9. Cheshwan 5787
Es könnte durchaus sein, dass Netanyahu die Wahlen, die schon fast verloren schienen, doch noch gewinnt.

Der Grund hierfür ist eine Kombination aus seinen eigenen schamlosen Versuchen, die Geschichte umzuschreiben, der Unfähigkeit seiner Gegner, ihn für diesen schwärzesten aller Tage angemessen zur Rechenschaft zu ziehen, und vielem mehr – sowie vielleicht auch der sich wandelnden demografischen Entwicklung Israels. Zwei Wochen vor den Wahlen ist noch alles offen. So eng war es noch nie!
Am 7. Oktober war er der Mann, der die oberste Verantwortung trug, und zugleich der erste und oberste Mann, der seine Schuld nicht anerkannte und sein Amt nicht niederlegte. Er hat sich geweigert, irgendeine direkte Verantwortung für das schlimmste eintägige Massaker an Juden seit dem Holocaust anzuerkennen. Mit zunehmender Missachtung der Wahrheit hat er die Schuld auf seine eigenen Militär- und Sicherheitschefs abgewälzt. Ebenso hat er sich bisher konsequent geweigert, eine staatliche Untersuchungskommission einzusetzen, die jede noch so kleine Verfehlung untersuchen und bewerten wird.
Wer sich schlaumachen möchte, welche 37 Parteien sich zur Wahl stellen und mit welchem Wahlzettel man ihnen seine Stimme gibt, findet hier alle Informationen.

Benny Gantz hat mitgeteilt, dass er sich mit seiner Partei ‘Kachol Lavan’ (Blau-Weiss) von der Wahl zurückzieht. Anlässlich einer Pressekonferenz erklärte er: «Ich werde weiterhin für die Einheit Israels kämpfen. Nur so kann eine weitere Katastrophe verhindert und Israel angesichts aller Herausforderungen bewahrt werden.» Die Wahlzettel der Partei werden in den Wahlkabinen noch ausliegen; wer sie wählt, gibt aber eine Stimme für die Verschwendung ab.

Familien von Geiseln, von denen nur die sterblichen Überreste nach Israel zurückgebracht wurden, verlangen, dass Netanyahu und seine Likud-Partei sie nicht als Wahl-PR missbrauchen. «Wenn du auch nur noch einen Hauch von Menschlichkeit in dir hast, höre auf, unsere geliebten Menschen als Wahl-PR zu missbrauchen. Du hast alle Geiseln zurückgebracht? Du hast unsere geliebten Menschen nicht zurückgebracht. Du hast ihre Leichen in Särgen zurückgebracht.» Sie klagen an: «Jedes Mal, wenn Du diesen Satz wiederholst, verwischst du den schrecklichen Unterschied zwischen denen, die lebend zu ihren Familien zurückgekehrt sind, und denen, die diese Chance nie hatten», fügen sie hinzu. «Du versuchst, den Tod unserer Angehörigen in eine politische Erfolgsgeschichte zu verwandeln. Aber sie hätten gar nicht erst entführt werden dürfen.» 17 der 40 betroffenen Familien haben den Brief unterschrieben. Sie erklären scharf: «Wenn Du nicht in der Lage bist, Verantwortung für den Tod unserer Angehörigen zu übernehmen, dann versuche zumindest nicht, aus ihren Gräbern politisches Kapital zu schlagen. Nutze ihren Tod nicht, um die Öffentlichkeit um eine weitere Amtszeit zu bitten.»

Nachdem heute, am 20.10., erneut 50 Haredim, Mitglieder der Lubavitcher, bei ihrer Rückkehr aus den USA am Flughafen wegen Wehrdienstverweigerung festgenommen wurden, sah sich Netanyahu in der Lage, daraus politisches Kapital zu schlagen. In einem Interview mit dem haredischen Sender ‘Kol Berama’ verurteilte er die Verhaftungen von Wehrdienstverweigerern. «Wir müssen die Welt der Torah bewahren, denn sie hat uns bewahrt. Diese Verhaftungen sind ein gezielter Versuch, den Prozess der Einberufung von Haredim ohne Zwang zu behindern.» Andererseits solle jeder, der nicht in einer Jeschiwa studiert, sich für den Dienst bei der IDF melden. Er lügt, wenn er behauptet, das neue Wehrdienstgesetz sei nur um eine Stimme gescheitert. So ein Abstimmungsergebnis ist nicht dokumentiert! «Es kann in der nächsten Legislaturperiode verabschiedet werden und wird das Verhältnis zwischen Haredim und säkularen Israelis für Generationen regeln», fügt er hinzu. «Es ist ein Gesetz, das sowohl die Welt der Torah bewahrt, die ich sehr respektiere, als auch die erneute Verteilung der Last gewährleistet.» Die schönen Worte des absolut säkularen PM sind nichts anderes als der letzte Versuch, sich die Stimmen der Orthodoxen zu sichern, die er braucht, um überhaupt in die Nähe einer koalitionsfähigen Mandatszahl zu kommen. Nach den Umfragen ist er davon weit entfernt.


Am Wochenende hatten jüdische Siedler-Terroristen nicht nur Palästinenser daran gehindert, ihre Olivenbäume zu ernten, sondern auch die Fotojournalistin der Washington Post, Heidi Levine, angegriffen und verletzt. Einen Tag später, am Samstag, griffen sie in der Nähe von Taybeh europäische Diplomaten an. Heute teilte die Polizei mit, zehn israelische Verdächtige festgenommen zu haben, die im Verdacht stehen, an den Angriffen beteiligt gewesen zu sein. Rabbi Dov Lior, das geistige Oberhaupt der radikalen Mitglieder des Religious Zionismus, schrieb, dass es Juden gestattet ist, Olivenbäume auf palästinensischem Grund zu ernten, zu dem die Eigentümer aufgrund von Verboten der Sicherheitsdienste keinen Zugang hätten, und zwar auf jedem beliebigen Grundstück, «um der Öffentlichkeit unser Eigentumsrecht an dem Land zu demonstrieren und damit das [religiöse] Gebot der Eroberung des Landes zu erfüllen». Die NGO Rabbis for Human Rights legte eine formelle Beschwerde ein und betonte: «Das Land anderer zu betreten und ihre Ernte unter Verletzung des Gesetzes an sich zu nehmen – das ist nicht das, was Gott in diesem Land von uns erwartet.»
https://twitter.com/manniefabian/status/2112056234438267256/video/1
Das ’World Food Programme’ der UN hat mitgeteilt, per Ende des Monats seine Hilfe in Gaza zu reduzieren. Shaun Hughes, der für Gaza zuständige Leiter, erklärt, dass ab dann mehr als 500.000 Menschen keine Hilfe mehr von ihm erhalten. Der Grund: die fehlende Finanzierung.
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