Krieg in Israel – Tage 718 und 719

1./2. Tischri 5786

Leider musste auch gestern die IDF wieder den Tod eines Soldaten bekannt geben. Maj. Shahar Netanel Bozaglo, 27, s’’l, verlor sein Leben bei einem Angriff mit einer Panzer-Abwehrrakete auf seinen Panzer. Er wurde zunächst schwer verletzt in ein Krankenhaus evakuiert, wo er aber bald aufgrund der Schwere der Verletzungen starb.

Kamala Harris analysiert in ihrem Buch ‘107 Tage’, warum sie den Wahlkampf gegen Trump verloren hat. Eine Ursache sieht sie in Bidens unterschiedlicher Empathie für die Opfer des Krieges in der Ukraine und in Gaza. «Er hat das einfach nicht geschafft. Er hat immer wieder laut betont ‘Ich bin ein Zionist’. Deshalb wirkten seine Aussagen über die leidenden Gazaner immer unecht und erzwungen.» Der linke Flügel der Demokraten konnte sich nicht damit abfinden, dass sich Biden so hinter die israelische Regierung stellte und Netanyahu quasi einen Blanko-Scheck für Gaza gab. Auf der anderen Seite interessiert sich Netanyahu nicht für Bidens Loyalität für Israel; er wollte Trump im Oval Office sehen, nicht Biden und nicht Harris. Dieser andauernde Zwist habe auch die Wahl ihres Vizes, Tim Walz, beeinflusst.

Ich habe mir gerade die gesamte Rede von Trump vor der UNO angehört in der Hoffnung, dass er zumindest einige bedeutende Worte herausbringen würde. Aber Fehlanzeige. Immerhin bekamen wir eine Erklärung, warum er mit ziemlicher Verspätung am Rednerpult ankam. Die Rolltreppe, die ihn in den Plenarsaal brachte, gab auf halbem Weg auf. «Wäre sie nicht so fit, wäre die First Lady gestolpert und gefallen. Aber wir sind bei fit!» Gleich im Anschluss fragte Trump, was er eigentlich jemals von der UNO zurückbekommen hat. «Eine defekte Rolltreppe und einen defekten Teleprompter.» Und der Inhalt der Rede? Etwa 15-mal die schlechte Biden-Administration, die sieben (von ihm nicht) beendeten Kriege, der Friedensnobelpreis, Klimawandel, die hervorragenden US-Wirtschaft, die Sicherheit in den Städten…Und es ging um 53 % aller Häftlinge in Österreich und 72 % aller Häftlinge in der Schweiz, die angeblich, was nicht stimmt,  einen ausländischen Pass haben, was Trump zur Aussage brachte «Your countries are going to hell!» Er ging auch noch am Ende auf Gaza ein, auf die erhoffte Waffenruhe und die unliebsame Rolle der Hamas bei den Verhandlungen.

Nicht zu vergessen, auch der Iran. Nur die USA seien in der Lage gewesen, die Atomanlagen komplett zu zerstören.  Falsch! Aktuelle Bilder zeigen, dass die Reparatur-Arbeiten schon begonnen haben. Alles in Allem: in New York nichts Neues ausser einer ausführlichen Nabelschau.

Der französische Präsident Macron betonte nach der Rede: «Ich sehe einen engagierten amerikanischen Präsidenten, der heute Morgen vom Podium aus bekräftigt hat: ‚Ich will Frieden. Ich habe sieben Kriege beendet ‘, der den Friedensnobelpreis haben möchte. Der Friedensnobelpreis ist nur möglich, wenn er diesen Konflikt in Gaza beendet», so Macron. Sieht Macron nicht oder will er nicht sehen, dass Trump nur an Zweierlei wirklich interessiert ist: am Friedensnobelpreis als Krone für seinen unglaublichen Narzissmus und daran, sein Imperium in Gaza zu vergrössern. Dafür nimmt er sogar in Kauf, Kriegsverbrechen zu dulden und zu unterstützen. 

