Die erste Phase der Waffenruhe – Tag 65 und 66

25. Kislew 5786

Präsident Isaac Herzog, seine Frau Michal und die Eltern der letzten noch in Gaza zurückgehaltenen Geisel, Ran Gvili, zündeten gemeinsam die erste Kerze einer Chanukkia an. «Wir erneuern unsere Forderung, dass Ran sofort zurückgegeben wird und dass seine geliebte Familie ihm ein würdiges Begräbnis gestalten kann». Bei der Zeremonie waren auch die freigelassenen Geiseln Keith und Aviva Siegel, Matan Angrest, Shlomi Ziv, Noralin Babadilla, Margalit Mozes, Clara Merman, Moran Stella Yanai und Gabriella und Mia Lemberg anwesend.

Nur einen Tag nach dem tödlichen Terror-Angriff am Bondi Beach in Sydney trafen sich heute zahlreiche Menschen, Juden und Nichtjuden am ‘Bondi Pavilion’, um gemeinsam die zweite Chanukka-Kerze anzuzünden. In der Mitte des Platzes lagen viele Blumen und Kerzen zur Erinnerung an die Opfer und Verletzten. Auch der australische PM Anthony Albanese war gekommen, um mit einem Strauss Blumen seinen Respekt zu zeigen. Das Opernhaus in Sydney hat am heutigen Abend einen seiner berühmten Dachflügel mit einer Chanukkia beleuchtet.

Vor mehr als einem Monat hat der Mossad den australischen Geheimdienst darüber informiert, dass eine vom Iran unterstützte „Terrorinfrastruktur“ im Land Anschläge auf jüdische Ziele plante, berichtet Channel 12. Daraufhin wurde fast die gesamte entsprechende Infrastruktur in Australien zerschlagen. Nach dem tödlichen Angriff von gestern untersucht der Geheimdienst jetzt, ob es Verbindungen zwischen den beiden Terroristen und den iranischen Bemühungen gibt. Im Oktober hatte der Mossad über ein transnationales Netzwerk berichtet, das von der Islamischen Revolutionsgarde betrieben wird und auch in Australien aktiv ist.

Nachdem bereits gestern der Verdacht aufkam, dass der Iran hinter dem tödlichen Terror-Angriff stecken könnte, meldete sich heute der iranische Oberrabbiner Yehuda Garami zu Wort: «Mit grossem Schmerz und tiefer Trauer verurteile ich aufs Schärfste das jüngste Verbrechen und die Terror- und Gewaltakte gegen die jüdische Gemeinde in Australien während des Chanukka-Festes», schreibt Garami in einer Erklärung. «Jede Art von Schaden, Aufstachelung zu Hass und Gewalt gegen Menschen – unabhängig von ihrer Religion, Herkunft oder Nationalität – widerspricht den menschlichen, moralischen Werten und dem Weg des Glaubens.» Von der jüdischen Gemeinde im Iran werden immer wieder anti-israelische Äusserungen bekannt, wobei man davon ausgehen muss, dass diese nicht unbedingt die Meinung der Gemeinde widerspiegeln. Auch der iranische Aussenminister Esmail Baqaei hat gestern geschrieben: «Wir verurteilen den gewalttätigen Anschlag in Sydney, Australien», sagte Baqaei und fügte hinzu: «Terrorismus und die Tötung von Menschen, wo auch immer sie begangen werden, sind inakzeptabel und werden verurteilt.» Das ist leider ein reines Lippenbekenntnis und noch dazu eine glatte Lüge. Der Iran ist bekannt dafür, weltweit zahlreiche Terror-Anschläge gegen jüdische Gemeinden organisiert zu haben.

Nach dem gestrigen tödlichen Terror-Angriff Sydney ist die Zahl der Todesopfer auf 16 gestiegen. Aus Sicherheitsgründen bleiben sämtliche jüdischen Einrichtungen in Australien bis auf Weiteres geschlossen. Dazu gehören Synagogen, Gemeindezentren, Geschäfte und Restaurants. Noch immer sind nicht alle Namen der Opfer bekannt.

Der Polizei-Kommandant von Sydney gab am Abend bekannt, dass es sich bei den Terroristen um Vater, 50, und Sohn, 24, gehandelt hat. Der Vater war seit 1998 in Australien und seit zehn Jahren im Besitz eine Waffen-Lizenz. Man geht davon aus, dass alle seine Waffen sichergestellt wurden. Der Vater wurde von der Polizei neutralisiert, der Sohn, der als Naveed Akram identifiziert wurde, befindet sich in kritischem, aber stabilem Zustand. Beiden, Vater und Sohn, wird ein enger Kontakt zur Terrorzelle der IS zugeschrieben, eine entsprechende Fahne wurde im Auto gefunden. Derzeit werden noch 27 Personen stationär behandelt, sechs von ihnen nach wie vor in kritischem Zustand. Die Opfer des Terror-Angriffs waren zwischen 10 und 87 Jahre alt.

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zündete gemeinsam mit seiner Frau, Elke Büdenbender, am Brandenburger-Tor in Berlin die erste Chanukka-Kerze an. Seit er im Jahr 2017 sein Amt antrat, nimmt er regelmässig an dieser Veranstaltung teil. Geleitet wird die Zeremonie von Rabbi Yehuda Teichtal, dem Präsident des ‘Chabad Jewish Education Center’ in Berlin. Der sagte gestern: «Wir haben nur eine Waffe gegen die Dunkelheit und das ist Licht. Wir haben nur eine Antwort auf den Hass und das ist Liebe.»

