Krieg in Israel – Tag 664

6. Aw 5785

Auch heute musste die IDF den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Roi Wasserstein, 24, s’’l, ein Reservist, der mehr als 300 Tage in Gaza in der Evakuierungseinheit gedient hatte, beging gestern Selbstmord. Zu seinen Aufgaben gehörte es, verwundete und gefallene Soldaten unter Feuer zu evakuieren. Dabei war er immer mit traumatischen Ereignissen konfrontiert, die er zuletzt nicht mehr verkraftete.

GStA Gali Baharav-Miara wurde für den kommenden Montag zu einer Anhörung vor dem Kabinett aufgeboten. Die Anhörung findet um 1:30 im Büro des PM in Jerusalem statt. Die Abstimmung über ihre Entlassung kann sofort im Anschluss erfolgen. Entsprechend einer Entscheidung des OGH wird sie im Amt verbleiben, bis das Gericht alle bereits eingegangenen Petitionen prüfen wird. Die Regierung hat bereits angekündigt, sie ab dem Moment der Entlassung, die sicher erfolgen wird, zu boykottieren. Sie wird u.a. keine Einladungen zu Sitzungen von Gremien und vom Kabinett mehr erhalten.

Der britische Oberrabbiner Rabbi Ephraim Mirvis kritisiert die britische Regierung dafür, Palästina als Staat anerkennen zu wollen. Mirvis erklärte dazu, dass ein solcher Schritt die Hamas dazu bringen könnte, die Verhandlungen zu torpedieren. «Es untergräbt daher grundlegend die Sache des Friedens und der Sicherheit für Palästinenser und Israelis gleichermassen. Die Asymmetrie, ein klares Ultimatum an Israel zu stellen, aber nicht an die Hamas, ist ein unfassbarer Fehltritt. Viele in den jüdischen Gemeinden Grossbritanniens betrachten diesen Schritt als tiefen Verrat an Israels Streben nach einem Leben ohne Terror an seinen Grenzen. Und wie so oft, wenn der jüdische Staat verwundbar erscheint, werden Extremisten im In- und Ausland ermutigt, und das jüdische Volk ist dadurch noch verwundbarer.» Der Druck müsse mehr auf die Hamas und weniger auf Israel ausgeübt werden.

Der kanadische PM Mark Carney gab bekannt, gemeinsam mit Frankreich, Malta und anderen Staaten Palästina als Staat anerkennen zu wollen. Was er nicht wissen konnte, Trump, der in Kanada ja schon so etwas wie ein ‘Aussengebiet’ der USA sieht, kündigte daraufhin an, die Zölle für Kanada zu erhöhen. Auch der portugiesische PM Luis Montenegro denkt darüber nach, bei der UN-Generalversammlung diesen Schritt zu gehen.

Netzfund

Trump kam gestern zu der Erkenntnis, wie das Leid in Gaza ganz schnell beendet werden kann und schrie sie lautstark auf seiner privaten Social-Media Plattform ‘Truth’ hinaus: «Der schnellste Weg, die humanitäre Krise in Gaza zu beenden, ist für die Hamas ERGEBT EUCH UND BEFREIT DIE GEISELN (sic!)» Auch wenn sich Trump, Netanyahu und Witkoff einig sind, dass die Hamas die Verhandlungen verzögert, wird Witkoff bei seinem Besuch in Jerusalem heute versuchen, Netanyahu einige Konzessionen abzupressen. Trump glänzt immer mit grossen Worten denen kleine oder keine Taten folgen.

Gestern marschierten Hunderte Demonstranten zur Knesset. Sie forderten die Fortsetzung des Krieges in Gaza, bis die Hamas endgültig besiegt sei. Mit dabei waren verwundete Soldaten, Familien von Gefallenen und Mitglieder des rechten ‘Tikva-Forums’, das die Familien von noch in Gaza festgehaltenen Geiseln vertritt. «Wir sind gekommen, um eine klare Botschaft zu überbringen: Es gibt keinen anderen Weg, die Hamas muss besiegt werden. Nur der Sieg wird den Bewohnern des Südens, den Gemeinden an der Grenze zum Gazastreifen und den Bürgern Israels echte Sicherheit bringen», erklärt Oberstleutnant Itamar Eitam, Kommandeur einer Reservebrigade und fährt fort: «Der Preis, den wir mit unseren Gliedmassen, unseren Narben und dem Blut unserer Kameraden bezahlt haben, darf nicht durch einen Rückzug verschwendet werden. Es ist unsere Pflicht, die Geiseln nach Hause zu bringen und die Hamas zu vernichten.» Die Demonstration verlief ohne Zwischenfälle.

