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9./10. Tammmus 5782 8./9. Juli 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 19:08
Shabbatausgang in Jerusalem: 20:29
Shabbateingang in Zürich: 21:06
Shabbatausgang in Zürich: 22:23
Shabbateingang in Wien: 20:38
Shabbatausgang in Wien: 21:57

Zwar kündigt Gott zu Beginn des Textes „das Gesetz der Torah“ an חֻקַּת הַתּוֹרָה, aber dann folgt die Schilderung des Schicksals der «Roten Kuh» (Num 19:1 – 10). Die Asche der verbrannten Kuh ist die Grundlage zum «Reinigungswasser». Mit Hilfe dieses Wassers soll sich derjenige entsündigen, der durch den Kontakt mit einem Toten unrein wurde.
Immer wieder stellt sich die Frage, wie viele «Rote Kühe» braucht es, um eine so gewaltig grosse Menschenmenge, wie sie die Kinder Israels entsprechend der Zählungen mittlerweile ist, in den Genuss der Reinigung kommen zu lassen? Und welche Menge Wasser braucht es, nur wenige symbolische Tropfen, oder muss der Betroffene darin baden? Diese Fragen werden nicht beantwortet, das Mysterium der «Roten Kuh» wird für immer eines bleiben. Die Strafe aber für die Nichtbeachtung dieses «Gesetzes» ist dramatisch, wer sich nicht daran hält, wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.
In diesem Wochenabschnitt sterben zwei der ältesten Begleiter von Moses. Seine Schwester Mirijam und sein Bruder Aaron.
Mirijam verstirbt in einem Ort namens Kadesch, der sprachlich seine Wurzeln im Wort קָדֵשׁ, heilig hat.Kadesch liegt in der Wüste Zin, einer Steinwüste im Negev. Der Zin Fluss das grösste Trockenwadi der ganzen Wüste. Er führt nur sehr selten Wasser. Schaut man heute vom Rand des Machtesch Ramon Kraters in die Tiefe, so kann man klar den ehemals mäandernden Lauf des Flusses erkennen.
Nur selten, wenn sich durch regenreiche Winter genügend Wasser in den umliegenden Bergen angesammelt hat, kann es zu einer plötzlichen Springflut kommen. War es das Phänomen, was Moses und seine Begleiter erlebten? Sie beklagten sich wieder einmal bei ihm, dass sie durstig seien und weit und breit kein Wasser in Sicht.
Wiederum hilft Gott. Er fordert Moses und seinen Bruder auf, alle zu versammeln und gut sichtbar für alle einen bestimmten Felsen aufzufordern, Wasser sprudeln zu lassen. Genug für alle, für Menschen und Tiere, wie es Gott versprach.
Nun ja, nach all den Querelen den ungläubigen und quengelnden Menschen lagen wohl die Nerven von Moses etwas blank. Statt mit dem Felsen zu sprechen, drosch er zweimal heftig mit seinem Stock auf ihn ein. Zwar floss Wasser in grosser Menge, aber Moses und Aaron hatten den Zorn Gottes erweckt. Sie sollte, so seine Strafe für sie, das Volk nicht in das gelobte Land führen. Das sollten andere für sie machen.
Kurz darauf verstarb auch Aaron. Er wurde von allen, die ihn gekannt hatten lange Zeit betrauert.
Nach einer weiteren Wanderung, die sich über einige Zeit hinzog, lagerte das Volk an einem Ort, den Gott dem Moses benannt hatte. In «Be’er», Brunnen sollte er wiederum alle Menschen versammeln, damit Gott ihnen ausreichend Wasser geben konnte. Dort lesen wir von einem Lied, das von den Kindern Israel angestimmt wurde «Steige auf Brunnen!» (Num 21:17). Nur die Kinder Israel stimmen das Lied an, nicht Moses. Ganz anders als im ersten grossen Lied, dem Lied des Meeres, das wir im 2. Buch Moses 15:1-18 gelesen habe, wo wir lesen «Damals sang Moses mit den Kindern Israel dem Ewigen.» Sowohl die Musik als auch der Text sind prädestiniert dazu, das Lied zu einem, heute würde man sagen «Gassenhauer» zu machen. Ein Lied voller Kraft, voller Stolz. Das Lied, das wir heute lesen, bleibt unverständlich. Der Text ist zu kurz, um etwas hineininterpretieren zu können.
Die Bedeutung von Wasser ist in der Torah und im menschlichen Leben von grösster Bedeutung.
Gleich zu Beginn, im zweiten Vers Gen 1:2 lesen wir «Gottes Geist schwebte über dem Wasser». Erst dann schied Gott Licht von Finsternis. Moses wurde im Wasser ausgesetzt und aus diesem gerettet. Die Kinder Israel flohen durch das sich teilende Meer. Mirijam die Prophetin sang nach der Durchquerung des Schilfmeeres (Ex 15:21) das einzige in der Torah von Frauen gesungene Lied «Singt dem Herrn ein Lied, denn er ist gross und erhaben. Ross und Wagen liess er im Meer untergehen!»
Vergessen wir auch nicht die grosse Flut, mit der Gott die erste Generation von Menschen bis auf die Familie von Noah auslöschte.
Es gab während der Wüstenwanderung immer wieder Diskussionen um fehlendes Wasser. Schon in Ex 17:6 gewährte Gott den Kindern Israels die notwendige Menge an trinkbarem Nass. Damals sollte er auf den Felsen schlagen, um das Wasser zum Fliessen zu bringen
In diesem Wochenabschnitt geschieht zweierlei. Es zum einen die nicht nachvollziehbare Vorschrift mit dem Reinigungswasser. Und es gibt das Wunder, das Moses durch reines Ansprechen des Felsens eine grosse Flut hätte auslösen können. Jedoch, er schlägt, wie schon vor Wochen nochmals auf den Felsen ein. Gott straft nicht die durstigen Kinder, sondern den ungehorsamen Moses.
Was lehrt uns diese Erfahrung? Wir müssen uns manchmal in unseren spontanen Reaktionen zurücknehmen. Das fällt schwer, denn Geduld und blindes Vertrauen gehört nicht immer unbedingt zum Repertoire des menschlichen Verhaltens.
Shabbat Shalom!
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