19. Elul 5785

Heute möchte ich euch einen Podcast ans Herz legen. Die Verfasserin, die auch Sprecherin ist, ist Sarah Maria Sander. Sie stammt aus einer jüdischen Familie mit russischen, ukrainischen und aserbaidschanischen Wurzeln. Sie lebt und arbeitet in Berlin und in Israel. Der Hauptfokus ihrer Arbeit liegt auf der Ukraine und seit dem 7. Oktober 2023 auch auf Israel. Seither lebt sie meist in Israel. Sie betont: «Ich treffe Israelis, die diese Kriege persönlich auf der eigenen Haut und im eigenen zu Hause erleben. Dabei ist es besonders wichtig, zu betonen: diese Israelis sind nicht nur Juden, es sind auch Araber, Muslime, Beduinen, Drusen, sie kommen aus dem Yemen. Aus dem Libanon, aus Syrien. Sie haben alle eines gemeinsam: sie und ihre Familien leiden unter dem Terror und dem Schrecken der Kriege und für sie alle ist Israel ihr zu Hause.»
© https://www.sarahmariasander.com/übermich


Netanyahu hat die Gründung eines wie auch immer gestalteten palästinensischen Staates gestern in Ma’ale Adumim endgültig sterben lassen. In einer feierlichen Zeremonie unterzeichnete er das ‘Ma’ale Adumim umbrella agreement.’ Mit diesem Dokument wurde das Bauprojekt in der E1-Zone fixiert. 3.400 Wohneinheiten werden in den kommenden Jahren für etwa 20.000 Menschen gebaut werden. Damit wird Samaria de facto in zwei Hälften geteilt, die die Verbindung von Jerusalem nach Ramallah verhindern. Netanyahu erklärte: «Es wird keinen palästinensischen Staat geben.» 2009 hatte es noch anders geklungen, damals hat er den Staat bei seiner berühmten Rede an der ‘Bar Ilan Universität’ angekündigt und auch 2020 als Teil des berühmten ‘Deal of the century’ von Trump nochmals bestätigt. Die künftige Regierung, in der Netanyahu und seine rechtsradikale Kamarilla hoffentlich keinen Einfluss mehr haben werden, hat viel zu tun, um all seine indiskutablen Entscheidungen wieder rückgängig zu machen.
Die UN-Generalversammlung wird heute über die ‘New York Declaration’ abstimmen, die der ‘Zwei-Staaten-Lösung’ wieder zu neuem Leben verhelfen soll. Mit einem grossen Unterschied zu den bisherigen Ansätzen. Diesmal soll die palästinensische Terror-Organisation Hamas keine Rolle mehr in der Verwaltung und Regierung spielen. Israel hat sich bisher der Gründung eines palästinensischen Staates vehement entgegengestellt. Weiters verurteilt Israel die einseitige Haltung der UN-Organisationen, wenn es darum geht, Israel zu verurteilen und sich zu weigern, anzuerkennen, dass das Massaker vom 7. Oktober 2023 der Grund für den jetzigen Krieg Israels gegen die Hamas war. Der Text mit dem offiziellen Titel ‘New Yorker Erklärung zur friedlichen Beilegung der Palästinafrage und zur Umsetzung der Zwei-Staaten-Lösung’ besagt, dass «die Hamas alle Geiseln freilassen muss» und dass die UN-Generalversammlung «die Angriffe der Hamas auf Zivilisten am 7. Oktober verurteilt». Gefordert wird das Ende des Krieges in Gaza, eine ‘gerechte, friedliche und dauerhafte Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts’ auf der Basis einer ‘Zwei-Staaten-Lösung’. Die Erklärung wurde bereits von der ‘Arabischen Liga’ gebilligt und von 17 UNO-Mitglieder-Staaten unterschrieben. Israel hat die geplante Anerkennung eines palästinensischen Staates als „Belohnung für Terror“ bezeichnet.


