01. Cheshwan 5787



Zu einem tragischen Unfall kam es heute Nachmittag im Norden Israels. Eine Schulklasse der ORT-Ma’alot-Schule war auf einer Wanderung am Ramin-Rücken an der libanesischen Grenze. Während des Krieges hatte die Hisbollah wiederholt Streubomben auf Israel abgefeuert. Sie nutzten dazu Grad-Raketen, die Dutzende von ‘Submunition’ streuten, die beim Aufprall auf dem Boden explodierten. Leider gibt es auch Blindgänger, die nicht explodieren. Einen solchen dürfte einer der Jugendlichen heute in seinen Rucksack gesteckt haben, wo er dann kurze Zeit darauf explodierte. Einer der Jugendlichen kam durch die Explosion ums Leben, 24 wurden verletzt. Sieben Verletzte, zwei davon schwer verletzt, wurden ins Ziv Medical Center in Sfad eingeliefert. Drei weitere Jugendliche werden in der Traumaabteilung des Rambam-Spitals behandelt.

Nachdem am Wochenende 15 Menschen durch Angriffe der Houthi-Terroristen in Saudi-Arabien getötet wurden, zeigt sich der Iran besorgt. Der Iran! Also der Staat, der seine Partner im Kampf gegen Israel und die USA mit Waffen unterstützt, zeigt sich besorgt über die Eskalation: «Wir sind zutiefst besorgt über die Entwicklungen auf der Arabischen Halbinsel», erklärt Aussenministeriumssprecher Esmaeil Baghaei auf einer wöchentlichen Pressekonferenz und fügt hinzu, dass Teheran bereit sei, «unsere guten Dienste einzusetzen, um den Dialog zwischen den Parteien zu erleichtern.»

Der saudische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman kündigte an, dass die Reaktionen des Königreichs auf die andauernden Angriffe der Houthi-Terroristen in gleicher Stärke erfolgen müssten. Heute werden voraussichtlich mehr als 60 % aller Flüge von und nach Riyadh ausfallen. Gestern waren fast alle Flüge gestrichen worden. Die Flughafenbehörde konnte für die Sicherheit der Flugpassagiere keine Garantie mehr übernehmen. Der Flughafen bleibt bis zum 17. Oktober geschlossen. Am frühen Morgen hatte Saudi-Arabien eine ballistische Rakete der Houthis abgefangen und zerstört. Riyad erklärte jedoch, dass das Land Gefahr laufe, zu wenig Abfangraketen zu haben, um das grosse Staatsgebiet vollumfänglich zu schützen.
Präsident Herzog betonte, dass es eine stärkere und viel grössere Polizei brauche, um die Kriminalität im Land zu bekämpfen. «Dieses Land übersteigt ihre Kapazitäten ein wenig. Wir brauchen eine stärkere Polizei – und zwar eine viel grössere, denn hier gibt es so viele Herausforderungen. Die Kriminalität in der arabischen Gesellschaft ist eine Katastrophe», sagt er laut einem Zitat von Ynet. «Wir sprechen hier von einer riesigen Zahl von Bürgern – mehr als 1,3 Millionen Menschen, die Tag und Nacht in Angst leben.» Tatsächlich ist die Kriminalität im arabischen Sektor in den letzten Jahren um ein Vielfaches gestiegen. Im Schnitt wird alle 35 Stunden ein Mord begangen, 80 % der Morde gehen auf organisiertes Verbrechen zurück. Die Betroffenen werfen der Regierung und vor allem Ben-Gvir falsches Vorgehen und die Vernachlässigung der Probleme vor.
Herzog versprach auch, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um eine weitere Wahlrunde zu verhindern. Derzeit zeigen die Umfragen ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen, sodass weder der Pro- noch der Anti-Netanyahu-Block eine Regierung bilden kann. Es liegt am Präsidenten, den ihm vielversprechendsten Bewerber den Auftrag zur Regierungsbildung zu erteilen. Gelingt dies in einer bestimmten Frist nicht, kann er einen anderen Bewerber aussuchen. Oder sofort zu Neuwahlen aufrufen. In dem Fall bleibt die derzeitige Koalition solange geschäftsführende Regierung, bis eine neue Regierung zustande gekommen ist.
