17. Elul 5782
Wahlkampf 2022:
Mit Speck fängt man Mäuse und mit Mäusen fängt man die haredische Gesellschaft. Mäuse, in der Umgangssprache auch für «Geld» genutzt. Von wo leitete sich dieser Begriff ab? Ma’ot entsprach dem aramäischen Begriff für Münzen. Aschkenasim sprachen dieses Wort wie «ma’os» aus, woraus schnell «Maus» wurde und sich im Umgangssprachlichen erhalten hat. In diesem Fall geht es um Geld, viel Geld, mit dem MK Netanyahu seinen Wahlkampf in die für ihn richtige Richtung lenken will.
So stimmte er wieder einmal zu, die ultraorthodoxen Schulen nach wie vor staatlich zu finanzieren, auch wenn sie keinesfalls den Standards entsprechen und die üblichen Kernfächer nicht unterrichten. Mit diesen Shticks und Tricks schaffte er es erneut, dass sich die beiden Haredi Parteien «Degel haTorah» und «Agudat Israel» wieder zur Wahlplattform «Vereinigtes Torah Judentum» zusammenschliessen. Jede für sich würde es kaum schaffen, die notwendigen 3.25 % der Wählerstimmen zu erreichen, um in die Knesset einzuziehen. Er braucht ihre Stimmen aber, um darauf hoffen zu dürfen, doch noch 61 Plätze und damit eine regierungsfähige Mehrheit zu gewinnen.
Die beiden Parteien hatten sich getrennt, nachdem «Agudat Israel» zugestimmt hatte, weltliche Fächer in das Curriculum aufzunehmen, um staatliche Förderungen zu erhalten. MK Moshe Gafni, der Führer der Wahlplattform empfindet die staatliche Einmischung in ihren religiösen Lehrplan als « ungerechtfertigte Diskriminierung».
Mit seinem Zugeständnis trägt MK Netanyahu dazu bei, dass sie Schüler dieser Schulen auf Grund ihrer fehlenden formalen Bildung kaum in den regulären Arbeitsprozess eingegliedert werden können und auch zu keiner weiteren Schulbildung geeignet sind. Bildungsministerin Yifat Shasha-Biton meinte dazu: « Netanyahu ist bereit, diese Kinder und die Zukunft des Landes für seine politischen Interessen zu verkaufen.»
MK Bezalel Smotrich, rechtsextremer Vorsitzender der ultranationalistischen Partei «Religiöser Zionismus» warnte vor «Tausenden bewaffneten Aufständischen» aus dem arabischen Sektor, die das grösste Sicherheitsproblem für Israel darstellen würden.
Deshalb fordere er, dass die arabischen Parteien aus dem Wahlkampf und von der Beteiligung an der Politik ausgeschlossen werden müssten. «Dass die Bedrohung durch nationalistische Elemente unter arabischen Israelis bestehe, sei ein realistischeres Szenario denn je.»
Seitens der arabischen Parteien kamen sofort die berechtigten Vorwürfe, dass MK Smotrich «ein rassistischer Jude sei.» Dieser entgegnete «Die von Mansour Abbas in der alten und bekannten Methode der islamischen Bewegung angeführten Verschleierungsbemühungen tarnen den radikalen, extremistischen islamistischen Nationalismus, der danach strebt, den Staat Israel zu zerstören und ihn durch ein großes islamisches Kalifat zu ersetzen».
Durchaus gemässigt kam die Antwort von MK Aida Touma-Sliman von der vereinten arabischen Liste: «Die wirkliche Gefahr für die Demokratie sind rassistische jüdische Rassisten wie Smotrich und seine Parteikollegen, die wegen Gewalt und Anstiftung zum Terrorismus verurteilt wurden.»
Diesen Worten kann ich mich nur anschliessen und hoffe, dass diese rechtsextremen Parteien so wenig Zusprache durch die Wählerschaft erhalten, dass sie von selbst aus der politischen Landschaft verschwinden.
Die derzeitige Innenministerin Ayelet Shaked hat zurückgefunden zu dem Mann, dem, wie sie theatralisch sagte «ihr Herz gehört». Wie könnte es anders sein, der Mann ihrer Sehnsucht ist MK Netanyahu. Mit ihm verbindet sie eine jahrelange on-off-Beziehung, mal liebten sie sich, mal hassten sie sich.
Allein wird sie es nicht schaffen, die magischen 3.25 % zu überspringen. Nach einer kurzen Liason mit MK Yoaz Hendl, die in einer neuen Partei, «Spirit of Zionism» gipfelte verabschiedete sich sie sich wieder. Ihre neue Heimat fand sie bei der orthodoxen rechten Partei «Jewish Home». Shaked äusserte sich auch bereits für die Zeit nach der Wahl. «Ich werde dem Präsidenten MK Netanyahu als PM vorschlagen.» In der Wahlplattform wird sie als Listenerste auftreten.
«Ich lag falsch, als ich mich darauf eingelassen haben, mich einer Mitte-Links Partei anzuschliessen. Jetzt bin ich wieder dahin zurückgekehrt, wo mein Herz schlägt. Ich bin glücklich, dass wir einen Platz für den rechten religiösen Zionismus in Israel gebildet haben. Wir werden gemeinsam daran arbeiten, eine stabile rechte Koalition zu bilden.»
Wer Shaked kennt, weiss, dass sie ihr Fähnchen ungeniert überall hinhängen wird, von wo ihr das attraktivere Angebot gemacht wird. Noch ist also nicht alles Wasser den Yarkon hinuntergeflossen!
Illegale Einwanderung:
Ein israelischer Busfahrer war ohne Fahrerlaubnis unterwegs, als er im Zuge einer gezielten Personenkontrolle angehalten wurde. Dabei hat die Polizei drei Männer verhaftet, die Palästinenser ohne gültige Papiere gewerblich nach Israel schleusten.
Gleichzeitig erhielt die Grenzpolizei auch den Hinweis auf einen speziellen Bus, der aus Samaria kommend nach Israel einreisen wollte. Unter der Bodenabdeckung fanden sie einen Hohlraum, in dem 17 Palästinenser, alle ohne Papiere nach Israel geschmuggelt werden sollten.
Geschichte:
Eine nahezu 2.000 Jahre alte Münze aus der Zeit des Jüdischen Aufstandes von 66 bis 73 CE im Wert von ¼ Schekel wurde an Vertreter der Antiquitätenbehörde zurückgegeben. Die Münze war im Jahr 2002 von Amerikanern entwendet und widerrechtlich in die USA exportiert worden.
Die Übergabe fand im Büro des Bezirksanwalts von Manhattan statt. An der Zeremonie nahm der Direktor der Israelischen Antiquitätenbehörde, sowie der Generalkonsul von Israel in New York, Asaf Zamir, sowie der israelische Botschafter bei der UNO, Gilad Erdan teil.
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