Die zweite Phase der Waffenruhe – Tag 32

28. Schwat 5786

In Bnei Brack finden seit den Morgenstunden die bisher grössten Angriffe gegen die IDF statt. Bisher wurden 22 Personen festgenommen.

Ein gefährlicher Mob von haredischen Männern trieb zwei jungen Soldatinnen vor sich her, die von der Polizei gerettet werden mussten. Sie hatten sich vor dem Mob in einem Müllcontainer versteckt. Die beiden jungen Frauen sind Teil des ‘Education and Youth Corps’ und kamen von einem Hausbesuch bei einem ihrer Soldaten. Sie sind, entgegen anderslautenden Aussagen, nicht Teil der Militär-Polizei. Sie sind militärische Sozialarbeiterinnen. Der Grund für den Beginn der Ausschreitungen war, dass das Gerücht die Runde machte, die Soldatinnen würden Stellungsbefehle verteilen.

Der Polizeichef des Bezirks Tel Aviv, Haim Sargarof, kritisierte die mangelnde Koordination mit dem Militär.

Ein Polizei-Pkw wurde umgeworfen, ein Motorrad ging in Flammen auf. Es befinden sich zahlreiche Einheiten vor Ort, um die öffentliche Ruhe wieder herzustellen. Der ehemalige Chef-Rabbiner Yitzhak Yosef forderte diejenigen, die an den Übergriffen mitgemacht haben, aus der haredischen Gemeinschaft auszuschliessen. Ihre Handlungen stünden im Gegensatz zu den Werten der Torah. Aryeh Deri verstärkte die Forderung nach Ausschuss aus der Gemeinschaft vollinhaltlich.

Netanyahu schloss sich den Verurteilungen an. «Wir werden keine Anarchie zulassen», verspricht er und fügt hinzu: «Wir werden keine Angriffe auf Angehörige der israelischen Streitkräfte und Sicherheitskräfte tolerieren, die ihre Arbeit mit Engagement und Entschlossenheit verrichten.» Weitere Kommentare kamen von VM Israel Katz und Generalstabschef Eyal Zamir.

Auch aus den Oppositionsbänken kam scharfe Kritik. «Um wen sorgt sich Netanyahu mehr: um unsere Soldaten oder um seine Koalitionspartner?», fragt Oppositionsführer Yair Lapid. «In den kommenden Stunden muss es zu einer Welle von Verhaftungen kommen. Es kann nicht sein, dass im Staat Israel Soldaten der IDF und die Polizei angegriffen werden. Jeder, der an dem Angriff auf unsere Soldaten beteiligt war, muss noch heute im Gefängnis sitzen. Schluss mit der Anarchie.»

Als Mensch mag und kann ich ihn nicht mehr bezeichnen, auch nicht als Tier, denn Tiere verhalten sich nicht so. Am ehesten trifft es noch der Begriff ‘die Bestie’. Eine palästinensische NGO verurteilt diese Bestie auf das Allerschärfste, nachdem sie ein Video auf ‘X’ geteilt hatte, das einen Besuch im Militärgefängnis Ofer dokumentiert. Die Bestie bezeichnet das abscheuliche Geschehen als ‘Vorbereitung für den bevorstehenden Ramadan’. «Ich bin zusammen mit trauernden Familien angereist, um die Vorbereitungen für den Ramadan genau zu überwachen und sicherzustellen, dass die Mindestmassnahmen, die ich gemeinsam mit dem Polizeipräsidenten durchführe, ohne Zugeständnisse an Terroristen vollständig umgesetzt werden.» Vor den Zellen stehen Polizisten, die Blendgranaten abfeuern. Fünf Gefangene werden aus den Zellen geschleppt und gezwungen, sich mit hinter dem Rücken gefesselten Händen auf den Boden zu legen. Während der Sprecher der NGO dies als «Teil einer fortlaufenden Inszenierung, die darauf abzielt, Rache an palästinensischen Häftlingen zu nehmen», bezeichnet, erklärt das Biest Ben-Gvir: «Es ist einfach eine Quelle des Stolzes – in einem Gefängnis wie diesem anzukommen, einem Gefängnis für Terroristen, die Abscheulichsten der Abscheulichen, und sie so zu sehen.Wir werden die Bedingungen für Terroristen weiter verschärfen – bis ein Gesetz zur Todesstrafe für Terroristen erlassen wird.» Seine Vorbilder sind die GStAPo und die SS, er kann es nicht mehr leugnen.

Netanyahu arbeitet daran, gemeinsam mit Vertretern der rechts-aussen Partei Otzma Yehudit den Gesetzesentwurf zu überarbeiten, der die Todesstrafe für nicht jüdische Terroristen fordert.  Der ihm vorliegende Entwurf sei ‘schärfer’ als der, der in den USA zu Anwendung kommt. Das könne und werde er nicht unterstützen. Die Todesstrafe ist für palästinensische Terroristen vorgeschrieben, die wegen Mordes verurteilt wurden. Rechtsexperten haben gewarnt, dass eine solche Bestimmung die Gerichte dazu zwingen würde, bestimmte Verurteilte zum Tode zu verurteilen, die richterliche Ermessensfreiheit einschränkt. Derzeit besteht für den Verurteilten nur die Möglichkeit, Berufung gegen das Urteil selbst, nicht aber gegen das Strafmass einzulegen.

