Die erste Phase der Waffenruhe – Tag 20

8. Cheschwan 5786

Etwa 200.000 junge Haredim blockierten seit den Mittagsstunden die Einfahrt nach Jerusalem. Dort hielten sie eine ‘Gebets-Demonstration’ ab, mit der sie gegen die Einberufung zum Militärdienst protestierten. Zahlreiche junge Männer trugen Plakate mit sich, auf denen stand: «Ich werde lieber sterben als dienen!», «Russland ist hier!» und «Stalin ist hier.»

Wiederholt kam es zu rabiaten Ausschreitungen gegen Journalisten, die vor Ort anwesend waren und berichten wollten. Die Journalisten-Union bat die verletzten Kollegen, sich so schnell als möglich bei ihnen zu melden, um die gewaltsamen Angriffe zu dokumentieren. Yair Lapid betonter: «Das sind grässliche Bilder. Wo war die Polizei?» Die Zugangstore zur zentralen Busstation wurden geschlossen, Trams und Züge stellten teilweise den Betrieb ein.

Zu einem tragischen Unfall kam es am Nachmittag. Ein 20 Jahre alter junger Mann stieg mit anderen Demonstranten auf ein im Rohbau befindliches Hochhaus. Warum sie diese Idiotie begingen, weiss niemand. Jedenfalls stürzte der Mann vom 20. Stockwerk ab und musste noch vor Ort als tot erklärt werden. Es wird nicht ausgeschlossen, dass es sich um einen Selbstmord gehandelt hat.

Die Feuerwehr brachte alle noch auf dem oberen Stockwerk stehenden Jugendlichen sicher nach unten. Nach dem offiziellen Ende der Demonstration kam es zu zahlreichen tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Haredim.

„Und der Heilige, gesegnet sei er, errettet uns aus ihrer Hand!“

Diese Haredim beschimpfen und bekämpfen den Staat, der sie finanziell unterstützt und am Leben erhält!

Sowohl Netanyahu als auch Generalstabschef Zamir sind entschlossen, auf jede auftauchende Bedrohung durch die Hamas oder andere Terror-Organisationen mit maximaler Stärke zu reagieren. Netanyahu betonte: «Wenn ein anderer Staat die Hamas entwaffnet, gut, falls nicht, werden wir das tun.» Zamir kündigte an, es werde keine Toleranz geben.«Wir sind bereit, kraftvoller vorzugehen als in den letzten zwei Jahren.»

Und schon wieder ein Skandal erster Klasse, der die notorische Korruption des Likud aufzeigt. Yair N. second son und seit Jahren sehr gut bezahlter Dauer-Privatier in Miami, soll jetzt einen Job bekommen. Der Likud hat ihn für einen Vorstands-Posten der ‘World Zion Organization’ nominiert. Die Abstimmung über die Nominierung von Yair N. als Leiter der ‘Hasbara-Abteilung’ wurde um zwei Wochen verschoben. (Um das zu ermöglichen, musste der ‘World Zionist Congress’ um zwei theoretische Wochen verlängert werden.)

‘Yesh Atid’ und die ‘Demokraten’ kündigten an, die Vereinbarungen über die nächsten Führungskräfte der WZO und des KKL nicht mehr zuzustimmen. Die für Yair N. vorgesehene Position ist mit einem Büro und Fahrzeug sowie einem ministerialen Gehalt dotiert. Lapid bezeichnete die Entscheidung als ‘verabscheuungswürdig’, die von ihm nicht unterschrieben werde. Der Vorsitzende der Demokraten, Yair Golan, bezeichnete Netanyahu jr. als «verabscheuungswürdige Person, die ihr Leben der Zerstörung und Spaltung gewidmet hat» und sagte, «Er ist es nicht wert, das jüdische Volk zu vertreten», und erklärte ebenfalls: «Wir werden das nicht zulassen.»

Kulturminister Miki Zohar, Likud, verteidigte den Vorschlag und hielt fest, dass es bei ‘den Linken’ üblich sei, Familie und Freunde in internationale Positionen zu bringen, es aber «zu einem Sturm kommt, wenn es um den Likud und Netanyahu geht».

