8. Tishri 5786
Am Sonntag wurde bei einem Terror-Anschlag in der Nähe von Kedumim, Samaria, ein Soldat zunächst angefahren und anschliessend durch ‘friendly fire’ tödlich am Kopf getroffen. Der Terrorist konnte neutralisiert werden. Der Name des Opfers wurde mit Staff Sgt. Inbar Avraham Kav, 20, s’’l, benannt. Heute kam es in Judäa, südlich von Jerusalem, zu einem weiteren Terroranschlag. Der Terrorist fuhr zunächst in eine Menschengruppe und verletzte zwei Jugendliche mit einem Messer. Einer der Jugendlichen, 15, ist schwer verletzt, der zweite, 16, mittelschwer. Sie wurden nach Jerusalem evakuiert. Ein Reserveoffizier, der ausser Dienst, aber bewaffnet war, konnte ihn ausser Gefecht setzen. Der Terrorist, Mahdi Muhammad Awad Dirieh, 32, starb später an den Verletzungen.


Die Blumendekorationen im State Room sind abgebaut und man geht auf beiden Seiten des Atlantiks wieder zum Tagesgeschehen über. Doch während Trump sich uneingeschränkt seines Erfolges erfreuen darf und vielleicht dem Friedensnobelpreis einen Schritt näher gekommen ist, wird Netanyahu etwas weniger glücklich sein. Auf ihn warten heute scharfe Gegner des gestern verkündeten Plans, die ihn politisch in die Bredouille bringen können. Falls Ben-Gvir und Smotrich Ernst machen und aus der Koalition austreten, dann ist er endgültig nicht mehr regierungsfähig. Bisher kann er sich noch auf 60/120 Sitzen in der Knesset abstützen, wobei die Shas Partei mit elf Mandaten formell ihren Austritt verkündet hat, aber weiterhin mit der Regierung abstimmt. Zwar kann Netanyahu sich auf die Stimmen von Lapid verlassen, der ihm für eine positive Abstimmung zum ‘Waffenstillstandsplan’ einen Rettungsschirm mit seiner Partei ‘Yesh Atid’ versprochen hat. Danach dürfte aber für ihn das Ende seiner politischen Karriere gekommen sein. Wenn er nicht wieder einen der Abtrünnigen einfangen kann. Wenn es für Shticks ‘n’ Tricks Auszeichnungen gäbe, die hätte er schon lange verdient.

Aber ist Netanyahu jetzt wirklich der Sieger, als den er sich selbst gerne präsentiert? Nach fast zwei Jahren Krieg sind ihm die Möglichkeiten ausgegangen, wie er ihn noch länger am Laufen halten kann. Sein Auftritt vor der UNO hat es deutlich gezeigt. Mit fast 76 Jahren ist er ausgelaugt, alt geworden und vor allem hat er nichts mehr, was seinen Verbleib im Amt rechtfertigt. Er hat versucht, alle Macht noch einmal an sich zu reissen, als er sich gemeinsam mit seinem Sprachrohr Katz die alleinige Entscheidungsbefugnis für das militärische Vorgehen geben liess. Und prompt die Invasion und Eroberung von Gaza-City anordnete, die sein Generalstabschef zu verzögern versucht. Mit dem Attentatsversuch gegen die Hamas in Katar verärgerte er Freunde und Feinde. Das Ansehen Israels fiel auf ein Allzeit-Tief. Der Auftritt gestern in Washington hätte Vieles wieder glätten können. Aber Trump zeigte ihm, wer der Herr im Haus ist. Während Netanyahu seltsam blass und mit zusammen gekniffenem Mund dastand, wie bestellt und nicht abgeholt, plauderte Trump 20 Minuten über seinen Plan. Ja, seinen Plan. «Bibi und ich hatten ein langes, intensives Gespräch», sagte Trump. «Er versteht, dass es Zeit ist.» ‘Bibi’ soll wohl Vertrautheit suggerieren, tatsächlich aber sprach da der Chef zum unwilligen Mitarbeiter.

