22. Tishri 5786
Aus dem Regierungsbüro für ‘Geiseln und Vermisste’ wurde gestern ein unsäglicher Brief an die betroffenen Familien versendet. «Während unsere Herzen voller Hoffnung auf die Rückkehr aller Geiseln sind, sind wir traurig über den hohen Preis, den Sie gezahlt haben und den Sie in Ihren Herzen tragen. Schmerzen und Schwierigkeiten, die ein Fremder niemals verstehen kann. Dies ist der Moment, Ihnen zu sagen, dass wir Sie und Ihre Angehörigen nicht vergessen», heisst es in dem Brief. «Dank des hohen Preises haben wir schliesslich das Ende des Krieges und die Rückkehr aller Geiseln erreicht. Dafür danken wir Ihnen und schätzen Sie. Für immer und ewig. Wir werden uns immer daran erinnern und niemals vergessen.»Der Brief kam bei den Familien ganz und gar nicht gut an. «Manchmal ist ein einziges Wort besser: Entschuldigung.» schrieb Merav Svirsky, die Schwester von Itay Svirsky, s’’l. Katy Beizer, deren Sohn Nik, s’’l, während eines Luftangriffes der IAF als, wie sie sagt, ‘Kollateralschaden’ getötet wurde, schreibt: «Schaut, was mir der Geiselkoordinator heute geschickt hat, anstatt mir Nik zurückzuschicken. Ich weiss, dass ich seit zwei Jahren in einem Albtraum lebe, aber ich möchte verstehen: Ist das wirklich wahr?» An anderer Stelle war zu hören: «Wer immer jetzt die Banner und Fahnen abnimmt und die gelben Schleifen von der Kleidung entfernt, leugnet damit seine Verantwortung, verrät die jüdische Moral und missachtet das unterzeichnete Abkommen. Leider sind wir Zeugen eines Versuchs, das Thema der Geiseln von der Tagesordnung zu streichen.» Knesset-Sprecher Amir Ohana hatte genau das gestern im Überschwang seiner Gefühle getan: «Alle Geiseln sind wieder daheim, wir können die Pins ablegen.» Vielleicht war der Brief gut gemeint, ist aber völlig falsch formuliert.






Angeblich sollen Soldaten der IDF in den letzten Stunden vor Inkrafttreten der Waffenruhe Häuser, eine Kläranlage und Lebensmittelvorräte in Gaza in Brand gesetzt haben. Allein die Kosten für die völlig zerstörte Kläranlage ‘Sheikh Ajilin’, die zur Gänze von Deutschland finanziert wurde, werden mit US$ 19 Millionen beziffert. ‘Drop Site News’ berichtet am 12. Oktober in einem reich bebilderten israel-kritischen Artikel über das angebliche destruktive Vorgehen der IDF, die ‘seit zwei Jahren ihr Markenzeichen sind’. Yuval Abraham sammelte Zeugenaussagen von Soldaten, die eine Vielzahl von Brandstiftungsmethoden beschrieben. «Jedes arabische Haus, das wir betraten, hatte Olivenöl […] Wir gossen das Öl auf die Sofas, auf alles Brennbare in der Wohnung und zündeten es dann an oder warfen eine Rauchgranate hinein. Das war gängige Praxis», beschrieb einer von ihnen. Yuval Abraham ist Journalist und Dokumentarfilmer, der vor allem durch den Film ‘No other land’ bekannt wurde. Der angeblich interviewte Soldat, dessen Namen selbstverständlich im Dunkeln bleibt, hatte weiterhin behauptet, das Ziel sei es gewesen, Gaza zu 100 % unbewohnbar zu machen. Das angeblich Zitat von Gila Gamliel, Likud, findet sich nicht im Netz, wohl aber eine ähnliche Aussage vom Kanal 12: «Gaza wird keine Quelle für lebensfähigen Wohnraum sein. Der Gazastreifen hat schon heute kein Potenzial für Lebensfähigkeit.» ‘Drop Site News’ behauptet, an den Verwüstungen und Zerstörungen, die in mehreren Stadtvierteln von Gaza City stattfanden, wären Mitglieder der Elite-Einheiten Golani, Givati, Nahal und der ultraorthodoxen Hasmonäer-Brigade beteiligt gewesen. Monther Shoblag, Direktor der palästinensischen NGO ‘Coastal Municipalities Water Utility’ wird angeblich zitiert, dass die Brandstiftung der Kläranlage einem klaren Muster der israelischen Angriffe auf das Wasser im Gazastreifen entspricht. Die zerstörte Anlage war die letzte noch funktionierende ihrer Art in Gaza. Die auf der Webseite geposteten Bilder zeigen angeblich von den Soldaten auf ihren Social-Medien-Accounts gepostete Bilder.
Sollte der Bericht stimmen, so zeigt er ein erschreckendes Bild der Verrohung der ehemals moralischsten Armee der Welt.




