Krieg in Israel – Tag 676

18. Aw 5785

Eine Bande von haredischen Jugendlichen verfolgte gestern einen Postboten, der im überwiegend von Haredis bewohnten Bukharan-Viertel von Jerusalem Einberufungsbescheide zustellte. Sie durchsuchten seinen Postwagen, stahlen gezielt die Briefe des Militärs und zerrissen sie. Als er später zu seinem Auto zurückkehrte, fand er die Frontscheibe eingeschlagen vor. Er erstattete wegen der Vorfälle eine Anzeige.

24 Staaten haben Israel gemeinsam dringend aufgefordert, uneingeschränkte Hilfslieferungen nach Gaza zuzulassen. In dem Schreiben heisst es: «Vor unseren Augen breitet sich eine Hungersnot aus. Es sind jetzt dringend Massnahmen erforderlich, um die Hungersnot zu stoppen und umzukehren. Wir fordern die israelische Regierung auf, alle Hilfslieferungen internationaler (NGOs) zu genehmigen und die Arbeit wichtiger humanitärer Akteure nicht länger zu behindern. Alle Grenzübergänge und Routen müssen genutzt werden, um einen Strom von Hilfsgütern nach Gaza zu ermöglichen, darunter Lebens- und Nahrungsmittel, Unterkünfte, Treibstoff, sauberes Wasser, Medikamente und medizinische Ausrüstung.» Israel lehnt nach wie vor jede Verantwortung an der sich ausbreitenden Hungersnot ab und schiebt diese auf die Hamas und die UNO. Aufgrund des zunehmenden Drucks wurden jedoch seit Ende Juli vermehrt Lieferungen zugelassen. Die Erklärung wurde von Australien, Belgien, Kanada, Zypern, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Irland, Japan, Litauen, Luxemburg, Malta, den Niederlanden, Norwegen, Portugal, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, der Schweiz und Grossbritannien unterzeichnet.

Oppositionsführer Yair Lapid forderte in einer emotionalen Stellungnahme die Koalitionsmitglieder auf, sich dem Streik anzuschliessen, der für den kommenden Sonntag geplant ist. Initiiert wurde der Streik von den ‘Familien von Geiseln und Vermissten’. Während die Rechtsanwaltskammer sich am Streik beteiligt, hat die Histadrut, die grösste Gewerkschaft Israels, eine Teilnahme abgelehnt. Die vier grössten Universitäten, Tel Aviv, Ben Gurion, Jerusalem und Haifa, haben ihre Teilnahme ebenfalls zugesagt.«Sie können einfach einen Tag lang innehalten und sagen, dass dies schrecklich und traurig ist, dass Sie nicht wegschauen und den Menschen, deren Leben zerstört wurde, nicht sagen, sie sollen still sein», sagt Lapid. «Streikt, weil die Familien darum gebeten haben, und das ist Grund genug. Streikt, weil niemand ein Monopol auf Emotionen, auf gemeinsame Verantwortung, auf jüdische Werte hat», sagt er und verweist auf die 676 Tage der Trauer, die viele Familien durchlebt haben. «Streikt, damit zumindest für einen Tag klar wird, dass wir noch etwas Gutes gemeinsam haben. Dass Israeli zu sein in erster Linie bedeutet, ein Herz zu haben», fügte Lapid hinzu.

© Amos Biderman, Haaretz

VM Israel Katz, der sich mehr und mehr zum Sprachrohr von Netanyahu entwickelt, krachte gestern Nacht und heute Morgen heftig mit Generalstabschef Eyal Zamir zusammen. Es ist nicht das erste Mal, das die beiden unterschiedlicher Ansicht über dienstliche Vorgänge sind. Auch Zamirs Vorgänger, Herzi Halevi, der ehemalige IDF-Sprecher Daniel Hagari und der Chef des militärischen Nachrichtendienstes, Shlomi Binder, waren immer wieder Opfer seiner Wut-Anfälle. Gestern ging es um die Beförderungen von 14 Offizieren in höhere Ränge. Einige von ihnen waren seit Beginn des Krieges in Gaza oder an anderen Grenzen aktiv. Katz betonte: «Die Zeremonie zur Beförderung ist entgegen der Anweisung des Verteidigungsministers und ohne vorherige Abstimmung und Vereinbarung unter Verstoss gegen das festgelegte Verfahren durchgeführt worden.» Katz erklärte, er habe keine Absicht, die Namen zu diskutieren oder zu genehmigen. Er werde sich in zwei Wochen dazu melden. In Zukunft müsse sich der GSt-Chef mit dem VM abstimmen, schliesslich sei er dem VM unterstellt und müsse ‘gemäss seinen Anweisungen’ handeln. Nachdem Zamir die Korrektheit seines Vorgehens dargelegt hat, greift Katz tief in die Tasche der Ungerechtigkeiten. «Ich werde abwägen, ob hochrangige Offiziere an der Gaza-Front, die nicht die akzeptierte Dienstzeit für ihre Aufgaben erfüllt haben, in andere Funktionen befördert werden sollen, bevor die Aufgabe, die Hamas in Gaza zu besiegen, abgeschlossen ist.»