Später lobt er sich selbst, wie es ihm gelungen sei, Netanyahu zum Kotau gegenüber dem PM von Katar zu zwingen. Netanyahu musste sich entschuldigen, eine Fehlentscheidung zugeben. Wie peinlich ist das denn? «Sie hatten ein wirklich herzliches, offenes Gespräch.» Die Bilder zeigen, Trump ruft in Katar an und reicht dann den Hörer weiter. Alle, die im Oval Office anwesend sind, müssen die Schmach miterleben. Hat Trump ihn vorher unter vier Augen darauf vorbereitet? Oder war es wieder einmal ein Schuss aus der Hüfte? Jetzt, wieder daheim, muss er den Lackmus-Test bestehen, wie viel er als PM noch wert ist. Vielleicht war es ein gutes Zeichen, dass man Sara N. nur bei der Veranstaltung in der israelischen Botschaft sah. Der erste leise Rückzug aus der Weltöffentlichkeit.

© Amos Biderman, Facebook
Vor seinem Abflug aus Washington gab Netanyahu ein kurzes Statement in einer seiner geliebten Videobotschaften ab. «Es war ein historischer Besuch», sagt er. «Anstatt dass die Hamas uns isoliert, haben wir den Spiess umgedreht und die Hamas isoliert. Jetzt übt die ganze Welt, einschliesslich der arabischen und muslimischen Welt, Druck auf die Hamas aus, die Bedingungen zu akzeptieren, die wir gemeinsam mit Trump ausgearbeitet haben, um alle Geiseln – die Lebenden und die Toten – zurückzuholen, während die IDF im Gazastreifen bleibt.» Das stimmt nicht so ganz. Der Plan sieht vor, dass sich die IDF schrittweise zurückzieht und die Kontrolle an eine internationale Sicherheitskraft übergibt. Die Frage nach einem möglichen Palästinenserstaat weist er weit von sich: «Auf keinen Fall, das steht nicht in der Vereinbarung.» Netanyahu, der Meister der leicht verzerrten Interpretation, behauptet, Trump stimme darin ganz und gar mit ihm überein. Auch das ist nicht ganz korrekt. Der Plan sieht unter bestimmten Bedingungen vor, dass «Selbstbestimmung und Staatlichkeit der Palästinenser geschaffen sein könnten, was wir als das Bestreben des palästinensischen Volkes anerkennen.»
Smotrich, der noch bis gestern den Standpunkt vertrat, den von Trump vorgelegten Plan abzulehnen, hat heute eingelenkt. Allerdings ging er nicht so weit, zu erklären, dass er ihn ablehnen werde. Angesichts der pompösen Zeremonie im Weissen Haus betonte er, es sei noch kein Grund zum Feiern. Vor allem die Akzeptanz von palästinensischen Sicherheitskräften in Gaza und das Zulassen von Katar in einer massgeblichen Rolle seien ein ‘eklatantes diplomatisches Versagen’. «Meiner Einschätzung nach wird auch dies in Tränen enden», schreibt er auf ‘X’.

Durchwegs positiv waren die Rückmeldungen der europäischen Staaten sowie der Golf-Staaten. Der deutsche Aussenminister Johann Wadephul wird der erste sein, der am kommenden Wochenende in die Region kommt und ein ganzes Massnahmenpaket mitbringt (das aber noch nicht definiert wurde) um aktive Hilfe zu bringen. Die Oppositionsparteien stehen weitgehend hinter dem vorliegenden Plan. MK Pnina Tamano-Shata ist sicher: «Es gibt eine überwältigende Mehrheit unter der Bevölkerung und auch in der Knesset, die den Trump-Plan unterstützt», sagt sie in einer von ihrer Partei veröffentlichten Erklärung. «Wenn die extremistische Regierung nicht in der Lage ist, eine ernsthafte Debatte über das Thema zu führen und es zu billigen, muss es vor die Knesset gebracht werden. Ich bin sicher, dass mehr als 80 Abgeordnete ihre Unterstützung für den Plan zum Ausdruck bringen und eine wichtige Botschaft an die Bevölkerung, die Welt und insbesondere an die US-Regierung senden werden.»

Er kennt Netanyahu sehr gut! Yair Lapid nennt den Trump-Plan nicht perfekt, aber die beste Option, die auf dem Tisch liegt. Das grösste Problem, das jetzt den Plan noch zum Scheitern bringen kann, sind, so Lapid, nicht die, die den Plan ablehnen, sondern die, die ‘Ja, aber’ sagen. Er bezog sich dabei ganz klar auf Netanyahu. «Er sagt üblicherweise ‘Ja’ wenn er in Washington vor laufenden Kameras steht und sich als der grösste Staatsmann aller fühlt. Das ‘Aber’ folgt, sobald er in Israel ist und die Basis ihn wissen lässt, wer der Elefant im Raum ist. Wir müssen ‘Ja’ zum Plan sagen und vorwärts machen, damit er schnellstmöglich umgesetzt wird.»