Der belgische PM Bart De Wever hat als einziger Staatsmann erklärt, dass sein Land Palästina als Staat erst anerkennen werde, sobald alle Geiseln, die lebenden und die toten, an Israel zurückgegeben sind und die Hamas völlig entmachtet wurde. «Die jüngsten Erklärungen einer Reihe israelischer Minister, darunter auch des Premierministers selbst, dass es niemals einen palästinensischen Staat geben werde, sind ein weiterer Grund, das Recht und die Notwendigkeit der Palästinenser auf einen eigenen Staat zu bekräftigen. Dieser Schritt kann jedoch keine Belohnung für die Hamas sein», stellt er klar. «Im Bewusstsein des Traumas, das nach dem Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 entstanden ist, wird Belgien die rechtliche Anerkennung des Staates Palästina vornehmen, sobald alle Geiseln freigelassen und alle terroristischen Organisationen wie die Hamas aus der Regierung Palästinas entfernt worden sind.» 

Auch die italienische PM Giorgia Meloni stellte Bedingungen, bevor Italien Palästina als Staat anerkennt: «Ich bin nicht gegen die Anerkennung Palästinas, aber wir sollten uns die richtigen Prioritäten setzen», sagte Meloni gegenüber Reportern. «Der internationale Druck solle eher auf die Hamas als auf Israel ausgeübt werden, da diese den Krieg begonnen habe und dessen Beendigung blockiere, indem sie sich weigere, die Geiseln freizulassen.»

Der japanische PM Shigeru Ishiba erklärte, dass es für Japan nicht eine Frage des ‘ob’, sondern des ‘wann’ sei, bevor es Palästina als Staat anerkennt. «Die fortgesetzten einseitigen Aktionen Israels können nicht mehr akzeptiert werden. Ich muss es ganz klar sagen, wenn es weitere Aktionen gibt, die die Zwei-Staaten-Lösung verhindern, dann wird Japan entsprechende Massnahmen ergreifen.» Zwar ging er dann kurz darauf ein, dass der Krieg von der Hamas begonnen worden sei, unterliess es aber, auf das Schicksal der Geiseln hinzuweisen. Im Gegenteil, er forderte die palästinensische Seite auf, eine verantwortungsbewusste Regierung zu bilden, die ’Seite an Seite in Frieden mit Israel leben kann’. Mit dem gestrigen Tag haben jetzt etwa 80 % der Mitgliedsstaaten Palästina als Staat anerkannt.

Der Emir von Katar, Scheikh Tamin bin Hamad al-Thani nutzte seine Redezeit, um Israel vollumfänglich zu verurteilen. «Israel hat den Krieg der Rückgabe seiner verbleibenden 48 Geiseln vorgezogen, sein verräterischer Angriff auf die Hamas-Führung in Doha am 9. September ist ein Versuch gewesen, die von uns vermittelten Gespräche über einen Waffenstillstand in Gaza zu torpedieren. Sie besuchen unser Land und planen einen Angriff darauf», sagte al-Thani über Israel, das häufig Unterhändler nach Doha entsandt hat. «Sie verhandeln in unserem Land mit Delegationen und planen die Ermordung der Mitglieder der Verhandlungsteams. Es ist schwierig, mit einer solchen Mentalität zusammenzuarbeiten, die nicht einmal die minimalsten Standards der Zusammenarbeit respektiert. Das ist unmöglich.» Im Hinblick auf die Geiseln betonte er: «Sie betrachten Verhandlungen als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln und als einen Weg, die israelische Öffentlichkeit zu täuschen. Wenn die Freilassung der israelischen Geiseln vom Ende des Krieges abhängig ist, gibt die israelische Regierung die Idee der Freilassung der Geiseln auf.» Al-Thani bezichtigte Israel des Völkermords mit dem Ziel, seine Siedlungen in Gaza auszuweiten. «Mit anderen Worten: Israel strebt danach, die Lebensfähigkeit des Gazastreifens zu beenden und seine Bevölkerung zu vertreiben. Der israelische Staatschef will den Krieg fortsetzen. Er glaubt an das, was als Gross-Israel bezeichnet wird. Israel ist kein demokratisches Land, das von Feinden umgeben ist, sondern es ist vielmehr ein Feind seiner Nachbarländer.»

