Schmot, Tezwae 27:20 – 30:10

10./11.Adar 5786                                                            27./28.Februar 2026 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         16:55

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                          18:12

Shabbateingang in Zürich:                                                                 17:50

Shabbatausgang in Zürich:                                                                18:55

Sehr oft finden wir bereits im ersten oder zweiten Absatz des Wochenabschnitts den Hinweis, um was es thematisch geht. In dieser Woche ist das namensgebende Wort „tezawe“ – תְּצַוֶּהdu wirst befehlen. An dieser Stelle verlangt Gott, dass immer ausreichend Öl vorhanden ist, um im Stiftszelt den Leuchter mit der Flamme ununterbrochen brennen zu lassen. Und zwar „für immer“. Viel später in der Geschichte des Volkes Israel wird diese Pflicht noch einmal eine Rolle spielen. Als nämlich nach der Zerstörung des ersten Tempels die Wiedereinweihung des neuen Tempels im Jahr 164 BCE stattfinden sollte. Es gab nicht genügend Öl, doch dann geschah das Chanukka Wunder. Das wenige vorhandene Öl vermehrte sich in ausreichender Menge, bis neues gepresst war. Die Geschichte kennen wir und feiern jährlich das acht Tage dauernde Chanukka-Fest.

Nach diesem kurzen Hinweis beginnt der eigentliche inhaltliche Teil des Wochenabschnitts: die Einsetzung der Priester. Der erste Absatz in Kapitel 28 beginnt mit einer nicht ganz verständlichen Formulierung: וְאַתָּה הַקְרֵב אֵלֶיךָ – ata hakrev eleich ‚du wirst dir nahebringen‘. Was bedeutet das? Rabbiner Samson Raphael Hirsch interpretiert den Satz, den man nicht auf Anhieb versteht, so: „Der Hohepriester erhält seine Würde, indem er aus der Mitte der Nation dir [Moshe] näher gestellt wird, und so zusätzliche Wirksamkeit zum Erreichen seiner Sendung erhält.“ Das bedeutet, dass der Priester Moshe, der als Sprachrohr und Willensvollstrecker der göttlichen Wünsche und Befehle dient, unterstützt. Er muss keine besondere Voraussetzung erfüllen, ausser, dass er aus dem Stamm Levi, dem auch Moshe und Aaron angehören, stammen muss.

Vergleicht man die Vorgaben, die zur Herstellung der Priestergewänder, die nun detailliert beschrieben werden, mit denen des Stiftszelts, so fällt auf, dass beide gleich prächtig sind. Steht der Priester ausserhalb des Stiftszelts, so fällt er mit seiner funkelnden und farbigen Kleidung auf. Steht er aber während seines Dienstes innerhalb, so verschmilzt er nahezu mit seiner Umgebung. Nicht er, der Mensch mit seiner Individualität ist der bedeutende Teil des Tempeldienstes, sondern die Funktion, mit der er den Dienst buchstabengetreu mit den göttlichen Vorgaben ausübt.

Welche das im Einzelnen sind, wird in den nächsten Absätzen beschrieben. Bis hin zu einem klaren Verbot in Vers 30:9 Ihr dürft auf ihm [dem Altar] weder ein unerlaubtes Rauchopfer noch ein Brandopfer noch ein Speiseopfer darbringen; auch dürft ihr auf ihm kein Trankopfer ausgiessen.“

Spielraum für Individualität lässt Gott nicht zu. Die Priester sind nur die ausführenden Diener. Dafür genossen sie einige Vergünstigungen. Ihr Lebensunterhalt wurde bis hinein in die Zeit des zweiten Tempels in Jerusalem von den Israeliten gezahlt. Trotzdem gab es auch zahlreiche schwarze Schafe unter ihnen. Abba Saul ben Batnit, einer der Weisen, deren Worte in die Mischna aufgenommen wurden, beschrieb die Familie Kathros, Eigentümer des „burnt house“ in der Altstadt von Jerusalem und Priester im Talmud Pesachim 57 A:

 „Wehe mir wegen des Hauses Baithos, wehe mir wegen ihrer Ruten

Wehe mir durch das Haus Hanin und durch ihre Verleumdungen

Wehe mir durch das ‚Haus von Kathros‘ und durch ihre Stifte

Wehe mir wegen des Hauses von Ismael ben Piakhi und ihrer Fäuste,

denn sie waren alle Hohepriester, ihre Söhne waren Schatzmeister, ihre Schwiegersöhne waren Kämmerer, und ihre Knechte schlugen uns mit Stöcken.“

Korruption, unrechten und missbräuchlichen Umgang mit Macht gibt es leider überall. Es liegt an uns, ob wir lernen, verantwortungsvoll damit umzugehen. In der Familie, in der Wirtschaft und in der Politik.

Shabbat Shalom



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