08. Elul 5785




Der erste September ist in Israel traditionell der erste Schultag für alle Schüler vom Kindergarten bis zur Matura nach 12 Schuljahren. Auch die Fachhochschulen nehmen an diesem Tag wieder die Studien auf. Das akademische Jahr an den Universitäten beginnt Ende Oktober.
Anders als in anderen Ländern sind die klassischen Semester immer wieder durch lange feiertagsbedingte Ferien unterbrochen. An den Universitäten gibt es deshalb Trimester mit nur zehn Tagen im Sommer, an denen die Universitäten tatsächlich geschlossen sind.
Orthodoxe Schulen können sich nach dem jüdischen Kalender richten und beginnen deshalb am Beginn des letzten Monats im jüdischen Jahr, Elul.
Obwohl der weitaus grösste Teil der Schulen nicht gemischt ist, gibt es auch jüdisch-arabische Schulen, die aber zumeist privat sind. Je nach Ausrichtung der Schule variiert der Lehrplan. Um jedoch eine staatliche Unterstützung zu erhalten, müssen alle weltlichen Fächer mit den typischen Kerninhalten gelehrt werden. In orthodoxen Schulen ist das nicht immer der Fall. Hier wird ein besonderer Schwerpunkt auf religiöse Inhalte gelegt, weil die Rabbiner davon ausgehen, dass eine klassische allgemeinbildende Ausbildung für ihren Lebensstil nicht notwendig ist.
Um die höheren Studien an den Universitären aufnehmen zu können, wird neben der Matura auch die positive Absolvierung eines standardisierten psychometrischen Tests gefordert.

Im Gegensatz zu dem, was die Gründerväter des modernen Staates Israel sich vorgestellt haben, stellten heute zwei MKs ihre seltsamen Vorstellungen zu einer modernen Bildung vor: MK Moshe Gafni, VTJ, forderte die Shas Partei auf, zusätzliche Schulen in Beit Shemesh zu bauen, damit «ihre [sephardischen] Mädchen sich nicht in unsere [ashkensischen] Einrichtungen drängen müssen.» Dafni beschwört damit wieder den alten inner–jüdischen Diskurs zwischen den beiden Herkunftsgruppen herauf.

Bildungsminister Yoav Kish liess veröffentlichen, dass die Themen: Grundsätze der liberalen Demokratie, die sozioökonomischen Rechte, der rechtliche Status der Unabhängigkeitserklärung und die Rolle der Verfassung bei der Einschränkung staatlicher Massnahmen in der Matura nicht mehr diskutiert werden. Sie werden still und leise aus dem Curriculum entfernt werden. An ihre Stelle treten das Konzept eines Staates mit religiös-traditioneller Identität und die Rolle des religiösen Rechts. Der Weg ist klar: Israel ist auf dem Weg, ein Staat zu werden, in dem Religion und Staat eng miteinander verbunden sein werden. Quo vadis, Israel? Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Zerstörung der Demokratie.
In der Sitzung des Sicherheitskabinetts gestern Abend betonte Netanyahu erneut, dass ein teilweiser Waffenstillstand und die schrittweise Freilassung der Geiseln ‘nicht zur Debatte stehen’. Ben-Gvir drängte darauf, darüber offiziell abstimmen zu lassen, was von Netanyahu aber abgelehnt wurde: «Eine Abstimmung ist nicht notwendig. Das steht nicht zur Debatte.» Trump habe ihn offensichtlich aufgefordert: «Vergessen Sie die Teilabkommen. Gehen Sie mit voller Kraft vor und bringen Sie das zu Ende.» In einer Stellungnahme des ‘Forums für Familien von Geiseln und Vermissten’ heisst es, «dass Netanyahu sich gegen die von ihm selbst initiierte Methode stellt.»
Die ultra-rechtsaussen Ministerin für Siedlungen und nationale Projekte, Orit Strock, beschuldigte Generalstabschef Zamir, ein Feigling zu sein. Zamir sprach sich für den vorliegenden Vorschlag aus. Strock zitierte daraufhin den Bibelvers: «Gibt es jemanden, der Angst hat und mutlos ist? Der soll nach Hause gehen, damit der Mut seiner Kameraden nicht ebenso schwindet wie seiner.» (5. Buch Moses, 20.8) Zamir konterte, dass er zwei Missionen zu erfüllen habe, den nuklear bewaffneten Iran und die Zerschlagung der Hamas, worauf Strock sich nicht entblödete, den Torah-Text noch einmal zu zitieren. Darauf wurde Zamir laut: «Niemand ist ängstlich und mutlos. Wenn Sie blinde Disziplin wollen, holen Sie sich jemand anderen» erklärte er und erhielt Zustimmung von Netanyahu, der sagte: «Ich will keine blinde Disziplin.»

Ben-Gvir: „Die Polizei fällt mir in den Rücken!“
© Guy Morad, Facebook
Generalstabschef Zamir warnte gestern bei der aufgeheizten Kabinettssitzung, dass die Eroberung von Gaza-City unweigerlich zu einer vollständigen Besetzung des Gazastreifens führen werde. «Sie steuern auf eine Militärregierung zu. Ihr Plan führt uns dorthin. Machen Sie sich die Konsequenzen bewusst. Ihre Entscheidung, Gaza-Stadt zu erobern, wird danach zur Eroberung der Flüchtlingslager im Zentrum von Gaza führen – und dann wird es eine Militärregierung geben, weil es keine andere Instanz geben wird, die die Verantwortung für die Bevölkerung übernehmen könnte.» Damit spricht Zamir genau das aus, was ich immer wieder schreibe und sage: Israel ist nicht in der Lage, die völkerrechtlich festgeschriebenen Verpflichtungen einzuhalten. Die Reaktionen aus dem rechten Lager kamen sofort. Kabinettssekretär Yossi Fuchs: «Es wurde bereits entschieden, dass es keine Militärregierung geben wird.» Ben-Gvir in Anlehnung an Aussagen der Nationalsozialisten: «Anstelle einer Militärregierung sollten wir die ‘freiwillige Auswanderung’ fördern.» Im Klartext heisst das ‘Vertreibung’ und das ist ebenfalls ein Kriegsverbrechen. Zamir wies erneut auf die Folgen hin, worauf Smotrich erklärte: «Wir haben eine Entscheidung getroffen.» Netanyahu lehnte eine zu diesem Zeitpunkt von Ben-Gvir geforderte Abstimmung ab, weil, wie er betonte, ‘kein Abkommen auf dem Tisch liege’. Damit lehnte er das derzeit vorliegende Arbeitspapier ab. (s. auch oben)
Die Houthi-Terroristen erklärten, dass sie eine Rakete auf ein Tankschiff im Roten Meer abgeschossen hätten, das einem israelischen Unternehmen gehört. Die ‘Maritime Trade Operations’ gaben an, die Rakete habe ihr Ziel verfehlt. Der Eintritt ins Meer sei in der Nähe des Schiffes erfolgt und von einem lauten Knall begleitet worden. Die Besatzung sei wohlauf und das Schiff segelt weiter auf dem geplanten Kurs.
Aus dem Jemen wurde heute eine Langstreckenrakete von den Houthi-Terroristen auf Israel abgeschossen. Sie konnte abgefangen und zerstört werden, bevor sie in den israelischen Luftraum gelangte.
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