14. Elul 5785

Hasbara, das PR-Zaubermittel, geistert schon seit Jahrzehnten durch die Köpfe der rechten Politiker, seit sie die Regierung in Israel stellen. Wollte man einst mehr darüber wissen, schwieg sich Jerusalem aus. Heute erinnerte sich Netanyahu wohl daran und forderte angesichts der schlechten Presse im In-und vor allem im Ausland ‘eine Einrichtung neuer Mechanismen’. Angesiedelt werden sollen sie im Aussenministerium. Ob Aussenminister Sa’ar oder Netanyahu sie zusammenbasteln werden, ist noch offen. Netanyahu sagt auch: «Wenn ich zwischen dem Sieg über unsere Feinde und schlechter Propaganda gegen uns wählen muss, entscheide ich mich für den Sieg über unsere Feinde und nicht für das Gegenteil. Ich möchte keine Artikel, in denen steht, dass wir von unseren Feinden besiegt wurden, aber gute Nachrufe in der Weltpresse erhalten haben. Ich entscheide mich für den Sieg.» Gut gebrüllt, bravo!
Spanien plant, ein sofortiges und komplettes Waffenembargo gegen Israel auszusprechen.Der spanische PM Pedro Sanchez denkt auch darüber nach, Netanyahu und weitere Minister zu ‘Personae non gratae’ zu erklären. Dazu gehören neben Netanyahu, Smotrich und Ben-Gvir sowie VM Israel Katz. Der Tonfall von Spanien gegenüber Israel hat sich seit Beginn des Krieges deutlich verschärft. Spanien verzichtet auch auf bereits abgeschlossene Waffenkäufe aus Israel und hat die entsprechenden Verträge storniert.
Netanyahu wird am kommenden Donnerstag die Stadt Ma’ale Adumim in Samaria besuchen und dort mit dem Bürgermeister Guy Yifrah ein Rahmenabkommen unterzeichnen. Es soll den Bau einer grossen Zahl von Wohneinheiten inklusive der Bebauung des umstrittenen E1-Gebietes festschreiben (s. 14. August). Während aus dem Büro des PM keine Stellungnahme zu hören war, betonte Yifrah, «dass derzeit eine einmalige Gelegenheit besteht, Teile oder die gesamte Westbank zu annektieren, es gibt jedoch keine Pläne, am Donnerstag ein Rahmenabkommen zu unterzeichnen. Ich würde mich freuen, wenn er uns überraschen würde», sagte Yifrah. Saudi-Arabien und die VAE drohten bereits, dass sie im Falle einer Annektierung einzelner Gebiete oder des gesamten Gebietes die Beziehungen zu Israel völlig einfrieren werden.

Die Enttäuschung stand ihr ins Gesicht geschrieben. Kaouther Ben Hania, aus Tunesien stammende Regisseurin und Drehbuchautorin, war den Tränen nahe, als sie den ‘Silbernen Löwen’ entgegennahm. Bei der Premiere hatte sie das Publikum mit einem mehr als 20 Minuten andauernden Applaus und den obligatorischen ‘Free Palestine’ Rufen belohnt. Wir erinnern uns an die tragische Geschichte der kleinen Hind Rajab. Am 29. Januar 2024 floh sie gemeinsam mit sechs Verwandten von Gaza-City Richtung Süden. Die Mutter floh zu Fuss mit einem älteren Kind.

Hind war erst fünf Jahre alt. Das Auto kam unter Beschuss, nur Hind und eine ältere Cousine überlebten. Ihre Cousine telefonierte mit der Einsatzzentrale des Roten Halbmond in Ramallah. Der Anruf im Original steht im Zentrum des Filmes. Während des Telefonats wird sie erschossen. Hind, jetzt allein noch lebendig, schildert die Situation um sie herum und fleht um Hilfe. Mehr als drei Stunden dauert das Gespräch, während die Mitglieder des Roten Halbmonds auf ein ‘Ok’ warten, in das Kampfgebiet fahren zu können. Doch vor Ort kamen auch die Sanitäter unter Beschuss. Tagelang galten die Familie und die Sanitäter als vermisst und wurden vergebens über die sozialen Medien gesucht. Erst nach zwei Wochen, nach dem Abzug der IDF aus dem Gebiet, konnten die sterblichen Überreste der Vermissten geborgen werden. Die IDF gab auch später keine konkreten Informationen ab. So sehr ich mich für die Regisseurin und ihre Crew über den verdienten und erhaltenen Preis freue, so sehr beklage ich, dass israelische Filme, wie kürzlich ‘The road between us’, immer wieder aus den Programmen von Festivals gestrichen, resp. gar nicht erst aufgenommen werden. Das entspricht dem derzeitigen anti-israelischen Mainstream, mit dem man Geld machen kann. Und mit dem man sich dem Klischee: ‘die bösen Juden und die armen Araber, die ihre Opfer sind’ kritiklos unterwirft. Kunst sollte neutral sein und alle gleich behandeln. Sonst sind wir bald wieder beim Thema ‘entartete Kunst’ aus einer Zeit von der wir alle hofften, sie überwunden zu haben.