Die Staatschefs der Türkei, Katars, Ägyptens und der USA unterzeichneten gestern Abend in Sharm el-Sheikh das Dokument, das den Waffenstillstand in Gaza festigen soll, sollte es jemals so weit kommen. Es hält mit Regeln und Vorschriften fest, wie dieser Waffenstillstand überprüft werden wird. «Dreitausend Jahre hat es bis hierher gebraucht, es ist unglaublich», raisonierte Trump «aber es wird halten, es wird halten.» Auf welchen Zeitraum sich Trump bezog, blieb offen. An die hinter ihm sitzenden Staatschefs gewandt erklärte er: «Sie wollten Gaza in Ordnung bringen. Sie wollten die ganze Sache in Ordnung bringen. Es war an einem Punkt angelangt, an dem es einfach verrückt war. Sie haben immer davon gesprochen, dass der Dritte Weltkrieg im Nahen Osten beginnen würde, aber das wird nicht [mehr] passieren», fügte er hinzu. Ohne den genauen Inhalt des Dokuments bekannt zu geben, erhielt es vom Weissen Haus den Titel: ‘Gaza-Friedensplan für den Frieden im Nahen Osten’. Vor der feierlichen Unterzeichnung defilierten die etwa 35 Teilnehmer an Trump vorbei, Shake-Hands, einige wenige persönliche Worte, ein Erinnerungsfoto und abtreten. Trump hielt vor seinem Abflug aus Sharm el-Sheikh fest, dass sein Plan nichts mit der Zwei-Staaten-Lösung zu tun hat. Der ägyptische Präsident el-Sissi hatte die Hoffnung nach einem Zusammenhang Ausdruck verliehen. Dazu Trump: «Wir sprechen hier über einen ganz anderen Plan. Ich spreche über etwas ganz anderes. Wir sprechen über den Wiederaufbau von Gaza.» Bei dieser Aussagen werden einige Teilnehmer trocken durchgeschluckt haben……

Miriam Adelson, 80, wusste gestern in der Knesset nicht so ganz, wie sie reagieren sollte. Trump, der Elefant im Porzellan-Laden, erklärte. «Schau wie unschuldig sie da sitzt, dabei hat sie 60 Milliarden US$ auf der Bank.» Als sie irritiert nach unten schaute und die Hand vor den Mund legte, legte er noch nach. «Wahrscheinlich sind es sogar mehr! Komm, steh auf Miriam, steh auf.» Taktgefühl war noch nie das Seine!

Nachdem die Hamas gestern statt der verlangten und zunächst auch zugesagten 28 toten Geiseln nur vier an Israel übergeben hat, stellt sich natürlich die Frage, was die Ursache dieses Vertragsbruches ist. Die Hamas hat am Sonntag mitgeteilt, sie brauche mehr Zeit, um die toten Geiseln zu finden. Hamas hatte den Mediatoren gegenüber festgehalten, sie müssten mit Problemen ausserhalb ihrer Möglichkeiten kämpfen. Deshalb würde sich die Zahl und der Zeitpunkt der Übergabe verzögern. Gegenüber Kanal 12 erklärte Israel, diesen Grund nicht zu akzeptieren. Viel eher glaubt man, dass die Hamas die Phase eins verlängern möchte. Phase zwei umfasst u.a. die Entwaffnung der Hamas, ein Punkt, dem die Terror-Organisation nie zugestimmt hat.

Einer der bekanntesten palästinensischen Influencer im Gazastreifen, Saleh Aljafarawi, aka Mr. FAFO, der eng mit der Hamas zusammenarbeitete, wurde durch eine anti-Hamas Miliz in Gaza-City erschossen. Er ist damit das derzeit prominenteste Opfer der blutigen Auseinandersetzung zwischen der Hamas und mächtigen Clans, in diesem Fall dem Doghmush Clan. Die Hamas wirft den Clan-Mitgliedern vor, mit Israel zu kooperieren. Die Kämpfe finden sowohl in Gaza-City als auch in Rafah statt und haben bisher schon mehr als 30 Opfer gefordert. Es gab auch zahlreiche Verwundete. Mehr als 20 Personen wurden festgenommen. Offenbar handelt es sich nicht um den Abu Shabab Clan, der tatsächlich mit Israel kooperiert hat.

Auf der ägyptischen Seite des Grenzübergangs Rafah stauen sich kilometerlang die vollbeladenen Lkws mit Hilfsgütern und warten darauf, dass die Zufahrt in den Gazastreifen wieder möglich wird. Die vollständige Öffnung des Grenzüberganges war von Israel für diese Woche angekündigt worden. In Israel endet Simchat Torah heute Abend. Einer Öffnung steht damit im Prinzip nichts im Wege. Doch Israel reagiert auf die Nichteinhaltung der Vereinbarung, mit der die Hamas sich zur Rückgabe der 28 toten Geiseln verpflichtet hatte, aber gestern nur vier an Israel übergab. Das ist sicher eine falsche Entscheidung, die die Zivilbevölkerung in Gaza für etwas abstraft, was die Hamas betrifft. Es handelt sich weder um eine politische korrekte noch humanitäre Reaktion, es ist ein Vorgehen, das erneut ein sehr schlechtes Bild auf Israel wirft.
Der katarische Kanal AL-Arabi gab bekannt, dass die Hamas vielleicht im Laufe der Nacht weitere vier tote Geiseln an Israel übergeben könnte.
Um eine mögliche Bedrohung abzuwenden, eröffnete die IDF das Feuer auf einige verdächtige Palästinenser, die die sogenannte ‘gelbe Linie’ überschritten hatten. Sie versuchten, sich einem Waffenlager der Hamas zu nähern, welches aber von der IDF bereits zerstört wurde. Bei dem Vorfall wurde ein Palästinenser getötet.
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