Wochenabschnitt: Wa’era, Ex. 6:2 – 9:35

ב“ה

27./28. Tevet 5782                                             31. Dez. 21 /1. Jan. 2022  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                             16:06

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        17:26

Shabbateingang in Zürich:                                                                16:27

Shabbatausgang in Zürich:                                                               17:38

Shabbateingang in Wien:                                                                  15:52

Shabbatausgang in Wien:                                                                 17:04

Alles hatte doch so vielversprechend angefangen. Moses hatte sich bei Gott beschwert, dass die Arbeitsbedingungen für seine Brüder immer härter geworden waren. Und Gott hatte reagiert. Darüber haben wir im letzten Wochenabschnitt (Ex 5:7 – 9) gelesen.

In diesem Wochenabschnitt verspricht Ihnen Gott die Rettung gleich vierfach (Ex 6:6-8):“Sagt den Kindern Israel, ich bin euer Gott und ich werde euch aus der Knechtschaft der Ägypter befreien. Ich werde euch von der Last erlösen und euch mit starkem Arm und grossen Taten retten. Ich werde euch zu meinem Volk machen und werde euch Gott sein. Ihr sollt erkennen, dass ich der Herr, euer Gott bin, der euch aus der Last der Ägypter hinausgeführt hat. Ich werde euch in das Land bringen, dass ich Abraham, Isaac und Jakov versprochen habe. Ich werde es euch als mein Erbe geben, denn ich bin euer Herr.“

Erinnern wir uns. Am Sederabend, dem ersten Abend des Pessachfestes, trinken wir vier Gläser Wein. An diesem Abend erinnern wir uns des Auszuges aus Ägypten und damit verbunden dem Beginn der 40-jährigen Wüstenwanderung, an deren Ende sich die Prophezeiung erfüllen wird. 

Nicht nur, dass die Kinder Israels aus der Sklaverei bei den Ägyptern gerettet werden würden, mehr als das, Gott stellte auch eine enge geistige Bindung zu ihnen in Aussicht. „Ich werde es euch als mein Erbe geben, denn ich bin euer Herr.“

Doch oje, Moses hat es wirklich schwer mit den Kindern Israel! Egal, was er ihnen im Namen Gottes sagt, sie hören ihm nicht zu, sie glauben ihm nicht und stattdessen jammern sie. Sie jammern tagein, tagaus über ihr schweres Los, an dem sie fast verzweifeln. Auch Moses beginnt zu verzweifeln. „Wie sollte mir den Pharao zuhören, wenn es noch nicht einmal mein eigenes Volk tut? Noch dazu, wenn doch meine Stimme stockend ist!“ (Ex 6:12) Gott hat immer noch eine Riesengeduld mit seinem Volk und schickt Moses und Aaron zu Pharao, um ihn zu bewegen, die Kinder Israel ziehen zu lassen. Gott hält an seinem Auftrag fest, Moses und sein Bruder sollen die Israeliten führen. Gott hat offensichtlich volles Vertrauen in die beiden Brüder, denn in Ex 7:1 lesen wir „Siehe, ich habe dich Pharao gegen über zu meiner Stimme gemacht und deinen Bruder Aron zu deinem Propheten.“ Offensichtlich ist ihm klar, dass es schwer werden wird, den uneinsichtigen Pharao zu überzeugen und so hält er verschiedene, heute würde man sagen, imposante Taschenspielereien, bereit, um ihn schlussendlich doch zu überzeugen. Doch nichts hilft. Weder der Stab, der zu einer Schlange wird, noch der Nil, der sich in Blut wandelt. Noch die Froschplage, die über das Land kam, noch die Stechmücken, die die Ägypter fast umbrachten. Noch das Ungeziefer, das alles zerfrass was den Ägyptern an Nahrung diente. Auch die Viehpest, die schwarze Pest, weder Hagel noch Heuschrecken, weder die Finsternis noch der Tod der Erstgeborenen konnte Pharao umstimmen. Pharao schien nachzugeben, doch kaum war die Gefahr gebannt, zog er seine Zusagen, die Israeliten ziehen zu lassen, wieder zurück. Moses und Aaron, beide schon nicht mehr die allerjüngsten, wussten nicht mehr, was sie tun sollten. Gott aber gab ihnen ein Zeichen eine Anwesenheit und Hilfe. Das Gebiet um Goschen, in dem die Israeliten siedelten, blieb verschont von allen Plagen. 

Wir treffen hier auf eine irritierende Situation. 

Gott, der doch alle Macht hätte, seinen Willen durchzusetzen, beauftragt stattdessen Moses und Aaron für ihn das Sprachrohr bei Pharao zu sein. Warum tut er das? 

Es gibt nur eine sinnvolle Erklärung. Gott spürt, dass sein Volk noch nicht bereit ist, sich „freiwillig“ in seine liebevollen Hände zu geben und sich von ihm führen zu lassen. Das Volk hat sich zu sehr an die Fleischtöpfe Ägyptens gewöhnt und der Leidensdruck ist offensichtlich noch immer nicht hoch genug. Auch in den kommenden Jahren wird es immer wieder zu solchen Situationen kommen, wo das Volk murrt und fragt, warum es in der Wüste leiden muss, wo es doch in Ägypten „alles viel besser“ war.

Kommt uns das bekannt vor? Die Kinder Israels benehmen sich gerade so, wie es Tausende von Jahren später die Israelis tun werden. Autoritäten werden als existierendes Übel angesehen, über das man jammern kann, aber auf das man nicht unbedingt hören muss. Immerhin weiss man selbst doch alles viel besser…… Auch gerade jetzt, zur Zeit der beginnenden 5. Welle der Corona Pandemie lässt sich das Phänomen wieder beobachten. Ob die Ratschläge der Ärzte, der Politiker oder der Wissenschaftler hilfreich sind, ob damit die Pandemie eingegrenzt werden könnte, in Israel geht damit jeder höchst individuell um. 

Shabbat Shalom und ein gesundes bürgerliches Neues Jahr 2022!



Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Religion

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