Krieg in Israel – Tag 687

29. Aw 5785

Das Büro des PM bezeichnet die Erklärung der UN (s. gestern), dass in Teilen des Gazastreifens eine Hungersnot herrscht, als ‘glatte Lüge’ und ‘Verleumdung der schlimmsten Art’. «Israel verfolgt keine Politik der Aushungerung. Israel verfolgt eine Politik der Verhinderung von Hungersnöten. Die einzigen, die in Gaza absichtlich ausgehungert werden, sind die israelischen Geiseln.» Dass unsere Geiseln tatsächlich am Verhungern sind, haben uns die letzten zynischen Videos der Hamas gezeigt. Bereits die im Februar freigelassenen Geiseln wiesen Zeichen schwerster Mangelernährung auf. Tatsache ist aber auch, dass es immer wieder völlige Lieferstopps von Hilfsgütern und Lebensmitteln, vor allem im nördlichen Bereich des Gazastreifens, gab. Vor allem seit dem einseitigen Bruch des Waffenstillstands durch Israel am 18. März bis weit in den Mai hinein gab es einen völligen Lieferstopp.

Tatsache ist, dass zahlreiche Lieferungen von der Hamas, aber auch von Palästinensern gestohlen wurden. Tatsache ist aber auch, dass Israel immer wieder Lieferungen an der Grenze zurückweist, wobei nicht immer der Grund hierfür klar ist. Tatsache ist auch, dass das von den USA und Israel geförderte Verteilungsprogramm GHF immer wieder gestört wird, dass es im Umfeld immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen kommt, die zahlreiche Opfer fordern, ohne dass klar ist, wer die Angriffe ausübt. Dass Netanyahu Israel jetzt als völlig unschuldig versucht darzustellen, ist nichts als Augenwischerei.

Allerdings muss man auch die andere Seite der Wahrheit anschauen. Die Hamas nutzt oder soll man sagen, missbraucht, Bilder, die u.a. von Anas Fteiha inszeniert wurden und mit denen er für die staatliche türkische Presseagentur Anadolu einen Bericht über die Not und den Hunger in Gaza bebildern sollte. Die Bildzeitung, immer dabei, wenn es um ‘heisse Reportagen’ geht, titelte: «Dieser Gaza-Fotograf inszeniert die Hamas-Propaganda».

Der Artikel zeigt auch ein Bild, mit dem sich Fteiha selbst auf seinem Insta-Account inszeniert, als Mann mit einer Mission. Auch ein Video mit dem Text «Fuck Israel» postet er dort. Der Mann ist, das ist klar, kein Freund Israels. Die Hamas freut es. Vielleicht gibt es weitere Fotografen, die der Hamas zuarbeiten und noch nicht bekannt sind. Diese schön inszenierten Bilder ändern aber nichts daran, dass die Versorgungssituation in Gaza sehr bedenklich ist.

Trump hat Journalisten im Oval Office mitgeteilt, dass weniger als 20 Geiseln noch am Leben sind. Damit widerspricht er der These der israelischen Behörden, die seit Wochen immer wieder diese Anzahl kolportieren. Trump dürfte aber leider angesichts des erschreckenden Zustandes der Geiseln viel näher an der Wahrheit liegen. Auch die von Israel immer wieder erklärte Sorge um das Leben von zwei Geiseln ist keine Nachricht, die auf den neuesten Informationen beruht, sondern seit Wochen immer wieder als wahr verkündet wird. Der neueste Geisel Deal sieht vor, dass innerhalb der 60-tägigen geplanten Waffenruhe 10 lebende Geiseln in zwei Gruppen freigelassen werden sollen. Israel hingegen besteht auf der Freilassung aller lebenden und toten Geiseln in einer Gruppe. Gal Hirsch, Netanyahus Sonderberater für die Geiseln, bleibt bei der alten offiziellen Version: 20 Geiseln leben sicher, es gibt ernsthafte Bedenken über den Zustand von zwei weiteren. 28 der noch in Gaza festgehaltenen Geiseln gelten als tot.

Gestern Abend zerbrach laut Berichten der IDF eine von den Houthi-Terroristen abgeschossene Langstreckenrakete während des Anflugs auf Israel in der Luft. Die IAF musste mehrere Versuche unternehmen, sie abzufangen. Einige Fragmente der Rakete stürzten über Zentral-Israel ab. Die IDF untersucht den Vorfall. Die Houthi-Terroristen gaben bekannt, den Flughafen Ben-Gurion erfolgreich angegriffen zu haben. 

Es wird erwartet, dass die Offensive auf Gaza-City Mitte September beginnen wird, also etwa zwei Wochen, nachdem die ersten Reservisten (s. gestern) einrücken. Als Vorbereitung müssen die Palästinenser, die sich derzeit noch in der Stadt aufhalten, bereits morgen mit der Evakuierung beginnen. Wieder einmal ist es so, dass Netanyahu auf einen beschleunigten Beginn der Offensive ‘Eiserne Faust’ drängt, während das Militär zunächst noch Massnahmen zum Schutz der Geiseln ergreifen will. Darüber hinaus legt die militärische Führung Wert darauf, die geplante Operation so weit wie möglich an die internationalen Gesetze anzupassen. 

Palästinenser haben damit begonnen, das ‘Europäische Spital’ in Khan Younis, das durch militärische Operation und der Versiegelung eines darunter liegenden Tunnels schwer beschädigt wurde, wieder instand zu setzen. Die UNO und andere internationale Hilfsorganisationen wollen in Zusammenarbeit mit den Palästinensern einen Plan ausarbeiten, wie das Krankenhaus als ‘zusätzliche medizinische Versorgung’ dienen kann, wenn tatsächlich eine Million Vertriebene in der Region untergerbracht werden. Auch Ausrüstungen aus den noch arbeitenden Krankenhäusern in Norden sollen vor dem Beginn der Offensive in den Süden gebracht werden. 

MK Benny Gantz gibt heute um 20:30 Ortszeit eine Pressekonferenz. Es wird erwartet, dass er sich mit seiner Partei ‘Blau und Weiss’ der Regierung anschliessen wird. Sein Ziel könnte sein, mit seinen Stimmen die Regierung zur Annahme des von der Hamas vorgelegten Vorschlags zu bringen.



Kategorien:Israel, Politik

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