Die erste Phase der Waffenruhe – Tag 5

23. Tishri 5786

Nach der ersten forensischen Untersuchung stellte sich heraus, dass es sich bei den vier gestern an Israel zurückgegeben toten Geiseln nur um drei Israelis und einen Gazaner handelt. Die drei toten Geiseln wurden als Tamir Nimrodi, 18, Uriel Baruch, 35, und Eitan Levy, 53, s’’l, identifiziert. 

Trump hat erklärt, dass die Hamas sich gegenüber ihm selbst und auch gegenüber seinen Mitarbeitern dahingehend geäussert hat, die Waffen in der zweiten Phase niederzulegen. «Ich habe mit der Hamas gesprochen und gesagt: Ihr werdet die Waffen niederlegen?», und sie haben zugesichert: «Ja, Sir. Wir werden die Waffen niederlegen.» Das ist es, was sie mir gesagt haben. Sie werden die Waffen abgeben, oder wir nehmen sie ihnen weg, notfalls mit Gewalt.» Später korrigierte er die offensichtliche Lüge, er habe selbst mit einem Mitglied der Hamas gesprochen dahin, dass er erklärte, das sei das, was sie seinen Mitarbeitern erklärt hätten. Witkoff und Kushner hatten sich am Rande der Konferenz von Sharm el-Sheikh mit Hamas-Unterhändler Khalil al-Hayya getroffen.

Anat Angrest, die Mutter von Matan kritisiert die Regierung scharf und deutlich: «Wenn ich meinen Sohn anschaue, dann ist es für mich völlig unverständlich, dass es Menschen gab, die bereit waren, ihn aufzugeben. Es ist hart für mich, daran zu denken, dass der Deal, der meinen. Matan zurückbrachte, trotz einiger Politiker abgeschlossen wurden und nicht dank ihnen. Dass es doch möglich wurde, diese grausame Zeit für meinen Matan zu verkürzen.»

Iair Horn wurde bereits im Januar freigelassen, sein Bruder Eitan kam am Montag nach Hause. Auf einer Pressekonferenz im Ichilov-Spital betonte er: «Heute beginnt mein Herz zu heilen. Aber bis es wieder völlig geheilt sein kann, wird es noch einige Zeit dauern. Denn immer noch sind einige Familien im Ungewissen. Solange nicht alle toten Geiseln wieder daheim sind, werden wir nicht ruhen und weiterkämpfen.»

MK Gilad Kariv, Die Demokraten, kritisierte Knesset-Sprecher Amir Ohana scharf dafür, weder die GStA Gali Baharv-Miara, noch den Präsidenten des OGH, Isaac Amit zur Rede von Trump vor der Knesset eingeladen zu haben. Er verlangte eine Liste, welche ‘Likud-Apparatschiks’ (sic!) eingeladen und so die Besuchergalerien auf Kosten der Geiseln aufgefüllt zu haben. Von einem Freund erfuhr ich, dass entgegen allen bisherigen Gepflogenheiten auch die Mitglieder der Vereinigung ehemaliger Knesset-Mitglieder nicht eingeladen wurden, was zu grosser Verstimmung führte. Kariv wird eine formelle Beschwerde beim Knesset-Ethikausschuss einbringen. «Ein Knesset-Sprecher, der den Präsidenten des Obersten Gerichtshofs nicht anerkennt, ist der Anerkennung durch die Mitglieder der Knesset nicht würdig und stellt eine Gefahr für die israelische Demokratie dar», so Kariv. «Es ist zweifelhaft, ob es jemals einen Knesset-Sprecher gegeben hat, der den Status der Knesset so mit Füssen getreten hat wie Ohana.»

In einer seltenen Kritik an innenpolitischen Vorgängen hat sich auch Präsident Herzog zu der nicht erfolgten Einladung geäussert. «Der Ausschluss des Präsidenten des Obersten Gerichtshofs und des Generalstaatsanwalts von der Knesset-Sitzung anlässlich der Rede des US-Präsidenten ist unangemessen und schadet der Würde des Staates», so Herzog in der Erklärung. «Ich bedauere diesen Vorfall sehr. Er ist ein Schlag gegen die Würde des Staates und eine unangemessene Handlung – insbesondere an einem Tag, der so sehr von Hochstimmung und nationaler Einheit geprägt ist.»