Nach dem tödlichen Angriff in Syrien, dem zwei US-Soldaten und eine Zivilistin zum Opfer fielen, schickte heute der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa ein Kondolenzschreiben an Trump. Er bedauerte den Vorfall in der Nähe der zerstörten Ruinenstadt Palmyra und beteuerte seine Solidarität mit den Familien der Opfer. Washington hatte den ISIS für den Angriff beschuldigt. Die syrische Polizei hat mittlerweile fünf Personen im Zusammenhang mit dem Angriff auf die US-Soldaten festgenommen.

IDF Chef-Kantor Shai Abramson sollte am Sonntag bei drei Konzerten, darunter dem jährlichen Chanukka-Konzert im Concertgebouw in Amsterdam auftreten. Doch das Konzert wurde am 2. November abgesagt.  Pro-palästinensische Gruppen hatten Druck auf den Veranstalter ausgeübt, ihn aufgrund seiner ’IDF-Propaganda’ nicht auftreten zu lassen. Sie bezogen sich dabei auf Veranstaltungen, bei denen Abramson als Reservist in Uniform für die IDF auftritt. Die Verwaltung des Concergebouw forderte daraufhin den Veranstalter auf, einen anderen Sänger zu finden, wobei der Veranstalter argumentierte: «Seine Teilnahme an nationalen Zeremonien macht ihn nicht zum Leiter, Sprecher oder repräsentativen Funktionär der israelischen Armee, auch wenn das Concertgebouw dies wiederholt suggeriert.» Man fand eine halbbatzige Lösung. Abramson sang nicht bei der Hauptveranstaltung am Nachmittag, sondern bei zwei privaten Konzerten am Abend. 22 Personen wurden bei Ausschreitungen vor den Konzerten festgenommen. Welche Schande, dass jetzt auch die Musik herhalten muss für antiisraelische Entscheidungen!

Die Hamas verlangt für die ‘Anmietung’ eines Zelts am Strand von Mawasi unglaubliche Summen. Die Bewohner, die schriftlich über den Beschluss informiert wurden, hatten eine Woche Zeit, die Formalitäten zu erledigen und die Gebühren an einem Ort südlich von Khan Younis zu bezahlen. Der arabisch-sprechende IDF-Sprecher Avichay Adraee erklärte dazu: «Die Hamas, die eine Flut von Zerstörung im Gazastreifen verursacht und Häuser, Grundstücke und ganze Stadtviertel für ihre terroristischen Zwecke beschlagnahmt hat, ist dieselbe Hamas, die nun von den Bewohnern hohe Entschädigungszahlungen für die von ihr verursachten Schäden verlangt», erklärte Adraee. «Es ist ganz einfach: Die Hamas hat die Zerstörung von Häusern und die Vertreibung von Menschen verursacht und verlangt nun von den Geschädigten, dass sie für dieses ‘Privileg’ im Zelt zu bewohnen, Geld bezahlen.»

Die Hamas reagierte auf die gestrige Eliminierung von Raad Saad und erklärte, «der israelische Angriff hat jede ‘Rote Linie’ überschritten und beweist die Respektlosigkeit gegenüber dem Plan von Trump. Wir haben jedes Recht, auf die Aggression des Besetzers zu reagieren, und wir werden uns mit allen Mitteln verteidigen.»

Das war einmal!

Netanyahu ist auf dem besten Weg, die USA, endgültig gegen sich und seine Selbstherrlichkeit aufzubringen. Nach dem tödlichen Angriff auf Ra’ad Sa’ad wurde ihm, das berichtet Axios, mitgeteilt: «Wenn Sie Ihren Ruf ruinieren und zeigen wollen, dass Sie sich nicht an Vereinbarungen halten, nur zu, aber wir werden nicht zulassen, dass Sie den Ruf von Präsident Trump ruinieren, nachdem er das Abkommen in Gaza ausgehandelt hat.» Den Angaben zufolge teilten die USA Netanyahu mit, dass Israel mit dem Angriff gegen den Waffenstillstand verstossen habe. Mit dem US-Aussenminister Marco Rubio, dem Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner hat Netanyahu es offenbar schon ganz verdorben. «Steve und Jared sind sauer über die Inflexibilität Israels in mehreren Fragen im Zusammenhang mit Gaza.» Und nicht nur das, das Weisse Haus sieht sein ganzes Verhalten auch in Bezug auf die Beziehungen zu den arabischen Staaten als problematisch an: «Netanyahu hat sich in den letzten zwei Jahren zu einem globalen Paria entwickelt. Er sollte sich fragen, warum der ägyptische Staatschef Abdel-Fattah el-Sissi sich weigert, ihn zu treffen, und warum er fünf Jahre nach den Abraham-Abkommen immer noch nicht zu einem Besuch in die Vereinigten Arabischen Emirate eingeladen wurde», sagt ein US-Beamter. «Die Trump-Regierung unternimmt grosse Anstrengungen, um das Problem zu beheben. Aber wenn Netanyahu nicht bereit ist, die notwendigen Schritte zur Deeskalation zu unternehmen, werden wir unsere Zeit nicht damit verschwenden, die Abraham-Abkommen auszuweiten.»



Kategorien:Israel

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