Der jordanische König Abdulla fand ähnliche Worte. Israel sei kein Partner für den Frieden mehr. Die Forderungen und Vorstellungen für eine ‘Grossisrael’ würden die Souveränität und Integrität der Nachbarstaaten bedrohen. Diese Aussagen widerspiegeln genau das, was der Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien ist; ein kalter Frieden, der wahrscheinlich mit dem jetzigen König nie zustande gekommen wäre. «Der Krieg in Gaza ist einer der dunkelsten Momente in der Geschichte der UNO.»

Der Präsident Prabowo Subitano von Indonesien, das keine formellen Beziehungen zu Israel unterhält, betonte hingegen, dass die Welt Israels Recht auf Sicherheit respektieren müsse, und beendete seine Rede mit „Shalom“. Er erklärte sich bereit, 20.000 Soldaten oder auch mehr als ‘peacekeeper’ nach Gaza zu schicken. «In der Ukraine, dem Sudan oder Libyen oder überall dort, wo Frieden geschaffen werden soll und wo Frieden verteidigt werden soll, sind wir bereit, mit unseren Söhnen und Töchtern zu helfen. Indonesien werde Israel in dem Moment anerkennen, wenn Israel einen palästinensischen Staat anerkennt.»

König Felipe von Spanien erklärte, wie stolz das Land auf seine sephardischen Wurzeln sei und erinnert daran, dass mit einem Gesetz von 2015 jeder Nachkomme von vertriebenen Juden als Folge der Inquisition den sofortigen Anspruch auf die spanische Staatsbürgerschaft hat. «Aus diesem Grund ist es für uns so schwer zu verstehen, und wir sind so erschüttert über das Vorgehen der israelischen Regierung in Gaza. Deshalb rufen wir laut, flehen wir an, fordern wir: Beendet dieses Massaker jetzt. Keine weiteren Todesopfer im Namen eines Volkes, das so weise und alt ist und im Laufe der Geschichte so viel Leid erfahren hat. Lassen Sie uns klarstellen, dass wir den abscheulichen Terrorismus der Hamas, insbesondere das brutale Massaker vom 7. Oktober 2023 an der israelischen Bevölkerung, unmissverständlich verurteilen. Und wir erkennen das Recht Israels auf Selbstverteidigung an, aber mit gleicher Kraft fordern wir die israelische Regierung auf, das humanitäre Völkerrecht in Gaza und im Westjordanland uneingeschränkt einzuhalten», sagt er und fordert einen Waffenstillstand und humanitäre Hilfe für den Gazastreifen.

Geschätzte 640.000 Gazaner haben mittlerweile Gaza-City verlassen und sich auf den Weg nach Süden gemacht. Damit sind etwa zwei Drittel der in Gaza lebenden Zivilisten aus der Stadt geflohen, nachdem die IDF ihre Boden- und Luftoffensive immer mehr verstärkt.

Trump hielt am Mittwoch eine Zusammenkunft mit arabischen und muslimischen Anführern statt, um über Gaza zu diskutieren. Die Teilnehmer des Treffens kamen aus Katar, Saudi-Arabien, Indonesien, der Türkei, Pakistan, Ägypten, den VAE und Jordanien. Die USA legten einen ‘neuen’, 21 Punkte umfassenden Plan vor, der den Krieg zwischen Israel und der Hamas laut Witkoff ‘ vielleicht in den kommenden Tagen’ beenden kann. Witkoff hofft: «Dieses Mal war Israel noch nicht dabei, aber beim kommenden Mal werden sie dabei sein.»

