Wajirkra, Schmini 9:1- 11:47

ב“ה

23./24. Nissan 5786                                                                    10./11. April 2026

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         18:25

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         19:42

Shabbateingang in Zürich:                                                                 19:50

Shabbatausgang in Zürich:                                                                20:57

9. und 10. Tag des Omer

Michelangelo, St. Pietro in Vincoli

Moshe kündigt an, dass Gott sich „in der Herrlichkeit des Herrn“ zeigen wird. Doch Gott wird sich nicht als Gestalt zeigen, kein Mensch würde das überleben. Selbst Moshe hatte nur einmal, nachdem Gott an ihm vorübergeschritten war, seinen Rücken sehen dürfen. Auch damals hatte Gott ihn aufgefordert, sich in eine Felsspalte zu stellen und das Gesicht von Moshe mit seiner Hand abgedeckt. «Wenn ich meine Hand wegnehme, dann wirst du meinen Rücken, aber nicht mein Gesicht sehen.»

Die Torah verwendet hier statt des gebräuchlichen Begriffs «gaf» גב, Rücken, das weniger gebrauchte Wort «achori» אֶת-אֲחֹרָיmeine Rückseite.

Im Deutschen kennen wir in diesem Zusammenhang den Begriff «Rücksicht nehmen». Schauen wir uns diesen Begriff genauer an, so erkennen wir, dass Rücksicht auf einen Anderen und auf dessen Bedürfnisse zu nehmen voraussetzt, dass wir uns selbst ein Stück weit zurücknehmen. Gegenseitige Rücksichtnahme ist Zeichen von hoher Sozialkompetenz, aber auch von Respekt und Toleranz. Dieser «Andere», auf den wir Rücksicht nehmen, hat im Hebräischen die gleiche Wurzel wie das Wort Verantwortung, achraijut אַחְרָיוּת.

Zurück zum aktuellen Text. 

Das Weiheopfer ist vollbracht, Aaron segnet das Volk und begibt sich mit Moshe in das Innere des Stiftszeltes. Als sie wieder herauskamen, segneten sie nochmals das Volk und die Herrlichkeit Gottes erschien, wie von Gott versprochen, dem gesamten Volk und liess ihre Gesichter strahlen. 

So wie das Gesicht von Moshe jedes Mal von einem Strahlen erleuchtet war, wenn er unmittelbar mit Gott kommuniziert hatte. Hier wird der Begriff «die Ehre Gottes» כְבוֹד-יְהוָה, kavod adonai, gewählt. Heute verwendet die moderne rabbinische Literatur zumeist das Wort «Shechina», was so viel heisst, wie «Präsenz Gottes».

Übrigens, die Strahlen, welche hier beschrieben werden, sind einer der Gründe, warum Moshe von den grossen Bildhauern wie Michelangelo oft irrtümlich mit Hörnern dargestellt wird. Die nicht interpunktierten Worte für ‘strahlend’ und ‘gehörnt’ sehen gleich aus: קרן und müssen aus dem Kontext erkannt werden. 

Nach dem positiven Beginn des Wochenabschnittes dann der Schock. 

Die beiden Söhne Aarons, Nadab und Abihu begehen einen fatalen Fehler. Mag sein, dass sie nicht wussten, was sie damit auslösten, mag sein, dass sie noch ganz im Überschwang des gerade Erlebten waren. Sie brachten ein Opfer dar, das Gott nicht verlangt hatte und das in seinen Augen einem Götzendienst gleichkam. Sie verbrannten vor den Augen der Gemeinde am göttlichen Feuer. 

Gott scheint ihnen aber nicht gram zu sein, sondern er gibt einen Rat, der nur auf den ersten Blick nichts mit dem schrecklichen Irrtum der jungen Männer zu tun hat. Wir lesen «Trinkt keinen Wein und kein stärkeres Getränk, wenn ihr in das Versammlungszelt geht. Sonst müsst ihr sterben.» Zwischen gut und falsch, zwischen rein und unrein kann man nur mit einem nüchternen Kopf unterscheiden. 

Jeder von uns hat zu jedem Zeitpunkt die Verantwortung nicht nur für sich und sein eigenes Handeln, sondern auch oftmals für die uns anvertrauten Menschen. Wir sind uns nur leider dessen nicht immer bewusst.

Shabbat Shalom!



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