Netanyahu traf sich am gestrigen Abend mit seinem Kreis engster Berater, um den Fortschritt, resp. den Stillstand der Verhandlungen zum Geisel- und Waffenstillstandsabkommen zu diskutieren. Dabei wurde der Hamas eine Botschaft übermittelt, die über das weitere Vorgehen Israels informiert, falls die Hamas den vorliegenden Vorschlag nicht in den kommenden Tagen akzeptiert. Israel werde in dem Fall damit beginnen, Gebiete zu annektieren. Des Weiteren hat Israel den Vermittlern ein Dokument zukommen lassen, worin nochmals festgehalten wird, dass Israel sich weder aus dem Philadelphi-Korridor, der Grenze in Rafah, noch aus den Pufferzonen zurückziehen wird. Zusätzlich wird festgehalten, dass die von der Hamas geforderte Zahl an Gefangenen, die freigelassen werden sollen, weitaus zu hoch ist. Israel geht davon aus, dass die Hamas keine weitere Flexibilität zeigen wird. Das Weisse Haus zeigt derzeit keine Bereitschaft, einer Annektierung zuzustimmen.

Ein Militärrichter in Ofer hat die Untersuchungshaft für vier Palästinenser, die im Zusammenhang mit der Ermordung von Awdah Hathleen (s. gestern) festgenommen wurden, um acht Tage verlängert. Der mutmassliche Mörder, ein mehrfach vorbestrafter und von Kanada, GB und der EU sanktionierter jüdischer Siedler-Terrorist hingegen wurde nur bis morgen in den Hausarrest geschickt. Offensichtlicher kann die Ungleichbehandlung nicht gezeigt werden! Als Begründung für die verlängerte U-Haft wird angeführt, dass zum einen die Fahrzeuge von Levi beschädigt wurden und er selbst sich in Lebensgefahr befand, bevor er seine Waffe benutzte.

Die Zahl jener Soldaten und Reservisten, die keinen anderen Ausweg mehr sehen, als sich das Leben zu nehmen, ist seit dem Massaker vom 7. Oktober und dem dadurch ausgelösten Krieg, stark angestiegen. Ende der vergangenen Woche wurden deshalb ohne mediales Aufsehen neue Richtlinien eingeführt. Dass dies so unbemerkt geschah, lässt vermuten, dass die vom Innen- und Gesundheitsministerium immer wieder betonte und gelobte engmaschige Betreuung nicht ausreichend war. Dazu kommt, dass die entsprechenden Budgetgelder zugunsten anderer Ministerien in den letzten Monaten stark reduziert wurden. Der Behinderungsgrad als Folge einer ‘Posttraumatischen Belastungsstörung’ (PTBS) wird von staatlicher Seite festgestellt. Wer 30% oder mehr erreicht, und das sind viele Soldaten, wird als ‘moderat, aber langfristig’ beeinträchtigt eingestuft. Bei ihnen muss der Militärpsychologe entscheiden, ob sie noch wehrfähig sind oder nicht. Dieser Entscheid muss bei jeder neuen Einberufung getroffen werden, was aber aus Zeit- und Geldgründen längst nicht immer geschieht. Und so kann es sein, dass schwer traumatisierte Soldaten erneut einberufen und in den Kampf geschickt werden. Mit den bekannten Ergebnissen.