Zehntausende Demonstrantennahmen gestern Abend an der Grossdemonstration auf dem Pariser Platz in der Nähe des privaten Wohnhauses von Netanyahu in Azza Street’ in Jerusalem teil.

Yael Adar, die Mutter von Tamir Adar, 38, s’’l, warf anlässlich der Demonstration gestern Abend Netanyahu vor, lebende Geiseln zum Tode zu verurteilen. «Ich sehe, wie Sie die lebenden Geiseln vor ein Erschiessungskommando stellen, wie kann ich da glauben, dass Sie in der Lage sind, die getöteten Geiseln zurückzuholen?»Sie betonte aber gleichzeitig, dass es der Wunsch und die Pflicht jeder Mutter sei, auch den toten Sohn heimzuholen. «Ich bitte Sie im Sinne von Tamir, der sich aufgemacht hat, um Leben zu retten, zuerst diejenigen zu retten, die noch gerettet werden können, und dann mit der Rückführung aller fortzufahren, bis auch der Letzte von ihnen zurück ist.»



Zeitgleich fanden auch Massendemonstrationen auf dem Platz der Geiseln und seiner Umgebung statt. Inmitten der Menge wurde ein riesiges Banner entrollt: «President Trump, save the hostages now!» Eine der Sprecherinnen war die ehemalige Geisel Ilana Gritzwisky, Partnerin von Matan Zangauker: «Ich lebe immer noch in Gefangenschaft und kann Matan sehen, der ebenfalls noch in Gefangenschaft ist und langsam stirbt. Ich sehe ihn hungrig, durstig, schwach. Ich weiss nicht, ob er sich noch daran erinnert, wie meine Stimme klingt, wie ich fühle und wie ich aussehe.» Auch sie klagt Netanyahu an, den Krieg und die Geiselhaft nur aus politischen Gründen zu verlängern. «Während Matan und die Geiseln in der Dunkelheit dahinsiechen, klammert sich der PM an seinen Posten. Der Feind hat uns entführt, aber diejenigen, die uns seit 701 Tagen dort festhalten, sind Sie, die Entscheidungsträger. Ihr habt nicht alles getan. Ihr habt nicht genug getan, denn wenn ihr das getan hättet, wären sie schon hier», sagt sie und fügt hinzu: «Die Regierung hat ihre Bürger verraten.»

