Schmot, Exodus 1:1 bis 6:1

20./21.Tewet 5786                                                                     9./10. Januar 2026

Shabbateingang in Jerusalem:                                                        16:13

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        17:33

Shabbateingang in Zürich:                                                                 16:37

Shabbatausgang in Zürich:                                                                17:47

Mit 70 Personen war die Familie Ja‘acovs nach Ägypten gekommen. Sie hatten Aufnahme durch den Pharao gefunden, der Josef, den zweitjüngsten Sohn Ja’acovs, hochschätzte und ihm vertraute. Das beste Land hatten sie erhalten, um dort zu siedeln, Viehzucht und Ackerbau zu treiben. Es waren gute Zeiten und der Familienclan war gross geworden, so wie Gott es den Vorvätern wiederholt versprochen hatte.

Doch nun hatten sich die Zeiten geändert, Ja‘acov war schon lange tot; seine Kinder hatten ihn in der Höhle Machpela beigesetzt. In Vers 1:6 erfahren wir fast beiläufig, dass auch Josef und seine Brüder nicht mehr lebten.

Natürlich war auch der Pharao ein anderer als der, den wir kennengelernt haben. Sein Nachfolger fürchtete sich vor den Kindern Israel. Um sie zu demoralisieren und zu schwächen, mussten sie Sklavenarbeit leisten. Aber seine Hoffnung erfüllte sich nicht, sie wurden grösser und stärker.

Pharao verlangte von zwei hebräischen Hebammen, Pua und Shifra, alle neugeborenen Knaben gleich nach der Geburt zu töten. Die beiden widersetzten sich der Anweisung. So wandte sich Pharao mit dem Befehl an sein eigenes Volk, alle Knaben, derer man habhaft werden konnte, in den Nil zu werfen. Die Frauen waren erfinderisch und es gelang ihnen, die neugeborenen Söhne vor den Schergen des Pharaos zu verbergen.

Nur deshalb kann an dieser Stelle die lange Geschichte unseres grössten Propheten Moshe beginnen!

Von seiner Familie ist nicht viel bekannt. Sein Vater Amram war zugleich der Onkel und der Ehemann von Jocheved aus dem Stamme Levi. Neben Moshe hatten sie noch eine ältere Tochter Miriam und einen älteren Sohn Aaron.

Miriam rettete den Knaben, indem sie ihn wohlversorgt in den Nil setzte, wo er von der Tochter des Pharaos entdeckt und aufgenommen wurde. Der Plan der Schwester ging auf, der Knabe war gerettet und sie konnte ihn sogar zurück zu seiner Mutter bringen, die, dem Wunsch der Prinzessin entsprechend, als seine Amme dienen sollte. Später lebte er als Sohn der Prinzessin am Hof des Pharaos und wuchs dort mit seinen Adoptivgeschwistern auf.

Ob er sich jemals an seine Herkunft erinnert hat, wissen wir nicht. Sozialisiert wurde er als ägyptischer Prinz und doch muss er tief in sich das Bewusstsein gehabt haben, anders zu sein. Warum sonst hätte er sich so nachdrücklich für einen Israeliten eingesetzt? Um den Mord an ihm zu rächen, tötete er den aus Ägypten stammenden Mörder. Er wurde jedoch von seinen eigenen Leuten, den Israeliten, die in ihm einen Ägypter sahen, denunziert. Mit der Folge, dass der Pharao ihn suchen liess und ihn töten lassen wollte. War er jetzt ein Vogelfreier, ein Mann ohne Wurzeln?

Es scheint so, denn seinen ersten Sohn, den er gemeinsam mit seiner midianitischen Frau Zippora hatte, nannte er „Gerschom“. Die Bedeutung dieses Namens entspricht wohl seinen Gefühlen gegenüber seinem Heimatland „Gast bin ich in einem fremden Land“.

