3./4. Adar 5786 20./21. Februar 2026
Shabbateingang in Jerusalem: 16:50
Shabbatausgang in Jerusalem: 18:07
Shabbateingang in Zürich: 17:39
Shabbatausgang in Zürich: 18:45
ב“ה
Was ist der Unterschied in der Bedeutung der Wortenתְּרוּמָ– truma und מס – mas?
Mas bezeichnet das, was wir alle zähneknirschend und immer als zu viel empfunden, dem Steueramt abliefern. Truma hingegen ist das, was wir freiwillig aus vollem Herzen geben, eine Spende. Manchmal auch nicht aus vollem Herzen, sondern weil es eine Tradition ist. Hier fallen mir gerade die oft verbeulten blauen Sammeldosen des KKL ein, die in jedem Museum und fast in jedem Shop stehen. Unübersehbar. Auffordernd.

Unser Wochenabschnitt handelt also von Spenden, von denen Gott annimmt, dass wir sie ihm gerne geben.
Stellen wir uns vor, jemand käme zu uns und würde uns ein spannendes Projekt vorstellen. Am Ende der Präsentation sehen wir eine Zahl, ein Budget, also die Summe, die benötigt wird, um das Projekt zu realisieren. Mir fällt gerade ein Projekt in Haifa ein, das äthiopischen Jugendlichen eine Chance gibt. Bisher war die Grundfinanzierung durch die Stadt gesichert. Doch die Buchungszeile der Stadt ist noch leer und wird leer bleiben. Kann die Stadt dieses Sozialprojekt nicht mehr stützen, oder will sie nicht? Gleichwohl, ein ungutes Gefühl bleibt!
Das, was Gott von den Kindern Israel erwartet, ist ganz klar eine Spende: «Sag ihnen, sie sollen für mich eine Spende einnehmen, von jedem Mann in der Höhe, die er zu geben bereit ist.» Da es zu der Zeit noch kein Geld gab und schon gar keine Marktwirtschaft, wie wir sie kennen, gab Gott genau vor, was er benötigte, um sein Projekt, den Bau einer transportablen irdischen Wohnstätte zu ermöglichen.
Gott muss sich sehr sicher gewesen sein, dass sein Vertrag halten wird. Der, wie er es den Vorvätern versprochen und Moshe erneut zugesagt hatte, lautete: «Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir versprochen habe.“ Gott wusste, dass er mobil sein musste, um sein Volk auf dem langen Weg in das versprochene Land zu begleiten, erst dann, so wusste er, würde er seine endgültige Wohnung beziehen.
Gott muss sich auch sicher gewesen sein, dass jeder spenden würde. Dass niemand sich verstecken würde hinter einer Missernte, Viehseuche, oder anderen Verpflichtungen. Auch wenn die Formulierung den Aspekt der Freiwilligkeit in sich trägt, so kann man doch auch eine klare Form der Eintreibung von Gütern sehen. Der Satz „…von jedem Mann in der Höhe, die er zu geben bereit ist» ist mehrdeutig.
Wir müssen ihn so verstehen, dass es ohne die freie Willensentscheidung auch keine Spenden gäbe. Eine Spende gibt man in der Regel freiwillig, eine Steuer wird erhoben, ohne dass wir uns ihr entziehen können.
Ba’al ha-Turim (1283-1340), einer der geachteten Kenner der Halacha des Mittelalters, interpretiert die für die Torah typische Struktur ונתנו venatnu – sie werden geben oder auch sie sollen geben. In dieser Form werden beide Möglichkeiten ausgedrückt, die Spende und die Steuer. Diese Struktur kennen wir von anderen Stellen, allen voran von den Zehn Geboten. Statt dass es dort heisst «Du sollst nicht töten!» wird übersetzt, «Du wirst nicht töten!» was unsere eigene Entscheidung impliziert. Nicht Gottes Wille zwingt uns die Entscheidung auf, es ist unser freier Wille!
Wer genau hinschaut, der erkennt, auch ohne Hebräisch lesen zu können, dass es sich hierbei um ein Palindrom handelt. Ein Wort, das von vorne und von hinten gelesen gleich lautet. Was heisst das für uns?
Was immer wir freiwillig geben, kommt zu uns zurück. Nicht in einer geldwerten Form, nicht messbar. Aber wir werden es tief in uns spüren. Wir können daraus lernen, dass aktives Geben, ja und ich schliesse hier sogar die ungeliebten Steuern ein, für das Wohlergehen des Einzelnen und der Gesellschaft förderlicher sind als ein stumpfes, unwilliges Zahlen oder gar ein betrügerisches Verweigern.
Lasst uns, wann immer möglich, „mit warmen Händen“ spenden
Shabbat Shalom
Kategorien:Politik
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