Krieg in Israel – Tag 723

6. Tishri 5785

Hagai Angrest, Vater von Matan, beklagte in einem Interview mit dem Armee-Radio, dass Netanyahu jedes Zusammentreffen mit Familienangehörigen von Geiseln und Vermissten, die ebenfalls in New York sind, vermeide. «Er ignoriert uns, wenn wir vor seinem Haus in Jerusalem stehen und er ignoriert uns hier. Er besucht das Grab vom Lubavitscher Rebbe, aber alle Orte, an denen wir auch sind, vermeidet er. Das ist seine Entscheidung. Wir bemühen uns, Leben zu retten, während er nur den Rankings nachrennt. Im Gegensatz dazu haben wir uns mit Mitgliedern der Administration von Trump getroffen und über unsere gemeinsamen Bemühungen gesprochen. Sie tun alles, wir glauben ihnen.» Als Netanyahu das letzte Mal bei Trump war, hatte er einen Vertrag versprochen und nichts war geschehen. Hagai betonte, dass die Familien alles tun, um Netanyahu zu zwingen, den Vorschlag anzunehmen und verspricht, ähnlich wie Einav Zangauker schon gestern, «sein Schatten zu sein, wenn er nach Jerusalem zurückkommt. Der PM weiss genau, dass wir alles tun, was wir ankündigen.»

Kurz nach dem Interview, welches Hagai Angrest gab, gab die Hamas bekannt, den Kontakt zu zwei Geiseln verloren zu haben. Im englisch-sprachigen arabischen Nachrichten-Kanal ‘Al Mayadeen’  klagte die Hamas die IDF an, der Kontakt sei aufgrund der heftigen Bombardierung des Sabra-Viertels von Gaza-City abgebrochen. Die Terror-Organisation forderte die IDF auf, alle Operationen ab 18 Uhr für 24 Stunden einzustellen und sich aus dem Gebiet zurückzuziehen. In der Zeit soll ein Versuch unternommen werden, die beiden aufzuspüren. Die Namen wurden mit Matan Angrest und Omri Miran angegeben. Die betroffene Familie wurden, so Times of Israel, benachrichtigt.

Zwei der bekannten und grossen Clans in Gaza wurden vom Shin-Bet kontaktiert. Es ging darum, die Stadt in Zonen einzuteilen, die von bewaffneten und von Israel unterstützten Gruppen kontrolliert werden sollten. Die Ansprechpartner der Durmsh und Bakr Familien lehnten den Vorschlag jedoch ab. Die Absicht wäre es gewesen, die Hamas aktiv zu bekämpfen und Spionage-Informationen nach Israel weiterzugeben. Im Süden des Landes ist bereits ein ähnliches System aktiv. Ein Mitglied der Bakr-Familie, der nicht genannt werden wollte, bestätigte den Vorschlag. Nach dem Gespräch, das am Freitag stattgefunden hatte, zerstörte die IDF gestern einige ihrer Häuser in Gaza-City und tötete dabei 36 Familienangehörige. Hoffentlich war der Angriff ein sehr bedauerlicher Fehler, so dumm darf die IDF nicht sein!

Nach wie vor gibt die Hamas an, den letzten Vorschlag zum Erreichen der Waffenruhe und Freilassung der Geiseln nicht erhalten zu haben. Die Organisation betont, bereit zu sein, den Vorschlag sorgfältig und verantwortungsvoll zu prüfen. Die Rechte der Palästinenser müssen aber, so erklären sie, auf jeden Fall geschützt werden. Trump hatte den Plan einer Gruppe von arabischen und muslimischen Staaten vorgestellt, wobei er festhielt, Netanyahu sei vollumfänglich über das 21-Punkte Abkommen informiert. Der Plan wurde heute der Times of Israel bekannt gegeben.

Der rechtsextreme Ben-Gvir behauptet, dass die Todesstrafe für (nicht-jüdische!) Terroristen es ermöglicht «die Geiseln nach Hause zu bringen». Mit dieser Begründung lehnte er einen Antrag ab, die Diskussion zu diesem Thema bis auf Weiteres zu verschieben. «Aus dem Büro des PM wurde ich aufgeforderte, die Diskussion zu verschieben. Meine Antwort ist nein. Sie erklärten mir, dass wir die Haft- und Strafbedingungen für die bereits Verurteilten nicht ändern können. Das sei nicht korrekt und nicht angebracht. Es könne zu Unruhen und einer Intifada führen.» Von anderer Seite wird befürchtet, dass eine solche Massnahme die Verhandlungen verzögern oder sogar stoppen könnten. Gal Hirsch, der Koordinator für Geiseln und Vermisste, warnte das Komitee, das Leben der Geiseln zu gefährden, wenn dieses Gesetz verabschiedet würde. «Wir verlangen nicht ohne Grund, die Diskussion zu verschieben. Vor allem jetzt, wo wir uns mitten in einem militärischen und diplomatischen Prozess sind, um sie zurückzuholen.» MK Gilad Kariv wurde von einem Saalordner aus dem Sitzungsraum geführt, nachdem er Ben-Gvir angebrüllt hatte: «Ist es das um was es geht? Und was ist mit den Geiseln?» Er bezog sich dabei auf den provokanten Besuch von Ben-Gvir bei Marwan Barghouti, einem zu einer mehrfach lebenslänglichen Strafe verurteilten Fatah-Mitglieds, im Gefängnis. Ben-Gvir hatte den Besuch offenbar nur aus PR Gründen gemacht.

Trump gab auf seinem Social Media Account ‘Truth Social’: «Wir haben eine echte Chance für etwas Grossartiges im Mittleren Osten. Alle sind an Bord für etwas ganz Spezielles! Zum ersten Mal. Wir werden es hinbekommen!» In der vergangenen Woche hatte Trump noch erklärt, er müsse zunächst mit Netanyahu sprechen, bevor der Plan abgeschlossen werden könne. Netanyahu wird aber erst morgen in Washington erwartet.

Allein gestern hat die IDF 140 Terror-Strukturen der Hamas zerstört. Das ‘Gesundheitsministerium’ der Hamas gibt an, dass im Laufe des Tages 77 Palästinenser getötet wurden. Derzeit operieren drei Divisionen in Gaza-City, die zügig in das Stadtzentrum vordringen.

„Pst, ich will da zuhören!“ ——-„Was ist das dahinten? Ich will dort zuhören!“
© Moshik Gulst, Facebook


Kategorien:Israel, Politik

Schlagwörter:

Hinterlasse einen Kommentar