Das heisst nichts anderes, als dass der, der seinen vergleichsweise gemütlichen Job irgendwo im Zentrum gegen einen Drecksjob in Gaza tauschen musste, jetzt bestraft wird, weil er ‘nicht die akzeptierte Dienstzeit für seine Aufgabe erfüllt hat’. Unbenannte Quellen betonten, dass Katz Zamir wie einen einfachen Soldaten behandelt. Die öffentlich ausgetragene Konfrontation kann aber auch bedeuten, dass Zamir von Netanyahu als ‘persona non grata’ angesehen wird, weil er sich immer wieder traut, andere Meinungen und Denkansätze zu haben. Ist das so, wird jetzt versucht, ihn so weit zu zermürben, dass er freiwillig aufgibt. Netanyahu wird nicht so dumm sein, ihn in dieser Phase des Krieges zu entlassen. Andererseits hatte er bei Herzi Halevi, Ronen Bar, Hagari und Gali Baharav Miara keine Bedenken. VM ist nicht nur ein militärischer Nobody, er hat auch keine Ahnung von Mitarbeitermanagement.

COGAT gab bekannt, dass gestern 300 Lkws mit Hilfsgütern und Lebensmitteln via Kerem Shalom und Zikim nach Gaza fuhren. Zusätzlich wurden einige Tankwagen mit Treibstoffen geliefert. Entsprechend den UN sind täglich 600 Lkw-Lieferungen nötig, um eine ausreichende Verpflegung sicherzustellen.

Die BIider stammen von der Facebookseite von © Helen Clark

Die ehemalige PM von Neuseeland, Helen Clark, besuchte gestern gemeinsam mit Mary Robinson, ehemalige Präsidentin von Irland und ehemalige UN-Hochkommissarin für Menschenrechte mit Schwerpunkt Klimawandel, die ägyptische Seite von Rafah. Dort gaben sie medienwirksam Lügen von sich. Allein am Sonntag, 28. Juli fuhren 130 Lkws in Rafah los. 73 davon wurden abgefangen und geplündert, 37 kamen an ihren Zielorten an. 20 wurden von Israel zurückgewiesen. Was man vergass, den Besucherinnen zu erklären, ist, dass die Lkws zunächst nach Kerem Shalom fahren müssen, wo sie untersucht werden. Anschliessend fahren sie nach Gaza, werden umgeladen und von palästinensischen Fahrern übernommen. Viele von ihnen sind Hamas-Mitglieder, die die Fahrtrouten der Terror-Organisation bekannt geben, um Überfälle und Plünderungen zu ermöglichen. Was man ihnen auch nicht sagte, ist, dass Kranke und Verletzte seit dem 1. Februar ohne Probleme nach Ägypten ausreisen können. Andere werden über die Allenby Bridge nach Jordanien gebracht und von dort aus ausgeflogen. Grössere Gruppen werden über Kerem Shalom evakuiert und über den Flughafen Ramon bei Eilat ausgeflogen. Auf diesen Wegen wurden bereits einige Hundert Kinder mit einem Elternteil nach Europa gebracht. Akute Einzelfälle werden auch in Israel behandelt. Aber das war es nicht, was die Damen sehen und hören wollen, ihr Ziel ist es, Israel zu diffamieren.

Das Knesset-Finanz-Gremium wird sich heute aussertourlich treffen, um u.a. über einen Geldtransfer in Höhe von US$ 52 Millionen zu diskutieren. Angeblich handelt es sich hierbei um alte Verpflichtungen, die an die aus der Koalition ausgetretenen Parteien Shas und VTJ gehen. Diese Summe kommt aus dem Topf des Erziehungsministeriums und ist für den Betrieb von haredischen Schulen vorgesehen. Insgesamt hat das Finanzministerium einen Betrag von US$ 101 Millionen beantragt, der völlig in das haredische und religiös-zionistische Schulsystem fliessen soll. Kritik kommt von den Oppositionsparteien, die in Frage stellen, warum das Treffen mitten in der Sommerpause und ‘am Vortag der Besetzung von Gaza-City’ stattfinden muss.



Kategorien:Israel, Politik

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