Oppositionsführer Yair Lapid wehrt sich gegen das Versprechen von Herzog, eine weitere Wahlrunde verhindern zu wollen. Er erinnerte an die Notkoalition, die Netanyahu nach dem Massaker gebildet hatte, und an die Einheitsregierung von 2020, die Benny Gantz mit Netanyahu gebildet hatte und scheiterte. «Ich hoffe sehr, dass Präsident Herzog nicht versuchen wird, eine weitere Schein-Einheitsregierung durchzusetzen, in der Netanyahu seine Partner erneut täuschen und den israelischen Bürgern mit den Stimmen derjenigen, die für seine Absetzung gestimmt haben, immer mehr Katastrophen bescheren würde», schreibt Lapid in einem Beitrag auf X. «Wir werden daran nicht mitwirken», fügt er hinzu und fordert andere Parteien im Oppositionsblock auf, im Voraus zu erklären, dass auch sie einer solchen Regierung nicht beitreten werden.
Am zweiten Tag seiner Anhörung vor dem Bezirksgericht Jerusalem wird der ehemalige GStA Avichai Mandelblit erneut von Chefverteidiger Amit Hadad angegriffen. Hadad hat versucht, der Staatsanwaltschaft Fehlverhalten bei den Ermittlungen gegen Netanyahu nachzuweisen. So wirft er der Staatsanwältin Yehudit Tirosh vor, Mandelblit absichtlich in die Irre geführt zu haben, und behauptet, die Staatsanwaltschaft habe relevante Ermittlungsdokumente falsch datiert.

Zwischen Tirosh und Hadad entwickelte sich ein verbaler Schlagabtausch, der schliesslich dazu führte, dass Richterin Rivka Feldman-Friedman die Anhörung unterbrach und die Rechtsanwälte zum Gespräch einbestellte. Mandelblit ist überzeugt, dass die Staatsanwälte der Generalstaatsanwaltschaft ihn nicht getäuscht haben: «Die Generalstaatsanwaltschaft war mein verlängerter Arm, und ich wäre sehr überrascht, wenn das der Fall wäre. Ich habe volles Vertrauen in die Staatsanwaltschaft, einschliesslich der hier Anwesenden», sagte er und fügte hinzu: «Da dies immer wieder vorgebracht wird, diese Hypothese, die mir immer wieder präsentiert wird … dass die Generalstaatsanwaltschaft Informationen vor dem Generalstaatsanwalt zurückgehalten habe. Ich wäre sehr überrascht, wenn sich das als wahr herausstellen würde. Mir ist keine Situation bekannt, in der sie mir etwas verheimlicht hätten. Es könnte sein, aber ich bin noch nicht überzeugt.»
Zwei Kinder der Familie Shanaran, deren Haus im Wadi Rahim südlich von Hebron seit mehr als einer Woche belagert wird, konnten heute erstmals wieder zur Schule gehen. Der Schulbesuch war offenbar mit der IDF koordiniert. Die beiden, 8 und 13 Jahre alt, wurden von Soldaten begleitet. Yousef Shanaran, der für einige Tage hospitalisiert war, konnte heute Vormittag heimkehren. Die Familie wird mittlerweile von Freunden und Verwandten mit Lebensmitteln versorgt.
Netanyahu-Backup / Teil IV des Interviews mit Avi Gil
Im Folgenden schildert Gil, was sich am Morgen des 7. Oktobers abspielte. Netanyahu behauptet bis heute, seine Sicherheitschefs hätten ihn absichtlich nicht geweckt, um den Angriff zu verhindern. Wäre er früher geweckt worden, so Netanyahu, hätte er den Angriff, der um 06:29 begann, stoppen können.