Auch Boaz Zalmanovic erinnert sich an seinen Vater Aryeh, 86, s’’l, der nach 40 Tagen in Gaza starb, weil man ihm jede medizinische Hilfe verweigerte und der noch Minuten vor seinem Tod in eine Kamera der Hamas schauen musste. «Die israelische Regierung, die Land über Menschen stellt, die Rache über Gnade stellt, kam ihm nicht zu Hilfe. Die grausame Regierung entscheidet sich dafür, das Blutvergiessen fortzusetzen, anstatt den Krieg zu beenden und die Gefangenen zurückzugeben», klagt er.
Nachdem die Hamas gestern angekündigt hatte, mit einem teilweisen Waffenstillstand und einer entsprechenden Freilassung der Geiseln einverstanden zu sein, forderten die Familien der Geiseln, dass Netanyahu eine Delegation an den Verhandlungstisch schicken soll. Allerdings beharrt die Hamas nach wie vor auf ihren Bedingungen, die von Netanyahu rigoros abgelehnt werden. Das Forum wirft Netanyahu vor, das Abkommen aus politischen Gründen abzulehnen und damit «einen endlosen Krieg fortzusetzen, dessen Zweck darin besteht, die Koalition zu erhalten. Wir fordern, dass die israelische Regierung das derzeit vorliegende Abkommen akzeptiert – auf das die Hamas bereits positiv reagiert hat – und unverzüglich Verhandlungen über ein umfassendes Abkommen aufnimmt, um alle Geiseln bis auf den letzten Mann zurückzuholen», heisst es in der Erklärung.
Der rechtsextreme Ben-Gvir ist auch für die Verwaltung der Gefängnisse in Israel verantwortlich. Bereits im vergangenen Jahr hat er höchst eigenmächtig damit begonnen, palästinensische Gefangene mit unzureichender Ernährung zu bestrafen. Der OGH entschied jetzt mit einer 2:1 Abstimmung, dass für alle Gefangenen, unabhängig von ihrer Herkunft, die gleiche, ausreichende Ernährung auszugeben ist, um ein ‘grundlegendes Existenzminimum’ zu gewährleisten. Der OGH hat angeordnet, Ben-Gvirs Politik der Aushungerung von Sicherheitsgefangenen zu beenden. «Ein Staat lässt Menschen nicht hungern, unabhängig davon, was sie getan haben. Diese Politik, die fast zwei Jahre lang galt, hat die Gefängnisse in Israel zu Folterlagern gemacht und laut Aussagen von Geiseln auch zu vermehrten Misshandlungen geführt», erklärt Oded Feller, ein Vertreter der NGO, die eine entsprechende Petition beim OGH eingebracht hatte. Ben-Gvir reagierte sehr heftig: «Unsere Geiseln in Gaza haben keinen OGH, der sie verteidigt. Die mörderischen Nukhba-Terroristen und abscheulichen Vergewaltiger werden zu unserer Schande vom OGH gehätschelt», fügt Ben-Gvir hinzu. Er bekräftigt, dass die Politik, Gefangenen «die minimalsten Bedingungen nach dem Gesetz» zu gewähren, beibehalten werde.

Jener Hamas-Terrorist, der während des Massakers vom 7. Oktober 2023 eine Bild-Textnachricht an seine Mutter schickte, wurde von der IDF am Donnerstag bei einem gezielten Angriff in Deir al-Balah eliminiert. In seinem Anruf betonte er, ein Held zu sein. Er sei in Mefalsim und habe zehn Juden ermordet. «Schaut, wie viele Juden ich mit meinen eigenen Händen ermordet habe. Euer Sohn hat Juden ermordet. Ich bin ein Held!» Der Terrorist, der von seinem Vater Mahmoud genannt wurde, erklärte, er telefoniere vom Telefon einer Jüdin, die er gerade umgebracht habe. Auf WhatsApp gebe es weitere Nachrichten.
Zwei Raketen aus dem Gaza-Streifen wurden auf Grenz-Orte abgeschossen. Eine der Raketen wurde abgefangen, die zweite stürzte über unbebautem Gebiet ab. Der Islamische Djihad übernahm die Verantwortung für den erneuten Beschuss aus Gaza. Es waren die ersten Raketen nach einer Pause von drei Wochen. Der Alarm wurde rund um Netivot ausgelöst.

Eine mit Sprengstoff beladene Drohne aus dem Jemen schlug am frühen Nachmittag auf dem Ramon Flughafen im Süden des Landes ein. Zuvor hatte die IAF drei weitere Drohnen abgefangen und zerstört. Es entstand Sachschaden am Terminal und der Ankunftshalle. Sowohl der Flughafen als auch der Luftraum im Bereich des Flughafens wurden für etwa eine Stunde gesperrt. Zwei Männer wurden durch ein Schrapnell leicht verletzt. Warum kein Alarm ausgelöst wurde und die Drohne unentdeckt anfliegen konnte, wird derzeit von der IDF untersucht.
Nachdem die IDF gestern und vorgestern Hochhäuser in Gaza-City zum Einsturz gebracht hatte, wurde heute die Evakuierungsanordnung für ein weiteres Gebäude herausgegeben. Auch dieses Gebäude wird von der Hamas als Terror-Struktur genutzt. Die Aufforderung gilt auch für die Zelte, die sich in der Nähe des Gebäudes befinden.
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