ב“ה
12./13. Shevat 5783 3./4.Februar.2023
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 16:35
Shabbatausgang in Jerusalem: 17:53
Shabbateingang in Zürich: 17:12
Shabbatausgang in Zürich: 18:20
Shabbateingang in Wien: 16:39
Shabbatausgang in Wien: 17:47

„Als er sie gehen liess“, so beginnt der Wochenabschnitt, den wir heute lesen. Endlich hat Pharao begriffen, dass es sinnlos ist, sich gegen Gott aufzulehnen. Nachdem alle erstgeborenen Kinder, mit Ausnahme der Kinder der Israeliten, getötet worden waren, hatte er Angst bekommen und die Kinder Israel gedrängt, das Land so schnell wie möglich zu verlassen.
Nun wäre es ein Einfaches gewesen, die Kinder Israel durch das Philisterland ziehen zu lassen, auf einem Weg, der sie schnell an das versprochene Ziel gebracht hätte. Doch Gott befürchtete, dass sie sich, wenn sie denn mit den dort herrschenden Unruhen konfrontiert würden, ganz schnell wieder zurückziehen und nach Ägypten zurückkehren würden.
Denn noch waren sie nichts anderes als eine grosse Zahl von gerade eben freigekommenen ehemaligen Sklaven. Sie hatten noch keine Überlebensstrategien entwickelt und zeigten auch noch keinerlei Selbstbewusstsein.
Gott führte sie mit Hilfe der beiden Säulen, die ihren Weg begleiteten. Tagsüber war es die Wolkensäule, in der Nacht die Feuersäule. Gott griff zu einer List, um den Pharao zu verwirren. Mit dem hatte er noch einen besonderen Plan.
Während die Kinder Israel sich glücklich, der Sklaverei entkommen zu sein, auf dem Weg nach Norden machten, liess Gott in Pharao den Wunsch reifen, seine ehemaligen Sklaven wieder einzufangen und erneut zu knechten. Mit seiner vollen Streitmacht jagte er hinter ihnen her. Das unvermeidliche Zusammentreffen fand am Ufer des Schilfmeeres statt.
Die Kinder Israel gerieten in Panik und beschimpften Moses, warum er sie quasi aufgewiegelt hätte, ihm in die Ungewissheit zu folgen. Ägypten schien ihnen auf einmal der sichere Hafen, den sie wieder aufsuchen wollten. Kinder verstecken sich, angesichts einer drohenden, echten oder auch nur vermuteten Gefahr hinter ihren Händen im sicheren Glauben, dass man sie dann nicht sieht. Und dass ihnen daher auch keine Gefahr drohe. Und so, wie liebevolle Eltern ganz vorsichtig die Hände vom Gesicht wegziehen, und dem Kind damit zeigen, dass es keine reale Bedrohung gibt, sagte Moses zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Bleibt stehen und schaut zu, wie der Herr euch heute rettet. Wie ihr die Ägypter heute seht, so seht ihr sie niemals wieder. Der Herr kämpft für euch, ihr aber könnt ruhig abwarten.“ Oje, Moses hatte gut reden, er war ja überzeugt, dass Gott sie alle retten würde, aber seine Begleiter, die vergingen vor Angst.
Die Feuersäule nahm nun ihre Position so zwischen den Fliehenden und den Verfolgern ein, dass sie in sicherer Entfernung voneinander blieben. Wir kennen den Plan Gottes und wir kennen das wunderschöne Lied des Meeres, das das Folgende beschreibt. Die Kinder Israels konnten das trocken gefallene Schilfmeer sicher durchqueren, wohingegen die Ägypter allesamt von den Wassermassen verschlungen wurden.
Auf der anderen Seite des Schilfmeeres ergriff Mirjam, die Schwester von Moses und Aaron das Wort und erhob ihre Stimme. Erstmals sprach eine Prophetin zu den Kindern Israel. Es ist zwar nur ein kleiner Absatz, der von ihrem Lied erhalten ist, aber er markiert etwas Neues: Erstmals wird die Stimme einer Frau erhört von den Männern der Kinder Israel und was geschah? Nichts! Sie werden begeistert gewesen sein, endlich einmal eine andere, wahrscheinlich frischere Stimme zu hören. Der Himmel fiel nicht ein und sie mussten auch nicht die Augen und Ohren verschliessen. Im Gegenteil. Das war der Moment, in dem die Frauen sich das Recht nahmen, eigenständig Gott zu loben und zu preisen. Man muss es sich vorstellen, ein Chor von einigen Zehntausend Frauen, die glücklich und dankbar ein Gotteslob anstimmten. Wie muss das in den Ohren der Männer geklungen haben?
Gott muss es gefallen haben, denn er versüsste den ehemaligen Sklaven das bittere Wasser, das sie nicht trinken konnten. Aber immer noch waren sie störrisch wie alte Maulesel. Es war ihnen nicht genug, dass sie der Sklaverei entflohen waren, so wie es vielen von uns nicht genug ist, wenn wir eine Last und Sorge abgeschüttelt haben. Gleich wollen wir mehr haben, mehr an Sättigung, mehr an Komfort. Ist das nicht allzu menschlich? Die Gier nach dem Mehr, die Unzufriedenheit?
In diesem Anfangsstadium der, heute würde man vielleicht sagen „Teambildung“, zwischen Gott und den Kindern Israel, ist Gott grosszügig. Haben sie Hunger, so gibt er ihnen am Abend Wachteln und am Tag Manna. Er will ihnen helfen, die „Fleischtöpfe Ägyptens“ hinter sich zu lassen, die für sie der Inbegriff des guten Lebens waren. Nichts vergisst der Mensch schneller als die Mühen und Plagen, wenn sie erst einmal hinter ihm liegen. Nichts wird so sehr glorifiziert, wie die schwere Vergangenheit, wenn am Horizont schon das bessere Leben aufzieht.
So erging es auch Moses mit seinen Reisegefährten, sie waren unglücklich mit ihm und seinem Management, sie verstanden nichts und machten ihn für alles verantwortlich.
Wir befinden uns erst ganz am Anfang der langen Wüstenwanderung. Der Weg, der von ihnen lag, war den Kindern Israel noch völlig unbekannt. Vielleicht ein wenig so, wie uns jeder noch kommende Tag unseres Lebens ein wenig unbekannt ist und wir uns trotzdem immer wieder voller Neugierde auf ihn einlassen.
Die grosse Wüstenwanderung ist auch ein Sinnbild für unser Leben, für unsere Wanderung von der Geburt bis zum Tod. Wir gehen sie täglich im Vertrauen auf einen grossen Plan, der uns vorbestimmt ist und an dem wir nur das „Finetuning“ vornehmen dürfen, damit er zu unserem Besten gelingt.
Shabbat Shalom
Kategorien:Religion
Hinterlasse einen Kommentar