Dwarim, Ki Teze 21:10 – 25:19

12./13. Elul 5785                                                             5./6. September 2025 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         18:18

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        19:33

Shabbateingang in Zürich:                                                                 19:40

Shabbatausgang in Zürich:                                                                20:43

In Ber 4:9 ff lesen wir: «Der Herr sprach zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Der so Gefragte antwortete: Ich weiss es nicht, ich bin nicht der Hüter meines Bruders!» Kain, der Erstgeborene, war Ackerbauer und Abel Schafhirte. Es bestand kein Grund, neidisch auf das Los des anderen zu sein. Doch, wir erleben es hier zum ersten Mal in der Torah, der jüngere Sohn neidet dem älteren das Erstgeburtsrecht. Kain tötet Abel, er übernimmt keinerlei Verantwortung für sein Tun. Kains weiteres Schicksal verschwindet in der Vergessenheit.,

Ähnliches haben wir bei den zwei Söhnen Abrahams‘, Ismael und Yizhak, gehört. Hier ist es Sarah, die Mutter des zweitgeborenen Isaak, die Hagar, die Mutter, zusammen mit ihrem Sohn Ishmael, dem Erstgeborenen, vertrieben. Die beiden Halbbrüder treffen sich erst wieder zur Beisetzung ihres gemeinsamen Vaters Abraham.

Auch mit den Söhnen von Yitzhak, Ja‘acov und Esav, meint es das Schicksal zunächst nicht gut. Esav ist der erstgeborene Zwilling, Ja’acov kommt kurz nach ihm zur Welt. Der Vater Yitzhak liebte Esav mehr, die Mutter, Rivka, Ja‘acov. Zweimal betrog Ja‘acov mit Hilfe seiner Mutter den Bruder und den Vater. Erst betrog er seinen älteren Bruder um das Erstgeburtsrecht, dann stahl er ihm auch noch den Vatersegen kurz bevor Yitzhak verstarb. Auch sie trafen sich in späteren Jahren als erwachsene Männer wieder und machten ihren Frieden miteinander.

Auch in diesem Wochenabschnitt lesen wir von Brüdern und von Erstgeborenen. In Dwarim 21:15 – 17 lernen wir, wie der Vater mit dem Erbrecht umgehen muss. Einfach zusammengefasst: Der Sohn, der zuerst gezeugt wurde, dem gilt auf jeden Fall das Recht des Erstgeborenen, auch wenn der Vater seine Mutter nicht (mehr) liebt. Mehr noch, ihm steht das Doppelte von dem zu, was sein Bruder erhält.

Erinnert uns das nicht auch wieder an die Familiengeschichten unserer Vorväter?

Abraham zeugte seinen Erstgeborenen, Ismael, mit Hagar der Dienerin. Ishmael wurde zwar zunächst von Sarah anerkannt, aber dann, als sie im hohen Alter selbst noch schwanger wurde und Jitzhak auf die Welt kam, verstiess sie Hagar mit ihrem Sohn. Diese Handlung widerspricht grundlegend dem, was wir heute lesen. Ishmael und nicht Yitzhak hätte das Erstgeburtsrecht zugestanden. Welch andere Wendung hätte unsere Geschichte genommen, wenn Abraham schon davon gewusst hätte! Doch Gott hatte anderes im Sinn. Er versprach beiden Müttern und beiden Söhnen, dass sie Väter von grossen Völkern werden würden.

Natürlich hielt er sich an sein Versprechen. Beide Söhne wurden Väter von grossen Völkern. Doch leider von Völkern, die nicht im Frieden nebeneinander leben können.

Ja‘acov, der Enkel von Abraham, wurde zunächst nicht glücklich in seiner Ehe. Er liebte Rachel und musste doch erst sieben Jahre bei seinem Schwiegervater Laban arbeiten, bevor der ihm Rachel als Braut versprach. Laban betrog ihn und vermählte ihn zunächst mit Lea, bevor er nach weiteren sieben Jahren seine geliebte Rachel ehelichen durfte. Leas Söhne waren Ruven, Shimon, Levi, Juda. Es folgten die Söhne von Bila und Silpa, den Mägden seiner Frauen. Nach diesen beiden Söhnen kamen nochmal zwei Knaben, Issachar und Zebulon, als Söhne Leas auf die Welt und erst die beiden letzten Knaben waren die Kinder seiner geliebten Rachel, Josef und Benjamin. Diese beiden Knaben, die Letztgeborenen, nahmen später in ihrem Leben massgebliche Rollen ein. Wir kennen dies aus der Geschichte um die Zeit in Ägypten und der Flucht aus der Sklaverei in die Freiheit.

