Krieg gegen Iran Tag -Tag 224 seit dem Beginn der Kämpfe (Tag 15 bis zu den Wahlen)

30. Tishri 5787

Präsident Isaac Herzog hat am Wochenende mit einem Brief den Kapitän des ‘flydubai’-Fluges nach Israel, Smit Machchhar, eingeladen. «Ich freue mich darauf, Sie, sobald Sie wieder zu Kräften gekommen sind, in Jerusalem willkommen zu heissen und Ihnen die Wertschätzung und Zuneigung unserer dankbaren Nation auszudrücken und wünsche Ihnen eine vollständige und schnelle Genesung.» Herzog lobte Machchhars  Urteilsvermögen und Tapferkeit nachdem er von seinem Co-Piloten angegriffen worden war: «Ihre Fähigkeit, die Kraft zu finden, den Schmerz zu überwinden, die unmittelbare Bedrohung Ihres Lebens abzuwehren und ein gesundes Urteilsvermögen an den Tag zu legen, zeugt von der Stärke Ihres Charakters und der grossen Tapferkeit, die Sie besitzen.» Machchhar  werde «ein geschätzter Teil der Geschichte unseres Volkes werden und die Herzlichkeit und Verbundenheit zwischen der Republik Indien und dem Staat Israel weiter stärken.» Herzog kündigte an, Machchhar mit dem höchsten präsidialen Orden auszuzeichnen. 

Netanyahu erschien heute vor dem Bezirksgericht in Jerusalem, um die Aussage des ehemaligen GStA Avichai Mandelblit zu hören. Als Mandelblit den Gerichtssaal betritt, wird er mit Sprechchören von mit Netanyahu verbundenen MKs des Likud, allen voran Tali Gotliv, begrüsst. Mandelblit hatte gegen Ende seiner Amtszeit die Anklage gegen Netanyahu wegen Betrugs, Untreue und Bestechung erhoben. Netanyahu hatte mehrfach erklärt, die Anklage sei nur erhoben worden, um ihn aus dem Amt zu entfernen, was Mandelblit jedoch stets bestritt.  

Mandelblit wird heute von Netanyahus Verteidigungsteam, unter anderem von Chefverteidiger Amit Hadad, befragt. Zunächst fragte Hadad, ob Mandelblit sich vor der heutigen Befragung mit jemandem abgesprochen habe. Diese Art der Befragung wurde von der Staatsanwältin Yehudit Tirosh sofort zurückgewiesen. 

Mandelblit gab an, zu einem bestimmten Zeitpunkt der polizeilichen Ermittlungen gegen Netanyahu überzeugt gewesen zu sein, dass die Polizei hinter seinem Rücken arbeite. Er habe nur die unbedingt notwendigen polizeilichen Massnahmen bewilligt. Das sei durchaus zulässig. Verärgert sei er gewesen, dass man ohne seine Autorisierung Netanyahus damaligen Stabschef, Natan Eshel, abgehört habe. Als ihm dies klar wurde, seien die Massnahmen sofort gestoppt und eingestellt worden. Nach relativ kurzer Zeit verliessen Netanyahu und Aussenminister Gideon Sa’ar den Gerichtssaal, während Knesset-Sprecher Amir Ohana weiterhin anwesend blieb.

Die Anhörung wird bis zum 22. Oktober, nur fünf Tage vor den Wahlen, dauern. Möglicherweise eine neue Taktik, um die nationale Aufmerksamkeit wieder auf seinen Prozess zu lenken.

Sen. Fetterman in seiner unkonventionellen Dienstkleidung

Nicht nur Netanyahu befürchtet, bei den bevorstehenden Wahlen eine Niederlage zu erleiden, sondern auch Trump. Der sieht aufgrund der Umfragewerte seine Felle bei den bevorstehenden Midterms eine Schlappe davonschwimmen. Je nach Ergebnis droht Trump, die Mehrheit im Senat zu verlieren, was es ihm erschwert, seine eigenwillige Politik ungehindert fortzuführen. In einer offenen Einladung an Sen. John Fetterman fordert Trump den Demokraten auf, ins republikanische Lager zu wechseln. «Ich würde ihn gerne als Republikaner sehen. Als Republikaner schneidet er besser ab als als Demokrat.» Fetterman war zu Beginn seiner Karriere unangefochtener Star der Demokraten. Mittlerweile hat er sich jedoch in seiner Haltung zu Israel und zur Einwanderung zunehmend von den Demokraten entfernt, sodass Spekulationen aufkamen, ob er die Partei wechseln könnte. Fetterman war zu keiner direkten Stellungnahme bereit, schrieb jedoch im Mai in der Washington Post: «Ich wäre ein «schrecklicher Republikaner, der immer noch überwiegend mit den Demokraten stimmt».

