Lech Lecha, Gen. 12:1 – 17:27

ב“ה

10./11. Cheshwan 5783                                                      4./5. Nov 2022  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                               16:07

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                             17:24

Shabbateingang in Zürich:                                                                  16:47

Shabbatausgang in Zürich:                                                                 17:51

Shabbateingang in Wien:                                                                    16:13

Shabbatausgang in Wien:                                                                  17:18

לֶךְ-לְךָ מֵאַרְצְךָ lech lecha mi haaretz lesen wir im ersten Absatz des heutigen Wochenabschnittes. „Ziehe weg aus dem Land“, so lautet die klare Anweisung von Gott an Abram. „Ziehe fort, lasse alles hinter dir, deine Heimat und deine Freunde.“ Abram war, das wissen wir aus dem letzten Wochenabschnitt, verheiratet mit Sarai, die als unfruchtbar gilt. 

Terach, sein Vater, war mit ihnen, sowie mit seinem Enkel Lot, dem Sohn seines zweiten Sohnes aus Ur in Chaldäa, dem südlichen Mesopotamien ausgewandert, um sich in Kanaan anzusiedeln. Auf halbem Weg verstirbt Terach im Alter von 205 Jahren. 

Nachdem Gott Abram aufgefordert hatte, sein Land zu verlassen, machte er sich mit Sarai, seinem Neffen Lot und all seinem Habe auf den Weg, um Gottes Aufforderung zu erfüllen. 75 Jahre war er alt. Dies war die erste Prüfung, die Gott Abram auferlegte, und er bestand sie, in dem er der Aufforderung, ohne zu zögern Folge leistete. Insgesamt wird er von Gott zehnmal geprüft werden. In der Mischna, Pirkei Avot, Kap. 5:4 steht zu lesen: „In zehn Prüfungen wurde Avraham erprobt, und er bestand sie alle, zu zeigen, wie gross unseres Vaters Abrahams Liebe zu Gott war.“

An dieser Stelle hören wir auch die erste grosse Prophezeiung, die Gott ausspricht „Ich werde dich zu einem grossen Volk machen, dich segnen und deinen Namen gross machen. Ein Segen sollst du sein.“ Wie muss dies in den Ohren Abrams geklungen haben?? Wie sollte er der Stammvater eines grossen Volkes werden, wo er doch schon 75 Jahre alt war und seine Frau Sarai keine Kinder empfangen konnte? Empfand er es als Hohn? Oder fürchtete er sich, was in der Fremde auf ihn zukommen würde? Nein, Abram vertraute auf das Wort Gottes und hinterfragte es nicht. 

Als eine Hungersnot ausbrach, zog er mit den Seinen weiter nach Ägypten, in jenes Land, das Generationen später ein Schicksalsort für sein Volk werden sollte. Dort muss sich Abram einer schweren Prüfung unterziehen. Um nicht Gefahr zu laufen, vom Pharao getötet zu werden, weil der Sarai, die eine schöne Frau gewesen sein muss, begehrte, gab er sie, mit Einverständnis Sarais, als seine Schwester aus. Pharao machte sie zu seiner Frau, wie immer wir dies hier auch interpretieren müssen. Auch das muss bitter für Abram und seine Frau gewesen sein. Doch Gott half ihnen. Er schlug Pharao mit schweren Krankheiten, die dieser auf die Anwesenheit von Abram zurückführte. Und ihn in der Folge aus seinem Land vertreiben liess. Zum Glück für Abram und seine Frau. Wiederum durfte er erfahren, dass Gott unverbrüchlich neben ihm stand, solange er sich seinen Anweisungen und Wünschen fügte. 

Seinen Weg hinaus aus seiner ursprünglichen Heimat kann man durchaus als Weg hinaus in eine unbekannte Zukunft bezeichnen. Abram ist unser erster Stammvater. Es wird ihm und seinen Nachkommen nicht gelingen, ein zusammenhängendes Stammesgebiet für das ihm prophezeite Volk zu sichern. Ab dem Augenblick, in dem Gott ihn aufforderte, seine Heimat zu verlassen, begann die jüdische Diaspora. Die Zerstreuung der Juden weltweit. Sie begann nicht erst mit der Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahre 70 CE, sondern sie begann bereits im dem Augenblick, in dem der Grundstein für das jüdische Volk gelegt wurde. 

Erst mit der Staatsgründung im Jahr 1948 gelang es wieder, ein gemeinsames Heimatland für alle Juden, die dort leben wollen, zu schaffen. Das moderne Israel, das sich zu einem lebendigen und demokratischen Staat entwickeln konnte. Unabhängig davon, wie viele benachbarte Völker diesen Staat immer wieder bedrohten. Die Geschichte hat sich immer wieder wiederholt. Es gab Kriege, es gab Siege, es gab Verluste, es gab Hoffnung und es gab Verzweiflung. Doch immer stand das kleine Volk stolz und unbeugsam in seinem Glauben an Gottes Verheissung auf. 

Bisher haben wir es geschafft, alle Bedrohungen zu bekämpfen. Jetzt hat sich eine politische Situation ergeben, die uns vielleicht seit der Staatsgründung vor die grösste Herausforderung stellt. 

Gott hat Abram das Land gezeigt und ihm nochmals versprochen, es ihm und seinen Nachfahren zu Eigen zu geben. In diesem Augenblick zweifelt Abram „Herr, mein Herr, woran soll ich erkennen, dass ich es zu Eigen bekomme?“ Gott liess ihn einschlafen und sagte ihm im Traum „Deine Nachkommen werden als Fremde in einem Land wohnen, das ihnen nicht gehört. Sie werden dort als Sklaven dienen und man wird sie vierhundert Jahre lang hart behandeln. Aber auch über das Volk, dem sie als Sklaven dienen, werde ich Gericht halten und nachher werden sie mit reicher Habe ausziehen. (…) Erst die vierte Generation wird hierher zurückkehren; (…).“

Aber Gott verspricht auch, dass er immer an der Seite Avrams und seiner Nachkommen sein wird. Nach der Geburt Ismaels verspricht er ihm „Ich will einen Bund stiften zwischen mir und dir und dich sehr zahlreich machen. (…) Das ist mein Bund mit dir: Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern.“ Er gibt Avram einen neuen Namen, Abraham, Vater von Vielen und ändert auch den Namen von Sarai auf Sarah.

Das grösste aller Wunder aber steht Abraham und Sarah noch bevor: in Jahresfrist, so verspricht ihnen Gott, werden sie einen gemeinsamen Sohn, Isaak haben, der in den Bund mit Gott eintreten wird. 

Wir können jetzt schon, noch ziemlich am Beginn der Torah erkennen, wie voll mit Leben angefüllt sie ist. Jeder Abschnitt lehrt uns etwas Neues, auch wenn wir ihn in jedem Jahr erneut lesen. Und immer wieder wird klar, wie viele Parallelen wir zwischen der Anfangszeit des jüdischen Volkes und der heutigen Zeit finden können. Wenn wir nur genau genau hinschauen!

Shabbat Shalom!



Kategorien:Religion

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1 Antwort

  1. Wir müssen den Traum
    im Drama der Seele
    jeden Tag lesen
    und neu verstehen.

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