Die IDF hat Dokumente der Hamas gefunden, die eindeutig die direkte Verbindung zwischen der ‘Gaza-Flotilla’ und der Hamas belegen. Die Verbindung besteht hauptsächlich zur ‘Palestinian Conference for Palestinians’/ PCPA, die im Ausland als Botschaft der Terror-Organisation dient. Sie wird als zivile Organisation getarnt und ist verantwortlich für alle Aktionen gegen Israel, wie Demonstrationen, Flotillas und Provokationen. Aufgefunden wurden von Ismail Haniyeh unterschriebene Dokumente sowie eine Liste von Mitarbeitern, auf der auch einige hochrangige Hamas-Terroristen standen. Zaher Birawi, die auf dem Bild zu sehen ist, ist die Chefin der britischen Gruppe. Eine ihrer Aufgaben ist das Akquirieren von Aktivisten für die Flotillas. 2010 war sie die Sprecherin der ‘Mavi Marmara’.
Die Hamas bestätigte heute, den Vorschlag von Katar erhalten zu haben. Nachdem er ‘sorgfältig und verantwortungsbewusst’ geprüft wird, ist mit einer Antwort erst in einigen Tagen zu rechnen. CBS-News berichteten am frühen Nachmittag, Hamas zeige sich geneigt, dem Vorschlag zuzustimmen und werde die Antwort morgen präsentieren. Heute werden sich Unterhändler mit ihren Partnern aus der Türkei und Katar treffen. Trump hat mittlerweile angekündigt, ihnen drei oder vier Tage für ihre Antwort zu geben. Sollten sie ablehnen, so hat er Netanyahu schon carte blanche gegeben: «Dann tun sie alles, was sie möchten.»
Einige Hundert Palästinenser haben gestern via Kerem Shalom den Gazastreifen verlassen, um im Ausland dringend notwendige medizinische Betreuung zu erhalten. Bei ihnen waren Familienangehörige oder Betreuer sowie Doppelstaatsbürger. Sie verliessen Israel entweder über die mittlerweile wieder eröffnete Allenby-Bridge nach Jordanien oder über den Ramon-Flughafen bei Eilat.

Die gestern von den Houthi-Terroristen manövrierunfähig geschossene ‘Minervagracht’ treibt seit der Evakuierung vor der Küste von Aden. Die beiden schwerverletzten Mitarbeiter wurden ins Krankenhaus von Djibouti evakuiert. Das US-Maritime Information Center betonte, dass der Frachter keinerlei Verbindung zu Israel habe.
1973 schrieb Naomi Shemer das Lied ‘Lu Yehi – לו יהי’. Es war die Zeit des Yom Kippur Krieges. Ihr Lied ist keine Übersetzung des bekannte Beatles-Songs ‘Let it be’, wie sie es ursprünglich geplant hatte, sondern ein hoffnungsvolles Gebet für ein schnelles Ende des Krieges und eine sichere Heimkehr der Soldaten. Angeregt durch ihren Mann schrieb sie dann auch eine der jüdischen Tradition angepasste Melodie. «Wenn ein Bote an der Türe klopft, lass ihn eine gute Nachricht bringen. Das ist alles, um was wir bitten, lass es geschehen.» Dieser Vers wurde in den meisten Aufführungen übersprungen, erzählt er doch die traurige Situation, wenn am frühen Morgen Soldaten der Einheit, in der dein Sohn oder deine Tochter dienen, vor der Türe stehen. Sie überbringen die traurige Nachricht vom Tod deines Kindes.


Morgen Abend beginnt nach Sonnenuntergang Yom Kippur. Vor zwei Jahren hat die Hamas Israel einen Krieg aufgezwungen, der länger und grausamer ist als alle Kriege zuvor. 52 Jahre nach dem Yom Kippur Krieg beten wir auch heute für die Rückkehr der noch in Gaza festgehaltenen Geiseln und für eine gesunde Rückkehr der Soldaten.
Im Talmud (Megilla 31b) steht: «Das Jahr und seine Flüche sollen enden – das neue Jahr und seine Segen solle beginnen.» Shana tova, chatima tova! Ein besseres neues Jahr, möget ihr eingeschrieben werden in das Buch des Lebens.
P.S Ich melde mich wieder am Freitag 3.10.2025
Hinterlasse einen Kommentar