Flugreisende in Riyadh suchen Schutz ausserhalb des Flughafens

Nach den tödlichen Angriffen auf den internationalen Flughafen in Riyadh in der vergangenen Nacht wurde der Flugverkehr bis auf Weiteres eingestellt. Alle im Anflug befindlichen Flüge wurden umgeleitet. Die Schulen in Riyadh haben auf Fernunterricht umgestellt. Bei den Angriffen in den Nachtstunden wurden mindestens 12 Menschen getötet und mehr als 309 verletzt.  Die Angriffe erfolgten offenbar, ohne dass ein Alarm ausgelöst wurde. 

Die IDF eliminierte erneut einen Hamas-Terroristen, der massgeblich am Massaker vom 7. Oktober 2023 beteiligt war. Hisham Jamal Muhammad Abu Glala, Kommandant einer Einheit der Nukhba-Gruppe, wurde bereits in der vergangenen Woche bei einem gezielten Angriff in der Nähe von Khan Younis getötet. 

Gestern wurden drei Waffenlager der Hamas, ein Raketenwerfer und ein Spionagezentrum zerstört. Dieses befand sich in Gaza City und diente dazu, IDF-Stellungen in der Nähe zu erkunden. In den Waffenlagern befanden sich Raketen, Granaten, Kalashnikows, Scharfschützengewehre und andere militärische Ausrüstungsgegenstände,

Zwischen all den schrecklichen Nachrichten, die uns derzeit aus allen Winkeln der Erde überfluten, fand ich heute einen spannenden Bericht, den es kaum in nicht-israelischen Medien geben wird. Vor mehr als 2000 Jahren, zur Zeit, als König Herodes den zweiten Tempel umbaute, der im Jahr 70 CE von den Römern zerstört wurde, hatte Jerusalem je nach Hochrechnung zwischen 20.000 und 70.000 Einwohner. Und wuchs, und wuchs…. Viele Menschen brauchen viel Wasser. Und an dem fehlte es. Jerusalem, hoch oben in den Hügeln, hatte ein paar kleine Wadis, die manchmal wasserführend waren, und die Gihonquelle, die die Stadt über den Teich von Siloah mit Wasser versorgte. Doch das war viel zu wenig. 

Die israelische Antiquitätenbehörde (IAA) gab nun stolz bekannt, dass man südlich des Kibbutz Ramat Rahel 300 m eines mehr als 2.000 Jahre alten Aquädukts ausgegraben hat. Das Wasser floss aus dem „Salomon-Teich“ im südlichen Hügelgebiet von Gush Etzion bis zum Tempelberg. Dr. Benyamin Storchan und Gil Fried, die Archäologen der IAA, die die Ausgrabungen leiteten, beschrieben den Fund wie folgt: «Das untere Aquädukt von Jerusalem war ein beeindruckendes Ingenieurprojekt, das offenbar während der Herrschaft der hasmonäischen Könige (ca. 104 bis 37 BCE) erbaut wurde, um Jerusalem mit Wasser zu versorgen. Es war so gut konzipiert, dass es über verschiedene Epochen hinweg immer wieder genutzt wurde, bis vor etwa 100 Jahren.» Insgesamt war das Aquädukt etwa 21 km lang und so angelegt, dass das Wasser allein durch die Schwerkraft durch Keramikröhren floss. In regelmässigen Abständen wurden Inspektionsstellen eingerichtet, um Schäden und Verstopfungen schnell zu beseitigen. Die Keramikröhren wurden vor etwa 500 Jahren verlegt. 

Die IAA wird die Überreste als festen Bestandteil der neuen Stadtarchitektur erhalten.

Netanyahu – Backup / Teil III des Interviews mit Avi Gil

Nachdem Gil von den Manipulationen durch Braverman erfahren hatte, verfasste er eine handschriftliche Notiz an die GStA, um sie, wie er sagt, «auf den neuesten Stand zu bringen. Es war mir wichtig, dies schriftlich festzuhalten, um späteren falschen Behauptungen entgegenzuwirken», sagte er. «Das ist Fälschung.» Ob es weitere Fälschungen dieser Art gegeben hat, konnte Gil nicht sagen, räumte aber ein, eine Änderung an einem Protokoll gesehen zu haben.

Sein Rat für alle, die irgendwann, hoffentlich in nicht allzu weiter Zeit, die Vorgänge untersuchen werden: «Lassen Sie sich ausschliesslich die schriftlichen Originalmitschriften und Mitschnitte vorlegen. Hören Sie sich an, was gesagt wurde.»

Den Grund für die Änderungen vermutet Gil darin, dass der Anschein erweckt werden sollte, hochrangige Beamte hätten im Voraus vom Angriff gewusst und die Informationen vor dem PM geheim gehalten. Solange, bis der Angriff schon in vollem Gange war. 

