Erste Phase der Waffenruhe – Tag 27

15. Cheschwan 5786

Die gestern Abend an Israel zurückgegebenen sterblichen Überreste konnten einer der toten Geiseln zugeordnet werden. Allerdings wurde bis zum frühen Vormittag der Name noch nicht bekannt gegeben. Am Nachmittag wurde bekannt, dass es sich um Joshua Loitu Mollel, 21, s’’l, handelt. Der junge Mann aus Tansania arbeitete als landwirtschaftlicher Praktikant  im Kibbutz Nahal Oz, wo er erst drei Wochen vor dem Massaker aus seinem Heimatland eintraf. Er wurde aus dem Kibbutz in der Gazastreifen verschleppt und später von den Terroristen ermordet.

Diese sechs toten Geiseln werden immer noch in Gaza festgehalten.

Der Vater von Staff Sgt. Oz Daniel, Amir Daniel, wandte sich bei der Beisetzung seines Sohnes direkt an den ehemaligen Generalstabschef Herzi Halevi. Halevi war im März von seinem Posten zurückgetreten und begründete den Schritt damit, dass er Verantwortung für das militärische Versagen rund um den 7. Oktober 2023 übernehmen wollte. «Von allen hochrangigen Beamten, die hier sitzen, wende ich mich an Sie – den ehemaligen Stabschef Herzi Halevi. Ich halte Sie für einen der moralischsten und bedeutendsten Menschen im Staat Israel», sagt Amir Daniel. «Trotz und vielleicht gerade wegen der Last, die Sie auf Ihren Schultern tragen, wissen Sie, wie man Verantwortung übernimmt.» Ein subtiler Seitenhieb auf Netanyahu und seine ihn umgebende Kamarilla, der jede Verantwortung ablehnt und keine Untersuchungskommission zulässt.

Danny Danon, der israelische Botschafter bei der UNO, warnte davor, dass die ‘Internationale Stabilisierung Organisation’ (ISF), die in Gaza eingesetzt werden soll, nicht zu einer weiteren ‘unbrauchbaren UNIFIL’ -Truppe wird. «Der Resolutionsentwurf der USA knüpft an den Geist des Trump-Plans an, den Israel begrüsst hat», sagte Danon. «Wir würden uns die Beteiligung anderer Länder in der Region wünschen, insbesondere solcher, die in der Lage sind, sich um die Entwaffnung der Hamas zu kümmern. Aber wir müssen sicherstellen, dass wir keinen ineffektiven Mechanismus wie UNIFIL schaffen.» Der Einsatz der Blauhelme an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon, deren Mandat Ende am  Jahresende endet, hat keine nennenswerten Erfolge gebracht. Im Gegenteil, unter den Augen der UN-Truppen hat sich die Hisbollah tief im Süden des Libanons eingegraben und von dort aus Überfälle auf Israel ausgeführt. Danon betonte auch, dass Israel in den kommenden Tagen die Verhandlungen des Sicherheitsrates engmaschig verfolgen werde. «Wir haben aus der Vergangenheit gelernt. Wir wollen etwas Konstruktives und nicht etwas, das auf dem Papier gut aussieht, aber die Region destabilisiert.» Darauf angesprochen, ob er sich ein Mitwirken der PA an der Organisation vorstellen kann, hielt er klar fest: «Wir haben die Schwäche der PA in Judäa und Samaria gesehen. Wenn man die Politik beiseite lässt und nur die Fähigkeiten betrachtet, dann haben sie diese einfach nicht. Sie können nicht einmal grosse Gebiete im Westjordanland kontrollieren, daher sind die Erwartungen an sie in Gaza heute unrealistisch.» Für Israel wird das Mass des Erfolges kein Symbolismus sein, sondern bewertbare Ergebnisse. «Erfolg bedeutet Ergebnisse vor Ort, die Entwaffnung der Hamas. Wir kennen die Tunnelinfrastruktur, die zerstört werden muss. Die ISF muss die Fähigkeit und die Befugnis haben, zu handeln, diese Tunnel unschädlich zu machen und die Waffen der Hamas zu beseitigen. Ein Scheitern der gesamten Mission wäre, wenn man der Hamas erlauben würde, militärisch zu überleben.»

Die IDF hat damit begonnen, Tausende Reservisten zu demobilisieren. Vorerst sind nur Einheiten davon betroffen, die an der Nordgrenze Israels gegen die Hisbollah gekämpft haben. Vom Kampf-Status reduziert die IDF die Tätigkeiten überwiegend auf die Grenzsicherung. In weiterer Folge werden einige Bataillone aus Gaza nach Judäa und Samaria verlegt, und dort durch reguläre Truppen ersetzt. Bis zum Jahresende soll sich das Verhältnis Reservisten zu Berufssoldaten etwa auf 50:50 einpendeln.

Die IDF veröffentlichte freigegebene Informationen der Geheimdienste, die belegen, dass die Hamas während des gesamten Krieges humanitäre Hilfslieferungen gestohlen und Verbindungen zum Iran, der UNWRA und Al-Jazeera unterhalten hat. Es sind nicht nur Fotos, die die ‘Aktionen zur absichtlichen Verschärfung des Leidens der Zivilbevölkerung’ belegen. Es sind auch Dokumente, die z.B. die Nutzung von UNWRA-Einrichtungen wie Schulen und Kliniken durch die Hamas regeln. Zusätzlich wurden Listen von UNWRA-Mitarbeitern aufgefunden, die gleichzeitig zu ihrer zivilen Anstellung als aktive Hamas-Mitglieder tätig waren.

Die Liste umfasst Lehrer, Schulleiter, Berater und medizinisches Personal, die alle Positionen in den Izzadin al-Qassam-Brigaden der Hamas innehatten, dem sogenannten militärischen Flügel der Terrororganisation. Detaillierte Anweisungen unter dem Titel ‘Grundlagen der Militärtechnik Stufe 3 – Hindernisse’ legen dar, wie wichtig es ist, den Kampf von Positionen aus, die innerhalb der zivilen Bevölkerung liegen, zu führen.

Personallisten, Kurse zur Terrorausbildung, Informationen über die Gehälter der Terroristen, all das wurde in Unterlagen gefunden, die die intensive Zusammenarbeit zwischen Hamas und dem Islamische Djihad mit der katarischen Nachrichtenplattform al-Jazeera belegen. Die Hamas hatte demnach auch die Berechtigung, Informationen aus Gaza zurückzuhalten oder geschönt zu veröffentlichen. Al-Jazeera musste sich an eine strikte Regelung halten, welche Worte verwendet werden durften und welche tabu waren. Kommuniziert wurde über eine sichere Telefonleitung. Es gab zwischenzeitlich immer wieder handschriftliche Dokumente, die Yahya Sinwar zugeschrieben werden. Seine Spezialität bestand darin, besonders drastischen Bilder zu veröffentlichen, die «bei unseren Verbündeten im Westjordanland Emotion geweckt werden und dem Feind Angst einjagt.»

Nachdem die IDF eine Reihe von Evakuierungsmassnahmen angeordnet hat, führte sie einige Angriffsflüge auf Ziele der Hisbollah im Süden des Libanon durch. Evakuiert wurden die Orte Ayta al-Jabal, Taybeh und Tayr Debba. Die IDF veröffentlichte, wie schon früher, genaue Karten, welche Gebiete betroffen sind und wie weit sich die Bevölkerung evakuieren muss.



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