Hat er, oder hat er nicht? Der israelische Präsident Isaac Herzog verlangt zu Recht von Netanyahu eine umfassende und nachvollziehbare Erklärung, ob er während seines Aufenthaltes in den USA Trump aufgefordert hat, seine Forderung nach einer Begnadigung zu wiederholen. Oder ob das der eigentliche Grund für den überhasteten und völlig unnötigen Besuch war. Trump hatte unmittelbar nach der Abreise von Netanyahu erklärt, Herzog möge sich schämen, immer noch keine Begnadigung ausgesprochen zu haben, obwohl er das doch mehr als fünf Mal versprochen habe. «Der Premierminister erfuhr davon aus den Medien und hatte zuvor keine Kenntnis davon, genauso wie er zuvor keine Kenntnis von den Äusserungen des Präsidenten zu diesem Thema in seiner Rede vor der Knesset hatte», sagt ein Sprecher des Premierministeramtes. Auch dieses Mal sei es eine ganz und gar eigene Initiative von Trump gewesen.

Netanyahu hat beschlossen, an der ersten Sitzung des ‘Friedens-Rates’ am 19. Februar nicht teilzunehmen. Er wird vertreten durch Aussenminister Gideon Sa’ar. Ob das geschickt war oder ein Einknicken gegenüber den arabischen Mitgliedsstaaten, die sich nicht an einen Tisch mit ihm setzen wollten?

US-Aussenminister Marco Rubio bleibt bei seiner mehrfach geäusserte Meinung, dass Trump gewillt sei, sich mit jedem Staatschef der Welt zu treffen, wenn es der Beilegung von Streitigkeiten diene. «Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass, wenn der Ayatollah Khamenei morgen sagen würde, er wolle sich mit Präsident Trump treffen, der Präsident sich mit ihm treffen würde, nicht weil er mit dem Ayatollah übereinstimmt, sondern weil er glaubt, dass man so Probleme in der Welt löst, und er ein Treffen mit jemandem nicht als Zugeständnis betrachtet», sagt Rubio. Dazu gehört auch, wie er betont, dass Trump es vorzieht, den Streit im Atomabkommen mit dem Iran mit einem Abkommen beizulegen und nicht zu den Waffen greifen zu müssen.

Der IDF ist es erneut gelungen, einen Waffenschmuggel von 10 Handfeuerwaffen und 30 Magazinen aus Ägypten nach Israel zu verhindern. Kurz zuvor war schon eine Drohne abgefangen worden, die drei Scharfschützengewehre transportierte. Alle Waffen wurden der Polizei zur weiteren Untersuchung übergeben.

Eine Gruppe von mindestens fünf Terroristen wurde von der IDF mit gezielten Drohnenangriffen eliminiert, als sie aus einem Tunnel kamen und sich sofort den Truppen, die vor Ort waren, näherten. Der Vorfall fand im nördlichen Gazastreifen bei Beit Hanoun statt und stellt einen weiteren gravierenden Verstoss gegen die Waffenruhe dar.

Insgesamt wurden bei gezielten Angriffen der IDF über Nacht 12 Personen getötet. Darunter auch Sami al-Dahdouh, 56, einer der Anführer des Palästinensischen Islamischen Djihad.  Drei seiner Brüder, ebenfalls hochrangige Terroristen des PID, waren schon bei früheren Angriffen getötet worden.

Die Rose des Tages geht heute an Rabbi Shmuel Yerish. Vor drei Jahren floh er aus Odessa und lebt nun in Hadera. Mit ihm seine Grossfamilie,  seine Frau, 15 Kinder im Alter zwischen 20 und 1 Jahr. Sieben Jungens und acht Mädchen, einige schon im heiratsfähigen Alter. Als er damals kam, hatte er nach eigenen Aussagen nichts ausser dem, was sie bei sich trugen.

Doch Shmuel hatte eine Idee. Er begann kleine Hand-Puppen und Mini-Bauwerke zu entwerfen, die er zunächst in China produzieren liess. Mittlerweile findet ein Teil der Produktion in Israel statt. Alle Puppen und Gebäude haben einen direkten Bezug zum Judentum. Bis hin zu einem kleinen Detail: Die Puppe ‘Lea’ trägt eine Brille, weil es in der Torah heisst, dass sie ‘schwache Augen’ hatte. Es gibt den Walfisch von Jona, das Stiftszelt und auch das Hauptgebäude der Lubawitscher in Brooklyn. Es sind Lernspiele, die an Kindergärten und Gemeinden verkauft werden, gedacht als jüdisch-religiöse Früherziehung.

«Die Ideen für die Spielzeuge stammen aus meiner langjährigen Erfahrung als Lehrer und Vater. Die grösste Schwierigkeit bestand darin, den ersten Schritt zu machen und den Weg eines Unternehmers einzuschlagen.»

Doch Shmuel ist noch mehr. Er nennt sich, ganz im Sinn der Lubawitscher ‘Botschafter der Freude’, organisiert Kindergeburtstage und spielt sein Ein-Mann-Musical ‘Better to be yewish’.

Auch seine Frau Chana, mit der er seit 2004 verheiratet ist, trägt zum Familieneinkommen bei. Sie ist weltweit anerkannte Expertin für das Studium der Chabad-Nigunim (Melodien) und gibt Konzerte, Vorträge und Meisterkurse. In Israel unterrichtet sie an einer Musikschule und gibt privaten Klavierunterricht. 

In einer solch grossen Familie gibt es tägliche Herausforderungen ohne Ende. Reb Shmuel nimmt es gelassen. «Es gibt ein Sprichwort aus der Mischna, das mich inspiriert: ‚Wenn ich nicht für mich selbst bin, wer wird dann für mich sein? Und wenn ich nur für mich selbst bin, was bin ich dann? Und wenn nicht jetzt, wann dann?‘»

Übrigens, noch bis zum 1. März läuft eine Fundrasing-Aktion. Mit dem Geld, das zusammen kommt, werden Kindern, deren Väter in Gaza gekämpft haben, kleine Geschenke aus der ‘Reb Shmuel’s Toy’ Kollektion gemacht.



Kategorien:Israel, Politik

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