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29./30. Kislev 5783 23./24.Dez 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 16:00
Shabbatausgang in Jerusalem: 17:21
Shabbateingang in Zürich: 16:21
Shabbatausgang in Zürich: 17:32
Shabbateingang in Wien: 15:46
Shabbatausgang in Wien: 16:58
Josef lebt weiterhin im Gefängnis des Pharaos. Zwar macht ihm der Kerkermeister das Leben so einfach wie möglich, aber die Welt draussen hat ihn offensichtlich vergessen.

Bis eines Nachts der Pharao von Gott mit zwei Träumen beschenkt wird. Ich sage beschenkt, weil unsere Träume uns ganz viel erzählen, wenn wir sie nur richtig verstehen können. Und dabei hapert es beim ägyptischen Herrscher. Auch keiner seiner Traumdeuter, die er herbeirufen lässt, können sie für ihn interpretieren. Oder sie wollen es einfach nicht, denn was der Pharao im Traum gesehen hat, ist nichts wirklich Angenehmes für das Land. Von sieben fetten Kühen ist die Rede und von sieben mageren Kühen, die die fetten Kühe auffressen. Von sieben prallen Ähren hat er geträumt und von sieben vertrockneten, die die prallen verschlingen.
Da erinnerte sich der Mundschenk, der dank Josefs Traumdeutung aus dem Gefängnis freigekommen und wieder in sein Amt eingesetzt worden war, des jungen Mannes und er empfahl dem Pharao ihn holen zu lassen.
Für Josef waren die Träume klar. Auf sieben gute, fette Jahre würden sieben magere folgen, die für das gesamte Land eine grosse Hungersnot bringen würden. Weil er wusste, dass solche Träume von Gott sehr bald in die Realität umgesetzt werden würden, riet er dem Pharao, sich und sein Land, sowie alle Menschen und Tiere darauf vorzubereiten und entsprechende Lager anzulegen.
Die selbstbewusste und doch unaufdringliche Art von Josef beeindruckte den Potentaten. Er zögerte nicht lange und machte Josef neben ihm zum Herrn über das ganze Land. Josef war nun ein erwachsener Mann von 30 Jahren geworden und bereiste das ganze Land, um die Umsetzung seiner Anweisungen zu überprüfen.
Der Pharao hatte ihm auch eine Ehefrau, Asenat, die Tochter eines Priesters, gegeben, die ihm zwei Söhne, Menasche und Efraim schenkte.
Die Zeit des Überflusses ging vorüber und der grosse Hunger begann. Nicht nur die Ägypter wurden aus den Lagern bedient, nein, es kamen auch Menschen aus den umliegenden Staaten, die vom Überfluss im Land am Nil gehört hatten und für sich einkaufen wollten.
Es war Gottes Plan, dass auch Josefs Familie sich auf den Weg nach Süden machte, um ihre Lager dort auffüllen zu lassen. Benjamin, der jüngste Sohn, musste zu Hause bei Vater Jakob bleiben. Auch das lag in Gottes Plan, denn er sollte noch eine massgebliche Rolle spielen. Aus dem Kind Josef war ein Mann geworden, seine Brüder erkannten ihn, noch dazu, weil er nach ägyptischer Mode gekleidet war, nicht. Und, um nicht aufzufallen, bediente er sich eines Dolmetschers.
Josef will es ihnen nicht so einfach machen. Er weiss, dass Benjamin nicht bei ihnen ist und nutzt dies, um sie auf die Probe zu stellen. Er wirft ihnen vor, Spione zu sein, die das Land nach Schwachstellen auskundschaften sollten, um es anschliessend zu überfallen und auszuplündern. Er schickt sie mit dem Getreide, das sie gekauft hatten, heim zum Vater, behält aber einen der Brüder, Simon, als Geisel zurück. Erst dann, wenn auch der kleine Bruder vor ihm stehen würde, könne er sie vom Verdacht der Spionage freisprechen.
In ihre Säcke liess er zum Getreide auch das Geld legen, mit dem sie ihn gezahlt hatten. Wieder daheim angekommen, entdeckten sie, dass in jedem der Getreidesäcke ein Geldbeutel steckte, und sie fürchteten sich. Die ganze Sache wurde ihnen langsam unheimlich und nun mussten sie auch noch den Vater überzeugen, ihnen den Kleinen anzuvertrauen. Sie erinnerten sich, was sie Josef angetan hatten, und fürchteten nun, dass Gott sich an ihnen dafür grausam rächen wollte.
Auch Jakob muss etwas geahnt haben. Zwar war seine Angst, auch noch seinen zweiten Lieblingssohn zu verlieren gross, aber er glaubte, sich durch wertvolle Geschenke, die er den Brüdern mitgab, und den doppelten Geldbetrag das Wohlwollen des ihm unbekannten Mannes erkaufen zu können.
Josef hatte schon auf die Rückkehr der Brüder gewartet, er liess sie in sein Haus führen und begrüsste sie herzlich. Auch Simon konnte sogleich zu ihnen zurückkehren. Aber immer noch gab er sich ihnen nicht zu erkennen.
Noch einmal wollte Josef sie prüfen. Die Säcke wurden gefüllt, wieder wurde das Gold zurückgelegt. Doch diesmal kam noch ein Becher hinzu, den er im Beutel des jüngsten Bruders verstecken liess.
Er schickte Männer hinter den nichtsahnenden Brüdern her und liess sie anhalten. Natürlich leugneten sie, etwas Unrechtes getan zu haben, aber der Schein sprach gegen sie. So wurden sie wieder zurückgeführt zu Josef. Er verlangte, Benjamin als seinen Sklaven zu behalten und liess die anderen Brüder heimziehen.
Was sagt uns dieser Wochenabschnitt? Josef war Gefahr gelaufen, der erste „verlore Sohn“ des Volkes Israel zu werden. In Ägypten fand er eine neue Heimat, gründete eine Familie und assimilierte sich wahrscheinlich völlig. Josef stellt die Integrationsfigur zwischen den beiden Völkern, den Ägyptern und den Israeliten dar.
Durch Gottes Willen reisten die Brüder mehrfach nach Ägypten, blieben schlussendlich sogar dort, nahmen ihren Aufenthalt in einem für sie a priori fremden Land, so wie Jakob vor ihnen in einem fremden Land gesiedelt hatte. Josef ist das Bindeglied zwischen den Kulturen und kann so den Grundstein legen, für eine Erfolgsgeschichte, die sich nach vielen Generationen manifestierte.
Wir feiern derzeit noch Chanukka, am Sonntagabend werden Juden in aller Welt die letzte Kerze an der Chanukkia anzünden. Es ist kein Zufall, dass Chanukka und der Wochenabschnitt Mikez immer zusammenfallen. In beiden Fällen leuchtet das Licht der Identität in der Dunkelheit.
Shabbat Shalom ve Chag Chanukka Sameach!
Kategorien:Religion
Ich sage beschenkt, weil unsere Träume uns ganz viel erzählen, wenn wir sie nur richtig verstehen können. So denke ich auch.
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