Welche Geheimdienstinformationen sind in den Stunden vor dem Angriff tatsächlich eingegangen, und wann hat er, Gil, beschlossen, den PM zu wecken? In der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober kamen Informationen, die auf einen möglichen Angriff hinwiesen, durch die Systeme. «Die Informationen gelangten auf die Geheimdienstcomputer im Büro des Leiters der Forschungsabteilung des Militärgeheimdienstes, des Leiters des Militärgeheimdienstes, des Militärsekretärs des Ministerpräsidenten und des Geheimdienstbüros des Militärsekretärs. Die Geheimdienstinformationen flossen die ganze Nacht über dorthin», sagte Gil und beschrieb «Verdächtige Anzeichen aus dem Gazastreifen sowie Anzeichen, die erklären, warum es sich um Routine handelt, ohne dass zeitliche Dringlichkeit besteht.» Das sei zunächst nichts Besonderes; täglich kämen Tausende von Dokumenten an. Um 3:55 erhielt sein Geheimdienstoffizier Informationen über die Vorgänge in Gaza und stellte sicher, dass sie bei allen zuständigen Stellen eingegangen waren. Weitere Auswertungen würden für den späteren Tagesverlauf angekündigt, sodass der Offizier von keinem Notfall ausging. Er beschloss daher, Gil nicht zu wecken. So wie er bei anderen mit ähnlichen Informationen keine Dringlichkeit gesehen hat. Daher erfuhr auch Netanyahu nichts von den Informationen. «Der Weg, um ein Gespräch mit dem Ministerpräsidenten zu vereinbaren, führt über den Militärsekretär», erklärte er.
Um 06:12 wurde Gil vom Stabschef des Shin-Bet-Chefs angerufen und informiert, dass «man über den Süden sprechen müsse.» Das Gespräch fand um 06:17 statt. Der Mitarbeiter des Shin-Bet informierte ihn, dass es verdächtige Aktivitäten in Gaza gebe; so seien israelische SIM-Karten aktiviert worden, was darauf hindeute, dass Gazaner nach Israel einreisen wollten. Aber es gebe auch Gründe anzunehmen, dass nichts Ungewöhnliches bevorstand. Man werde im Laufe des Tages eine neue Beurteilung vornehmen. Trotzdem sei vorsorglich eine Eliteeinheit des Shin-Bet nach Gaza unterwegs.
«Bevor ich den Ministerpräsidenten informiere, muss ich mit mindestens einer weiteren Stelle sprechen, nämlich mit der IDF, die für den Gazastreifen zuständig ist», sagte Gil. Deshalb rief er um 6:22 oder 6:23 Uhr den Stabschef des IDF-Chefs Herzi Halevi für vier oder fünf Minuten an, «und während wir sprachen, begann mein Telefon nach einigen Minuten zu vibrieren – es gab mehrere Warnmeldungen über Raketenbeschuss im Süden. Dies, so bestätigte er, sei um 6:29 Uhr gewesen.»
Zu diesem Zeitpunkt rief er Netanyahu über WhatsApp an, um ihn zu wecken. Er teilte dem PM mit, dass die Hamas einen massiven Angriff gestartet habe. Um 06:40 hätten sie erneut, diesmal über eine gesicherte Leitung telefoniert. «Ich sagte dem PM, dass wir im Krieg sind.»
Während Netanyahu tobte und behauptete, man habe ihn absichtlich nicht geweckt, obwohl die Fakten bekannt waren, beruhigte ihn Gil: «Das ist falsch. Lassen Sie uns über Fakten sprechen. Natürlich gab es ein Versagen. Die Interpretation dessen, was sich in Gaza abspielte, war „absolut“ falsch.»
