22./23. Kislew 5786 12./13. Dezember 2025
Shabbateingang in Jerusalem: 15:56
Shabbatausgang in Jerusalem: 17:16
Shabbateingang in Zürich: 16:17
Shabbatausgang in Zürich: 17:28
ב“ה

Mit diesem Wochenabschnitt beginnt die grosse Geschichte von Josef, der vielleicht schillerndsten Gestalt der Torah. Ja‘acov hatte sich mit seiner Grossfamilie in Kanaan niedergelassen. Seine Geschichte endet hier.
Damit endet die Zeit der Patriarchen.
Unter allen Söhnen von Ja‘acov, so erfahren wir, war Josef sein Lieblingssohn, der letzte Sohn seiner Lieblingsfrau Lea. Heute würde man sagen, er war ein verwöhntes Vatersöhnchen, ein eitler Geck und vor allem ein kleiner Denunziant. Also kein allzu liebenswerter Charakter.
Alles, was er berichtenswert fand, trug er seinem Vater Ja‘acov zu. Der muss ihn abgöttisch geliebt haben. Sogar einen Mantel aus vielfarbigen Stoffen liess er für ihn nähen, damals ein teures Stück. Mit dem spazierte der 17 Jahre alte Knabe nichtstuend durch das Dorf und nervte seine Brüder mit seinen Träumen.
Einmal träumte er, er nehme eine herausragende Stelle unter ihnen ein. Da riss ihnen die Geduld, sie sannen darauf, ihm eine Lektion zu erteilen. Die Gelegenheit kam, als der Vater ihn wieder einmal losschickte, sie auszuspionieren.
Unterwegs trifft er einen Mann, der ihn fragt: „Wen suchst du?“ „Ich suche meine Brüder!“ Sind es wirklich nur seine Brüder, um seinen Auftrag zu erfüllen? Oder sucht er seine Brüder um der Verbindung willen, die er gerne zu ihnen herstellen möchte? Hat er vielleicht Sehnsucht nach einem echten Familienzusammenhalt? Den, so muss er erfahren, wird er zu dem Zeitpunkt noch nicht finden. Noch muss er der einsame junge Mann bleiben, der sich seine Position innerhalb der Familie erst erkämpfen muss.
Fast wäre es zu einem Mord gekommen, den Reuven, der Älteste, gerade noch verhindern konnte. Statt ihn zu ermorden, warfen die Brüder ihn in einen ausgetrockenen Brunnen, aus dem er von midianitischen Händlern gerettet und um 20 Silberstücke an vorüberziehende Ismaeliten verkauft wurde. So kam Josef, der Kanaaniter, nach Ägypten und wurde von Potiphar, einem hohen Beamten des Pharaos, gekauft.
Um den Vater zu täuschen, behielten Josefs Brüder sein Obergewand, tränkten es mit dem Blut eines Ziegenbocks und legten es dem Vater als Beleg für die traurige Nachricht vor, dass Josef von einem wilden Tier getötet worden war.
Der Vater versank in tiefe Trauer, weil er den Tod seines Lieblings nicht verwinden konnte. Er dachte sogar über Selbstmord nach.
Damit müsste die wunderbare Josefsgeschichte enden, wenn nicht Gott ganz andere Pläne gehabt hätte. Josef, der bisher ein überbehütetes Kind war, muss sich nun in der Fremde behaupten und seinen Weg suchen.
Gott steht ihm dabei zur Seite. Alles, was der junge Mann beginnt, gelingt ihm. Sein Chef, Potiphar, vertraut ihm völlig, lässt ihm freie Hand in allen seinen Handlungen. Der einzige Wermutstropfen ist, dass Josef, der ein attraktiver junger Mann gewesen sein muss, sich ständig gegen die Verführungen durch die Ehefrau von Potiphar wehren muss. Er blieb standhaft, liess sich allerdings einmal überrumpeln und verlor bei seiner Flucht das Oberkleid, an dem sich die Frau festgeklammert hatte, in der Hoffnung, ihn zu halten. Sie nutzte die Chance, den Sklaven Josef, der ihr nicht zu Willen gewesen war, bei ihrem Mann zu denunzieren, der ihn prompt ins Gefängnis werfen liess.
Doch selbst dort stand Gott, dessen Plan auch dieses vermeintliche Unglück war, unverbrüchlich an Josefs Seite. Josef stieg schnell wieder in der hierarchischen Leiter des Gefängnisses auf. Der Kerkermeister machte ihn zu seiner rechten Hand und vertraute ihm völlig.
Jetzt kam ihm seine Gottesgabe zugute, für die seine Brüder ihn nicht nur verachtet, sondern auch gehasst hatten. Es gelang ihm, die Träume des Mundschenks und des Bäckers zu deuten. Dem Mundschenk konnte er eine günstige Deutung geben, der Bäcker aber musste sein Todesurteil akzeptieren.
In den Träumen hatte Josef den Willen Gottes erkannt und weitergegeben. Er war sich sicher, Gott schützt ihn. Der Mundschenk, der wieder in Ehren aufgenommen worden war, aber vergass es, so wie die meisten Menschen es tun, seinem Retter seine Dankbarkeit zu zeigen.
Die Josefsgeschichte zeigt uns, dass Rivalität, Misstrauen, Eifersucht und Rachsucht Menschen ins Verderben treiben und Beziehungen zerstören können.
Sie zeigt aber auch, dass Kontinuität und sich selbst treu bleiben, positive Signale aussendet, auch wenn sie oft erst viel später gesehen werden.
Ich wünsche für uns alle, dass wir die Fähigkeit geschenkt bekommen, nicht das Schlechte, sondern viel eher das Positive zu suchen und zu finden.
Auf dass unser Leben heller und freundlicher wird, so wie ab Sonntag die derzeit dunklen Abende im ständig anwachsenden Kerzenschein auf der Chanukkia immer heller und wärmer werden.
Shabbat Shalom ve Chag Chanukka sameach!
Kategorien:Israel
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