Bald ist es so weit. Am 10. Oktober werden die Nobelpreisträger 2025 bekannt gegeben. Für Trump dürfte es heuer zeitlich unwahrscheinlich sein, die Nominierungen mussten bis zum 31. Januar in Stockholm sein. Trump ist so von seinen Glanzleistungen überzeugt, dass er immer wieder betont, er habe die elitäre Auszeichnung mehr als jede andere verdient. Immerhin habe er sechs Krieg beendet. Na ja, ich habe schon mal verdientere Laureaten gesehen. Vor allem nicht so selbstverliebt arrogante. Sechs Kriege habe er beendet. Ist das so? Israel gegen Iran ist bestenfalls eine Waffenruhe. Die Demokratische Republik Kongo gegen Ruanda ist sogar noch weniger, es ist eine Grundsatzerklärung, die Kämpfe einzustellen. Kambodscha gegen Thailand ist ebenfalls eine Waffenruhe, die Streitigkeiten in Bezug auf die Grenze bleiben ungelöst. Indien gegen Pakistan tatsächlich ein Waffenstillstand, für Indien aber ohne Dazutun Trumps. Pakistan schlägt Trump für den Friedensnobelpreis vor. Armenien gegen Aserbaidschan endet mit einer Friedenserklärung, wobei einige wichtige Fragen offen bleiben. Zwei Nominierungen für den Friedensnobelpreis. Und Nr. sechs? Keiner weiss es. Das Komitee zeigt sich unbeeindruckt: «Nominiert zu werden ist nicht unbedingt eine grosse Leistung. Die grosse Leistung ist es, Preisträger zu werden», sagt Berg Harpviken, Mitglied des Komitees. Wir müssen uns also noch bis zum 31. Januar 2026 gedulden, denn dann endete seine nächste Chance, dann darf er aufhören zu klönen.
Bei einem Terror-Anschlag im Kibbutz Hotel Tzuba, westlich von Jerusalem, wurden zwei Personen durch Messerstiche verletzt. Eines der Opfer, 50 Jahre, wurde mittelschwer verletzt, das andere, 23, leicht. Der Terrorist war Mitarbeiter des Hotels und benutzte ein Küchenmesser für den Angriff. Er hat bereits ein Vorstrafenregister. Ein Grenzpolizist, der im Hotel anlässlich einer privaten Feier anwesend war, nahm den Terroristen aus Shuafat, Ostjerusalem, fest und übergab ihn den Ermittlungsbehörden.
Die VAE bestellten den israelischen Botschafter, Yossi Shelley zu Gesprächen ins Aussenministerium ein. Seit den Plänen der rechtsextremen Minister in der Regierung, die von Netanyahu gestützt werden, 82 % von Judäa und Samaria zu annektieren, hatten sich die Verbindungen zwischen den beiden Staaten abgekühlt. Die VAE hatten die Drohung Netanyahus «Wenn ihr sie [die Hamas-Führer] nicht dem Gericht vorführt, dann tun wird es!», als ‘feindlich’ betrachtet. Präsident Sheikh Mohammed bin Zayed al-Nahyan ist derzeit in der Golf Region unterwegs, um ein gemeinsames Vorgehen gegen Israel zu koordinieren. Die VAE überdenken, die Botschaft in Tel Aviv zu schliessen.
Trump ist zunehmend frustriert über das Verhalten von Netanyahu. «Jedesmal, wenn das Verhandlungsteam Fortschritte macht, greift er jemanden an und bombardiert etwas. Es kommt mir vor, als wolle er gewaltsam die Verhandlungen torpedieren.» Trump gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Angriff auf Doha keinen negativen Einfluss auf die Geiseln hat, muss aber später doch zugeben, dass die Wahrscheinlichkeit besteht, dass weitere Geiseln in den letzten Tagen gestorben sind.
Die Beziehungen zwischen Israel und Spanien nähern sich dem Nullpunkt. Der spanische Aussenminister Manuel Albares bestellte die israelischen Chefdiplomatin Dana Ehrlich zu einem dringenden Gespräch ein. Er forderte sie auf, die «falschen und verleumderischen Aussagen des Büros des israelischen Premierministers kategorisch zurückzuweisen.» Der spanische PM, Pedro Sanchez hatte angekündigt, neue Massnahmen gegen Waffen- und Treibstofflieferungen nach Israel zu ergreifen. Er sieht darin das einzige ihm zur Verfügung stehende Mittel, um Druck auf Israel auszuüben, den ‘Völkermord’ in Gaza zu beenden.
Danny Danon, der israelische Botschafter bei der UNO verteidigte den Angriff auf die Hamas-Führer in Doha: «Es gibt keinen Zufluchtsort für Terroristen, weder in Gaza, noch in Teheran, noch in Doha. Terroristen geniessen keine Immunität», erklärt Danon vor dem Sicherheitsrat. «Wir werden gegen die Anführer des Terrors vorgehen, wo auch immer sie sich verstecken.»
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