16. Tishri 5785

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah El-Sissi betonte, von den Mediatoren sehr positive Nachrichten erhalten zu haben, was die derzeitigen Verhandlungen betrifft. «Gestern sind Delegationen von Katar und Ägypten sowie Abgeordnete der USA in Sharm el-Sheikh eingetroffen. Ich habe sehr erfolgversprechende Nachrichten von ihnen gehört. Ein Waffenstillstand, die Rückkehr der Gefangenen, der Wiederaufbau von Gaza und der Beginn eines friedlichen politischen Prozesses, der zur Gründung und Anerkennung des Staates Palästina führen wird, zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg, der zum andauernden Frieden und Stabilität führt, sind.» El-Sissi hat bereits Trump zur feierlichen Unterzeichnungen-Zeremonie des Vertrages eingeladen.

Am Nachmittag sind der US-Sonderbeauftragte Steven Witkoff und Jared Kushner als Trumps Schwiegersohn und Geschäftspartner in Sharm el-Sheikh angekommen.
Die saudi-arabische Nachrichtenplattform Al-Hadath gab bekannt, dass eine Delegation des Palästinensisch-Islamischen-Djihads an den Gesprächen in Sharm el-Sheik teilnehmen wird. Auch eine Gruppe der ‘Popular Front for the Liberation of Palestine’ (PFLP) wird erwartet. Bereits vor Ort sind der PM von Katar und der Chef des türkischen Geheimdienstes.

Der Sprecher der Hamas Taher al-Nunu teilte am Mittwochmittag mit, dass die Liste mit den Namen der Gefangenen, die gegen unsere Geiseln ausgetauscht werden sollen, übergeben wurde. Ganz oben stehen, wie schon berichtet, die Namen Marwan Barghouti, Ahmad Sa’adat, Ibrahim Hamed und Abbas al-Sayed. Auch die Leichen von Yahya und Mohammed Sinwar sollen zurückgegeben werden.

Israel wendet ein, dass genau diese Liste, die unter anderem die Freilassung von Marwan Barghouti vorsieht, einer der Hauptdiskussionspunkte ist. Die positiven Ansichten von den USA und Ägypten teilt Israel nicht. Auch die Ankunft von Top-Verhandlern sieht Israel nicht als Zeichen, dass ein Abschluss kurz bevorsteht. Im Gegensatz zu Ägypten, das Trump bereits eingeladen hat, hält sich Israel auch mit Vorbereitungen für einen potenziellen Besuch Trumps zurück.

Trump soll, so erklärt es der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan türkischen Journalisten, die Türkei gebeten haben, die Hamas zu ‘überzeugen’, seinen Plan anzunehmen. Er berief sich dabei auf das Transkript, welches von seinem Büro veröffentlicht wurde. «Sowohl während unseres Besuches in den USA, also auch bei unserem letzten Telefonat haben wir Herrn Trump erklärt, wie eine Lösung für Palästina erreicht werden kann. Er hat uns ausdrücklich gebeten, uns mit der Hamas zu treffen und sie zu überzeugen. Die Hamas hat uns daraufhin mitgeteilt, dass sie zu Frieden und Verhandlungen bereit ist. Mit anderen Worten, sie hat keine gegenteilige Haltung eingenommen. Ich halte dies für einen sehr wertvollen Schritt. Die Hamas ist Israel voraus», fügt Erdogan hinzu.

Der rechtsradikal-nationalistische Ben-Gvir hat erneut ein Gebet auf dem Tempelberg geleitet und damit den ‘status quo’ verletzt. «Seit dem schrecklichen Massaker sind nun zwei Jahre vergangen … In jedem Haus in Gaza hängt ein Bild des Tempelbergs, und jetzt, zwei Jahre später, sind wir auf dem Tempelberg siegreich, wir sind die Herren auf dem Tempelberg», sagt der Minister, während er vor dem Felsendom steht. Die Hamas bezeichnet die provokante Aktion von Ben-Gvir als Abbild des faschistischen Denkens der israelischen Regierung. Auch Saudi-Arabien verurteilte den ‘Besuch’ von Ben-Gvir, ohne seinen Namen zu nennen: «Das Stürmen des Al-Aqsa Moschee-Gebietes durch israelische Offizielle und Siedler unter dem Schutz der Besatzungsmacht. (…) Saudi-Arabien zieht die israelischen Besatzungskräfte für die gefährlichen und andauernden Verletzungen der heiligen Plätze zur Verantwortung.»





