Schmot, Jitro 18:1 – 20:23

ב“ה

19./20. Schwat 5786                                                                   6./7. Februar 2026 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         16:38

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         17:56

Shabbateingang in Zürich:                                                                 17:17

Shabbatausgang in Zürich:                                                                18:24

Dieser Wochenabschnitt ist zunächst einem Mann gewidmet, den wir zu Beginn des Buches Schmot schon einmal kurz kennengelernt haben. Jitro, der Schwiegervater von Moshe und Vater von Zippora, seiner Frau.

Moshe hatte vor der Flucht aus Ägypten seine Familie, Zippora und ihre beiden Söhne, Gershom und Elieser, wieder zu ihrem Vater zurückgeschickt. Warum, das erfahren wir nicht. Man darf aber vermuten, dass er sie auf seiner gefährlichen Mission vor den Ägyptern schützen wollte. Jetzt war Jitro der Ansicht, dass es, nachdem die Flucht gelungen war, Zeit für eine Familienzusammenführung war. Er zog seinem Schwiegersohn entgegen und traf ihn im Lager in der Nähe des Berg Horeb auf dem Sinai.

Nachdem Moshe dem alten Herrn alles berichtet hatte, was sich seit dem letzten Treffen in Midian ereignet hatte, traf Jitro die Erkenntnis, dass er bisher die falschen Gottheiten angebetet hatte. Wir können seine Aussage „Jetzt weiss ich, dein Gott ist grösser als alle Götter!“ als spontanes Bekenntnis zum Judentum verstehen, und möchten ihm gerne zurufen: Willkommen im Kreis der Kinder Israels!

Jitro erlebte mit, wie schwer es Moshe fiel, seinen Aufgaben als alleiniger Anführer dieser mittlerweile riesigen Gruppe nachzukommen. Am Gerichtstag musste er sich um alles und jedes kümmern, kleine und grosse Probleme, Erbstreitigkeiten, Nachbarschaftsstreit, Ehebruch …. die gesamte Bandbreite der Rechtsfälle wurde vor ihn gebracht. Natürlich versteht sich Moshe auch in dieser Tätigkeit als Sprachrohr Gottes. Es gab noch keinen Kodex, in dem er nachschauen konnte, wenn er sich unsicher war, oft musste er sich auf sein inneres Gespür verlassen.

Jitro, der Mann, der gerade erst Gott als den Einzigen erkannt hatte, gab ihm eine Lehrstunde in juristischem Management. Er ist sich sicher, dass Gott seinen Vorschlag gutheissen wird. Ganz ohne, dass er zunächst ein ‚Richter-Wahl-Gremium‘ bildete, erklärte er, wie Moshe sich eine Gruppe von unbestechlichen Richtern zur Seite stellen konnte. Unbestechlich!!!! Wir lernen an dieser Stelle, wie auch heute noch die Gerichtsbarkeit in demokratischen Staaten aufgebaut ist, vom kleinen Bezirksgericht bis zum Obersten Gerichtshof. Die Zuständigkeit und Eigenverantwortung der Gerichte und Richter sollte vom Schweregrad des Vergehens abhängen. Eine grossartige Idee, die Moshe viel Last von den Schultern nahm. Fast hat man das Gefühl, Jitro ging danach zufrieden mit sich und der Welt wieder zurück nach Hause. Ob die Familienzusammenführung geglückt war, oder nicht, das erfahren wir an dieser Stelle noch nicht. Man sollte diesen Teil der Torah jedem mitgeben, der darüber zu entscheiden hat, wer als Richter in welcher Position eingesetzt werden soll.

Bald darauf erreichte der Zug der Kinder Israel den „Gottesberg“, wie der Berg Horeb auch genannt wird. Nach der Teilung des Schilfmeeres erleben wir jetzt die zweite grosse und dramatische Demonstration von Gottes Allmacht. Wie befohlen hielten sich die Kinder Israel bereit für das, was kommen sollte. Während das Volk in deutlichem Abstand, aber in Hörweite des Berges verharrte, ging Moshe gemeinsam mit seinem Bruder Aaron hinauf auf den Berg.

Das, was jetzt folgt, ist das grossartige Geschenk Gottes an die noch nicht zu einem Volk zusammengewachsenen Israeliten: die Zehn Gebote. Natürlich sind uns die Worte vertraut und bekannt. Aber erkennen wir sie auch als das, was sie sind? Das erste Gesetzbuch, das Kompendium und der oben genannte Kodex. Die Vorschriften klingen so simpel. Als könnte man sie, ohne nachzudenken, jederzeit einhalten.

Wie schwer sie einzuhalten sind, das erfahren wir tagtäglich selbst. Das vielfach übersetzte „Du sollst nicht…….“ trägt Züge des schulmeisterlich erhobenen Zeigefingers in sich.  Tatsächlich lauten die Vorschriften aber „Du wirst nicht …..“, und das hat nun gar nichts Schulmeisterliches an sich. Es ist die Gewissheit, dass der so Angesprochene sich strikt daran hält. Aus eigenem Antrieb, weil er erkannt hat, dass das Leben so viel einfacher für ihn und seine Umwelt ist.

In der Hoffnung, dass wir mehr und mehr lernen, diese Vernunft in uns walten zu lassen, wünsche ich

Shabbat Shalom



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