8. Kislew 5786

Der ehemalige nationale Sicherheitsberater Tzachi Hanegbi kritisierte den von der Regierung vorgelegten Entwurf zum Wehrdienstgesetz. Es ermöglicht eine Anzahl von Umgehungen und verschleierten Verweigerungen, die die Sicherheit Israels gefährden. Er trage vor allem nicht dazu bei, den dringenden Bedarf an Tausenden von zusätzlichen Kampfsoldaten zu decken. Er schreibt weiterhin, «dass die militärische Last nach wie vor auf den Schultern einer relativ kleinen Gruppe lastet.» Das Studium der Torah stellt einen geschätzten Wert dar, «muss aber mit dem Wert der Verteidigung des Staates und seiner Bürger verbunden werden.» Aufgrund seiner langjährigen politischen Vorerfahrungen ist er überzeugt, «dass die IDF weiss, wie man den Militärdienst erfolgreich mit religiösen Verpflichtungen in Einklang bringt. Ich fordere deshalb die Regierung und die Knesset auf, dies ohne weitere Verzögerung sicherzustellen.» Hanegbi war von Netanyahu in einer Hauruck Aktion aus seinem Amt entfernt worden, weil zwischen ihnen kein Konsens über das Vorgehen in Gaza bestand. Sein Posten wurde nur temporär an seinen ehemaligen Stellvertreter, Gil Reich, vergeben und ist somit vakant.


Die Namen der beiden Palästinenser, die gestern von Grenzschutz-Polizisten erschossen wurden, nachdem sie sich den Truppen bereits ergeben hatten, wurden mit Mahmoud Qassem Abdalla, 26 und Youssef Asas, 37, bekannt gegeben. Sie waren wegen des Verdachts auf Beteiligung an verschiedenen Angriffen auf IDF-Soldaten gesucht und hatten sich in einem Gebäude in Jenin versteckt. Filmmaterial belegt, dass sie aus dem Gebäude kamen, sich ergaben und anschliessend aus kurzer Entfernung erschossen wurden. Ein Sprecher der beteiligten Soldaten erklärte gegenüber dem Armee-Radio: «Sie kamen aus dem Gebäude und wir nahmen das normale Festnahme-Prozedere auf. Nach einer Weile beschlossen sie, wieder in das Gebäude zurückzugehen, woraufhin wir schossen.» Sowohl die Polizei als auch die IDF untersuchen den Fall. Ob ein kriminelles Verhalten der Sicherheitskräfte vorlag, muss ebenfalls untersucht werden.
Der rechtsextrem-nationalistische Ben-Gvir stellt sich hinter die Schützen: «Volle Unterstützung für die Grenzpolizei und die IDF-Truppen, die auf gesuchte Terroristen geschossen haben, die aus einem Gebäude in Jenin kamen. Die Truppen haben genauso gehandelt, wie es von ihnen erwartet wird – Terroristen müssen sterben!» Die Grenzpolizei untersteht in Judäa und Samaria dem Militär und nicht der Polizei. Damit fallen sie Gott sei Dank nicht in den Zuständigkeitsbereich von Ben-Gvir.

Die IDF griff während der Nachtstunden Mitglieder der syrischen Terror-Organisation al-Jama’a al-Islamiyya im Dorf Beit Jinn, süd-westlich von Damaskus am Fusse des Hermon an. In Beit Jinn leben etwa 3.000 Personen, die meisten von ihnen sind Drusen. Die Festnahmen von drei Terroristen fanden während eines gewaltsamen Zusammenstosses mit der IDF statt. Es kam zu einem Schusswechsel bei dem sechs IDF-Soldaten verletzt wurden, drei von ihnen schwer. Syrische Medien sprechen von 13 Getöteten. Das syrische Aussenministerium schrieb: «Syrien verurteilt die ‘kriminelle Aggression’ der israelischen Armee im Dorf Beit Jinn. Solche Handlungen zielen darauf ab, die Region in einen Konflikt zu stürzen. Das ist ein Kriegsverbrechen.» Warum sich die IDF überhaupt in dem deutlich in Syrien liegenden Gebiet aufhielt, wurde noch nicht erklärt. Zwei Soldaten werden derzeit im Rambam Hospital in Haifa operiert, bevor sie in die Intensivpflege verlegt werden. Generalstabschef Eyal Zamir besuchte sie am Nachmittag.
In der Nähe von Rafah entdeckte die IDF die sterblichen Überreste von neun mutmasslichen Terroristen. Sie wurden in der Nähe von Tunnelschächten entdeckt, die von der IDF zerstört wurden, so dass vermutet wird, dass sie zu jenen Terroristen gehören, die versuchten, sich vor den Angriffen der IDF/IAF zu retten. Damit erhöht sich die Zahl der getöteten Terroristen, die aus den Tunnelsystemen flohen auf 30. Weitere acht wurden festgenommen, als sie versuchten zu fliehen.
Der Kaktus des Tages geht heute leider an die IDF. Tasneem al-Hams, eine Krankenschwester aus Gaza, wurde heute aus einem israelischen Gefängnis entlassen. Das teilte das der Hamas nahestehende ‘Büro für Gefangenen-Angelegenheiten’ mit. Wer ist Tasneem? Sie ist eines der Kinder des hochrangigen Hamas-Arztes Dr. Marwan al-Hams, dessen Aufenthaltsort nicht bekannt ist. Israel räumte ein, ihn im Juli festgenommen zu haben, um Druck auf die Hamas auszuüben, die sterblichen Überreste von Hadar Goldin zurückzugeben. Tasneem erklärte in einem Interview, dass sie im vergangenen Monat von der pro-israelischen Gruppe Abu Shabab aus einer ‘medizinischen Einrichtung’ entführt und östlich von Khan Younis an die IDF übergeben worden sei. Bis zu ihrer Freilassung war sie, teils in einer Einzelzelle, teils mit etwa 50 Frauen gemeinsam in einem Raum untergebracht. Sie sei immer wieder zwischen den Gefängnissen Ashkelon, Ramle, Damon und Megiddo hin und her transportiert worden. In diesem Fall liegt der Tatbestand des ‘erpresserischen Menschenraubes’ vor, durch den eine andere Person oder Gruppe erpresst werden soll. Je nach Betrachtungsweise ist der ‘erpresserische Menschenraub’ ein Kriegsverbrechen. Auf jeden Fall ist diese Vorgangsweise für die IDF als Militär eines noch demokratischen Staates beschämend.
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