Hätte Gott gewollt, dass immer und überall das Erstgeburtsrecht zur Anwendung gekommen wäre, die Welt hätte sich anders entwickelt.

In gesunden Familien sind heute, und das ist auch sehr gut so, alle Kinder gleichberechtigt. Oder sollten es zumindest sein. Die Zeiten, in denen der älteste Sohn alles erbte, der zweite sich der Kirche verschrieb und der dritte Söldner in einem fremden Heer wurde, während die Töchter leer ausgingen, sind gottseidank vorbei.

Einige wenige Abschnitte weiter lesen wir in Deut 22:1: «Du sollst nicht untätig zusehen, wie ein Stier oder ein Lamm deines Bruders sich verläuft. Du sollst dann nicht so tun, als gingen sie dich nichts an, sondern sie deinem Bruder zurückbringen.» Dieser Abschnitt bildet quasi die Verbindung zu Kains Frage: «Bin ich der Hüter meines Bruders?» Die Antwort lautet: Ja! Wir sind alle Hüter unserer Familie, unserer Geschwister, unserer Neffen, Onkel und Cousins. Und natürlich auch unserer Eltern. Wenn wir sehen, dass einer von ihnen strauchelt, so müssen wir hinschauen, ihnen wieder aufhelfen und sie wieder auf den Weg bringen. Dies gilt im realen und im virtuellen Leben.

Gott will, dass wir Verantwortung übernehmen. Unabhängig von unserer Position den Gestrauchelten gegenüber. Vergessen wir das nie!

Kommen wir nun zu den Sprüchen der Väter:

  • Zehn Prüfungen sind es, mit denen Abraham, unser Vater, geprüft wurde, und er bestand sie alle – um kundzutun, wie gross die Liebe Abrahams, unseres Vaters, zu Gott war.

Hier die Prüfungen:

  • Terach, Abrahams Vater, schuf und verkaufte tönerne Götzenfiguren. Eines Tages musste Awram, so war sein Name, den Vater vertreten. Ein alter Mann trat in den Laden und Awram fragte ihn: „Wie kommt es, dass du einen Gott kaufst, der so viel jünger ist als du?“ Es muss ein Bote Gottes gewesen sein, denn Awram wurde klar, dass die Götzenfiguren seines Vaters keinen Nutzen hatte und er zerstörte alle bis auf einen. Als sein Vater zurückkam, ärgerte er sich, dass sein Sohn alle Figuren bis auf eine zerstört hatte. Zu allem Überfluss behauptete er, diese Figur habe das Zerstörungswerk vollbracht, was der Vater nicht glaubte. „Das ist nicht möglich, es sind nur Figuren ohne jede Kraft.“ Trotzdem, so argumentiert Awram: „Wenn das so ist, wie kann dann eine Götzenfigur Menschen helfen?“

An dieser Stelle ergänzt Raschi den Text. Terach brachte Awram vor König Nimrod, der ein Urteil fällen sollte. Nimrod verlangte, dass Awram sich entschuldigen oder dem Feuertod anheimfallen sollte. Awram blieb bei seiner Aussage und Nimrod liess ihn ins Feuer werfen. Gott errettete ihn, weil er ihm treu geblieben war. Seither trug Awram den Namen Abraham.

  • Gott forderte ihn auf, aus seinem Heimatland Ur fortzuziehen, ohne seine Familie, ohne seine Freunde. Wir kennen doch alle den Stress, den ein Umzug auslöst. Um wieviel mehr muss Abraham unter Stress gestanden sein, denn er wusste nichts über das Ziel seiner Reise. Doch ganz im Vertrauen auf Gott wanderte er los. Natürlich war er nicht allein, aber wer ihn begleitete und wie gross die Gruppe war, das erfahren wir kaum. Wir wissen, dass seine bildhübsche Frau Sarai und sein Neffe Lot bei ihm waren, sowie ein Teil seiner Mägde und Knechte.
  • Unterwegs auf dem Weg wurde das Land von einer grossen Hungersnot befallen. Abraham zog nach Ägypten. Er wusste, er konnte sich blind auf Gott verlassen.
  • Um Sarai vor Pharao zu schützen, beschloss Abraham, sie in Ägypten als seine Schwester auszugeben. Er fürchtete um sein Leben, dass die Ägypter ihn töten könnten, um Sarais habhaft zu werden. Sarai wurde in den Palast gebracht und Abraham, der vermeidliche Bruder, wurde von den Ägyptern nahezu verwöhnt. Doch Gott schickte eine Plage ins Land. Pharao erkannte den Trick und liess Abraham und Sarai mit all ihren Besitztümern ausser Landes bringen.


Kategorien:Religion

Schlagwörter:

Hinterlasse einen Kommentar