Der Vorsitzende von ‘Blau-Weiss’ Benny Gantz beklagt, dass er bei keiner einzigen Gedenkveranstaltung im Süden des Landes einen Regierungsvertreter gesehen habe. Auch bei der grössten Veranstaltung des Landes in Tel Aviv, bei der etwa 30.000 Personen teilnahmen, wurde kein Vertreter der Regierung gesichtet. Benny Gantz, der seit dem Massaker im Kibbutz Yad Mordechai lebt, bedauerte: «Bei keiner der Zeremonien oder Gedenkstätten habe ich Minister der Regierung gesehen, die gekommen wären, um ihre Solidarität zu bekunden. Um eine Kerze anzuzünden. Um eine Umarmung zu geben. Ich hoffe, ich habe es verpasst.» Die Regierung hat beschlossen, einen nationalen Gedenktag einzuführen, der dem hebräischen Jahrestag entspricht, nämlich dem 24. Tishri, der in diesem Jahr auf den 16. Oktober fällt.

Drei Personen aus dem Umfeld des Weissen Hauses berichteten, dass der Text der Entschuldigung für den Angriff auf Katar, zu der Netanyahu von Trump genötigt wurde, bereits fix-fertig formuliert vorlag. Offenbar hielt Trump Netanyahu für unfähig, gegenüber dem PM von Katar, die richtigen Wort zu finden. Viel grösser kann diese subtile Demütigung nicht sein. Natürlich kam kurze Zeit später die Erwiderung des Büros des PM; dass es sich hierbei um reine ‘fake news’ handele, der Text sei von Netanyahu und seinem Team verfasst worden.

Dem Shin-Bet ist es gelungen, einen iranischen Versuch zu vereiteln, mit dem qualifizierte Waffen und Drohnen an Terror-Gruppen in der Nähe von Ramallah geschmuggelt werden sollten. Darunter 29 Claymore-Landminen mit Splitterladung, vier Drohnen, zwei davon mit Sprengstoff geladen, 15 Anti-Panzer-Raketen, ein Granatwerfer, 20 Handgranaten, 53 Pistolen, sieben Scharfschützengewehre, neun Maschinengewehre und 750 Stück Munition.
Die Hamas versuchte am Nachmittag einen Militärposten nahe des Netzarin-Korridors zu stürmen. Mindestens fünf Hamas-Terroristen stiegen aus einem Tunnel und eröffneten sofort das Feuer. Der IDF gelang es, drei Terroristen zu neutralisieren, während die anderen fliehen konnten. Das Gebiet wird derzeit noch intensiv durchsucht, ob sich die anderen Terroristen noch dort befinden. Es gab keine Verletzten.
Der ganz kräftige Kaktus des Tages geht an den regierenden Likud. Während weiterhin 48 Geiseln in Gaza leiden, nehmen zehn Minister des Kabinetts an einer fröhlichen Party teil. Der Gastgeber ist Rafi Chaim-Kedoshim, Mitglied einer bekannten Familie von Kriminellen und selbst bereits viermal wegen Gewalt, Entführung, Folter und Geldwäsche auf dem grauen Markt verurteilt. Sein letzter Gefängnisaufenthalt liegt zwanzig Jahre zurück. Seither ist er eine prominente Figur im Likud geworden. Mit Unterstützung seiner Parteifreunde kandidierte er erfolgreich für einen Sitz im Stadtrat von Herzliyah. Bei der Party am vergangenen Donnerstag waren mit dabei: Verteidigungsminister Israel Katz, JM Yariv Levin, Kultur-Minister Miki Zohar, Wohnbauminister Haim Katz, Minister für Regionale Kooperation David Amsalem, Wirtschaftsminister Nir Barkat, Transportministerin Miri Regev, Umweltschutzministerin Idit Silman, Wissenschafts-und Technologieministerin Gila Gamliel und Ministerin für soziale Gerechtigkeit May Golan.
Was aber war der Grund des Anlasses, bei dem es immerhin ein Gebet für die Rückkehr der Geiseln gab, dann aber fröhliche Gesänge mit anschliessendem Barbecue? Es war der Geburtstag des Breslauer Rebbes, dessen Grab jedes Jahr Tausende Haredim besuchen.
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