Nachdem der Besuch des zypriotischen Präsidenten abgesagt wurde, musste Netanyahu heute erneut vor Gericht erscheinen. Einige Likud Minister erschienen heute im Gerichtssaal, um ihre Unterstützung zu zeigen. JM Yair Levin forderte das sofortige Ende des Verfahrens und die Begnadigung Netanyahus, wie am Montag von Trump in der Knesset gefordert. Was geht das den Amerikaner an????

Im Gegensatz zur Freilassung von Geiseln während der ersten und zweiten Waffenpause erschien Netanyahuin Begleitung von Sara N. gestern im Belinson Spital in Petah Tikvah, um einige Geiseln zu besuchen. Bei einer kurzen Presse-Konferenz betonte er: «Wir werden unsere Bemühungen, die toten Geiseln zurückzubringen, mit gleicher Kraft fortsetzen, wie wir es bei den lebenden getan haben.»

Die rechtsextremen Ben-Gvir und Smotrich forderten Netanyahu auf, der Hamas ein Ultimatum zu stellen, bis wann die toten Geiseln zurückgegeben werden müssenFalls die Hamas sich nicht an das Datum hält, müssten die Hilfslieferung sofort eingestellt werden und erneut militärischer Druck ausgeübt werden.

Trump ist wieder einmal zu schnell vorgeprescht und hat verkündet, die zweite Phase der Verhandlungen würde bereits jetzt beginnen, obwohl noch nicht alle toten Geiseln zurückgebracht wurden. «Alle 20 Geiseln sind zurück und fühlen sich so gut, wie es erwartet wurde. Eine grosse Last wurde von uns genommen, aber der Job ist noch nicht beendet. Die Toten sind noch nicht wieder zurück, obwohl es versprochen wurde. Aber die zweite Phase beginnt JETZT!»

Über die ihm zugeschriebene Humanität muss man nach der letzten Aussage von Trump zweifeln. Die Hamas hat seit Beginn der Waffenruhe zahlreiche Mitglieder von Clans öffentlich hingerichtet, die sich gegen die Terror-Organisation stellen. Trump kommentierte das wie folgt: «Sie haben ein paar von den Gangs rausgenommen, die sehr schlecht waren….. und sie haben ein paar der Gang-Mitglieder getötet. Das berührt mich nicht sehr, um ganz ehrlich zu sein. Das ist ok. Da gibt es einige sehr schlimme Banden. Das ist wie in Venezuela, die ihre Banden in die USA geschickt haben.»

Offenbar hat Israel seine Androhung, keine Hilfslieferungen mehr nach Gaza zuzulassen, noch einmal überdacht. Diese Massnahme sollte als Strafe für die Hamas gelten, trifft aber nicht die Terroristen, sondern die Zivilbevölkerung. In einem Schreiben an die UNO wurde erklärt, pro Tag nur 300 Lkws abzufertigen. Das sind immerhin 50 % der von der UNO geforderten Anzahl und doch viel zu wenig, um den Tagesbedarf zu decken. Offenbar wurde in der Nacht die Entscheidung nochmals revidiert. Am frühen Morgen öffnete sich das Tor, um die normale Anzahl von Lkws nach Kerem Shalom zur Überprüfung durchzulassen.

Christine Amanpour, Sprecherin der CNN liess sich am Montag zu einem schrecklichen Vergleich hinreissen. Sie behauptete, die Geiseln seien besser behandelt worden als der durchschnittliche gazanische Zivilist. Immerhin seien sie der Joker für die Hamas gewesen. Nachdem ein Shitstorm über sie hereinbrach, korrigierte sie ihre Aussage auf ihrem ‘X-Account’. Ihr Kommentar sei unsensibel und falsch gewesen.  Man hätte erwarten dürfen, dass sie zumindest öffentlich vom Sender abgemahnt hätte werden müssen. 



Kategorien:Israel

Schlagwörter:

Hinterlasse einen Kommentar