Ist das eine der von Netanyahu angekündigten Reaktionen auf die Anerkennung von Palästina als Staat bei der UNO? Aus seinem Büro erfolgte die Anweisung, den Grenzübergang Allenby Bridge ab heute Vormittag bis auf Weiteres zu schliessen. Ein Grund für die Massnahme wurde nicht angegeben. Das teilte die israelische Flughafenbehörde mit, die für die Überwachung dieses Grenzübergangs verantwortlich ist. Ob eine Sperrung auch für den südlichen Rabin-Übergang gilt, wurde (noch) nicht bekannt.

Österreich, Belgien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, die Europäische Union und Polen gehören zu den zwei Dutzend Unterzeichnern der Erklärung, die fordert, dass Israel einen Notkorridor zwischen Gaza, Ostjerusalem sowie Judäa und Samaria eröffnet, um Patienten aus dem Kriegsgebiet medizinisch versorgen zu können. Sie wollen damit sicherstellen, dass «die medizinischen Evakuierungen aus Gaza wieder aufgenommen werden können und Patienten die dringend benötigte Behandlung auf palästinensischem Gebiet erhalten können.» Die dazu notwendige Infrastruktur soll von den Ländern finanziert werden, die das Schreiben unterschrieben haben. Warum setzt sich in diesem Gremium niemand für die Geiseln ein?

Die Hamas hat vorgestern ein weiteres Video von Alon Ohel veröffentlicht. Seine Familie bat darum, bis zu ihrer Einverständniserklärung weder das Video noch Screenshots zu veröffentlichen. Ohel ist deutsch-israelischer Doppelbürger. Der deutsche Bundeskanzler Merz schrieb auf ‘X’: «Die entmenschlichenden Aufnahmen des deutsch-israelischen Staatsbürgers Alon Ohel, die die Hamas ausgerechnet an Rosch Haschana veröffentlicht hat, sind unerträglich. Die Hamas muss alle Geiseln unverzüglich freilassen. Der Waffenstillstand muss jetzt kommen, das Leiden muss ein Ende haben.» Alons Eltern hatten bereits nach dem letzten Video Augenärzte gebeten, ihre Meinung abzugeben. Die Familie zeigte sich „erschüttert“ von den Aufnahmen, in denen «deutlich zu sehen ist, dass Alon das Sehvermögen seines rechten Auges verliert und dass er abgemagert und verängstigt ist.» Am Mittwoch erlaubte die Familie die Veröffentlichung eines Screenshots. Gestern Abend nach dem Ende des Feiertags und unmittelbar bevor Netanyahu nach New York abreiste, wurde das komplette Video veröffentlicht.

Die IDF gab bekannt, dass seit dem frühen Dienstagmorgen Gaza-City vollständig eingekesselt ist. Drei Divisionen waren daran beteiligt, die Einkesselung zu vollenden, die Gegenwehr der Hamas sei nur minimal gewesen.

Offenbar hat die IDF am Nachmittag den Ort ,an dem das jordanische Feld-Spital in Gaza-City stand, gestürmt. Jordanien hat seine Feld-Krankenhäuser bereits in der Vorwoche in den Süden des Gazastreifens verlegt.

Gestern Nachmittag schlug eine von den Houthi-Terroristen abgeschossene Drohne in unmittelbarer Nähe eines Shopping-Centers in Eilat ein. Andere Sender berichteten der Einschlag sei in einem Hotel oder auch in einem Hostel erfolgt. Mindestens 48 Personen wurden durch den Einschlag verletzt, zwei befinden sich in kritischem Zustand. Die IDF untersucht den Vorfall, nachdem mehrere Versuche, die Drohen mit dem ‘Iron Dome’ abzufangen, misslangen. Die Drohnen seien sehr niedrig geflogen, so dass nur der Iron Dome eingesetzt werden konnte. In der vergangenen Woche war eine Drohne in der Zufahrt zu einem Hotel in Eilat abgestürzt, hatte aber nur Sachschaden verursacht,



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