Yizhar Hess, Vize-Vorsitzender der WZO bezeichnete die Ernennung von Yair N. als Vorstandsmitglied als ‘inakzeptabel’ «Gestern standen wir in den nationalen Institutionen kurz vor einer historischen, ausgewogenen Vereinbarung, die das jüdische Volk vereint und uns in die Lage versetzt hätte, die Herausforderungen zu bewältigen, denen Israel und die jüdische Welt gegenüberstehen», erklärte Hess, der für die Masorti-Bewegung steht. «Wie wir an den Reaktionen der Bestürzung und des Schocks im Kongress sehen konnten, haben die Vertreter des liberalen/pluralistischen Lagers ihre Stimme erhoben und deutlich gemacht, dass wir nur eine Vereinbarung unterzeichnen werden, die ausgewogen ist und Israel und das jüdische Volk vereint. Die Ernennung von Netanyahu ist eindeutig keine Option.»

Der OGH weist ein zweites Mal den Antrag von Chefverteidiger Hadad ab, die Anzahl der Anhörungen pro Woche von vier auf drei zu reduzieren. Als Argument führte er an, dass die Verteidigung seit September keine neuen Argumente gebracht hätte. Darüber hinaus wird einer der drei Richter des Gremiums in absehbarer Zeit in Pension gehen. Deshalb besteht die Notwendigkeit, die Befragungen, die bereits in ihr sechstes Jahr gehen, zu beschleunigen. Das Argument der Rechtsanwälte, zu wenig Zeit für die Vorbereitung zu haben, wurde ebenfalls entkräftet. Immerhin war seit September bekannt, dass die Frequenz der Befragungen erhöht wurde. Schlussendlich nutzte auch die Drohung von RA Hadad nicht, dass das Verteidigungsteam kollektiv zurücktreten wird, wenn seine Forderung nicht erfüllt wird nichts. Das werde dem ordnungsgemässen Ablauf der Verhandlung keinen nennenswerten Schaden zufügen.

Das Forum für Familien von Geiseln und Vermissten fordert ein dringendes Treffen mit Netanyahu und den Familien jener 13 toten Geiseln, die sich noch in Gaza befinden. Sie erwarten eine klare Übersicht, was seitens der Regierung getan wird, um sie nach Israel zurückzubringen. Die Forderung nach einem Treffen vor zwei Wochen wurde bereits einmal zurückgewiesen. «Es ist an der Zeit, dass der PM uns direkt in die Augen schaut und uns ohne Vermittler über die Kontakte und Aussichten für die Freilassung aller Geiseln informiert», heisst es in einer Erklärung der Gruppe. «Der israelische Premierminister ignoriert die Bitten der Familien um ein Treffen und schickt seine Gesandten, um jeden Versuch, ein Treffen zu vereinbaren, abzulehnen und zu verzögern. Die Rückkehr aller Geiseln ist die Pflicht des Staates Israel, nicht der USA, nicht Katars oder eines anderen engagierten Staatschefs. Es ist Zeit für Taten, nicht für Versprechungen», fügt das Forum hinzu.

Die Hamas hat am späten Nachmittag zwei weitere tote Geiseln an das Rote Kreuz übergeben. Die Namen der Toten wurden noch nicht bekanntgegeben. Die Fahrzeuge sind im forensischen Institut angekommen.

Der US-amerikanisch-israelische Doppelbürger Edan Alexander, 21, wurde gestern durch Maj. Gen. Dado Bar Kalifa zum Sgt. First Class ernannt. Alexander kam aus den USA, um als ‘lone soldier’ bei der IDF zu dienen. Er war Mitglied der Golani Brigade, als er am 7. Oktober 2023 vom Militärstützpunkt Nirim in den Gazastreifen verschleppt wurde. Nach 584 Tagen wurde er freigelassen. Nach seiner Befreiung betonte er, seinen Dienst in der IDF weiterhin ableisten zu wollen.  Kol haKavod!

Die Rose des Tages geht heute an Alon Ohel und das Team von Eretz Nehederet. Nur wenige Wochen, nachdem Alon aus der mehr als 700 Tage andauernden Geiselhaft freikam, setzte er sich noch im Krankenhaus erstmals wieder an sein geliebtes Klavier. Noch etwas zaghaft mit steifgewordenen Fingern. Jetzt spielte er schon wieder voller Enthusiasmus, den israelischen Ohrwurm von David Broza «Under the Sky». Zusammen mit einem Gitarristen begleitete er das Team von Israels bekanntester Polit-Comedy-Serie «Eretz nehederet» (Wunderbares Land). Mit dabei waren auch Alons Eltern und seine Schwester. Der Verband auf seinem rechten Auge zeigt, dass die Behandlung begonnen hat. Hoffentlich gelingt es den Ärzten, sein Augenlicht wiederherzustellen. Übrigens, das ist eines meiner israelischen Lieblingschansons!



Kategorien:Israel, Politik

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