2. Kislew 5786
Geschmacklosigkeit ist ein viel zu beschwichtigender Begriff, um das grauenhafte Display zu beschreiben, das vorgestern vor einer Bahnstation in Washington DC aufgebaut wurde. Schauspieler mit lebensecht aussehenden Masken von Trump, Biden, Netanyahu, Rubio und Blinken sitzen an einem langen Tisch, der mit einer blutbefleckten israelischen Fahne bedeckt ist. Auf der überdimensionalen Menu Karte findet man u.a. ‘gestohlene Organe aus Gaza’, ‘illegal entnommene Haut’ und das ‘vergossene Blut von Gaza’.
Die israelische Ärztekammer (IMA) wies gestern ihre Mitglieder an, sich nicht an der Hinrichtung verurteilter Terroristen zu beteiligen. «Ohne auf den Inhalt der Massnahme einzugehen, müssen wir klarstellen, dass die Position des Ethikbüros der Ärztekammer, dem wir den Entwurf vorgelegt haben, jede Beteiligung von Ärzten an der Festsetzung oder Vollstreckung der Todesstrafe verbietet», sagte Dr. Yossi Walfish, Vorsitzender des Ethikbüros. «Die Weltärzteorganisation stellt fest, dass die Beteiligung von Ärzten an Hinrichtungen in jeder Phase, sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Beratung, ethisch inakzeptabel ist und es verboten ist, unser Wissen für Zwecke zu nutzen, die nicht der Gesundheit und dem Wohlbefinden dienen.»

MK Gilad Kariv (Demokraten) hielt zu dem von ihm abgelehnten Entwurf fest: «Ein Staat handelt nicht aus Rachegefühlen heraus. Sie [die rechtsextrem-rassistischen Politiker] wollen uns zu einem Paria-Staat machen, der die jüdische Moral mit Füssen tritt. Dies ist ein rassistisches Gesetz, das von einer rassistischen, fanatischen Gruppe vorgeschlagen wurde, die den Zionismus, das Judentum und den Staat Israel entehrt.» Sollteder Entwurf die Lesungen in der Knesset passieren und damit zum Gesetz werden, soll die Tötung mit einer Injektion innerhalb von 90 Tagen nach dem abschliessenden Urteil durchgeführt werden. Damit fällt auch das Recht auf Berufung weg.
Naftali Bennett fordert die Öffentlichkeit auf, an der heute Abend in Tel Aviv stattfindenden Demonstration teilzunehmen. «Gleichgültig ob links oder rechts. Am 7. Oktober ist unser Land kollabiert. Ganze Familien wurden in ihren Häusern ermordet. Unsere Töchter wurden vergewaltigt, unsere Kinder verbrannt. Der Staat Israel hat in seiner grundlegenden Aufgabe versagt: ein sicherer Hafen für Juden zu sein», schreibt er in den sozialen Medien. «Das kann nicht weitergehen. Ohne die Wahrheit gibt es keine Reform. Ohne Reform kann es jederzeit wieder geschehen. Deshalb kommt am Samstagabend. Wir müssen alle kommen und mit einer gemeinsamen Stimme die staatliche Untersuchungskommission fordern»
Der US-amerikanische Unfallchirurg Firuz Sidhwa wollte am 12. November zum dritten Mal nach Gaza einreisen, um dort lebensrettende Operationen durchzuführen. Er flog nach Jordanien und erhielt dort von der COGAT kurz vor der Weiterreise nach Gaza die Information, dass seine Einreisebewilligung nach Gaza widerrufen wurde. Es gab keine Begründung aus dem Büro des PM, keine vom Shin-Bet, keine vom Diaspora Ministerium. Nach seinen früheren Einsätzen in Gaza hatte er Interviews gegeben und auch vor dem UN-Sicherheitsrat gesprochen. Sidhwa vermutet darin den Grund für die Ablehnung. «Die Israelis denken, wenn ich nach Gaza gehe, dann hasse ich die Israelis. Das ist absolut nicht wahr. Ich gehe nicht wegen der Verbrechen Israels dorthin. Ich gehe dorthin wegen der Verbrechen der (amerikanischen) Regierung», sagt er gegenüber Haaretz. Nach dem Krieg möchte er an der Ben-Gurion-Universität lehren.
Bei einem Angriff der IAF auf ein Trainings-Lager der Hamas in Sidon an der libanesischen Küste kamen, wie die IDF bestätigte, 15 Terroristen ums Leben. Unter den Toten befand sich Jawad Sidawi, der die Terroristen dazu ausbildet, von libanesischem Gebiet aus Terror-Anschläge gegen die IDF und den Staat Israel auszuführen. Die IDF hat mehrfach verlangt, die Terroristen zu entwaffnen. Stattdessen bauen sie unter den Augen der Regierung und des regulären Militärs vermehrt Standorte und Infrastrukturen auf. Dazu missbrauchen sie oft zivile Gebäude.