Was dann geschah, weiss niemand. Erst knapp zwei Stunden nach dem Telefonat mit Gil traf Netanyahu im Hauptquartier in Tel Aviv ein. Für die etwa 55 km benötigt man an einem frühen Feiertag ohne Berufsverkehr mit Blaulicht etwa 30 Minuten. Netanyahu kam erst zwischen 08:30 und 08:45 dort an. Eine Erklärung hiess, man habe erst den Konvoi zusammenstellen müssen. Ein Heli wäre zwar nicht viel schneller, aber sicher schneller verfügbar gewesen….
In diesen zwei wichtigen Stunden hat Netanyahu nicht versucht, mit einem der Sicherheitschefs Kontakt aufzunehmen.
Gil verhinderte, dass Netanyahus Berater, Jonathan Urich und Eli Feldstein, Zugang zu vertraulichen Besprechungen erhielten. Netanyahu traf sich während der ersten Kriegstage häufiger mit ihnen im Hauptquartier, obwohl beide keine Sicherheitsfreigabe hatten.
In der Darstellung des PMs zum Vorfeld des Angriffs gebe es, so Gil, grosse Lücken. «In den letzten drei Jahren», fügte er hinzu, «hat sich eine Kluft aufgetan zwischen den Fakten, der Wahrheit, dem, was geschah, dem, was gesagt wurde, und dem, was der Öffentlichkeit heute präsentiert wird.» Das 55-seitige Dokument, das Netanyahu dem Rechnungsprüfer Engelman vorgelegt hat, «spiegelt nicht wider, was ich gesehen und gehört habe und an welchen Beratungen ich teilgenommen habe.»
Als schnelle Reaktion auf das Interview behauptete Netanyahu, Gil habe «wie andere auch» vom bevorstehenden Angriff gewusst und sich entschieden, den Ministerpräsidenten nicht rechtzeitig zu wecken.» Gils Äusserungen gegenüber den Medien seien «ein Versuch, die einfache und schmerzhafte Wahrheit über sein Versagen zu verschleiern», fügte Netanyahu hinzu.
Das ist es, was wir an Netanyahu kennen: immer sind die anderen schuld, niemals er.
Zitat: Auf die Frage, was er im Nachhinein anders hätte machen können, merkte Gil an, dass er 35 Jahre lang – «mein ganzes Erwachsenenleben» – als Soldat im Dienst des Staates Israel gestanden habe und in leitender Funktion als Militärsekretär des Ministerpräsidenten gedient habe. «Das kann mir niemand nehmen. Das trage ich mit mir. Ich sehe die Lücken. Ich treffe die Menschen, die aus der Gefangenschaft der Hamas zurückgekehrt sind. Und das begleitet mich. Es ist in mir», sagte er.
Auf die Frage, ob der Ministerpräsident für die Versäumnisse rund um den 7. Oktober verantwortlich sei, antwortete Gil mit „Ja“ und fügte hinzu: «Ich verstehe nicht, in welcher Welt man das Konzept der Führung vom Konzept der Verantwortung trennen kann.» Als Kommandeur der Elite-Undercover-Einheit „Duvdevan“ der IDF sagte er: «Ich war verantwortlich», egal ob eine von ihm angeordnete Operation erfolgreich war oder scheiterte, und dass «es keine Führung ohne Verantwortung gibt.»
Gil antwortete nicht auf die Frage, wie die Geschichte Netanyahu beurteilen werde. Doch auf die Frage, wie die Geschichte ihn beurteilen werde, sagte er: «Ich weiss es nicht. Ich hoffe, dass ich mich auf wahre Fakten stütze und dass man mich danach beurteilen wird.»
Gil wurde gefragt, ob er sich manchmal frage: «Wie ist es dazu gekommen, bei der grossartigen IDF?»
«Manchmal?», entgegnete er bitter. «Jeden Tag.»
Ende des mutigen Interviews. Yishar Koach, Avi!
IN EIGENER SACHE: Ich werde in den kommenden Tagen nur unregelmässig oder gar nicht schreiben können. Bis dahin wünsche ich euch eine gute Zeit!
Kategorien:Israel
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