10. Elul 5785

Wie ich bereits gestern berichtete, steht die Mitgliedschaft in der Gruppe ‘International Association of Genocide Scholars’ nicht nur Akademikern, sondern allen Interessenten offen, die US$ 30 als Mitgliedsbeitrag zahlen. Die gestern veröffentlichte Resolution zum Thema Israel und Genozid in Gaza hat offenbar breite mediale Beachtung gefunden. Nachdem sich gestern zahlreiche pro-israelische Aktivisten als Mitglieder eingetragen haben, deaktivierte die Gruppe das offen einsehbare Mitgliederverzeichnis und löschte ihren Account auf der Plattform ‘X’. Elliot Malin, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Beratungsgremiums des Gouverneurs von Nevada für Bildung im Zusammenhang mit dem Holocaust, gab bekannt, dass sein Beitritt kommentarlos widerrufen wurde. Bereits vor der ‘Resolution’ gab es pro-palästinensische Aktivisten unter den Mitgliedern. Einer von ihnen, Nidal Jboor, ist Gründer der Gruppe ‘Doctors Against Genocide’. Er hatte dazu aufgerufen, ihre ‘Kindermörder-Gegner auszuschalten und zu neutralisieren’.
Netanyahu wehrt sich seit Monaten mit aller Kraft gegen die Installation einer unabhängigen staatlichen Untersuchungskommission zu den Vorkommnissen rund um den 7. Oktober. Diese Kommission würde fraglos feststellen, dass auch er eine Mitschuld am Massaker und den Folgen trägt, was er bis heute vehement bestreitet. Jetzt denkt er möglicherweise darüber nach, selbst ein Gremium zusammenzustellen, das diese Aufgabe übernehmen soll. Dieses Gremium soll aus fünf Personen bestehen, die er selbst auswählt. Grund für diese erneute Eigenmächtigkeit ist seine Befürchtung, dass der Präsident den OGH, Isaac Amit, nicht mit ihm gemeinsam die Auswahl der Kommissionsmitglieder treffen wird. Kanal 12 berichtete, dass man davon ausgeht, dass Netanyahu nur ihm wohlgesinnte Personen auswählen wird, die aus dem rechten Umfeld kommen. Das widerspricht natürlich völlig dem Zweck, den die Kommission ausüben soll. Dieses Gremium wird keinerlei verifizierbare Ergebnisse bringen.
Familienangehörige von Geiseln hielten gestern eine Pressekonferenz vor der US-Botschaft in Tel Aviv ab und forderten US-Präsident Donald Trump auf, «erneut Geschichte zu schreiben» und den Krieg in Gaza durch ein umfassendes Geisel- und Waffenstillstandsabkommen zu beenden. Neben einem grossen Banner wurden auch Attrappen von den Medaillen des Friedensnobelpreises hochgehalten. «Die israelische Regierung befindet sich mitten in einer neuen Operation. Eine Operation, um ‚die Augen zu verschliessen und die Ohren zu verschliessen‘», sagte Lishay Miran-Lavi, die Frau der Geisel Omri Miran. «Sie wollen nicht hören, sie wollen nicht sehen. Aber wir werden nicht zulassen, dass sie es ignorieren.» Ruby Chen, der Vater von Itay Chen erklärte: « dass der damalige Präsident Richard Nixon den Vietnam- Krieg nicht aus strategischen, sondern aus politischen Gründen verlängert hat. Herr Präsident und Herr Witkoff, unsere Hoffnung und Kraft schwinden. Wir brauchen Sie, um das Licht zu bringen, das den Krieg beenden, die Abraham-Abkommen ausweiten und Frieden in die Region bringen wird.»

Trump postete auf seinem Social Media Account, die Hamas solle sofort alle Geiseln freilassen und die Dinge [die beidseitige Kriegsgräuel] werden sehr schnell enden.

Der US-amerikanische Botschafter in Israel, Mike Huckabee, ist in Tat und Wahrheit nichts anderes als der verlängerte Arm und das Sprachrohr von Trump. Seit seiner Akkreditierung ist er der diplomatische Hans-Dampf in allen Gassen. Gestern hat er sich als Finanzexperte versucht. «Wenn die palästinensische Wirtschaft kollabiert, hat niemand etwas davon. Verzweifelte Menschen tun verzweifelte Dinge.» Er bezieht sich damit auf US-amerikanische Sorgen, dass das geplante Einbehalten von Steuergeldern, die Israel für die PA einnimmt, zum Zusammenbruch der palästinensischen Wirtschaft führen könnte. Das liess er Finanz-Minister Smotrich und andere Minister wissen.


Hazem Awni Naeer, ein führendes Mitglied der Hamas, wurde bereits in der vergangenen Woche in Gaza-City eliminiert. Es gilt als erwiesen, dass Emily Damari, Romi Goren und Naama Levy sich in seiner Gewalt befanden, bevor sie während der zweiten Waffenruhe im Januar/Februar freigelassen wurden. Naeer war Anführer der Gaza-City-Brigade und Mitglied der Aufklärungseinheit. Emily Damari zeigte sich erleichtert, dass «er jetzt niemandem mehr Schaden zufügen kann. «
Nachdem bei den Angriffen auf die Hochburgen der Houthis die meisten hochrangigen Mitglieder der Terror-Organisation eliminiert wurden, scheinen die verbliebenen Mitglieder auf der Flucht zu sein. Laut der saudischen Zeitung Asharq al-Awsat befinden sie sich in einem ‘beispiellosen Zustand der Verwirrung und Panik’. «Wie alle Anführer extremistischer islamistischer Terroristen kümmern sie sich um sich selbst und lassen die Bevölkerung im Stich», schreibt Katz auf X und zieht einen Vergleich zu Hamas-Funktionären «in Gaza und in Luxushotels in Katar und nun den Houthis im Jemen. Wir wussten diesmal, wie wir sie jagen mussten – und wir werden auch in Zukunft wissen, wie wir das tun müssen», fügt er hinzu.
Der Minister für strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, hat Mitgliedern der Vermittlerstaaten mitgeteilt, dass Israel ein Teilabkommen zur Freilassung der Geiseln nicht ausgeschlossen hat. Er soll gesagt haben, sie sollten den öffentlichen Äusserungen Israels zu einem Geiselabkommen oder der erklärten Haltung Jerusalems, dass es nur an einem umfassenden Abkommen zu seinen eigenen Bedingungen interessiert sei und die Möglichkeit eines stufenweisen Abkommens nicht mehr in Betracht ziehe, nicht zu viel Bedeutung beimessen. Es ist unglaublich, Netanyahu sagt hü und Dermer hott und beide verkaufen ihre Version als die einzig wahre!

Der arabisch-sprachige IDF-Sprecher Avichay Adraee hat gestern die Evakuierung aller Bürger von Gaza-City in die Mawasi Zone im Süden des Gazastreifens angeordnet. Dor würden sie alle humanitäre Unterstützung sowie medizinische Betreuung, Wasser und Lebensmittel erhalten. Gleichzeitig warnte er davor, in ein Kampfgebiet zurückzukehren, wo ihre Sicherheit nicht gegeben ist. Offenbar unternimmt die Hamas immer wieder Versuche, die Flüchtigen zum Zurückkommen zu bewegen, indem sie ihnen mitteilen, es gebe keine Evakuierungspläne und der Verbleib in Gaza sei sicher. Nach Angaben der IDF sind in den letzten 72 Stunden 70 – 80.000 Menschen in den Süden geflüchtet.
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