Zitat: «Sie beschreiben kriminelles Verhalten», wurde Gil von seinen Interviewern gesagt, «das dem Staat und seiner Sicherheit schadet.» Warum also, wurde er gefragt, ob von den Strafverfolgungsbehörden keine Anklagen erhoben würden? «Fragen Sie sie», antwortete er. «Ich kenne die Fakten. Und die Fakten sind unbestritten. Der Zeitpunkt des Anrufs wurde geändert. Oder besser gesagt: Es gab den Versuch, ihn zu ändern, denn wir haben es bemerkt. Das ist ein schwerwiegender Vorfall und die Tatsache ist, dass sie es nicht leugnen.»

Ein wesentlicher Teil des Interviews widmete sich der Frage, was Netanyahu im Vorfeld des Massakers bereits wusste und welche Warnungen führender Politiker der Region vorlagen. Netanyahu lehnte sämtliche Vorwürfe entschieden ab und versicherte, seine Sicherheitschefs hätten ihm im Gegenteil versichert, dass kein Krieg bevorstünde. 

Gil beteuerte gegenüber Kanal 12, dass in den Monaten vor dem Massaker wiederholt Warnungen hochrangiger Sicherheitsbeamter vorlagen, die jedoch vage blieben und keine konkreten Szenarien darstellten. 

«Wochenlang wurden Dokumente vorgelegt», sagte er. «Die Sicherheitsbehörden beschreiben eine Realität, in der unsere Feinde die Spaltung in der Gesellschaft erkennen, Schwachstellen ausnutzen und unsere Abschreckungskraft untergraben.»

Gil spricht hier von der Spaltung der Gesellschaft, die bis heute deutlich erkennbar ist und hauptsächlich auf dem Plan Netanyahus beruht, das israelische Justizsystem auszuhebeln und die Justiz der Politik unterzuordnen. 

Es geht dabei nicht um eine ‘Reform’, wie JM Yaariv Levin es immer beschreibt, sondern um eine grundsätzliche Zerstörung der dritten Säule eines demokratischen Staates. Dem Anfang vom Ende des demokratischen Staates Israel – der Beginn einer faschistisch geprägten Autokratie. 

Am 14. Juli auf dem Kinnereth, ohne Sonnenschutz und ohne Wasser…..

Am Sonntag, dem 15. Juli 2023, so erinnert sich Gil, hat er ein Telefonat zwischen dem damaligen Shin-Bet-Chef Ronen Bar und Netanyahu vermittelt. Bar hat damals offiziell «eine Kriegswarnung übermittelt.» Gil besuchte Netanyahu im Krankenhaus, in das er wegen Dehydrierung eingeliefert worden war, «um ihm drei Dinge zu übergeben – den Geheimdienstbericht des Wochenendes, einen persönlichen Brief des Stabschefs der IDF, um dessen Zustellung er am Vorabend der Gesetzgebung gebeten hatte, und um ein vertrauliches Telefongespräch mit dem Shin-Bet-Direktor zu arrangieren, das ich vermittelt habe.»

Ronen Bar hatte nach dem Gespräch, das eine konkrete Warnung enthielt, erwartet, dass Netanyahu umgehend weitere Gespräche einberufen würde. Das geschah nicht; Netanyahu reagierte nicht. Der damalige Chef der IDF Herzi Halevi und Verteidigungsminister Yoav Gallant schickten hochrangige Offiziere, um mit den MKs über die Warnsignale zu sprechen, doch auch hier fanden sie kein Gehör. «Hört ihnen wenigstens zu», sagte Gil zu ihnen. «Ihr müsst ihre Standpunkte nicht akzeptieren.»

Doch wieso es zu dieser Katastrophe kommen konnte, obwohl das gesamte Verteidigungssystem gewarnt war, musste er zugeben: «Das kolossale Versagen aller Hierarchien, und in erster Linie der Verteidigungsbehörden, ist unbestreitbar.» Doch er hielt auch fest, dass Netanyahu alles, was den Sicherheitsbehörden bekannt war, weitergegeben wurde. So hatte Ronen Bar darauf gedrängt, Hamas-Führer durch gezielte Angriffe zu eliminieren. Die Anträge, die u.a. Yahya Sinwar betrafen, wurden nicht genehmigt. 

Warnungen des ägyptischen Geheimdienstes und des Präsidenten der VAE kann Gil nicht bestätigen, aber «nicht alles, was im Büro des Ministerpräsidenten geschieht, erscheint im offiziellen Terminkalender». Bestätigen konnte er jedoch den Aufenthalt eines ägyptischen Privatflugzeugs auf dem Gelände von Ben-Gurion. «Diese Person, die Bescheid weiss, muss ausfindig gemacht werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es darum ging, ein Weihnachtsgeschenk zu überreichen.»



Kategorien:Israel, Politik

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