Journalisten haben es mittlerweile schwer, unmittelbar aus dem Gazastreifen zu berichten. Nicht erst, seit sich als ‘Presse’ gekennzeichnete angebliche ‘al-Jazeera’ Journalisten als aktive Mitglieder der Hamas-Terroristen entpuppten. Seit dem 7. Oktober ist der Gazastreifen für Pressemitglieder nahezu eine No-Go-Zone geworden. Dazu gibt es eine Informationssperre, die durch die israelische Politik verstärkt wird. So ist eine offene und unabhängige Berichterstattung nicht möglich. Wenn eine Gruppe von der IDF zugelassen wird, dann nur auf begleiteten Wegen, ohne die Chance, einen persönlichen Kontakt, weder mit der IDF noch den Palästinensern herzustellen. Der offizielle Grund ist die Gefahr, die jedem droht, der sich auf eigene Faust auf den Weg macht. Die IDF wehrt sich, für die strikten Beschränkungen nicht zuständig zu sein. Der Befehl sei von einer anderen übergeordneten Stelle gekommen. Palästinensische Journalisten, die in Gaza leben, werden mittlerweile mit den schwierigen humanitären Bedingungen konfrontiert, die auch sie betreffen. Die IDF gibt an, nicht gegen als ‘Presse’ erkennbare Menschen vorzugehen. Das ‘Komitee zum Schutz von Journalisten’ gibt an, dass seit Kriegsbeginn 186 Medienvertreter, darunter zwei Israelis beim Massaker, getötet wurden. Mehr als in jedem anderen Krieg. «Die Last der Berichterstattung sollte nicht allein auf unseren palästinensischen Kollegen in Gaza lasten. Vor allem jetzt, wo sie nach 21 Monaten Krieg unter extrem harten Bedingungen leben, ihr Leben riskieren, um Nachrichten zu liefern, und gleichzeitig darum kämpfen, sich und ihre Familien zu ernähren.» Letzte Woche gab die Journalistenvereinigung der Agence France Presse in einer Erklärung bekannt, dass ihre Kollegen, die aus dem Gazastreifen berichten, ernsthaft von Hunger bedroht seien und dass «ohne Intervention die letzten Reporter in Gaza sterben werden.» In der Erklärung hiess es, dass die AFP-Journalisten in Gaza kürzlich gewarnt hätten, dass sie nicht mehr die Kraft hätten, zu berichten. Ein Fotograf in der Enklave schrieb am Samstag in einem Facebook-Post: «Mein Körper ist abgemagert und ich kann nicht mehr arbeiten.» Auch dieses tragische Problem kann einfach gelöst werden, wenn die Geiseln sofort freigelassen werden.

Erneut haben jüdische Siedler-Terroristen in drei palästinensischen Dörfern, Silwad, Ramon und Abu Falah, alle in der Nähe von Ramallah, Fahrzeuge und zumindest auch ein Gebäude in Brand gesteckt. Ein Palästinenser, der versuchte, das Feuer in seinem Haus zu löschen, erlitt eine schwere Rauchvergiftung, an deren Folgen er noch in der Nacht starb. Ob es weitere Verletzte gab, ist nicht bekannt.

Die zwei rechtsextrem-nationalistischen Hooligans Smotrich und Ben-Gvir haben in einer Kabinettsitzung angeregt, ganz Gaza City samt allen darunter liegenden Tunnels völlig zu zerstören. Die IDF kontrolliert derzeit den Ostteil der Stadt, während im Westen der Stadt etwa eine Million Vertriebene leben. Dort gilt derzeit die tägliche humanitäre Waffenruhe. Generalstabschef Zamir erklärte, dass im Fall eines solchen Vorgehens die Regierung zugeben müsse, dass die Befreiung der Geiseln zweitrangig ist und das Leben der Geiseln enorm gefährdet wäre. Die Zerstörung von Gaza City würde Monate dauern und eine erhebliche Aufstockung im Militär bedeuten. Weiterhin verlangen die Rechtsextremen, den Plan von Trump, die Gazaner zu einem ‘freiwilligen’ Auswandern zu bringen, voranzutreiben. Netanyahu versprach Ben-Gvir, den Plan bald umsetzen zu wollen, wenn keine Einigung über die Freilassung der Geiseln erzielt wird.

Israel evakuierte einige Palästinenser, mit denen sie in den vergangenen Monaten eng zusammengearbeitet hatten. Sie wurden durch die Explosion im Eingang eines Tunnels schwer verwundet. Dieser Vorfall fand im nördlichen Teil des Gazastreifens statt. Ein zweiter Vorfall ereignete sich im Süden, als ein Haus zusammenstürzte, während die IDF mit den Gazanern dabei war, es auf Sprengsätze zu untersuchen. Diese Gazaner, hatten zuvor teils enge Verbindungen zur palästinensischen Terror-Organisation Hamas und kannten sich daher sehr gut in den Tunnel-Netzwerken aus. Sie wurden zur Behandlung mit Hubschraubern evakuiert und in Krankenhäuser gebracht.

Gestern Abend fing die IDF erneut eine Rakete ab, die von den Huthi-Terroristen auf Israel abgeschossen wurde. Nachdem sie bereits in der Nähe der ägyptischen Grenze zerstört werden konnte, wurde kein Alarm aufgelöst.

Gestern versuchte eine ungewöhnliche grosse Zelle von etwa zwölf Terroristen, der IDF einen Hinterhalt zu stellen, sie anzugreifen und möglichst einige Soldaten zu entführen. Sie wurden jedoch frühzeitig entdeckt. Ein zur Unterstützung herbeigerufener Helikopter kam jedoch um Sekunden zu spät, sodass die Terroristen sich wieder in einen Tunnel zurückziehen konnten.



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