In der Nacht von Donnerstag auf Freitag haben jüdische Siedler-Terroristen an sieben verschiedenen Orten palästinensisches Eigentum angegriffen. Im nördlichen Dorf Luban a-Sharqiya wurden mehrere Häuser angezündet. Der Sachschaden ist sehr hoch, es gab keine Verletzten. In Abu Falah, in der Nähe von Ramallah ging ein landwirtschaftlich genutztes Gebäude in Flammen auf. In Deir Sharaf, neben Nablus, wurde ein Treibhaus völlig verwüstet. Zwei Tage vorher hatten sie ein Haushaltswarengeschäft und eine Kindertagesstätte verwüstet. Auf einem Parkplatz in Huwara, das schon oft Ziel der Angriffe war, wurden mehrere Dutzend Fahrzeuge in Brand gesetzt. In Beit Furik griffen maskierte Siedler-Terroristen die Bewohner des Ortes an. Beit Furik liegt in der B-Zone, die von jüdischen Zivilisten nicht betreten werden darf. Auch in Markaz, südlich von Hebron, griffen jüdische Siedler-Terroristen palästinensische Einwohner an. Es gab Verletzte. Die zwei letztgenannten Vorfälle wurden von Überwachungskameras festgehalten. Der letzte Angriff galt einem 85 Jahre alten Mann, der auf seinem Esel ritt. Er wurde vom Esel heruntergeschlagen und erlitt dabei mittelschwere Wunden. Auch der Esel wurde verletzt. Heute vergifteten jüdische Siedler-Terroristen eine Schafherde im Dorf al-Mughayyir nördlich von Ramallah. Mindestens drei Schafe verendeten, einige weitere zeigten Vergiftungssymptome. Sie nehmen mittlerweile keine Rücksicht mehr auf den Shabbat, obwohl sie sich selbst als national-religiös bezeichnen und mit Tzitzit und Peyot herumlaufen.
Es gab, wie nicht anders zu erwarten, keine Verhaftungen. In einem offenen WhatsApp Kanal, der von jüdischen Extremisten geführt wird, brüstete sich die Gruppe mit Bildmaterial, wie viele Anschläge sie im vergangenen Monat durchgeführt hatten.
Eine palästinensische Familie erhob Klage beim OGH, dass Soldaten der IDF ihre Kühe aus dem umzäunten Gebiet beim Haus gestohlen haben. Die Kühe wurden anschliessend an Nachbarn der Diebe weitergegeben. Sowohl die Nachbarn als auch die Soldaten leben in einer illegalen Siedlung. Die Bestohlenen gaben an, dass die Aufzucht der Tiere teuer ist und der Verkauf oft die einzige Einnahmequelle der Familie darstellt. Die Diebe, in diesem Fall Soldaten, würden sich durch den Diebstahl bereichern.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky lehnte den ihm vorgelegten 28-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges ab. Er hielt fest, dass er ‘sein Land nicht verraten wird’. Der Plan (s. gestern) ist für die Ukraine eine Kapitulation gegenüber Russland, das aus dem Plan nur Vorteile ziehen kann. Zelensky betonte in einer von den sozialen Medien veröffentlichten Ansprache, dass er Alternativen vorschlagen wird. «Ich werde Argumente vorbringen, ich werde überzeugen, ich werde Alternativen vorschlagen.» Moskau zeigte sich optimistisch, und drohte Zelensky entweder zu verhandeln oder weitere Gebiete zu verlieren. Trump gab sich nahezu belustigt über die Absage Zelenskys «Er sollte den Plan besser annehmen. Wenn nicht, wird er noch mehr Land verlieren. Aber das wird er bald sowieso.» Gestern telefonierte Zelensky bereits mit JD Vance und kündigte an, in den kommenden Tagen auch mit Trump sprechen zu wollen. Unmittelbar nach Erhalt des Plans telefonierte Zelensky mit den Regierungschefs von Deutschland, Frankreich und Grossbritannien.
Morgen werden Gespräche zwischen der Ukraine und den USA in Genf stattfinden. Dort sollen die letzten Details des von der Ukraine überarbeiteten Plans formuliert werden. Die amerikanische Delegation wird bereits am Montag wieder abreisen. Die Amerikaner schicken neben Steve Witkoff und Marco Rubio auch Heeresminister Dan Driscoll. Anschliessend sollen sich die USA und Russland treffen. Nur wenig später werden Trump und Zelensky ein Papier unterschreiben, das zuvor bereits von Putin unterschrieben wurde.
Netanyahu betonte in einem Interview mit dem ‘Abu Ali Express Telegram Kanal’ nochmals, dass es keinen palästinensischen Staat geben werde. «Es wird keinen palästinensischen Staat geben. Es ist ganz einfach: Er wird nicht gegründet werden. Er stellt eine Bedrohung für Israel dar.» Selbst, wenn der Preis dafür ist, die Beziehungen zu Saudi-Arabien zu normalisieren.


Die Hamas liess Steve Witkoff durch einen arabischen Mediator ausrichten, sie seien bereit, die Waffenruhe sofort zu beenden. Als Begründung gaben sie an, dass Israel mit seinen Angriffen auf Ziele im von der Hamas kontrollierten Teil des Gazastreifens, die immer wieder Todesopfer fordern, die Vereinbarung regelmässig verletzt. Im Gegenteil ist es so, dass immer wieder Terroristen durch Tunnelsysteme in den östlichen Teil des Streifens gelangen und von dort aus Angriffe auf Soldaten ausführt. Oder wie heute, mit einem Pkw über die ‘humanitäre’ Strasse die ‘Gelbe Linie’ passieren und das Feuer eröffnen. Dass Israel darauf mit gezielten Angriffen reagiert, stellt keine Verletzung des Abkommens dar. Die Hamas kommentierte die Angriffe: «Es ist besser für uns, zu kämpfen und Tausende zu verlieren, als einfach nur dazusitzen.»

Beit Hanoun in der nordöstlichsten Ecke des Gazastreifens ist nach wie vor eine Hochburg der Hamas. Bitte auf den Link klicken, dann startet das Video.
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