Interessant ist an dieser Stelle, dass Moshe seine zukünftige Frau an einem Brunnen auf dem Land ihres Vaters kennenlernt und ihr beim Tränken der Herden behilflich ist. Diesem Arrangement sind wir in der früheren Geschichte schon mehrfach begegnet. Am Brunnen lernte Rivka, die Frau von Jitzhak, den Brautwerber ihres Schwiegervaters Avraham kennen. Auch der Sohn Jitzhak, Ja‘acov, lernte in einer ähnlichen Situation seine Frau Rachel kennen. Das gerettete Leben von Moshe begann auf dem Wasser. Welche Bedeutung kann man dem Element Wasser zuschreiben? Ohne Wasser kein Leben, ohne Wasser keine Fortpflanzung und keine Evolution. Das sich teilende Wasser des Schilfmeeres wird später eine bedeutende Rolle spielen.

In den nächsten Versen treffen wir auf das Element Feuer. Feuer vernichtet, wenn es nicht bewacht oder bekämpft wird. Feuer ist bedrohlich und löst in allen Lebewesen Angst aus. Wenn das Feuer nicht gelöscht wird, bleibt nur Asche zurück. Moshe aber trifft bei seiner Wanderung mit dem Vieh auf einen Dornbusch, der brennt, ohne zu verbrennen. Es ist weniger die Angst, die ihn näher gehen lässt, es ist Neugierde. Gott gibt sich ihm hier, mitten in der Einöde der Wüste, erstmals zu erkennen. Es ist das erste Mal, dass Gott mit ihm kommuniziert und das ist der Beweis, dass Gott Moshe ausgewählt hat, die Kinder Israels zu retten. Der brennende Dornbusch ist ein deutliches Zeichen für Moshe, dass seine Brüder und er nicht ‚zerstört‘ werden und nicht untergehen werden. Doch kann Moshe das hier schon erkennen?

Gott erneuert an dieser Stelle seinen Bund, den er mit den Vorvätern Avraham, Jitzhak und Ja‘acov geschlossen hat und verspricht, die Kinder Israels unter der Führung von Moshe in das verheissene Land zu führen. Moshe ist zwar gewillt, den Auftrag, der ihm Hoffnung auf Befreiung gibt, anzunehmen, weiss aber nicht, wie er ihn seinen Brüdern und Schwestern kommunizieren soll. Wer ist der, der da mit ihm spricht? Den er nicht sehen kann und der trotzdem so präsent ist? Gott gibt ihm die für uns kryptische Antwort „Ja klar, möchte man rufen, logisch bist du der, der du bist!“ Aber was bedeutet das? Ebenfalls in den alten Schriften gibt es eine noch spannendere Interpretation der Worte «Ich bin der, der ist und der sein wird.» Gott lässt die Antwort offen. Und wir finden bis heute keine Antwort darauf.

Moshe ist nicht sofort überzeugt von der ungeheuer grossen Aufgabe, die Gott ihm stellt, aber Gott weiss auf jeden Einwand eine Lösung und stellt ihm seinen Bruder Aaron als Sprachrohr zur Seite, um den Sprachfehler von Moshe nicht zum Problem werden zu lassen. Zusätzlich gibt er ihm den Stab in die Hand, der jede Kommunikation mit dem Pharao non-verbal unterstützt. So ausgestattet kehrt Moshe zu seiner Familie zurück.

Zurück in Ägypten musste er erkennen, dass auch der neue Pharao, denn der alte, der Vater seiner Ziehmutter, war gestorben, es nicht gut mit den Kindern Israel meinte. Er weigert sich, sie ziehen zu lassen. Kein Wunder, waren sie doch billige Arbeitskräfte! Statt sie ziehen zu lassen, lud er ihnen noch mehr Arbeit auf.

Der Wochenabschnitt endet mit dem ersten Aufstand der Kinder Israel. Behalten wir das in Erinnerung, denn in den folgenden 40 Jahren wird es noch mehr Aufstände geben, die nicht immer alle gut ausgehen.

Shabbat Shalom!



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