Daraj, 15 weitere starben in Khan Younis.





Was schenkt man einem Mann? Eine Rose? Kurz nach seiner Befreiung hat Ofer Kalderon, 54, der gemeinsam mit Yarden Bibas im Januar aus der Geiselhaft in Gaza befreit wurden, die Soldaten gefragt, ob er ein Bier bekommen könne. Es wurde ihm verwehrt, er sei noch zu schwach. Auch Yarden hatte gesagt, er freue sich auf Bier und Bambas. Auch er musste warten. Am Sonntag machte sich Ofer selbst ein Geschenk. Bei der letzten Etappe der Tour de France, die nicht mehr in die Wertung fällt, fuhr er gemeinsam mit dem israelischen ‘Premier Tech Pro Cycling Team’ über die Champs-Elysées und wurde von den Zuschauern herzlichst begrüsst. Am 100. Tag nach dem Massaker hatte der Besitzer des Rennteams, Sylvan Adams, bei einem speziell initiierten Rennen auf die Geiseln aufmerksam gemacht und versprochen, gemeinsam mit Ofer Kalderon die letzte Strecke auf der Pariser Prachtstrasse zu fahren.
Ofer Kalderon ist ein begeisterter Hobby-Velofahrer und zeigte sich sichtlich bewegt: «Ich bin immer noch total überwältigt, dass ich hier bei der Tour de France auf einem Fahrrad sitze. Ich war noch nie in Paris, schon gar nicht mit dem Fahrrad. Ich bin so emotional, hier mit dem Team zu sein. Aber ich bin auch hin- und hergerissen: Diese Freude kann nicht vollkommen sein, denn neben all diesen Emotionen ist es sehr schwer, mit dem fertig zu werden, was mir und allen Menschen in Israel widerfährt – dass wir immer noch Geiseln in Gaza haben, unsere Soldaten dort sind und einige getötet werden. Nichts wird vollkommen sein, bis alle wieder zu Hause sind. Es ist Zeit, diese Geschichte zu beenden und alle zurückzuholen.»
Das diesjährige Rennen war den Geiseln gewidmet, die immer noch in Gaza festgehalten werden. Auf den Teamfahrzeugen waren die Namen und Bilder der Geiseln zu sehen.
«Ich bin von Natur aus ein optimistischer Mensch», sagt Kalderon. „Das hat sich auch in den 484 Tagen, die ich in Gaza verbracht habe, nicht geändert. In dieser Hinsicht bin ich derselbe Ofer geblieben. Die Hoffnung hat mich dort am Leben gehalten. Ich habe daran geglaubt, dass ich wieder herauskommen würde. Ich habe daran geglaubt, dass ich wieder Fahrrad fahren würde. Und jetzt bin ich hier, mit diesem einzigartigen Gefühl, das jeder Radfahrer kennt. Daran habe ich dort als Geisel festgehalten. Ich habe nicht aufgegeben. Und jetzt bin ich hier.“
Das Bier sollen er und seine Teamkollegen natürlich erhalten. Nach der Tour de France ist jetzt erst mal Pause, da dürfen sie sich das gönnen!
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